STADTERNEUERUNG
Stadtumbau „Kriegshaber / Reese-Kaserne”
Kriegshaber mit seinen städtebaulichen Defiziten und den seit dem Abzug der US-Streitkräfte brachliegenden Kasernenflächen war wie geschaffen dafür, um dort sogenannte Stadtumbaumaßnahmen durchzuführen. Bezuschusst durch Gelder der Städtebauförderung, hat sich die ehemals abgeschottete Reese-Kaserne zu einem offenen, modernen und zukunftsfähigen Quartier entwickelt. Doch auch in Alt-Kriegshaber wurden und werden zahlreiche Maßnahmen zur Stadterneuerung durchgeführt.
Was sind Stadtumbaumaßnahmen?
Durch Stadtumbaumaßnahmen werden einzelne Stadt- und Ortsteile aufgewertet. Städte und Gemeinden erhalten dafür von Bund und Ländern Fördermittel, um beispielsweise Militär- oder Industriebrachflächen städtebaulich neu zu ordnen. In langwierigen Planungsprozessen können damit aus nicht mehr ihrer früheren Nutzung unterliegenden Flächen neue Quartiere entwickelt werden.
Im Jahr 2005 wurden für die geplante Stadtumbaumaßnahme im Bereich Kriegshaber / Reese-Kaserne so genannte vorbereitende Untersuchungen eingeleitet. Bei der Grundlagenermittlung wurden Mängel und Entwicklungspotentiale gegenübergestellt. Diese Erkenntnisse flossen in ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) ein. Ein solches ISEK bildet immer die Grundlage für Stadtumbaumaßnahmen. Im ISEK wurden die Entwicklungsziele für das Stadtumbaugebiet und mögliche Maßnahmen zur Zielerreichung dargelegt. Das ISEK wurde zusammen mit der Bevölkerung in zahlreichen Bürgerwerkstätten und Expertenrunden erarbeitet. Es liegt seit Juli 2014 in seiner endgültigen Fassung vor.
Im Jahr 2014 wurde das Gebiet, in dem die Stadtumbaumaßnahmen durchgeführt werden sollten, als Stadtumbaugebiet festlegen. Das Stadtumbaugebiet „Kriegshaber / Reese-Kaserne” umfasst Teile Kriegshabers und erstreckt sich über die Stadtteilgrenzen hinaus auch auf das ehemalige Gaswerk in Oberhausen mit dem benachbarten Gewerbegebiet und Containerbahnhof.
Welche Maßnahmen sind besonders hervorzuheben?
Viele städtebauliche Maßnahmen für die positive Entwicklung im Stadtumbaugebiet wurden bereits erfolgreich umgesetzt bzw. sind in Umsetzung. Herauszuheben sind folgende Projekte:
Die Reese-Kaserne wurde nach dem 2. Weltkrieg 50 Jahre lang durch die US-Streitkräfte genutzt. Nach dem Abzug der Streitkräfte wurde ein langwieriger Planungsprozess eingeleitet, in dem die Weichen für die Zukunft der Reese-Kaserne im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme neu gestellt wurden.
Von 1995 bis zum Jahr 2005 wurde das Areal durch gewerbliche und Dienstleistungsbetriebe zwischengenutzt. Danach setzten nach vorhergehender Bauleitplanung umfassende Bautätigkeiten zur Umwandlung des ehemaligen Militärgeländes zu einem modernen Quartier ein:
- neue Wohnbebauung zwischen Ulmer- und Bürgermeister-Ackermann-Straße mit Mehrfamilien-, Einzel-, Reihen-, und Doppelhäusern
- Bau Nahversorgungszentrum an der Ulmer Straße
- Eröffnung Schwäbisches Förderzentrum für Hörgeschädigte im Komplex der ehemaligen High-School
- Nachnutzung des alten Kasinos an der Sommestraße durch das Kulturhaus Abraxas
- Nachnutzung des früheren „Guesthouses” an der Reinöhlstraße, durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Verwaltungsgebäude
- Schulneubau im Südosten des ehemaligen Kasernengeländes (ehemalige Hermann-Schmid-Akademie, nun Bischof-Ulrich Grund- und Realschule)
- Neubau Verwaltungs- sowie Werkstattgebäude der Wohnbaugruppe Augsburg | Leben an der Bürgermeister-Ackermann-Straße
- Neubau Polizeiinspektion Augsburg West an der Bürgermeister-Ackermann-Straße
Durch den Abzug der US-Streitkräfte wurden im Augsburger Westen große, bis dahin abgeschottete militärische Areale für eine zivilen Nachnutzung frei. Dies bot die einmalige Chance dort einen großflächigen, zusammenhängenden Grünzug - den Westpark - zu realisieren. Der Westpark setzt sich aus dem Reese- und dem Sheridanpark zusammen.
Die Planungsgrundlage zur Freiflächenentwicklung und Grünvernetzung im Augsburger Westen wurde in einem Ideen- und Realisierungswettbewerb ermittelt. Bereits vor der Auslobung des Wettbewerbs konnten die Bürger in einer Planungswerkstatt im Jahr 2004 Wünsche und Vorstellungen zum Thema Freiraumplanung einbringen.
Der Park wurde abschnittsweise realisiert. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2021 hat sich der Westpark zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. Er bietet großzügige Spiel-, Sport- und Erholungsflächen. Im Jahr 2021 wurde der Westpark mit dem Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2023 erhielt er zudem den Europäischen Gartenpreis in der Kategorie Entwurf oder Konzept eines zeitgenössischen Parks oder Gartens.
