Entwicklung von Präventionskonzepten an Schulen

Um Kinder und Jugendliche bestmöglich zu stärken, braucht es Prävention, die fest im Schulalltag verankert ist. Ein Präventionskonzept hilft Schulen dabei, einen klaren Überblick zu bekommen, wo es besonderen Unterstützungsbedarf gibt und welche Maßnahmen sich eignen, um Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Wie entwickelt man ein Präventionskonzept?

In sieben Schritten wird hier ausführlich erklärt, wie Sie ein Präventionskonzept entwickeln können und worauf Sie dabei achten müssen.


Probleme, Risiken und Bedürfnisse der Schulgemeinschaft erkennen.

Empfehlungen:

  • Durchführung einer Bestandsaufnahme: Welche Präventionsangebote gibt es bereits? Welche haben sich bewährt?
  • Daten erheben (z. B. Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern) zu: 
    - Gewalt/Vorfällen
    - psychischen Belastungen
    - Suchtmittelkonsum
    - Schulklima 
    - etc.
  • Austausch mit Jugendsozialarbeit an Schulen, Fachbereich Präventive Kinder- und Jugendhilfe u.a.
  • Analyse aktueller Herausforderungen (z. B. (Cyber)mobbing, Konflikte, Elternerreichbarkeit etc.)

Auf Basis der Bedarfsanalyse werden realistische, überprüfbare Ziele formuliert:

Beispiele:

  • Verringerung von Mobbingvorfällen um x % innerhalb von x Jahren
  • Verbesserung der Erreichbarkeit und Einbindung von Eltern innerhalb von x Jahren, messbar an x
  • Förderung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern, sichtbar an z.B. Verringerung der Abwesenheitstage 

Ein Präventionskonzept braucht Verantwortlichkeiten.

Empfohlene Zusammensetzung:

  • Schulleitung
  • Lehrkräfte verschiedener Fächer/Jahrgangsstufen
  • Jugendsozialarbeit an Schulen 
  • Schulpsychologie
  • Elternvertretung
  • Schülervertretung (altersangemessen)
  • ggf. externe Fachstellen (z. B. Präventive Kinder- und Jugendhilfe)

Aufgaben des Teams:

  • Maßnahmen planen
  • Qualität sichern
  • Evaluation durchführen
  • Koordination mit außerschulischen Partnern

Die Maßnahmen sollten bedarfsgerecht, zielbezogen und nachhaltig sein.

Mögliche Bausteine:

  • Soziale Kompetenzen und Konfliktlösung
    - Klassenprogramme (z. B. „Eigenständig werden“)
    - Streitschlichter - Mediation/Peer-Mediation
     
  • Gewaltprävention und Mobbingprävention
    - Anti-Mobbing-Konzepte (z.B. Freiburger Sozialtraining)
    - Klassenregeln, Schulordnung, Interventionskette
    - Projekte zu Zivilcourage
     
  • Medienpädagogik
    - Workshops
    - Medienpädagogische Konzepte (z.B. Peer-to-Peer Ansatz „Augsburger Medienscouts“)
    - Regelwerke für digitale Kommunikation
     
  • Suchtprävention und Gesundheitsförderung
    - Workshops zu Alkohol, Cannabis, E-Vapes, Gaming
    - Sport- und Bewegungsangebote
    - Stärkung der Resilienz
     
  • Psychische Gesundheit
    - Stressmanagement
    - Programme zum Klassenklima
    - Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen

Ein Präventionskonzept wirkt nur, wenn es dauerhaft strukturell eingebettet ist.

Empfehlungen:

  • Aufnahme des Präventionskonzepts in das Schulprogramm
  • Jahresplanung mit wiederkehrenden Modulen
  • Regeln und Abläufe institutionalisieren (z. B. Interventionsplan bei Konflikten)
  • Fortbildungen für Lehrkräfte verpflichtend integrieren
  • Kooperation mit Eltern stärken (z. B. Einbindung in Veranstaltungen, Info-Material)

Damit alle das Konzept kennen und leben können:

  • Vorstellung im Kollegium und in Konferenzen
  • Kommunikation an die Schülerinnen und Schüler (Klassengespräche, Infowände)
  • Transparenz für Eltern (Homepage, Elternbriefe)
  • Schulinterne Fortbildungen durchführen

Ein Präventionskonzept ist kein statisches Dokument.

Empfehlungen:

  • Regelmäßige Evaluation (z. B. jährlich)
  • Kennzahlen erfassen (Mobbingfälle, Fehlzeiten, Beratungsanfragen)
  • Feedback von Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern einholen
  • Maßnahmen anpassen und verbessern
  • Kooperationen regelmäßig überprüfen

Unterstützung bei der Umsetzung von Präventionsarbeit

Der Fachbereich Präventive Kinder- und Jugendhilfe unterstützt Fach- und Lehrkräfte sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Jugendhilfe und Jugendarbeit und Schule mit folgenden Angeboten:

  • Beratung in allen Fragen rund um Präventionsthemen der Kinder- und Jugendhilfe
  • Unterstützung bei der Klärung von Handlungsbedarf
  • Vermittlung und Durchführung von passgenauen Präventionsangeboten
  • Qualitätsprüfung
  • Unterstützung bei der Entwicklung von Präventionskonzepten
  • Bedarfsgerechte Initiierung neuer Angebote
  • Veranstaltungsreihen zu Präventionsthemen im Rahmen der Kampagne „Abenteuer Kindheit und Jugend“
  • Organisation von fachlichem Austausch

Fördermöglichkeiten für Präventionsangebote an Schulen

Schulen können auf verschiedene Angebote zurückgreifen, die Präventionsmaßnahmen fördern. Die Angebote sind beispielsweise städtisch oder kommen von Bund und Ländern.  


Was ist Schule+Plus?

Schule+Plus ist ein Förderinstrument der Stadt Augsburg zur Unterstützung von Schulen in sozial herausfordernden Lagen.

Was bietet das Programm?
Es ergänzt Maßnahmen zur Bildungsgerechtigkeit und ermöglicht erweiterte Angebote in den Bereichen Prävention, Soziales Lernen, Schulklima und individuelle Förderung.

Wer kann das Programm nutzen?
Alle Augsburger Schulen können Anträge stellen. Das Programm ist nur dann nutzbar, wenn keine anderen Förderungen bestehen.

Was ist noch erforderlich, um eine Förderung zu erhalten?
Erbringungen eines Eigenanteils, sparsamer Mitteleinsatz, Evaluation der Maßnahmen, Einbettung ins Schulprogramm.

Wo finde ich weitere Infos?

 


Was ist das Startchancen-Programm?

Das Startchancen-Programm ist aktuell eines der wichtigsten großen Bildungsprogramme in Deutschland. Es richtet sich gezielt an Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Kinder und läuft über zehn Jahre. Ziel ist der Abbau sozialer Benachteiligung, Stärkung von Basiskompetenzen, Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler.

Was bietet das Programm?

Über Chancen- und Personalbudgets können Augsburger Schulen, die für das Startchancen-Programm berücksichtigt wurden, u. a. finanzieren:

  • Programme zu sozial-emotionalem Lernen
  • Unterstützungsprojekte, z. B. Sprachförderung, Lernförderung
  • Kulturelle/soziale Projekte, Schulsozialarbeit