Tag des offenen Denkmals

Der Tag des offenen Denkmals ist die größte Kulturveranstaltung Deutschlands und findet jährlich am zweiten Sonntag im September statt. Auch in Augsburg.

„Sein und Schein" ist das Motto 2021

Hinter Denkmalfassaden verbergen sich faszinierende Geschichten – das erleben alljährlich Millionen Besucher beim Tag des offenen Denkmals, den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) bundesweit koordiniert. Auch 2021 laden Denkmaleigentümer und haupt- und ehrenamtliche Denkmalpfleger am 12. September interessierte Besucher in ihre Denkmale ein. Das Motto „ Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ rückt die Handwerkskunst der Illusion in den Mittelpunkt.

Zur alltäglichen Erfahrung im 21. Jahrhundert gehören retuschierte Bilder, die Wirklichkeit und Täuschung fast ununterscheidbar machen. Dabei ist der gekonnte Einsatz des „Scheins“ nicht neu. Im Barock wurden Decken, Fenster und Fassaden „vorgetäuscht“, in der Antike erfreuten sich die Menschen an der Illusion in der Malerei. Ob Blendfassade, Quaderputz oder Rustizierung illusionistische Techniken sind keine moderne Erscheinung. Sie aufzuspüren, vorzuführen und zu erläutern ist ein Aufgabenfeld am Tag des offenen Denkmals 2021. Im Fokus steht die Frage, was Rekonstruktion und pure Fassadenerhaltung mit der Denkmalpflege zu tun haben. Im Gegenzug entgehen unscheinbare Denkmale häufig der echten Aufmerksamkeit des Betrachters.

Denkmale sind vieles: Wissensspeicher, Geschichtenerzähler, Hingucker, Wohn- oder Lernort. Menschen wohnen oder arbeiten darin, Handwerk wird an ihnen erlernt, angewendet und weitergegeben. Sie zu erhalten und zu bewahren, macht Denkmalpflege zu einem gesellschaftsrelevanten Engagement. Vorausgesetzt: ihre Substanz wird gepflegt und nicht bloß ihr äußeres Erscheinungsbild. (pm)

2020 nur in digitaler Form

Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie und mit Hinblick auf das von der Bundesregierung erlassene Verbot von Großveranstaltungen fand 2020 am 13. September nach Vorgabe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kein „analoger“ Tag des offenen Denkmals statt.

Es wurden dennoch Beispiele für das  Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“ in digitaler Form vorgestellt. Exemplarisch wollen wir Ihnen hier die Alte Schmiede als ein interdisziplinäres Projekt der Hochschule Augsburg vorstellen.

Die „Alte Schmiede“ - Das geheimnisvolle Schmuckstück

Die »Alte Schmiede« liegt am Fuße des Milchbergs in der unteren Altstadt und wurde 1184 (wahrscheinlich erstmals) in der schwäbischen Chronik erwähnt. Das Augsburger Baudenkmal im Ulrichsviertel gehörte ursprünglich zum Kloster St. Ulrich und Afra und wurde zu dieser Zeit als Hufschmiede zum Beschlagen von Tierhufen genutzt. Bedingt durch den langen Leerstand kann man im Gebäude noch viele wunderschöne Relikte aus verschiedenen Zeitepochen entdecken und bewundern. So befinden sich im Obergeschoss wunderschöne Wandmalereien mit floralen Mustern, eine historische Wandkonstruktion mit Holzbalken und Haselruten (diese dienten zur damaligen Zeit als Untergrund für den Putz), oder eine ursprüngliche Schmiedeesse, welche von den verschiedensten Generationen im Berufsalltag genutzt wurde.

Labor für interdisziplinäre Lehre und Forschung

In Kooperation mit dem Eigentümer und unter professioneller Unterweisung aus dem Bereich der Bauforschung sowie der Restaurierungs- und Konservierungstechnik soll das kulturelle Erbe in den kommenden Jahren denkmalgerecht und mit größter Vorsicht wiederbelebt werden. Hierbei wird die Geschichte des Gebäudes spürbar bleiben und für jeden Besucher sichtbar gemacht werden. Die Devise ist: So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

Das Gebäude ist eben erwacht und schon so viele Projekte

Viele interdisziplinäre Projektarbeiten finden in der Schmiede statt: In der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik wird man zusammen mit den Stadtwerken Augsburg an einem Konzept zur Beheizung des Gebäudes mit synthetischen Kraftstoffen und zur Stromerzeugung arbeiten. An der Fakultät Architektur und Bauwesen werden seit dem WS 2o16 kontinuierlich Kurse in den Studiengängen Architektur, Bauingenieurwesen und Energie-Effizienz-Design im Bereich von Sanierungstechniken, Denkmalpflege, Gebäudetechnik und Dokumentation durchgeführt.

Im Studiengang Soziale Arbeit der Fakultät Geistes- und Naturwissenschaften nutzt man die Schmiede künftig als inklusiven Ort für Seminare und Diskussion, während man in der Fakultät Elektrotechnik daran interessiert ist, das zentral gelegene Gebäude zur Demonstration von Technologien im Robotik-Bereich zu verwenden.

Der "BUILD e.V. - gemeinnütziger Förderverein für studentische Projekte" nutzt das Gebäude bereits seit Anfang 2o19 für Arbeitsräume, Ausstellungen und Infoveranstaltungen.
 

Das 10-Jahres Konzept

Das Gebäude wird im Konzept der experimentellen Bauforschung dokumentiert und gestaltet werden. Die alte Schmiede soll als Kreativschmiede viel Platz für studentische Arbeitsplätze, Veranstaltungen aller Art, Ausstellungen, Schulungen und Seminare bieten.

Kurz: Eine Plattform für den interdisziplinären Austausch.