Ziele und Maßnahmen

Das oberste Ziel aller Anpassungsmaßnahmen ist es, die Stadt Augsburg mit Bevölkerung, Wirtschaft, Stadtnatur und Infrastruktur vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Die Stadt Augsburg hat daher bereits zahlreiche Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsbereichen ergriffen, wie z. B. sogenannte „Klimaaufschläge“ im Wasser- und Brückenbau oder eine klimaangepasste Bepflanzung im Westpark. Eine Auswahl weiterer bereits abgeschlossener oder initiierter Maßnahmen finden Sie hier.

Mit dem Klimawandel-Anpassungskonzept für die Stadt Augsburg (KASA) existiert nun zusätzlich ein stadtweites, handlungsfeldübergreifendes und abgestimmtes Gesamtkonzept. Das Leitbild ist dabei ein klimaresilientes Augsburg, wobei es hier enge Querbezüge zum Stadtentwicklungskonzept und zu den Augsburger Zukunftsleitlinien gibt. In KASA wurden für Augsburg zwölf betroffene Handlungsfelder identifiziert. In jedem Handlungsfeld werden die jeweiligen Verwundbarkeiten und Rahmenbedingungen dargestellt, die im KASA 1 Gesamtbericht nachgelesen werden können. Darauf aufbauend wurden für jedes Handlungsfeld strategische Teilziele und Maßnahmensteckbriefe entwickelt, die im KASA 2 Gesamtbericht zu finden sind. Die 47 Einzelmaßnahmen sind im Folgenden kurz vorgestellt.



Katastrophenschutz

Steigerung der Eigenvorsorge und des Selbstschutzes der Bevölkerung

Die Fähigkeit der Bevölkerung, im Falle einer Katastrophe selbständig und angemessen zu reagieren und zu handeln, soll gestärkt werden. Bürgerinnen und Bürger sollen über Broschüren informiert werden. Zudem sind Beratungsangebote vorgesehen, welche vorbeugenden Maßnahmen zu treffen sind (z. B. Verhaltensempfehlungen, Sicherung wichtiger Dokumente oder baulicher Objektschutz).

Katastrophenschutz personell und ausstattungsmäßig auf Klimawandel einstellen

Der Katastrophenschutz wird an die wachsenden personellen und strukturellen Anforderungen an den Katastrophenschutz angepasst. Warnungen werden über Sirenen, SMS und zunehmend über Soziale Medien verschickt. Freiwillige sollen stärker eingebunden werden.

Katastrophenschutz- „Leuchttürme“ aufbauen

Katastrophen-Stützpunkte, sog. Leuchttürme, die leicht erreicht werden können, sollen aufgestellt werden. Diese unterstützen die Notversorgung der Bevölkerung (z. B. mittels Nothygiene, Nahrungsversorgung, medizinischer Hilfe und Notunterbringungsmöglichkeiten) während einer Katastrophe.

Steigerung der Selbst- und Fremdhilfefähigkeit der Bevölkerung nach Schadensereignissen

Die Bevölkerung soll auf den Umgang und die Folgen im Katastrophenfall vorbereitet werden, indem sie ihre eigenen Kompetenzen stärkt. Dazu gehört die Stärkung der Selbsthilfe durch die frühzeitige Vermittlung von handwerklichen Kenntnissen und Grundlagen der Ersten Hilfe. Darüber hinaus werden soziale Kompetenzen durch die Mitarbeit in sozialen Einrichtungen gefördert. Auf Webseiten zum Katastrophenschutz werden Verhaltenstipps gegeben.

Gesundheit

Runder Tisch und Strategie „Vektoren, Allergene, Schadtiere, Schadpflanzen“

Klimatische Veränderungen bewirken, dass sich schädliche Tier- und Pflanzenarten ansiedeln und ausbreiten. Ein Runder Tisch soll Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Disziplinen (Medizin, Umwelt, Natur- und Landschaftsschutz u. a.) zusammenbringen. Es soll eine gemeinsame Strategie mit Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung entwickelt werden, die kontinuierlich evaluiert und ggf. aufgrund sich verändernder Gefährdungslagen angepasst wird.