Die jahrzehntelange Nutzung des Areals durch das US-Militär floss in die Gestaltung des Parks mit ein. Stauden- und Gräserbeete erinnern an amerikanische Prärielandschaften und die im Herbst bunt belaubten Bäume an den Indian Summer.
Der Park zeichnet sich durch eine hohe Dichte an verschiedenen Spiel- und Sportmöglichkeiten aus. Im Reese-Teil befinden sich beispielsweise die „Table Mountains“, die als Bewegungsanimation für alles, was Rollen hat funktioniert – vom Laufrad über Rollerblades, Bikes und Skates bis zum Rollstuhl. Zudem wurde im Reesepark ein Rodelhügel geschaffen.
Nach dem Abzug der US-Streitkräfte wurden Teile der ehemaligen Reese-Kaserne zwischengenutzt. In Gebäuden an der Sommestraße siedelten sich Kulturschaffende an. Der Kulturpark West war geboren. Zur dauerhaften Bestandssicherung wurde die kulturelle Szene nach dem Zwischennutzungsendes ab Mitte 2019 schrittweise aus der Reese-Kaserne auf das Gaswerkgelände in Oberhausen verlagert.
Das industriegeschichtlich europaweit bedeutsame Denkmalensemble hat sich mittlerweile zu einem kulturellen bzw. kultur- und kreativwirtschaftlichen Zentrum entwickelt. Nicht nur der Kulturpark West hat dort eine neue Heimat gefunden. Zur Belebung und Wiedernutzung des Gaswerk-Geländes trägt zudem die Brechtbühne bei, eine Interimsspielstätte des Staatstheaters Augsburg. Für die Dauer der Sanierung des Großen Hauses haben Schauspiel und Ballett dort seit Januar 2019 ein vorübergehendes Zuhause gefunden.
Die im Jahr 2017 eingeleitete Bauleitplanung für das ehemalige Gaswerk wird momentan seitens der Grundstückseigentümerin nicht weiterverfolgt.
Welche Maßnahmen sind noch in Planung?
Die Stadterneuerungsmaßnahmen im Bereich des Stadtumbaugebietes „Kriegshaber / Reese-Kaserne” sind längst noch nicht abgeschlossen. Viele Projekte befinden sich noch in der Planungsphase. Herauszuheben sind folgende Projekte:
Im östlichen Bereich der ehemaligen Reese-Kaserne soll ein zukunftsfähiges neues Quartier entstehen. Es soll einen Beitrag zur Deckung des erhöhten Wohnraumbedarfs leisten und durch kulturelle Einrichtungen und Bildungsinfrastruktur ergänzt werden. Im Gebiet befindet sich das Kulturhaus Abraxas, das in die Quartiersentwicklung eingebunden werden soll. Im neuen Quartier soll ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept verwirklicht werden, das die Nutzungsnotwendigkeit privater PKWs reduziert.
Im Jahr 2021 wurde für das sogenannte Sommequartier ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb ausgelobt. Das Wettbewerbsgebiet bestand aus einem Realisierungsteil im Süden und einem Ideenteil im Norden. Der südliche Bereich soll durch Wohnnutzungen geprägt werden, wohingegen der nördliche Bereich zusammen mit dem Kulturhaus Abraxas in erster Linie schulischen Zwecken vorbehaltenen sein soll.
Aus dem Wettbewerb gingen zwei Preisträger und drei gleichrangige Anerkennungen hervor.
Momentan werden die Wettbewerbsergebnisse für das neue Quartier konkretisiert, damit sie als Grundlage für eine erforderliche Bauleitplanung dienen können.
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Im historischen Zentrum des Stadtteils Kriegshaber soll auf dem Gelände der ehemaligen Firma Linde und des benachbarten Spectrum-Clubs ein gemischt genutztes Stadtquartiers entstehen. Zur Sicherung einer qualitätvollen städtebaulichen Entwicklung wurde im Juni 2025 eine städtebauliche und landschaftsplanerische Mehrfachbeauftragung ausgelobt. Die Ergebnisse liegen seit August 2025 vor. Der Siegerentwurf dient nun als Grundlage für die Detailplanung.
Die Bebauung des Areals ist in zwei Abschnitten geplant. Der erste Abschnitt umfasst den größten Teil des Linde-Geländes. Der Spectrum-Club soll noch bis Ende 2030 weiterbetrieben werden. Danach kann der zweite Bauabschnitt des neuen Quartiers realisiert werden.
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Die ehemals für Einzelhandel, Praxen, Sport und Gastronomie genutzten Flächen rund um den Marstaller Hof an der Kreuzung Ulmer Straße / Kriegshaberstraße sind seit längerem brachgefallen. Das Grundstück, dass sich über Augsburger und Stadtberger Stadtgebiet erstreckt, soll baulich neu geordnet werden. Geplant ist eine Folgenutzung durch großflächigen Einzelhandel (Hauptsortiment Lebensmittel) mit ergänzenden Dienstleistungsangeboten. Für das Baudenkmals „Marstaller Hof“ ist schwerpunktmäßig eine gastronomische Nutzung vorgesehen. Die erforderliche Bauleitplanung wurde im Herbst 2024 eingeleitet.
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Headerfoto: Eckhart Matthäus Fotografie