Veranstaltungen
Enthüllung des Erinnerungsbands für Dr. Arthur und Clara Teutsch
5. November 2026
14:30 Uhr
Vor dem Haus Bahnhofstraße 18
Am 5. November wird wieder ein neues Erinnerungsband angebracht. Mit diesen Erinnerungszeichen soll das Gedenken an Menschen bewahrt werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Das Band ist dem Ehepaar Dr. Arthur und Clara Teutsch gewidmet und wird von den Nachkommen gestiftet. Die kleine Gedenkfeier vor dem Haus in der Bahnhofstraße 18 wird von der ErinnerungsWerkstatt organisiert. Wir laden alle Interessierten herzlich zur Teilnahme ein!
Familie Teutsch
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet das jüdische Ehepaar Arthur und Clara (auch: Klara) Teutsch zunehmend unter Verfolgungsdruck. Arthur musste seine Anwaltskanzlei 1938 infolge des Berufsverbots für jüdische Rechtsanwälte aufgeben. Die erhoffte Emigration scheiterte an der fehlenden Visaerteilung. Am 1. April 1941 wurden die Eheleute zwangsweise in das „Judenhaus“ in der Hallstraße 14 eingewiesen. Clara musste zudem Zwangsarbeit in der Augsburger Ballonfabrik leisten. Am 5. August 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert. Arthur starb dort am 21. Mai 1943. Clara wurde am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
„Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Opfer der ‚Aktion T4‘ aus Bayern“
Sonderausstellung im Erinnerungs- und Lernort „Halle 116“
07.11.2026 – 17.01.2027
Öffnungszeiten: Mi 10–15 Uhr, Sa / So 11–16 Uhr
Die Wanderausstellung erinnert an die mehr als 7.600 Menschen aus bayerischen Heil- und Pflegeanstalten, die 1940/41 im Rahmen der nationalsozialistischen „Aktion T4“ ermordet wurden. Anhand von Biografien erzählt sie die Lebensgeschichten von Opfern und beleuchtet die Verfolgung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und psychischen Erkrankungen im Nationalsozialismus.
Ergänzt wird die Ausstellung durch umfangreiche Beiträge lokaler Initiativen der Erinnerungsarbeit, darunter Biografien Augsburger „Euthanasie“-Opfer.
Die Ausstellung ist zusätzlich zur Dauerausstellung in der „Halle 116“ zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Mitwirkende:
Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.
VVN-BdA Augsburg
Arbeitskreis NS-Medizinverbrechen
Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung
Samstag, 7. November 2026; 11 Uhr
Schotte 4 der „Halle 116“
Begrüßung: Bernd Zitzelsberger (3. Bürgermeister)
Grußwort: Edgar Rölz (Bezirk Schwaben)
Grußwort: Initiativen der Erinnerungsarbeit
Vorstellung der Ausstellung: Daniel Hildwein, M.A. (Leiter Gedenkstätte und Dokumentationszentrum Grafeneck)
Musikalische Umrahmung: Klarinettentrio des Jugendorchesters Gersthofen (Maxima Mayer, Celina Schmid, Korbinian Hochmuth)
Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen! Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Sonder- sowie die Dauerausstellung zu besuchen.
Grafeneck 1940 und die NS-„Euthanasie“-Verbrechen – Geschichte und Erinnerung
Vortrag von Thomas Stöckle
Mittwoch, 18. November 2026, 19 Uhr
Schotte 4 der „Halle 116“
Grafeneck war 1940 einer der ersten Orte des nationalsozialistischen Massenmords. Innerhalb weniger Monate wurden dort 10.654 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet, die von den Nationalsozialisten als „lebensunwertes Leben“ stigmatisiert worden waren. Der Vortrag beleuchtet die Hintergründe dieser Verbrechen, die Motive der Täter sowie die Schicksale der Opfer, von denen viele auch aus Bayern und Schwaben stammten.
Zugleich richtet sich der Blick auf die Zeit nach 1945: Wie wurde mit den Verbrechen und den Tätern umgegangen? Warum gerieten die Opfer lange in Vergessenheit? Und welche Bedeutung kommt der heutigen Erinnerungs- und Gedenkarbeit in Grafeneck zu?
Thomas Stöckle ist Historiker und Leiter der Gedenkstätte Grafeneck. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die südwestdeutsche Landesgeschichte sowie die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen.
Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen: Erst erfasst, dann ausgeblendet
Vortrag von Prof. Dr. Birgit Prodinger
Mittwoch, 25. November 2026, 19 Uhr
Schotte 4 der „Halle 116“
Im Nationalsozialismus und über das Kriegsende hinaus wurden Menschen mit Behinderungen erfasst, begutachtet und ermordet. Danach wurden sie lange weder als Opfer anerkannt noch in der Gesundheitsversorgung ausreichend berücksichtigt. Erst mit der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, wurde festgeschrieben, dass Menschen mit Behinderungen dieselbe Gesundheitsversorgung zusteht wie allen anderen. Seither wird international und zunehmend auch in Deutschland genauer gefragt, wie ungleich der Zugang zu medizinischer Versorgung verteilt ist und wie wenig darüber bislang bekannt ist. Der Vortrag geht der Frage nach, wie es heute um die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen steht. Dieses Wissen ist Voraussetzung dafür, sie zu verbessern.
Prof. Dr. Birgit Prodinger hat den Lehrstuhl für die Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung und Teilhabebeschränkungen an der Medizinischen Fakultät der Univ. Augsburg inne und ist Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Augsburg.
Verlegt. Gedenkbuch für die Opfer der Aktion T4 aus der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee
Buchvorstellung und Gespräch mit Prof. Dr. Michael von Cranach | Gleichzeitig Finissage der Ausstellung mit verlängerten Öffnungszeiten
Mittwoch, 13. Januar 2027, 18:30 Uhr
Schotte 4 der „Halle 116“
689 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen wurden zwischen August 1940 und August 1941 im Rahmen der nationalsozialistischen „Aktion T4“ aus der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee deportiert und ermordet. Nach Jahrzehnten des Schweigens begann ab 1980 die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit. Das Buch schildert die damaligen Ereignisse und trägt dazu bei, die Opfer aus der Vergessenheit in das kollektive Gedächtnis zurückzuholen.
Prof. Dr. Michael von Cranach ist Psychiater und Autor und gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Aufarbeitung der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen in Deutschland. Als langjähriger Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren erforschte er die Geschichte der Krankenmorde und setzte sich für das Gedenken an die Opfer ein. Mit zahlreichen Publikationen und Vorträgen hat er dazu beigetragen, die Schicksale der Betroffenen sichtbar zu machen und die Verbrechen dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Finissage: Die „Halle 116“ hat am 13. Januar verlängerte Öffnungszeiten von 10-18 Uhr!