Trinkbrunnennetz: Ausbau und Kommunikation

Augsburgs Trinkbrunnennetz soll erweitert und soweit erforderlich instandgesetzt werden. Die neuen Standorte der Trinkbrunnen sollen u.a. berücksichtigen, wo es Hitze-Hotspots gibt und wo sich vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Kinder vermehrt aufhalten. An allen Schulen soll Trinkwasser angeboten werden. Über die vorhandenen Brunnen soll in unterschiedlichen Formaten (zum Beispiel auf Webseiten oder über Flyer) informiert werden, damit diese von allen Bevölkerungsgruppen genutzt werden können.

Klimafolgen-Check Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und -heime

Um besonders gefährdete Gruppen, wie Menschen in Seniorenheimen oder Krankenhäusern, vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen, sollen die betroffenen Einrichtungen auf den notwendigen Schutz vor klimatischen Extremereignissen geprüft werden. Die Einrichtungen sollen verstärkt Maßnahmen ergreifen, um sich an extreme Temperaturbedingungen anzupassen (mit Hilfe von medizinischen, baulichen, organisatorischen und bildungsrelevanten Maßnahmen).

Industrie und Gewerbe

Information und Sensibilisierung der Augsburger Wirtschaft

Die Anfälligkeit der Unternehmen gegenüber dem Klimawandel sowie die Vorteile von Klimaanpassungsmaßnahmen werden den Unternehmen vermittelt (zum Beispiel mögliche Kosteneinsparungen sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten). Das Thema wird in bestehende Netzwerktreffen aufgenommen und diskutiert.

Steigerung der betrieblichen Klimaresilienz durch Beratung und Anreize

Eigene Beratungsangebote und Anreizsysteme zum Thema Klimaschutz sollen geprüft und um das Thema Klimaanpassung erweitert werden. Förderlücken sollen identifiziert und durch eigene Förderangebote geschlossen werden. Ergänzende Anreizsysteme (z. B. Imagekampagnen, Wettgewerbe, Preisverleihungen) sollen entwickelt, umgesetzt und beworben werden.

Klimaangepasste Gewerbeflächenentwicklung (B-Plan, Beratung)

Im Rahmen der Bauleitplanung sollen Vorgaben für die klimaangepasste Gestaltung von Gewerbeflächen entwickelt werden. Auch der öffentliche Raum soll mit mehr Grün- und Wasserflächen ausgestattet werden. Im Zuge der Neuansiedlung von Gewerbebetrieben soll eine Beratung zur klimaangepassten Planung von Gewerbeflächen vorgenommen werden.

Vulnerabilitätsanalyse von Gewerbe und Industrie

Die Augsburger Wirtschaft soll branchenspezifisch auf ihre Betroffenheit und Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel  untersucht werden. Die Ergebnisse werden bewertet und den Unternehmen zur Einbindung in ihr Risikomanagement kommuniziert.

Tourismus und Kultur

Runder Tisch „Klimaangepasste Veranstaltungen“

Veranstaltungen im Freien sind besonders anfällig für Wetterextreme. Geschlossene Veranstaltungsräume erfordern zum Teil eine Anpassung ihrer Ausstattung, Durchlüftungskonzepte und Klimaanlagen. Die vom Klimawandel betroffenen Veranstalter sollen an einem Runden Tisch präventive und kurative Maßnahmen (z. B. Einsatz von Unwetterwarnungen, Versicherungen, Informationen für Besucherinnen und Besucher) sammeln. Gleichzeitig wird untersucht, inwieweit die Stadt Augsburg selbst für den Umgang mit Wetterextremen bei Outdoor-Veranstaltungen gerüstet ist (z.B. durch den Einsatz von Verschattungselementen). Überdies muss die Trinkwasserversorgung und die Kontrolle durch Rettungsdienste sichergestellt werden.

