Lebensraum für Tiere

Es pocht, zirpt und singt: In den Augsburger Grünanlagen tummelt sich das Leben – auch wenn keine Bürger mehr da sind. Seltene Vögel, Insekten und sogar Fledermäuse sind hier zu Hause und beleben die Stadt.

Das Geheimrezept der Stadt hierfür ist „Strukturvielfalt“ – bei den Bäumen (Höhlungen, Spalten, unterschiedliche Altersstruktur aber auch Arten), Gebüschen (unterschiedliche Altersstrukturen, Säume) und Freiflächen (unterschiedliche Häufigkeit der Mahd, Belassen von Randstrukturen mit Brennnesseln u.ä.).

Vögel

Städte sind wichtige Zufluchtsorte für Wildvögel, die in der freien, intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft häufig keine Nahrung mehr finden.
Strukturreiche Altbäume in der Stadt bieten Platz zum Rasten und Nisten. In den Wiesenflächen von Parkanlagen finden Vögel ausreichend Insekten oder auch Sämereien und Beeren. Darüber hinaus stellen Gebäude wichtige Nistmöglichkeiten für bestimmte Vogelarten wie z.B. Schwalben, Turmfalken oder Spatzen dar.

Insekten

Insekten umgeben uns überall und sind für das Funktionieren unserer Ökosysteme von zentraler Bedeutung. Sie bilden eine wichtige Grundlage in zahlreichen Nahrungsketten und sind wichtiger Teil des natürlichen Recyclings von organischem Abfall.

Abgesehen davon erfreuen uns viele – ein Sommer ohne bunt schillernde Schmetterlinge, zirpende Grillen oder in der Dämmerung blinkende Glühwürmchen wäre kein Sommer.

Viele bemerken dieser Insekten bemerken wir aber kaum, besonders diejenigen, die unsere Stadtbäume besiedeln. Hier finden sich holzzersetzende Käfer, ernähren sich die Raupen verschiedener Schmetterlingsarten bis zur Verpuppung oder graben Insektenlarven ihre Gänge im Holz – bis der Specht sie erwischt.

Fledermäuse

Fledermäuse sind ebenfalls „heimliche“ Tiere. In Augsburg nutzen sie häufig die Bereiche an Lech, Wertach und anderen Gewässern mit den begleitenden Grünanlagen oder alte Parkanlagen als Jagdrevier. Sie beziehen für ihre Wochenstuben im Sommer Baumhöhlen oder Quartiere an Gebäuden. Für die meisten Arten sind diese Quartiere nicht für den Winterschlaf geeignet, was in Augsburg im Herbst bereits zu nächtlichen „Einbrüchen“ von Fledermäusen in Gebäude geführt hat.

Bei großen Bauprojekten sorgt die Untere Naturschutzbehörde für den Schutz der Fledermäuse. Ist die Fällung eines Baumes unvermeidbar, untersuchen Experten diesen gründlich. Die Maßnahme muss durchgeführt werden bevor die Tiere den Baum als Quartier (wieder) beziehen. Um den Säugern bei großen Baumaßnahmen alternative Rückzugsorte zu bieten, müssen Fledermauskästen angebracht werden.

Maßnahmen zum Tierschutz

Pflegemaßnahmen am Baum bedeuten Stress für Tiere. Eingriffe in den gewohnten Lebensraum von Vögeln und Fledermäusen werden schonend gestaltet:

  • Vor jeder Fällung prüfen die Baumpfleger, ob der betroffene Baum aktuell bewohnt ist, ggf. werden Schutzmaßnahmen durchgeführt oder die Fällung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
  • Muss die Stadt Fällungen durchführen, werden diese Standorte – wo es möglich ist – neu bepflanzt. Tiere finden so neue Lebensräume.

  • Verlieren Tiere zu ungünstigen Zeiten im Jahreslauf ihr Heim durch unvermeidbare Fällungen, schaffen städtische Mitarbeiter passende Ausweichbereiche wie z.B. Nistkästen für Fledermäuse.

  • Die Stadt nutzt Holz aus Fällungen unter anderem als lebendiges „Totholz“. Dieses wird auf ökologischen Ausgleichsflächen zu einem neuen Heim für Tiere aller Art.