Liebe Augsburgerinnen und Augsburger, sehr geehrte Damen und Herren,

vor zehn Jahren hat Augsburg eine Biodiversitäts-Strategie beschlossen. Wir arbeiten daran, Augsburgs Heiden, Magerwiesen, Wälder und Gewässer zu attraktiven Lebensräumen für Mensch und Natur zu gestalten. Immer mehr Tiere und Insekten verschwinden. Augsburg arbeitet aktiv an Lebensräumen und Artenvielfalt. Deswegen möchten wir Ihnen zeigen, was wir für eine artenreiche Natur machen. Von April bis September haben wir für Sie ein buntes Veranstaltungs-Programm erstellt. Entdecken Sie in unseren Biodiversitätswochen die Wolfzahnau, die Himmelsteiche im Stadtwald, lernen Sie die Weidestadt-Rinder vom Bannacker kennen, entdecken Sie den Lebensraum Baum oder erleben Sie Wälder ganz neu auf einer Fahrradtour durch die lichten Kieferwälder. Machen Sie mit, wir freuen uns auf Sie.

Ihre Eva Weber,                                                 Ihr Reiner Erben,

Zweite Bürgermeisterin und Forstreferentin        Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration

 

Wir möchten Sie hier ganz allgemein über das Thema Biodiversität informieren und Ihnen unsere Augsburger Biodiversitäts-Strategie vorstellen. Sie finden hier auch unser Veranstaltungsprogramm. Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums erarbeiten wir neue Inhalte und aktualisieren diese Seite.

Mäharbeiten im Straßenbegleitgrün

1.  Wo mäht die Stadt jetzt und warum?

Insgesamt hat die Stadt Augsburg 630.000m² Rasenflächen im Straßenbegleitgrün in der Mähvergabe. D.H. hier mähen verschiedene Firmen im ganzen Stadtgebiet. 60% dieser Flächen (ca. 38 ha) werden dreimal gemäht, der 1. Mähgang befindet sich im Moment in der Fertigstellung. 7% der Gesamtfläche werden intensiv gemäht, z.B. Innenstadt und weitere Flächen mit hohem Verkehrsaufkommen, auch im Fußgängerbereich und damit einhergehendem Müllaufkommen und hohem Nutzungsdruck. Die restlichen 33% werden ganz extensiv, nur zweimal gemäht, z.T. werden dabei auch die Blühaspekte berücksichtigt. Es handelt sich bei den 630.000m² um hunderte, teils sehr schmale und schwierig zu bearbeitenden Flächen. An zahlreichen Stellen kommen Einfahrten und sind Sichtdreiecke frei zu halten. In Jahren mit durchschnittlichem Regenaufkommen sind die meisten Flächen Mitte Mai bereits sehr hoch, so dass die Verkehrssicherheit gefährdet ist.

Zentrales Kriterium bei den Arbeiten im Straßenbegleitgrün ist die Verkehrssicherungspflicht, Kreuzungsbereiche und Einfahrten müssen gemäht werden, auch entlang von Gehwegen und Straßenbahnen. Die Reduktion der Schnitte auf einen bzw. zwei wurde bereits vor Jahren erprobt mit dem Ergebnis, dass die Polizei regelmäßig Mäharbeiten eingefordert hat. Der Gesamtumfang ist riesig und die zusätzlichen Kosten enorm. Für die differenzierte Mahd kommen momentan doppelt so hohe Kosten auf, als bei der 3-maligen extensiv Mahd. Momentan werden ca. 350.000 € für die Vergabe von Mäharbeiten im Straßenbegleitgrün aufgewendet. Weitere 50.000 €, die für die Ausmagerung der Flächen notwendig wären, stehen momentan ebenfalls nicht zur Verfügung. Das anfallende Schnittgut von Straßenbegleitgrün kann nur als Müll entsorgt werden.     