Klima als Kulturthema

Die Themen Klimaschutz und Klimaanpassung sollen stärker im Kulturbereich verankert werden. Dabei kann der Kultursektor von der Stadt unterstützt werden, sich stärker mit Themen Klima und Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Eine Möglichkeit wäre, die Themen Klimawandel, Klimaschutz und -anpassung in den Kulturbeirat und in das Kulturentwicklungskonzept einzubringen, welches derzeit erstellt wird. Hierbei sollten die Ebenen Programm, Gebäude und Kultur als sozialer Ort sollten adressiert werden.

Wasser

Informationskampagne zu Regenwasserrückhalt, -versickerung und -nutzung auf Grundstücken

Durch die Zunahme von Starkregenereignissen wird die städtische Abwasserentsorgung in Zukunft häufiger überlastet sein. Die Bevölkerung und Unternehmen können einen Beitrag zur Schadensvermeidung leisten. Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer sollen über Maßnahmen zur Erhöhung des Wasserrückhalts und zur Verbesserung der Regenwasserversickerung informiert werden.

Lebenswerte Gewässer in Augsburg

Alle Bürgerinnen und Bürger sollten die Möglichkeit haben, die kühlende Wirkung der Gewässer durch eine verbesserte Zugänglichkeit zu erleben. Es sollen zudem Flächen am Uferrand für die vom Klimawandel unter Druck stehende Pflanzen- und Tierwelt geschaffen und der Schutz der Gewässer vor Verunreinigung und Überwärmung gewährleistet werden.

Schwammstadt - wassersensible Siedlungs- und Freiraumplanung

Um Niederschlagswasser sinnvoll zu nutzen (zum Beispiel für die Grundwasserneubildung), sollte es entsprechend dem Schwammstadtprinzip weitgehend im Sinne des hydrologischen Wasserkreislaufs bewirtschaftet werden. Dies geschieht insbesondere durch die Vermeidung von Versiegelung und örtliche Speicherung oder Verdunstung von Niederschlägen. Flächen wie Spielplätze und Grünanlagen, aber auch Dach- und Fassadenbegrünungen spielen dabei eine große Rolle.

Niedrigwasseraufhöhung

Es ist zu prüfen, inwieweit eine Niedrigwasseraufhöhung an den Gewässern 3. Ordnung, aber auch an der Wertach und am Lech, möglich und sinnvoll ist, um negative Folgen für Fauna, Flora und die Wirtschaft bei geringeren Abflüssen zu vermeiden.

Energie

Notstromversorgung kritischer Infrastrukturen

Die Auswirkungen eines langanhaltenden, europaweiten Stromausfalls werden durch die Langzeitabsicherung der kritischen Infrastrukturen begrenzt. Nach Identifizierung der kritischen Infrastrukturen sollen die Versorgungseinrichtungen für den Notbetrieb aufgerüstet, gewartet oder neu errichtet werden. Zudem soll eine gezielte Vernetzung von schwarzstartfähigen Energieversorgungsanlagen erfolgen.

Wärmestrukturwandel begleiten und unterstützen

Durch kürzere Winter und weniger Frosttage werden geringere Wärmemengen und Anschlussleistungen benötigt. Der zukünftige, schrittweise Rückbau des Gasnetzes wird flankiert von Konzepten zur Umstellung auf Fernwärme, regenerative Nahwärmeangebote und individuelle Gebäudelösungen. Wichtig sind eine frühzeitige und kontinuierliche Kommunikation und die Schaffung von langfristiger Planungssicherheit.

Kühlung relevanter Einrichtungen

Passive Maßnahmen werden ausgeschöpft, um den Kältebedarf für Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen, aber auch andere Objekte mit hohem Kältebedarf (z. B. Bürogebäude) zu decken. Gleichzeitig werden aktive Versorgungskonzepte geprüft. Je nach Priorität der Einrichtungen oder des Gebietes werden Versorgungslösungen entwickelt oder erweitert.

