Anerkennungsaktion „Füreinander!“

Einfach helfen, füreinander da sein – Diese Menschen haben es getan und andere damit glücklich gemacht. Sie wollen auch jemanden für den Preis „Füreinander!“ vorschlagen?

Mehr Infos gibt es hier.


Sieger der zweiten Runde der Aktion „Füreinander!“ gekürt!

Im Herbst 2022 startete die zweite Runde der Aktion „Füreinander!“. Bei „Füreinander!“ handelt es sich um ein niederschwelliges Anerkennungsformat für engagierte Augsburgerinnen und Augsburger. Der Fokus liegt bei den stillen Heldinnen und Helden des Alltags.

Dieses Jahr hat das Büro für Bürgerschaftliches Engagement (BBE) den Preis zum einen an eine Familie für ihre Hilfe für ukrainische Geflüchtete und zudem an zwei Freiwillige für Ihre Unterstützung der Augsburger Tafel vergeben.


Hilfe für ukrainische Geflüchtete in der Not

Der Überfall Russlands auf die Ukraine zwingt eine Vielzahl an Ukrainerinnen und Ukrainern ihre Heimat zu verlassen und in eine völlig neue Umgebung zu fliehen. In Deutschland angekommen, stehen die Geflüchteten, nicht selten traumatisiert von den Kriegsereignissen, vor weiteren Herausforderungen. Dies wollten Mariya und Stefan Heinbockel nicht hilflos hinnehmen und nahmen sechs Geflüchtete bei sich auf.

„Es ging nicht anders. Als der Krieg anfing, die Bomben fielen, fühlten wir uns hilflos und fragten uns: was können wir tun? Wir nahmen so viele Flüchtlinge auf, wie es ging. Wir mussten etwas tun und sind einfach nur sehr froh, dass wir helfen konnten“, so Stefan Heinbockel. Zwei Familien und einen jungen Mann mit einer Behinderung nahmen sie bei sich in der Wohnung auf. Um diese kümmerten sie sich so gut sie konnten. Sie teilten alles, neben ihrem Wohnraum auch ihre Freizeit, damit traumatische Erlebnisse etwas in den Hintergrund treten konnten. So sorgten sie für die Versorgung und gut ausgestatte Zimmer, wobei sie selbst in der Zeit nur auf Feldbetten anstatt in ihrem Schlafzimmer schliefen. Die Hilfe aber war nicht immer einfach. Der junge Mann etwa leidet an einer Behinderung und so sorgten die Heinbockels dafür, diesem ein Visum in die USA zu beschaffen, damit ihm dort operativ weitergeholfen werden konnte. Aber auch die beiden Familien waren von der Flucht und den Erlebnissen in der Ukraine schwer gezeichnet. „Als wir einmal Radio hörten, tanzte eine Tochter fröhlich dazu. Plötzlich aber ertönten laute Töne, wie bei einer Sirene und sie blieb wie angewurzelt stehen und sagte nichts mehr“.

Dankbar sind Mariya und Stefan Heinbockel aber auch für die viele Hilfe, die sie in der Zeit erhalten haben. „Insgesamt haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele helfen wollen. So bekamen wir sehr schnell Unterstützung wie Sachspenden, etwa von unserem Hausmeister. So hatten wir schnell Kinderspielzeuge, die Feldbetten und weiteres. Auch die Erfahrung, die wir mit der Stadt gemacht haben, waren gut und organisiert. Hierfür wollen wir uns nur kurz bedanken“.

Um dieses schöne und aufopferungsvolle Engagement gebührend anzuerkennen, ehrt das BBE die Familie mit einem kleinen Geschenkpaket und einem Einkaufsgutschein.


Selbstlos in der Mittagspause

Auch das Engagement von Stefan Zaar und Moritz Schönberg gehört gewürdigt.