In Grünanlagen gibt es ebenfalls große Mähflächen, von denen bereits viele Teile extensiviert wurden, z.B. Teile im Friedrich-Ebert-Park, in den Lechanlagen und im Wittelsbacher Park. Der Nutzungsdruck ist aber erheblich, so dass insbesondere Spielplätze, Liegewiesen, Bolzplätze und Naherholungsgebiete ab April intensiv gemäht werden. Uns erreichen auch einige Anfragen besorgter Bürger, die aufgrund von Zeckenbefall und starker Vermüllung (z.B. Hundekot, Plastik und Glasscherben) einen höheren Pflegestandard, d.h. häufigeres Mähen fordern. Und dann gibt es noch die Hundebesitzer, die auch einen Auslaufbereich für Ihre Hunde haben möchten. Hier muss ich als Referent und das zuständige Amt einen Kompromiss finden, um allen Bedürfnissen entgegen zu kommen. In Biotopen und Ausgleichsflächen (ca. 180ha) wird ausschließlich extensiv und differenziert gemäht mit viel Rücksicht auf Blühaspekte und Standortansprüche.  

Das derzeit bewilligte / in Einstellung befindliche Personal dient der Bewältigung von aus den Vorjahrzehnten bestehenden Defiziten (annähernde Verdoppelung der betreuten Flächen in den letzten 23 Jahren: 1995: 654 ha; 2018: 1.104 ha) v.a. in der Baumpflege, aber auch im Bereich der Grünflächenpflege und –unterhaltung (z.B. Müllentsorgung nach warmen Wochenenden an Wertach, Kuhsee etc.). Darüber hinaus ist ein verstärkter Erholungsdruck auch aus den umliegenden Städten und Gemeinden festzustellen, da diese ihre Einrichtungen schließen (z.B. Schließung des Grillplatzes am Friedberger Baggersee 2016) bzw. deren Nutzung stärker reglementieren (z.B. Leinenpflicht Königsbrunn 2014).
Zusätzliche Aufgaben wie eine ökologische Pflege der von uns betreuten Flächen würden eine erneute Aufstockung des Personalstands erfordern. Alleine zur Vorbereitung der Umstellung der Mahd im Straßenbegleitgrün wäre zusätzlichen Personal zur Ermittlung der Flächen, Ausschreibung und Kontrolle der Arbeiten erforderlich.  

Hintergrundinformationen zur Entwicklung und Mahd von Straßenbegleitgrün:

Die Pflege des Straßenbegleitgrüns ist im Rahmen von Verträgen mit einer dreijährigen Laufzeit (2018 bis 2020) vergeben. Die Stadt Augsburg kann aus  diesen Verträgen nicht einfach aussteigen. Darüber hinaus ist die Zahl der Firmen, die die Pflege von Straßenbegleitgrün übernehmen sehr begrenzt. Es wäre schlichtweg unmöglich, zeitnah alternative Anbieter in der notwendigen hohen Anzahl mit geeigneter Technik zur Mahd von Langgraswiesen auf die Flächen zu bekommen. Man sollte auch überlegen, ob der „zu frühe Schnitt“ im bestehenden Straßenbegleitgrün wirklich ein so großes Problem ist. Die  Alternative ist eine zeitgleichen Mahd von Straßenbegleitgrün und Grünanlagen (in denen so viel Fläche, wie mit dem Nutzungsdruck der Bevölkerung vereinbar später gemäht wird) im Juni. Abgesehen davon, dass die Mahd aller Flächen in einem so eng begrenzten Zeitraum logisitsch und personaltechnisch auch schlichtweg unmöglich wäre. Keine Mahd ist ebenfalls keine Alternative, da die Flächen sonst sehr rasch mit Gehölzen zuwachsen. Auch verschiedene fachliche Rahmenbedingungen erfordern einen relativ frühen Schnitt bzw. zeigen, dass er eben nicht katastrophal ist:

