Grünanlage am Herrenbach

Entlang des Herrenbachs im gleichnamigen Stadtviertel stehen zahlreiche Bäume, die eine Gefahr für den Überflutungsschutz darstellen. Einige Bäume mussten daher im Mai und Juni 2018 gefällt werden. Die Stadtverwaltung hat nun ein externes Gutachten beauftragt, um die Grünanlage am Herrenbach im Sinne des Hochwasserschutzes in den nächsten Jahren möglichst sensibel weiterzuentwickeln. Das Ergebnis wird voraussichtlich Ende Oktober 2018 vorliegen.

Info-Abend am 22. Oktober: Ergebnisse des externen Gutachtens

Am Montag, 22. Oktober, findet die dritte Info-Veranstaltung zur Grünanlage am Herrenbach statt. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen.

  • Tag:   Montag, 22. Oktober
  • Zeit:   19:00 Uhr
  • Ort:    Don-Bosco-Pfarrsaal, Don-Bosco-Platz 3

Die Ergebnisse des externen Gutachtens werden vorgestellt. Ein Wasserbauingenieur und ein Baumsachverständiger erklären ihr Vorgehen und thematisieren auch eventuell notwendige Maßnahmen wie beispielsweise Fällungen oder Rückschnitte.

Untersucht wird unter Gesichtspunkten von Wasserbau und Baumschutz in den nächsten Wochen die Stabilität des Dammes, zusätzlich werden die kritischen Bäume identifiziert, deren Umsturz die Stabilität des Dammes gefährden könnten. „Aufgabenstellung des Gutachtens ist es, uns kritische Bäume aufzuzeigen, Maßnahmen vorzuschlagen und ein Gestaltungskonzept für die langfristige Entwicklung der Grünanlage am Herrenbach zu liefern“, erläutert Umweltreferent Reiner Erben. Die nächsten Maßnahmen (wie zum Beispiel Fällung oder Rückschnitt) stehen frühestens im Dezember 2018 an.

Überflutungsgefahr durch umstürzende Bäume

Sollte ein Baum z.B. bei einem Sturm umfallen, könnten sein Wurzelteller ein Loch in den Damm reißen. Bis zu 30.000.000 Liter Wasser könnten dann ins dahinterliegende Wohngebiet und die Kleingartenanlage fließen. Das hätte schlimme Folgen für Gebäude und Bewohner.

Ablassen des Wassers bei Sturm wäre nicht schnell genug!

Am Pfingstwochenende wurde bereits ein Ablassen bei Sturmwarnung getestet. Das Ergebnis: Ein rechtzeitiges Ablassen des Gewässers bei Sturm ist nicht möglich. Deshalb führt leider kein Weg daran vorbei, die Bäume zu fällen.

Kein Verstoß gegen Artenschutz

„Obwohl aufgrund der Gefährdung des Hochwasserschutzes in der Vogelbrutzeit gefällt werden musste, gab es durch die von der Höheren Naturschutzbehörde festgelegten Auflagen zum Artenschutz keinen Verstoß“, berichtet Reiner Erben. Brutvögel seien nur an vier Säulenpappeln entdeckt worden. Entsprechend habe man sie stark eingekürzt, sie jedoch stehen gelassen. Ein Baumstück mit einem Wespennest habe man an ein anderes Gehölz angelehnt.

Im Rahmen der Begutachtung am Mittwoch, 18. Juli, fanden bereits Schürf- und Ramm-Sondierungen vor Ort statt. Erste Ergebnisse des Gutachtens werden im Lauf des Oktobers erwartet.

Informations-Veranstaltungen

Zur Aufgabenstellung sowie auch den Ergebnissen des Gutachtens und der Weiterentwicklung der Grünanlage am Herrenbach informiert die Stadtverwaltung bis zum Jahresende in mehreren Bürgerinformations-Veranstaltungen jeweils im Pfarrheim Don Bosco. Die erste fand noch vor den Sommerferien am Freitag, 27. Juli, um 18:00 Uhr statt. In diesem Rahmen konnten interessierte Bürger mit fachkundigen städtischen Mitarbeitern über zukünftige Baumstandorte für die anstehenden Nachpflanzungen ins Gespräch kommen. Insgesamt 100 Bäume werden für die im Mai/Juni 2018 im Zuge des Hochwasserschutzes bereits gefällten 27 Bäume nachgepflanzt.

Weitere Informations-Veranstaltungen sind für Montag, 22. Oktober, 19 Uhr und rechtzeitig vor den anstehenden Fällungen Ende November geplant. Mit einer Postwurfsendung werden  alle Anwohner über die nächsten Schritten am Herrenbach informiert. Alle Informationen sind immer aktuell auf dieser Seite zu finden.

Bisherige Informations-VeranstaltungenAn Montag, 28. Mai 2018, hat die Stadt Augsburg Anwohner und interessierte Bürger vor Ort über die Fällungen informiert. Im Herrenbach wurden Anwohnerschreiben verteilt.