Das gesamte Engagement entsprang ursprünglich aus einem Zufallsprodukt als Stefan Zaar während der Corona-Pandemie im Home-Office saß. „Ich dachte mir, dass es nicht sein kann, dass andere um ihren Job oder ihren Unterhalt fürchten, während ich hier bequem zuhause sitze und arbeiten kann“. Also suchte er ein freiwilliges Engagement um zu helfen. So kam er zum Beratungsangebot des Freiweilligen-Zentrums. Fortan und seit nunmehr 1,5 Jahren überbringt er unentgeltlich einmal die Woche die Lebensmittelspenden an rund 15 verschiedene Bedürftige, die teils nicht mehr in der Lage sind, das Haus zu verlassen.

Nach dem Ende des Lockdowns musste Stefan Zaar aus beruflichen Gründen die ehrenamtliche Tätigkeit etwas reduzieren, wobei Moritz Schönberg die Aufgabe übernahm. Dieser engagiert sich, seit er sich bei seinen Erkundungsspaziergängen als Neuzugezogener im Stadtgebiet während der Pandemie-Hochphase fragte, wie es eigentlich denen erging, die aufgrund mangelnder Mobilität ihre Zeit zu Hause verbringen müssten.

Da neben dem Bedarf an Lebensmitteln auch großer Gesprächsbedarf bei den Bedürftigen besteht, nimmt die „Mittagspause“ oftmals nunmehr zwischen drei und sechs Stunden in Anspruch – die beide gerne auf sich nehmen.

Auch kleine Handwerksarbeiten bei den bedürftigen, meist alleinstehenden älteren Damen, die beide mit einem Lächeln „ihre Ladies“ nennen, gehören nunmehr zu ihren Aufgaben.

Zu seinem Engagement allgemein fand Herr Zaar folgende Worte: „Viele Menschen gehen an Problemen vorbei und meinen, dass sich schon irgendwer darum kümmern wird. Deswegen spenden vielen nur, doch sie vergessen oft, dass hinter dieser Hilfe, wie etwa auch bei der Tafel, zumeist selbst Ehrenamtliche stecken. Wirklich zu helfen und selbst anzupacken aber ist ein ganz anderes Gefühl, als einfach nur zu spenden“.

Auch dieses tolle Engagement würdigt das BBE mit einem Einkaufsgutschein und einem kleinen Geschenk.


Nächste Runde „Füreinander!“

„Gerade diese beiden Beispiele zeigen, wie wichtig Bürgerschaftliches Engagement für unser Miteinander ist und wie oft wunderbare und inspirierende Geschichten im Verborgenen stattfinden“, so Kristin Pongratz, die Leiterin des BBE. Aus diesem Grund wird das Büro für Bürgerschaftliches Engagement auch 2023 wieder die Aktion „Füreinander!“ veranstalten, um so die Aufmerksamkeit für besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger zu schaffen und gleichzeitig zu zeigen, dass das Miteinander und Füreinander auch einfach und pragmatisch funktionieren kann.

Die Gewinnerin der ersten „Füreinander!“-Aktion steht fest

Im Herbst 2021 startete zum ersten Mal die brandneue Anerkennungsaktion „Füreinander!“. Das Büro für Bürgerschaftliches Engagement freut sich, die Gewinnerin verkünden zu dürfen.

„Füreinander!“ möchte die Heldinnen und Helden des Alltags ins Rampenlicht rücken, solche Menschen, die das Leben ihrer Mitmenschen leichter, schöner oder besser machen, ohne dafür Gegenleistungen zu erwarten. Mittels eines einfachen Online-Formulars konnten Bürgerinnen und Bürger der Stadt sich selbst oder andere vorschlagen und ihnen so zu öffentlicher Anerkennung verhelfen. Nicht zuletzt umfasst die Ehrung auch die mediale Erwähnung auf verschiedenen städtischen Kanälen und einen Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro.

Die Gewinnerin

Unter allen Vorschlägen in diesem Jahr hat sich eine engagierte Bürgerin ganz besonders hervorgehoben: Julia Henze hat sich gerade in Zeiten der Corona-Pandemie durch ihr selbstloses Engagement hervorgetan.