Stromnetzstabilität erhöhen

Die Stabilität des Stromnetzes soll durch den Ausbau von neuen Anlagen, Speichern und Sektorkopplungssystemen erhöht werden. Die Vernetzung der beteiligten Energieakteure soll vertieft werden.

Gebäude

Informationskampagne: Möglichkeiten der Klimaanpassung von Gebäuden

In bestehenden Beratungsangeboten wird verstärkt über bauliche Maßnahmen zur Klimaanpassung informiert – dies wird durch Schulungsangebote für Fachleute und Investoren ergänzt. Fördermittel und Wettbewerbe sollen als ergänzende Anreizsysteme genutzt werden, um private Anstrengungen anzustoßen. Über die Themen Hitzeschutz, Unwetterschutz und Versicherungslösungen wird hierbei umfassend informiert.

Städtische Liegenschaftenentwicklung

Städtische Sanierungen werden mit dem Ziel hoher Synergieeffekte als Gesamtkonzept angelegt. Neben der Bausanierung, der Energieeffizienz und dem Wärmeschutz (Dämmung) werden auch Sturm- und Sturzflutsicherungen sowie Schutz vor sommerlicher Hitze in die Planungen mit einbezogen.

Nachtlüften mit oder ohne Lüftungsanlage

Als Beitrag zur Verbesserung des sommerlichen Innenraumklimas werden die Möglichkeiten des Nachtlüftens ausgeschöpft und Privatpersonen dazu informiert. In städtischen Liegenschaften werden die Möglichkeiten zur Nachtlüftung mit oder ohne Lüftungsanlage geprüft und weitestgehend umgesetzt. Im Neubau werden die Möglichkeiten hierfür berücksichtigt.

Verkehr

Resilienz in der Mobilität mittels Gefährdungsanalyse für Extremwetterereignisse erhöhen

Zunehmende Extremwetterereignisse wie Hitze und Starkregen stellen eine gesundheitliche Belastung und Gefahr für Verkehrsteilnehmende dar. Um Schwachstellen zu identifizieren, soll eine detaillierte und räumlich aufgelöste Gefährdungsanalyse der Verkehrsinfrastruktur bei Extremwettereignissen durchgeführt werden. Dadurch sollen u. a. die Zuverlässigkeit und Attraktivität des ÖPNVs erhöht und die Verkehrssicherheit im Katastrophenfall gewährleistet werden.

Grüne Verkehrswege in Augsburg

Im Zuge des Klimawandels spielt städtisches Grün eine große Rolle zur Stabilisierung des städtischen Mikroklimas, zur Versickerung von Starkregen und zur Steigerung der Attraktivität des ÖPNV, des Fuß- und Radverkehrs und der Stadt im Allgemeinen. Das Straßenbegleitgrün an Verkehrswegen, insbesondere an häufig genutzten Fußwegen, soll daher erhöht werden.

Flächenverbrauch im Verkehrssektor verringern

Versiegelung stellt eine große Herausforderung für die Hitzebelastung und Niederschlagsentwässerung in der Stadt dar (insbesondere im Zuge des Klimawandels). Unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft soll eine transformative und flächensparende Mobilität realisiert werden. Wenn Bürgerinnen und Bürger vom eigenen Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr, Carsharing und Fahrrad umsteigen, sinkt der Flächenbedarf. Der Flächenverbrauch des ruhenden Verkehrs soll reduziert werden. Dadurch gewonnene Flächen sollen entsiegelt und begrünt werden.