Fledermauskästen im Bereich Herrenbach

Für die gefällten Bäume am Herrenbach wurden Anfang August Fledermauskästen aufgehängt. Obwohl bei der Fällaktion keine Fledermäuse in den betroffenen Bäumen festgestellt wurden, sollen die Populationen gestützt und Schlafquartiere ergänzt werden. Aus diesem Grund werden im näheren Umfeld der gefällten Bäume am Herrenbach Fledermauskästen angebracht.

Die Stadt Augsburg hat in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz e.V. bereits über 200 Nistkästen für geschützte Fledermausarten im Stadtwald und verschiedenen Friedhöfen aufgehängt. Die Nistkästen wurden in der Vergangenheit größtenteils einzeln und in größeren Abständen angebracht. Da Fledermäuse gesellige Tiere sind, ist die Anbringung in Gruppen die bessere Lösung. Hier werden circa fünf bis sechs verschiedene Kästen auf kleinem Raum aufgehängt. Fledermäuse finden die neuen Quartiere nicht so schnell wie Vögel, weil sie aufgrund der auf geringen Distanz ausgerichteten Echoortung die neuen Quartiere nur aus der Nähe entdecken.

Bei Fledermäusen gilt daher: „Viel hilft viel“. Je größer die Kastengruppen und je länger die Kästen bereits hängen, desto mehr Tiere nutzen auch die künstlichen Höhlen.

Anfang Oktober, hat das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen Höhlen und Löcher an einzelnen Bäumen im Bereich des Herrenbachs verschloßen, damit Fledermäuse bei Maßnahmen an den Bäumen nicht zu Schaden kommen. Die Höhlen können dann zwar noch von den Tieren verlassen werden, ein Einflug ist aber nicht mehr möglich.

Ausführlich – FAQs

Warum müssen die Bäume gefällt werden?

Die Fällarbeiten sind erforderlich, weil die Bäume auf dem Damm direkt am Wasser stehen. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth verweise auf eine DIN und sieht die Gefahr eines sturmbedingten Baumsturzes. Im Sturmfall könnte der Wurzelteller eines Baumes ein großes Loch in die Uferwand reißen. 30.000 Kubikmeter Wasser würden dann in das dahinter liegende Wohngebiet im Herrenbach oder in die Kleingartenanlage fließen. Das hätte schlimme Folgen für Bewohner und Gebäude.

Eine schnellstmögliche Fällung ist also bedauerlicherweise nicht zu vermeiden.

Gibt es Ersatzpflanzungen?

Ja! Als Ersatz für die insgesamt 96 zu fällenden Bäume werden 357 neue Bäume gepflanzt – in der Grünanlage Herrenbach, im ganzen Stadtteil Herrenbach, im Textilviertel und im Stadtwald. Die Grünanlage rund um den Herrenbach mit ihrem 18 bis 20 Meter hohen Baumbestand bleibt selbstverständlich bestehen.

Bei den Ersatzpflanzungen handelt sich ausschließlich um Ersatzbäume für die erfolgenden Fällungen.

Welche Alternativen wurden geprüft?

Ursprünglich war geplant, die Bäume erst zu den Herbstablässen des Herrenbachs zu fällen. Bis dahin sollte bei Sturmwarnung ein vorsorglicher Ablass des Wassers organisiert werden. Dieses Krisenmanagement stellte sich bei einem ersten Testfall am Pfingstwochenende leider als nicht praktikabel heraus. Der Wasserablass erfolgte nach Veröffentlichung der Sturmwarnung mit einer deutlichen Zeitverzögerung. Im Notfall wäre die Zeit zu knapp, um Sach- und Personenschäden zu vermeiden.

Auch die Errichtung einer temporären Hochwasserschutzwand und mobile Absperrsysteme wurden gemeinsam mit dem THW und dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz geprüft. Im Ergebnis war festzustellen, dass an der zeitnahen Entfernung der Bäume, die unmittelbar auf der Uferwand des Herrenbachs stehen, als letzte verbleibende Möglichkeit kein Weg vorbeiführt.

„Die von meinen Fachbehörden und mir in den zurückliegenden Monaten eingebrachten Alternativen sind eingehend geprüft worden. Diese Baumfällaktion, die uns allen nicht gefällt, ist eine Frage der Verantwortung für die Menschen, die in diesem Stadtteil leben. Das Vorgehen ist daher in der gesamten Stadtspitze abgestimmt“, so Umweltreferent Reiner Erben.

Warum wird nicht erst im Herbst gefällt?

Ursprünglich war geplant, die Bäume erst zu den Herbstablässen des Herrenbachs zu fällen, da aktuell im Regelfall aus Naturschutzgründen keine Fällungen durchgeführt werden. Das ursprünglich geplante Krisenmanagement, bis Herbst bei Sturmwarnungen das Wasser abzulassen, stellte sich bei einem ersten Testfall am Pfingstwochenende leider als nicht praktikabel heraus: Der Wasserablass erfolgte nach Veröffentlichung der Sturmwarnung mit einer deutlichen Zeitverzögerung. Im Notfall wäre die Zeit zu knapp, um Sach- und Personenschäden zu vermeiden!  

