Mehr Zeit für Pflege: Altenhilfe führt Sprach-Dokumentation ein
In der Pflege raubt Dokumentation viel Zeit. Darum setzt die Altenhilfe der Stadt Augsburg jetzt auf ein schnelles, digitales Modell: Die Doku wird direkt bei den Patienten ins Handy gesprochen. Das spart bis pro Schicht bis zu 60 Minuten.
In zwei Häusern der städtischen Altenhilfe sprechen die Pflegekräfte ihre Dokumentation jetzt direkt ins Handy. Foto: Altenhilfe Augsburg
In zwei Einrichtungen wurde Ende April die digitale Sprachdokumentation eingeführt: im Seniorenzentrum Servatius und im Seniorenzentrum Lechrain. Pflegekräfte können jetzt per Handy Informationen zu Gesundheitszustand, Vitalwerte, durchgeführten Pflegemaßnahmen, Ess- und Trinkverhalten oder besonderen Beobachtungen erfassen und diese sofort eingeben. Die eingesprochenen Informationen werden strukturiert verarbeitet und in die bestehende digitale Dokumentation integriert.
Spürbare Entlastung im Arbeitsalltag
Eine deutliche Verbesserung im Arbeitsalltag: Pro Schicht können zwischen 18 und 60 Minuten Zeit eingespart werden. Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Kompetenzzentrums Digitalisierung und Pflege mit Sitz in Bonn.
Handschriftliche Notizen entfallen ebenso wie Laufwege zu den PC-Arbeitsplätzen. Weiterer Vorteil: Wichtige Informationen stehen dem gesamten Team unmittelbar zur Verfügung und sind jederzeit für alle abrufbar. Arbeitsabläufe werden dadurch übersichtlicher und effizienter.
Davon profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner direkt: Pflegekräfte haben mehr Zeit für persönliche Zuwendung und können schneller auf Veränderungen reagieren. Alle Informationen sind auch unterwegs in der Einrichtung jederzeit verfügbar.
Pflegereferent Schenkelberg: „Wir müssen das Pflegepersonal entlasten“
„Das Rückgrat guter Pflege sind die Menschen, die diese Aufgabe mit hoher Einsatzbereitschaft und Einfühlungsvermögen übernehmen“, erklärt Martin Schenkelberg, Referent für Gesundheit, Pflege, Integration und Gesellschaft. „Unser Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal durch den Abbau von Bürokratie und die Digitalisierung zu verbessern. Dann bleibt mehr wertvolle Zeit für die Pflege am Menschen und persönliche Zuwendung.“
Mehr Zeit für das Wesentliche
„Wir wollen die Rahmenbedingungen für gute Pflege aktiv verbessern. Wenn es uns gelingt, den Dokumentationsaufwand zu reduzieren, gewinnen unsere Mitarbeitenden Zeit für die Menschen, die sie begleiten“, sagt Werkleiter Kristian Greite. Auch aus fachlicher Sicht steht der Nutzen im Vordergrund: „Digitale Lösungen müssen im Alltag wirklich helfen. Entscheidend ist, dass sie sich in bestehende Software-Systeme integrieren und die Arbeit tatsächlich erleichtern. Genau das erreichen wir mit der Sprachdokumentation“, ergänzt die Digitalisierungsbeauftragte der Altenhilfe, Anna Feldschmid.
Digitalisierung als Gesamtstrategie
Die Einführung erfolgt im Rahmen der langfristig angelegten Digitalisierungsstrategie der Altenhilfe der Stadt Augsburg. Das Ziel: Arbeitsabläufe nachhaltig verbessern und Pflegekräfte gezielt unterstützen.
Die Integration in bestehende Dokumentationssysteme wurde im Vorfeld intensiv vorbereitet. Technische Voraussetzungen wie stabiles WLAN in allen Räumen einer Senioreneinrichtung sowie Schulungen der Mitarbeitenden tragen dazu bei, die Einführung datenschutzrechtlich sicher und praxisnah umzusetzen. (pm/rs)