  • Geschätzt 95-98% des bestehenden Straßenbegleitgrüns verfügen nicht über einen mageren Substrataufbau. Viele blühende Pflanzen brauchen aber genau einen solchen mageren Boden. Auch bei jüngeren Flächen ist es durchaus der Fall, dass die Flächen humisiert werden. Hier sind Bewußtseinsänderungen bei den Landschaftsarchitekten und Unternehmen erforderlich, die den Unterhalt bei Planungen selten berücksichtigen. Die Humisierung verursacht eine starke Wüchsigkeit der Flächen, der nur durch einen rechtzeitigen Mähzeitpunkt und Aushagerung der Flächen ansatzweise zu begegnen ist.
  • Alleine mit den Niederschlägen kommt jährlich seit den 1990er Jahren zusätzlich mindestens eine Stickstoffmenge, die einer landwirtschaftlichen Volldüngung der 1960er Jahre entspricht auf die Flächen.
  • Das Schnittgut des 3. Mähdurchgangs wird nicht abgeräumt und „düngt“ die Flächen bzw. bewirkt eine zusätzliche Humusbildung. Das z.B. an der Haunstetter Straße deutlich sichtbare „Herausheben“ des Straßenbegleitgrüns ist nicht ausschließlich auf die Baumwurzeln, sondern auch auf die jahrzehntelange Bodenbildung zurückzuführen.
  • Die Bestände des Straßenbegleitgrüns sind „wiesenartig“ und damit auf Mahd zwingend angewiesen. Für die Herstellung der Flächen wurde früher eine Rasenansaat ausgebracht. Trotzdem haben sich mit dem praktizierten Mahdregime deutlich kräuter- und artenreichere Bestände als auf den meisten normalen landwirtschaftlichen Grünlandflächen etablieren können. Ein immenser Artenverlust, weil nicht auf das Aussamen der Arten gewartet wurde, ist nicht erfolgt (im Gegenteil) und auch nicht zu erwarten, da die vorhandenen Arten mit dem Pflegeregime (über-)leben konnten und können. Pflanzen vermehren sich nicht ausschließlich über Samen und können ihre Bestände z.B. über Ausläufer vergrößern (z.B. Margerite), bzw. viele können im Rahmen der praktizierten Pflege eine Nachblüte mit Samenentwicklung durchlaufen. Die beigefügten Bilder aus der Rumpler bzw. Haunstetter Straße von 2016 zeigen, dass auch in diesen Flächen eine verhältnismäßig hohe Artenzahl sowie auch Samenansatz festzustellen sind.

2. Was waren die Vereinbarungen am Runden Tisch aus Ihrer Sicht und was sagen Sie zur Kritik aus der Bürgerschaft, dass zu radikal gemäht wird?    

Die Vereinbarungen, die am Runden Tisch vor einem Jahr getroffen wurden, wurden eingehalten:  

a.    Die Begutachteten Grünflächen „Rumplerstraße“ und „Grünbrücke B17 / Siebentischpark“ haben ein neues Mahdregime und wurden bis jetzt nicht gemäht!

b.    Weitere Flächen des AGNF werden später gemäht:                                          

  • Bgm.-Ackermann-Straße: 0,4 ha                                        
  • Grünbrücke B17 Leitershofen-Pfersee: 0,8 ha                                       
  • Grünfläche Bgm.-Müller-Ring / B17: 0,5 ha                                       
  • Grünflächen Friedrich-Ebert-Siedlung: rund 2 ha                                       
  • Grünflächen Rumplerstraße: rund 1 ha                                       
  • Grünflächen am Lech: rund 1,5 ha                                      
  • Summe gesamt: 6,2 ha!

c.    Das Projekt „Insekten.Vielfalt.Augsburg“ hat offiziell am 3. Mai 2019 begonnen. Bereits jetzt wurden im Rahmen des Projektes auf 9 Teilflächen Maßnahmen zur Artenanreicherung mit autochthonem Saatgut aus dem Naturschutzgebiet Stadtwald Augsburg vorgenommen. Gesamtfläche: rund 2 Hektar. Die Artenanreicherung hat mittelfristig positive Auswirkung auf angrenzende Bereiche, so dass man von insgesamt mind. 5 Hektar Aufwertung sprechen kann. Kosten: rund 22.000.- € (Saatguternte, Flächenvorbereitung, Aussaat, Struktuanreicherung)

d.    Wir werden dieses Jahr im Sommer wieder von mind. 10 ha Samen ernten. Soviel gute Spendenflächen hat kein anderer Landschaftspflegeverband.

e.    Neue Partner wurden gewonnen:                                          