Julia Henze, eine neunjährige Schülerin, hat es auf sich genommen, in ihrer Freizeit und in Zeiten des Home-Schoolings Community-Masken zu nähen und diese sogar selbst mit dem Fahrrad den Empfängern zuzustellen. Zu diesem Zeitpunkt war die Pandemie auf ihrem Höhepunkt und der Bedarf an Masken konnte durch Apotheken und Geschäfte alleine noch nicht gedeckt werden. Julia nähte über 150 Masken für Freunde, Verwandte, aber auch Fremde. Jeder Maske legte sie eine kleine Gebrauchsanweisung bei. Ihre Mutter und sie machten darauf einen kleinen Wettbewerb, wer mehr Masken nähen könne. Julias Mama hat wohl in dieser Runde gewonnen, aber sollten Community-Masken wiederverwendet werden dürfen, ist Julia zuversichtlich, gegen ihre Mama zu siegen und vielen weiteren Menschen mit einer schönen Maske aushelfen zu können.

Umso heldenhafter also, dass die junge Julia beherzt in Aktion trat und ihre Maskenaktion gleich noch mit einem Spendenaufruf für den ortsansässigen Verein einsmehr e.V., einer Down-Syndrom-Initiative verband, getreu dem Motto „Wenn ich mit Masken helfe, können die Empfänger auch was Gutes tun“ und sie forderte jede Empfängerin und jeden Empfänger einer Maske zu einer kleinen Spende auf. Das Büro für Bürgerschaftliches Engagement gratuliert zu solch vorbildhaftem Verhalten.

Bedauerlicherweise konnte Julia den Preis aufgrund einer Quarantäneanordnung ihrer Schulklasse nicht persönlich entgegennehmen. Die Ehrung von Julia erforderte viel Flexibilität, weshalb Julia der Dank und die große Anerkennung per Video-Telefonat übermittelt wurde. Aus gegebenem Anlass lieferte die Leiterin des Büros für Bürgerschaftliches Engagement, Kristin Pongratz, den Preis pünktlich vor Weihnachten per Fahrrad vor die Haustür – ebenso wie Julia damals ihre Masken. Julia näht nun übrigens in der Quarantäne weiter, diesmal Kissen für die Oma!

Dass ausgerechnet die Corona-Pandemie die edelsten Seiten der Augsburgerinnen und Augsburger zeigt, hat sich schon mehrfach bewiesen. Dennoch möchte das Büro für Bürgerschaftliches Engagement ein weiteres Beispiel des sozialen Zusammenhalts in Form von freiwilliger Tätigkeit hervorheben:

Sonderpreis für Freiwillige der Kontaktpersonennachverfolgung

Die ehrenamtlich Helfenden im Freiwilligenteam der Kontaktnachverfolgung stellten der Stadt ihre Zeit und Hilfe zur Verfügung, um die Folgen der Pandemie so weit wie möglich einzugrenzen und weitere Infektionen mit Corona zu reduzieren. So unterschiedlich die Mitglieder des Teams sind, von Rentnerinnen und Rentner bis hin zu jungen Müttern, so unterschiedlich sind ihre Motivationen. Manche, wie die Rentnerin Marianne Prommer, betrachten die Unterstützung der Stadt als Teil ihrer Identität als Bürgerinnen und Bürger. „Wir hätten die Pandemie besser im Griff, wenn alle verstehen würden, dass man als Bürger nicht nur Rechte sondern auch Pflichten hat.“, sagt die fleißige Augsburgerin dazu. Für andere, wie den frühere Sozialpädagogen Gerhard Wimmer, geht mit der Hilfe in der Notlage auch ein positiver Einfluss auf das eigene Leben einher. So schätzt der Rentner die Struktur, die die Tätigkeit seinem eigenen Leben gibt und den Kontakt mit gleichgesinnten Helferinnen und Helfer.

Allen Mitgliedern des Freiwilligenteams wurde ein kleiner Preis überreicht mit der ausdrücklichen Anerkennung und großem Dank der gesamten Stadt.