Stadtgrün

Klimaoasen in der Stadt Augsburg

Kleine Grünflächen in der Nähe von Wohnsiedlungen sollen geschaffen, aufgewertet und besser zugänglich gemacht werden, mit positiven Auswirkungen auf das Mikroklima. Es können Flächen entsiegelt oder Hochbeete bzw. andere klimaresistente, schattige Grünflächen mit Sitzgelegenheiten, Trinkbrunnen oder Wasserspielen angelegt werden. Dabei soll der Einsatz von Freiwilligen bei der Pflege und Bewässerung dieser Anlagen geprüft werden.

Projektaufruf Fassadengrün

Ein Verein soll Beratungen zum Thema Fassadengrün anbieten, als Schnittstelle zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Eigentümerinnen und Eigentümern und städtischer Behörden. Es wird Informationen über Umsetzbarkeit, Finanzierung und Abwicklung geben. Zur Wahrung der Gemeinnützigkeit wird der Verein keine konkreten Bepflanzungspläne erstellen, sondern Begrünungsprojekte angestoßen, bei der Beantragung von Fördermitteln unterstützen und zu Pflegekosten und -nutzen beraten.

Leitfaden Dach- und Fassadengrün

Ein speziell für Augsburg erstellter Leitfaden dient als Informationsmaterial zur Begrünung. Geeignete Standorte, Anbringungsmöglichkeiten und Pflanzen für Dach- und Fassadengrün werden definiert.

Förderprogramme zur Begrünung

Um die Begrünung zu fördern, sollen finanzielle Anreize gesetzt werden. Hierzu sollen kommunale Förderprogramme zumindest für die Innenstadt und stark versiegelte Stadtteile, ggf. auch für die Gesamtstadt, aufgelegt werden. Neben einem Zuschuss für Privatpersonen kann auch die Begrünung von Gebäuden innerhalb der Verwaltung gefördert werden. Die Antragsstellung soll möglichst unbürokratisch erfolgen.

Biodiversität

Klima-Monitor zur Koordination zügiger Habitat-Erhaltungsmaßnahmen

In der „Mängelmelder-App“ soll es eine Option für das Melden von „Biodiversitätsmängeln“ geben. So können z. B. invasive Arten oder trockengefallene Tümpel gemeldet werden. Daraufhin können erforderliche Maßnahmen eingeleitet werden. Eine Erweiterung der App kann dazu beitragen, dass Tiere oder Vektoren wie Mücken oder Zecken, bei denen ein Zoonoserisiko festgestellt wurde, fotografiert und lokalisiert werden können.

Überregionale Vernetzung zum Schutz der Biodiversität von Fließgewässern

Flüsse und andere Oberflächengewässer machen nicht an der Stadtgrenze halt. Aus diesem Grund müssen die Gewässer Lech und Wertach über die Stadtgrenzen Augsburgs hinaus geschützt werden. Dafür werden die überregionale Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Kommunalverwaltungen und Vereinen angestrebt. Eine Strategie zum Umgang mit sommerlicher Überhitzung der Flüsse soll entwickelt werden. 

Vernetzung privater Grünflächen

Durch die Aufwertung bestehender Grünflächen sollen mehr naturnahe Gärten entstehen. Ziel ist die Umwandlung von Schottergärten in pflegeleichte, klimaresistente und ökologisch bedeutsame Gärten. Informationskampagnen und Wettbewerbe sollen die Umsetzung fördern. Wertvolle Bäume sollen geschützt werden. Neben der Novellierung der Baumschutzsatzung sollen finanzielle Anreize, Zertifizierungen und der Einsatz von Ehrenamtlichen helfen. Die Kommune berichtet über ihre eigenen Fortschritte bei der Biotopvernetzung.

Forstwirtschaft

Klimaangepassten Waldumbau forcieren

Fichtenwälder sollen in klimastabile Laubmischwälder umgewandelt werden. Diese im Stadtwald schon vor Jahrzehnten – allerdings auf einen milden Klimawandel zielend – eingeleiteten Maßnahmen sollen dem verstärkten Klimawandel angepasst und deutlich intensiviert werden. Dies soll zum Beispiel im Stadtwald verstärkt umgesetzt werden. Damit verbunden sind ein erhöhter Investitionsbedarf und langfristig sinkende wirtschaftliche Ertragserwartungen.