  • Uni Augsburg, Physik-Wiese: 1,8 ha, 0,25 ha Artenanreicherung; Strukturanreicherung        
  • TSG Lechhausen; 7,5 ha Sportfläche, zahlreiche Kleinmaßnahmen im Jahr 2019: Blühränder, Totholzhäufen, Insektennistwand, Gehölzpflanzung                                       
  • Stadtarchäologie; Grünfläche Pfannenstiel: 3,5 ha; Artenanreicherung, Extensivierung, Rinderbeweidung                                       
  • Stadtwerke Augsburg: Heizkraftwerk: 1 ha Fläche; Artenanreicherung, Naturschutzmahdregime                                        
  • Augsburger Wohnbaugruppe: bisher Weltwiese Artenanreicherung; Mehrere Insektenhotels bestellt, weitere Flächen sollen umgestaltet werden                                       
  • Schwerhörigenschule Ackermannstraße: komplette Umgestaltung Außengelände; Beratung des Landschaftsarchitekten zur Umsetzung insektenfreundlicher Maßnahmen                
  • Fliesenlegerbetrieb Thomas Fitz (Bergheim): Beratung zur insektenfreundlichen  Gestaltung der Außenanlagen; über 1.00 m²; Anlage von Ruderalflächen, Tümpel, Insektengehölze, Blühwiesen.

f.     Auf der Projekthomepage www.insektenvielfalt-augsburg.de finden Sie:

  • Gute Praxis-Beispiele für insektenfreundliche Außenanlagen, Gärten etc. 
  • Handlungsempfehlungen für Gartenbesitzer, Hausmeister, Balkonier

g.    Umweltbildung:                                          

  • Parallel zu den Maßnahmen führen wir bis jetzt an 5 städtischen Schulen Bildungsprojekte zum Thema Insekten durch.
  • Außerdem erarbeiten wir Bildungsmodule, um auch im außerschulischen Bereich attraktive Veranstaltungen zum Thema anbieten zu können.                                       
  • Im Sommer ist unser Forschermobil unterwegs, um an viel besuchten Insektenflächen Informationen unter die Leute zu bringen                                       
  • Wir legen in dieser Woche im Botanischen Garten eine Schaufläche an!
  • In den nächsten Monaten erarbeiten wir Fortbildungsmodule zu Biodiversität. Ansprechen werden wir Kolleginnen und Kollegen, die in der Grünflächenpflege tätig sind.
  • Die Stadt Augsburg gibt ab 2019 30.000.- € mehr Zuschuss an den Landschaftspflegeverband Augsburg, damit sie die Mittel haben, um die zusätzlichen Maßnahmen finanzieren zu können.

 

Bezogen auf die konkret besuchten Flächen (Grünbrücke Inverness Allee und Rumpler Straße) kann ich Ihnen somit mitteilen, dass eine Änderung des Pflegeregimes dahingehend vereinbart wurde, dass an der Grünbrücke nur noch dort gemäht wird, wo es unabdingbar ist (z.B. wegbegleitend) bzw. der Nutzungsdruck höher ist (nördlich der Inverness Allee zwischen Radweg und Baumgartnerstr.). Diese Pflege ist mit beigefügten Bildern dokumentiert. Die Pflege an der Rumpler Str. wurde in Teilbereichen dem LPVA übertragen, am 14.5.2019 erfolgte die Impfung der Flächen im Rahmen des Projekts Insekten.Vielfalt.Augsburg (Bodenbearbeitung und Ansaat).   Augsburg legt für seine rund 300.000 Einwohner Wert auf multicodierte Grünflächen, d.h. dass die Flächen möglichst viele Funktionen erfüllen sollen.

Der primäre Zweck der Flächen ist die Erholung (vgl. Grünanlagensatzung der Stadt Augsburg §2 in Verbindung mit §7), weitere Zwecke, die im Einklang mit diesem primären Zweck zu erfüllen sind, ist z.B. die Anpassung an den Klimawandel bzw. die Entwicklung klimaresilienten Stadtgrüns, Erhalt und Förderung der Biodiversität, Biotopverbund usw. Diese Zwecke können in den meisten Fällen gut miteinander vereinbart werden, wo allerdings der Nutzungsdruck zu hoch ist, werden die anderen Zwecke / Funktionen zurücktreten. Diese Vorgehensweise ist absolut sinnvoll, da anderenfalls z.B. der Nutzungsdruck in anderen, deutlich sensibleren Flächen erhöht würde (z.B. Kuhsee <-> Stadtwald Augsburg). Trotz Sensibilisierung vieler Bürgerinnen und Bürger durch das Volksbegehren gibt es immer noch einen hohen Anteil an Personen, die erwarten, dass ihnen gepflegte, nutzbare Flächen für unterschiedlichste Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden. Die Schere der Ansprüche an unsere Flächen ist sehr weit geöffnet und es müssen alle berücksichtigt werden.