Die Fällarbeiten sind zwingend erforderlich, weil sich der Baumaufwuchs auf dem Deich direkt am Gewässer befindet. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth verweist auf eine DIN und sieht die Gefahr eines sturmbedingten Baumsturzes: Im Sturmfall könnte der Wurzelteller eines Baumes ein klaffendes Loch in die Uferwandung reißen. Dies hätte zur Folge, dass etwa 30.000.000 Liter Wasser in das dahinterliegende Wohngebiet im Herrenbach oder in die Kleingartenanlage strömen würden. 

Bei der Höheren Naturschutzbehörde wurde eine naturschutzrechtliche Befreiung beantragt. Darüber wurden auch die Mitglieder des Umweltausschusses und des Naturschutzbeirats informiert. Die Höhere Naturschutzbehörde hat die Genehmigung erteilt.

Auf die Belange des Artenschutzes und Naturschutzes wird höchste Rücksichtig genommen, Mitarbeiter kümmern sich vor Ort um Vogelnester und andere Tiere, die in den Bäumen leben.

Sind in der Grünanlage am Herrenbach Deiche oder Dämme zu finden?

Ein Deich ist ein Wasserschutz-Bauwerk, das nur im Fall eines Hochwassers belastet wird. Der Herrenbach ist jedoch ein in die Höhe gestautes Fließgewässer. Deshalb handelt es sich hier um Dämme, die durch die Stauhaltung einer dauerhaften Belastung ausgesetzt sind.

Warum wurde der Herrenbach in die Höhe gestaut?

Der Herrenbach ist einer der ältesten und wasserreichsten Kanäle in der Stadt. Der Herrenbach speist die Kanäle des Augsburger Textilviertels. Er führt etwa 21 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Er unterquert die Friedberger Straße und fließt im Stadtbezirk Augsburg-Wolfram- und Herrenbachviertel nach Norden. Bis in die 1950er Jahre waren hier vor allem Gärtnereien zu finden. Diese wurden in den 1960er Jahren durch große Wohnanlagen verdrängt. Durch die Stauungen entsteht Fallhöhe und damit Energie, die an den zahlreichen Kraftwerken des Augsburger Kanalsystems als Strom gewonnen wird.

Warum kann keine Innenwand zur Verstärkung der Betonwände in den Herrenbach eingebaut werden?

Jeder Eingriff gefährdet das komplizierte Zusammenspiel des verzweigten Kanalsystems. Bereits ein nur um 50 Zentimeter geringerer Durchfluss im Herrenbach, einem der größten Kanäle des Systems, würde die Hydraulik des Systems verändern. Selbst wenige Kubikmeter Wasser, die dann nicht mehr durch den Herrenbach abfließen, könnten die Altstadt überfluten. Nicht umsonst ist das Kanalsystem, das in einem komplizierten Zusammenspiel funktioniert, einzigartig und damit Teil der Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung.

Warum kann bei Unwettergefahr nicht einfach der Hochablass dicht gemacht werden?

Am Hochablass fließen pro Sekunde 36 bis 46 Kubikmeter Wasser aus dem Lech in das städtische Kanalsystem. Selbst wenn dort alle Schotten dicht gemacht werden, dauert es noch etwa 30 Minuten bis kein Wasser mehr fließen würde. Allerdings wäre dann nicht nur am Herrenbach das Wasser weg, sondern auch im ganzen Stadtgebiet. Alle Kraftwerke wären trocken gelegt, Fische und Kleinstlebewesen wäre die Lebensgrundlage entzogen.

Warum kann das Schließen der Schütze, die den Einfluss in den Herrenbach regelt, nicht automatisiert werden?

Die Schütze am Herrenbach kann bei Gefahrenlage nicht einfach geschlossen werden. Das überschüssige Wasser des Herrenbachs würde umgehend über den Kaufbach in die Innenstadt fließen. Die dort verlaufenden Kanäle können diese Wassermassen jedoch nicht aufnehmen. Überschwemmungen der Innenstadt wären die Folge. Um den Zufluss in die Innenstadt konstant zu halten, muss der Wasserzufluss Schritt für Schritt abwechselnd am Hochablass und an der Herrenbachschleuse reduziert werden. Die Einstellungen an der Olympiastrecke und den einzelnen Verschlusseinrichtungen am Hochablass können hierbei nicht außer Acht gelassen werden. Zudem Verändern sich die Anforderungen je nach Wasserführung im Lech. Weiterhin trennt die Herrenbachschleuse die beiden Badestrecken des Hauptstadtbaches bzw. Herrenbaches voneinander, dies birgt Gefahrenpotenzial für Verletzungen beim Bewegen der Schützentafel.

Alles in Allem erfordert die Komplexität dieses Vorgangs menschliche Kontrolle und umsichtiges Handeln vor Ort.