Angepasste Wildbewirtschaftung im Wald

Junge, neu gepflanzte Bäume, müssen vor Rehwild und anderen Tierarten vor Verbiss geschützt werden. Die Stadt soll sich weiterhin im Rahmen von Vegetationsgutachten einen Überblick über die Verbisssituation verschaffen und diese bei der Abschussplanung berücksichtigen. Die Bejagung des Augsburger Stadtwaldes sollte nach Möglichkeit auf Regiejagdbetrieb umgestellt werden.

Sicherung der Waldfunktionen

Ökosystemdienstleistungen des Waldes wie Wasserversorgung oder der Erhalt der Lebensräume für Pflanzen- und Tiergemeinschaften sollen auch unter den Bedingungen eines verstärkten Klimawandels gewährleistet bleiben. Daher müssen Waldumbau und -pflege optimiert werden. Eine Vielzahl an verflochtenen Maßnahmen ist hierfür notwendig. Flächen mit erhöhtem Handlungsbedarf werden priorisiert.

Ausweitung der Öffentlichkeitsarbeit zu Walderhalt und Waldbedrohung im
Klimawandel

Die Bevölkerung soll über die Bedrohung für den Wald durch den Klimawandel aufgeklärt werden. Im Waldpavillon und anderen Orten soll vermehrt über die unentbehrliche Leistung des Waldes für die Stadt Augsburg aufmerksam gemacht werden.

Landwirtschaft

Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe

Die in der Großstadt verbliebene Landwirtschaft erbringt Ökosystemdienstleistungen, die unter dem Aspekt der Klimawandelanpassung kaum hoch genug eingeschätzt werden können. Die wenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die in Augsburg verblieben sind, sollen daher durch gezielte Auftragsvergabe und verständnisvolle Stadtplanung geschützt werden, um landwirtschaftliche Produktion, Ökosystemdienstleistungen und Aufgaben der Daseinsvorsorge weiterhin erfüllen zu können.

Fortbildung, Öffentlichkeitsarbeit zur Landwirtschaft im Klimawandel

Lokale und regionale landwirtschaftliche Betriebe sollen über Klimawandelfolgen und ihre Anpassungsmöglichkeiten informiert werden. Die Vernetzung zwischen Stadtbevölkerung und landwirtschaftlichen Akteuren soll verbessert werden. Der Anbau klimaangepasster Arten und Sorten und die Einführung entsprechender Betriebssysteme bleiben weitere Ziele der Fortbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Musterhof „Landwirtschaft im Klimawandel“

Die Entwicklung eines Vorzeigebetriebs für die Klimawandelanpassung kann dem Landwirt das Überleben sichern. Zudem kann dieser Betrieb die Frischluftentstehung fördern, Regenwasser zurückhalten und einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Der Betrieb dient darüber hinaus der Öffentlichkeitsarbeit und Beratung und erhöht die Akzeptanz für Klimaanpassungsmaßnahmen in der Branche.

Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen

Naturschutzrechtliche Kompensationsmaßnahmen zur Biodiversitätsförderung im Rahmen von Bauprojekten sollen um Elemente wie Kühlung durch Verdunstung oder erhöhtes Grünvolumen erweitert werden. Die Maßnahmenumsetzung erfolgt hauptsächlich auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen. Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen sollen um den Aspekt der Klimaanpassung erweitert werden.