Dies stellen wir immer wieder auch anhand der direkt an uns gerichteten Anfragen fest und versuchen alle Interessensgruppen unter einen Hut zu bekommen. Ein später Mähzeitpunkt auf allen Flächen wäre auch aus naturschutzfachlicher Sicht kontraproduktiv. Offenlandarten der genutzten (Mäh-)wiesen sind an diese „kleinen Katastrophen“ angepasst und benötigen sie sogar. Reich strukturierte Flächen mit unterschiedlichsten Vegetationsentwicklungsstadien (z.B. Mosaik von zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemähten Flächen, Brennnessel- und andere Hochstaudenfluren, Säume an Hecken und Waldrändern) stellen eine Vielfalt der Lebensräume dar und bieten Lebensraum für viele Arten.

              

Biodiversität – was ist das?

Biodiversität: Ein Wort, das sehr vage beschreibt, um was es geht. Artenvielfalt ist das Wort, welches oft heute stattdessen im Gebrauch ist. Am 2. September 2009 hat der Augsburger Stadtrat seine Biodiversitäts-Strategie beschlossen.

Damals beschrieb das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz das Thema so: Lebensgefühlt und Heimat sind untrennbar mit Natur und Landschaft verbunden. Erholungsqualität und der Freizeitwert aber auch unsere Wirtschaft und Tourismus sind deshalb auf eine intakte Natur und Landschaft angewiesen. Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen reinigen Wasser und Luft, sorgen für fruchtbare Böden und gesunde Lebensmittel. Dies alles umfasst der Begriff „Biodiversität“.

Die Vereinten Nationen (UN) haben schon im Dezember 1993 eine Biodiversitätskonvention beschlossen. Die Konvention hat dabei drei zentrale Ziele:

  • Schutz der biologischen Vielfalt,
  • Nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile,
  • Zugangsregelung und gerechter Ausgleich von Vorteilen, welche aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen (Access and Benefit Sharing, ABS).    

Biologische Vielfalt oder Biodiversität umfasst nach Ansicht der UN die

  • Artenvielfalt,
  • genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten sowie
  • Vielfalt der Ökosysteme

Konkret wird Biodiversität hier als: „die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter unter anderem Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören“ beschrieben.

Weiterhin hat wurde die UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen.

 

 

Augsburgs Biodiversitäts-Strategie?

Augsburg ist umgeben von einer reichen und vielfältigen Natur. Lech, Wertach und unser Kanalsystem sorgen zusammen mit Auwäldern und unserem Schatzwald – dem Siebentischwald – für wertvolle artenreiche Lebensräume. Auch das Zusammentreffen kontinentaler, subalpiner und submediterraner Floren- und Faunenelemente in unserer Stadt haben einen einzigartigen Naturraum erschaffen. Wir haben eines der größten städtischen Naturschutzgebiete, welches bereits seit 1940 und 1942 den nahezu höchsten Schutz der Naturschutz-Gesetzgebung genießt.

28 Prozent von Augsburgs Stadtgebiet sind als Schutzgebiete im Sinne des Bayerischen Naturschutz-Gesetzes ausgewiesen. 7,15 Prozent sind im Rahmen der Biotop-Kartierung als überdurchschnittlich wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere kartiert.

Diese biologische Vielfalt steht auf dem Spiel, wenn wir den globalen Verlust an Arten nicht aufhalten. Denn etwa 50 Prozent der rund 16.000 Tierarten, 43 Prozent der 3.700 Farn-, Moos- und Pflanzenarten und 40 Prozent der etwa 5.000 Pilzarten in Bayern sind in ihrem Bestand gefährdet. Augsburg nimmt den besorgniserregenden Rückgang unserer Biodiversität ernst. Aus diesem Anlass wurde vor zehn Jahren die Biodiversitäts-Strategie zugeschnitten auf das Stadtgebiet beschlossen und auf den Weg gebracht.

Augsburgs Biodiversitäts-Strategie hat zwei zentrale Ziele:

  • Alle Tier- und Pflanzenarten und ihre Lebensräume sollen in Augsburg gesichert, erhalten und entwickelt werden. Die Lebensräume sollen verbunden sein. Lücken in den Grünflächen – zum Beispiel durch Straßen oder Gebäude – sollen geschlossen werden.
  • Wir wollen Sie – die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt – über Augsburgs einzigartige Natur informieren. So möchten wir ökologisches Wissen vermitteln und für Umweltbewusstsein sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung sensibilisieren. Denn auch Sie können viel zur Biodiversitäts-Strategie beitragen. Ihr individuelles Handeln und Ihr persönlicher Einsatz bewirken viel.