Maßnahmen im Handlungsfeld Stadtplanung

Satzungen zur Förderung der Klimaanpassung    
Bestehende Satzungen mit städtebaulichem Schwerpunkt werden überprüft und bei Bedarf um Aspekte der Klimaanpassung ergänzt, und neue Satzungen werden entworfen, um mögliche Lücken bei Rechtsgrundlagen zu schließen. Mögliche Ziele könnten die Reduzierung von Parkraum, Entsiegelung und Begrünung von Freiflächen, Verbot und Rückbau von Schottergärten, Begrünung von Dächern und Fassaden sein. Neue bauliche Standards für Gebäude und deren Außenbereiche sollen festgelegt werden, um eine optimale Klimaangepasstheit zur Mitte des Jahrhunderts zu ermöglichen. Ebenso wird die rechtliche Verbindlichkeit geprüft und ggf. durch Grundsatzentscheidungen (wie z. B. Verbot der Verschlechterung des Stadtklimas/Verbesserung des Angebots an Grünflächen) bekräftigt.

Verstärkte Aufnahme von Klimaanpassungs-Maßnahmen in die Bauleitplanung  
Um Gebäude vor Aufheizung und Starkregen zu schützen, sind wirksame Maßnahmen bei der Planung von Neubauten zu berücksichtigen. Dies sollte in der Bauleitplanung zukünftig noch stärker vorgesehen werden. Bekannte Maßnahmen für Gebäude reichen von Flachdachbebauung mit Begrünung über helle Fassaden bis zur Ausrichtung des Gebäudes und der Fensterflächen.

Ein Katalog rechtssicherer Regelungen zur Klimaanpassung wird erstellt, und der Leitfaden "Klimaschutz und Stadtplanung in Augsburg" wird im Hinblick auf die Klimaanpassung ergänzt. Die Ergebnisse werden an wesentliche Akteure, z. B. Architektinnen und Architekten, kommuniziert.

Übergeordnete Maßnahmen

Erstellung eines Bodenschutzkonzepts für die Stadt Augsburg          
Der Erhalt der Bodenfunktionen sichert den Naturkreislauf und somit wichtige Anpassungsleistungen an den Klimawandel, insbesondere im Hinblick auf Regenwasserableitung und -rückhalt, Trinkwasserversorgung, Erosionsschutz, Stadtklima und Biodiversität, und trägt zur CO2-Bindung bei. Mit dem Bodenschutzkonzept sollen für Planer, kommunale und private Bauherren die Randbedingungen, die zum Erhalt, zur Pflege und zur Wiederherstellung des Bodens als klimarelevantes Schutzgut notwendig sind, konkret für die Begebenheiten der Stadt Augsburg aufgezeigt und verpflichtend festgelegt werden. Relevante Grundlagendaten, wie Bodenversiegelungs- und Bodenfunktionskarten, sind zusammenzustellen und ggf. zu ermitteln. Darauf aufbauend soll ein entsprechender Maßnahmenkatalog für den Bodenschutz entwickelt werden.

Starkregenfließwegeanalyse    
Um Starkregenereignisse und daraus resultierende urbane Sturzfluten und unkontrolliertes Niederschlagswasser in Zukunft bewältigen zu können, hilft eine Starkregenfließweganalyse. Damit lässt sich besser abschätzen, welchen Weg das Wasser nehmen wird und wo sich besonders gefährdete Gebiete befinden. Auf der Grundlage eines 3D-Geländemodells soll für das gesamte Stadtgebiet dadurch eine Starkregenfließweganalyse bei extremen Regenereignissen durchgeführt werden. Die Maßnahme soll als Grundlage für die Vorbereitung auf bevorstehende Naturkatastrophen dienen.

Stadtklimaanalyse

Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist eine detaillierte Stadtklimaanalyse, die die thermischen Bedingungen des Stadtgebiets kartiert und modelliert, besonders nützlich. Auf diese Weise können Gebiete identifiziert werden, die besonders unter der Hitzebelastung leiden oder als Frischluftschneisen fungieren. Die räumliche Stadtklimaanalyse mit darauf aufbauenden Planungshinweisen und -empfehlungen ermöglicht es, das Stadtklima bei der Planung von Stadtteilen, auch im Rahmen der Bauleitplanung, stärker zu berücksichtigen.