Biodiversitäts-Strategie

 

 

10 Jahre Augsburger Biodiversitäts-Strategie

Am 28. Januar 2019 haben der Umweltausschuss und am 13. Februar 2019 der Wirtschaftsförderungs-, Beteiligungs- und Liegenschaftsausschuss beschlossen, das zehnjährige Jubiläum der Augsburger Biodiversitäts-Strategie zu nutzen, um ein Fazit der letzten zehn Jahre zu ziehen.

Fünf Meilensteine haben wir uns für das Jubiläum vorgenommen:

  1. Wir möchten Ihnen unsere Strategie vorstellen und an greifbaren Beispielen vor Ort präsentieren, was in den letzten zehn Jahren erreicht wurde. In unseren Biodiversitätswochen können Sie Biodiversität zu Fuß und mit dem Fahrrad erleben. Im Waldkino und mit breiten Programmpunkten Umweltbildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung fordern wir vor allem Ihren Kopf. Im Laufe des Jahres wird auch diese Seite erweitert. Reinschauen lohnt sich.
  2. Augsburg nimmt am Bundesamt für Naturschutz geförderten Labeling-Verfahren „StadtGrün naturnah“ des Bündnisses „Kommunen für Biologische Vielfalt“ teil.
  3. Augsburgs Biodiversitäts-Strategie sowie die dazugehörigen Konzepte aus den Jahren 2009 und 2011 werden überarbeitet und aktualisiert.
  4. Wir erarbeiten Hinweise und Handlungsempfehlungen für unsere städtischen Dienststellen zum Thema „Schutz der Biodiversität“.
  5. Die Verwaltung wird beauftragt, die in der Biodiversitäts-Strategie verankerten Maßnahmen mit den jeweiligen Umsetzungspartnern in bewährter Weise weiter zu verfolgen und regelmäßig zu berichten. Was das heißt? Die Stadträtinnen und Stadträte möchten über das Thema informiert werden und haben es fest auf der städtischen politischen Agenda verankert.

 

 

Biodiversitäts-Wochen

Die Forstverwaltung, der Landschaftspflegeverband und das Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen haben dieses Programm zusammengestellt. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Eine Ausnahme: Der Rundgang durch den Botanischen Garten am 22.07.19.

Bitte bringen Sie etwas zu Trinken und Essen bei Bedarf mit, vor allem in den Sommermonaten. Außer im Waldkino finden alle Termine in der freien Natur statt. Dementsprechend stehen Sanitäranlagen unter Umständen nicht zur Verfügung. Bitte tragen Sie auch angemessene Schuhe und wettergerechte Kleidung.

Programm Biodiversitäts-Wochen

Zu Fuß

Totholz im Wald

Strecke: 4 km, Freitag, 12.04.2019, 15:00 – 16:30 Uhr,
Forstmuseum Waldpavillon, Ilsungstraße 15 a, 86161 Augsburg
Seit mehreren Jahren gibt es für den Stadtwald ein gezieltes Totholz-Management, denn totes Holz ist voller Leben. Erfahren Sie welchen großen Einfluss Totholz auf die Biodiversität im Stadtwald hat.

Wolfzahnau – ein Rest Wildnis mitten in der Stadt

Strecke: 4 km, Montag, 06.05.2019, 16:00 – 18:00 Uhr,
Parkplatz am Arnobunker, Franz-Josef-Strauß-Straße 5, 86153 Augsburg
Die Wolfzahnau ist der Landspitz am Zusammenfluss von Lech und Wertach. Dort hat sich eine Vielfalt an Lebensräumen erhalten, die man mitten in der Stadt gar nicht vermutet. Seit einigen Jahren weiden hier außerdem Schottische Hochlandrinder im Auftrag des Naturschutzes.

Lebensraum Baum im Wittelsbacher Park

Strecke: 1,5 km, Mittwoch, 15.05.2019, 16:00 – 17:30 Uhr,
Parkplatz der Sporthalle am Wittelsbacher Park, 86159 Augsburg
Bäume sind wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl an Arten. Auf der Führung lernen Sie einige kennen. Außerdem erfahren Sie, welcher Aufwand betrieben werden muss, um die Bäume zu erhalten. Besonders spannend: Augsburgs Baumpflegerinnen und Baumpfleger klettern für Sie in die Bäume und stellen ihre Arbeit direkt am Baum vor. Wenn Sie also wissen möchten, wie der Berufsalltag dieser Frauen und Männer aussieht, können Sie es hier hautnah erleben.

Die Flugplatzheide – ein ökologischer Schatz der besonderen Art

Strecke: 2 km, Donnerstag, 23.05.2019, 18:00 – 20:00 Uhr,
Eingangspforte zum LfU, Bürgermeister-Ulrich-Straße 170, 86179 Augsburg
Sieben Hektar sind noch übrig, von der Lechheide, die vor 150 Jahren noch rund 200 Hektar groß war. Das Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) wartet mit einer bewegten Geschichte und einem einzigartigen Artenreichtum auf.

Lebensraum Messe – Insekten.Vielfalt.Augsburg

Strecke: 2 km, Dienstag, 28.05.19, 16:00 – 18:00 Uhr,
Messeparkplatz, 86156 Augsburg
Hohes Verkehrsaufkommen, Besucherströme, Straßen und Gewerbebauten – kaum jemand vermutet im Umfeld der Augsburger Messe ein Interesse des Naturschutzes. Doch bei genauem Hinsehen entdeckt man auch hier seltene Tiere und Pflanzen.

Wertach Vital – wie ein Fluss mehr Freiheit bekam

Strecke: 6 km, Donnerstag, 06.06.2019, 16:00 – 19:00 Uhr,
Parkplatz am Sportplatz Inningen, Westseite der Wertach, 86199 Augsburg
Nach dem verheerenden Pfingsthochwasser 1999 wurde beschlossen, dass die Wertach im Augsburger Stadtgebiet revitalisiert werden muss. Welche positiven Auswirkungen diese Maßnahmen auf natürliche Lebensgemeinschaft am zweitgrößten Fluss Augsburgs hatten, erfahren Sie auf dieser Führung.

Biodiversität im Westpark

Strecke: 2 km, Donnerstag, 04.07.19, 16:00 – 17:30 Uhr,
Karl-Nolan-Straße 5, 86157 Augsburg
Neben den Grünanlagen des Siebentischparkes wird der neue Westpark die größte zusammenhängende Grünanlage sein, die in Augsburg seit mehr als 100 Jahren gebaut wurde. Damit entsteht im Westen Augsburgs auf den ehemaligen militärischen und zivilen Flächen der Amerikaner ein Naherholungsgebiet, mit insgesamt rund 60 Hektar Flächen. Erfahren Sie, wie Extensive Wiesen- und Staudenflächen gepflegt werden und wie die Altbaumbestände erhalten werden können. Auch temporäre Strukturen wie zum Beispiel Materialablagerungen und wechselfeuchte Flächen während der Baumaßnahmen sprechen wir an.

Pferdestärke für den Güterverkehr – Eselstärke für den Biotopverbund

Strecke: 2 km, 12.09.19, 16:30 – 18:00 Uhr,
Nürnberger Straße, Haltebucht Höhe Mercedes Benz, 86156 Neusäß
Nicht jeder denkt bei einem Gewerbegebiet gleich an Arten- und Biotopschutz. Erfahren sie, was sich die Planer bei der Gestaltung der Grünflächen beim Güterverkehrszentrum gedacht haben und was Esel damit zu tun haben.

Mit dem Fahrrad

Lichte Kiefernwälder – der artenreiche Wald

Strecke: 10 km, Freitag, 17.05.2019, 17:00 – 18:30,
Waldeingang Ende der Krankenhausstraße, 86179 Augsburg
Auf einer Strecke von 10 km erradeln wir den einzigartigen Lebensraum der lichten Schneeheide-Kiefern-Wälder entlang des Lechs im Haunstetter Wald.

Neues Weideland bei Bannacker

Strecke: 2 km, Mittwoch, 29.05.2019, 18:00 – 20:00 Uhr,
Gaststätte Jägerhaus Bergheim, Hauptstraße 53, 86199
Augsburg Nach dem Motto „Schutz durch Nutzung“ beweiden seit 2018 einige Pinzgauer Rinder mehr als 20 Hektar Ausgleichsflächen bei Bannacker. Es handelt sich um eines der größten Naturschutzprojekte im Stadtgebiet Augsburg, von dem eine Vielzahl wildlebender Arten profitieren.

Warum und wie wir den Stadtwald pflegen

Strecke: 10 km, Freitag, 28.06.2019, 17:00 – 18:30 Uhr,
Waldeingang Ende der Krankenhausstraße, 86179
Augsburg Erfahren Sie auf unserer Radltour, wie der Haunstetter Wald von Förstergenerationen gepflegt und für den Klimawandel fit gemacht wird.

Schatzwald Augsburg

Strecke: 25 km, Samstag, 29.06.2019, 14:00 – 18:00 Uhr,
Parkplatz am Botanischen Garten, 86161 Augsburg
Auf der Tour erkunden wir Quellbäche, Lechheiden und lichte Kiefernwälder, kommen an kulturhistorisch bedeutsamen Orten vorbei und besuchen die Sumpfgladiolen und Wildpferde auf der Königsbrunner Heide. Mit etwas Glück begegnen wir einem Wanderschäfer. Die Tour endet am Parkhäusl.

Zum Lernen

Waldkino anlässlich des Tages der Erde BBC-Doku „Unsere Erde“

Montag, 22.04.2019, 19:00 Uhr,
Forstmuseum Waldpavillon, Ilsungstraße 15a, 86161 Augsburg.
Anmeldung empfohlen unter: 0821 324-6118 oder waldpavillon@augsburg.de
"Unsere Erde" ist ein Film über die Schönheit, Magie und Faszination unseres Planeten. Er nimmt die Zuschauer mit auf eine unvergessliche und berührende Reise rund um den Globus. Länge: 100 Minuten

Waldkino anlässlich des Tages der Artenvielfalt „Magie der Moore“

Mittwoch, 22.05.2019, 19:00 Uhr,
Forstmuseum Waldpavillon, Ilsungstraße 15a, 86161 Augsburg.
Anmeldung empfohlen unter: 0821-3246118 oder waldpavillon@augsburg.de In spektakulären
Bildern stellt "Magie der Moore" einen der bekanntesten heimischen Lebensräume vor. In fünf Jahren schuf der Regisseur Jan Haft ein schillerndes Kaleidoskop einer einzigartigen Flora und Fauna und zeigt ein sensibles Ökosystem, das es zu schützen gilt. 95 Minuten

Tag der offenen Tür: Kleingartenanlage Lindauer Straße, Kleingartenanlage Lindauer Straße, 86199 Augsburg

Samstag, 29.06.2019,
Führungen um 11:00 Uhr und 14:00 Uhr
Die Geschichte der Kleingartenanlage Lindauer Straße geht bis in das Jahr 1935 zurück. Die Gartenanlage war damals ein Zusammenschluss der Anlagen Moltkestraße und Schießstätte, die am Rande des heutigen Rosenaustadions angesiedelt gewesen sind. Als Ersatz stellte die Stadt Augsburg die Lehmgrube der ehemaligen Ziegelei Weiß an der Lindauer Straße zur Verfügung. Die Firma Renk nutzte Teile des zugewiesenen Areals zuvor als Schuttplatz für ihren Guss-Schrott.

...was Bienen pflanzen würden
Rundgang durch den Botanischen Garten

Montag, 22.07.19, 18:00 – 19:30 Uhr,
Brunnen am Eingang, Botanischer Garten, Dr.-Ziegenspeck-Weg 10, 86161 Augsburg
Ein etwas anderer Gartenrundgang aus dem Blickwinkel der insektenfreundlichen Gartengestaltung. Anmeldung erforderlich unter 0821 324 6038 oder an der Kasse

Regionalvermarkter-Tag 2019

Sonntag, 15. September 2019, 10:00 – 17:00 Uhr, Botanischer Garten Augsburg, Dr.-Ziegenspeck-Weg 10, 86161 Augsburg Die Biodiversitäts-Wochen enden im Rahmen des Regionalvermarkter-Tages 2019 im Botanischen Garten.
Entdecken Sie regionale Genüsse und Kostproben biologisch und fair produzierter Waren. Zusammen mit der Festveranstaltung präsentieren sich hauptamtlicher und ehrenamtlicher Naturschutz aus der Region.