Kapitel 7: Trümmerräumung und Wiederaufbau

Unmittelbar nach dem Luftangriff im Februar 1944 wurden die Trümmer an die Straßenseiten geräumt. Bereits kurz darauf legte man erste Ruinen nieder, wenn sie eine Gefahr für Passanten darstellten. Besonders gefährlich waren freistehende Kamine.

Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte die Trümmerbeseitigung systematisch betrieben werden. Ein eigenes Amt für Trümmerräumung und -verwertung wurde 1946 installiert. Eine „Trümmerbahn“, deren Gleise durch die Stadt gelegt wurden, ermöglichte den Abtransport des Schutts. Ziegel oder Eisenteile wurden wiederverwendet. Hierzu richtete man am Gesundbrunnen und am Schleifgraben Ziegelverwertungsanlagen ein.

Am Rosenauberg ließ der Leiter des Amts für Trümmerräumung, Hans Bruckner, aus dem Schutt, der 1948 circa 700.000 m3 umfasste, das Gelände des späteren Rosenaustadions formen. Insgesamt wurden 1.500.000 m3 Trümmer geräumt, ein Berg, der das Rathaus gut fünfzehnmal aufnehmen könnte.

Die Trümmerräumung war bald abgestimmt auf die Stadtplanung. So wurde die Ruine des Bäckerzunfthauses am Perlachberg 1950 abgebrochen, weil dort eine Straßenverbreiterung vorgesehen war. Auch die historische Fassade des Hotels „Drei Mohren“ musste einem erweiterten Neubau weichen. Zahlreiche historische Bauten wurden noch in den Folgejahren abgerissen, vor allem aus kommerziellen Interessen.

Die Kriegszerstörungen ermöglichten städtebauliche Planungen, die schon jahrelang in der Schublade lagen. Hierzu zählte eine Ost-West-Achse durch die Altstadt. Ansonsten blieben die Eingriffe in den Grundriss der Stadt im Gegensatz zu anderen deutschen Städten ausgesprochen moderat, da man vor Enteignungen zurückschreckte.

Zunehmend meldeten sich schließlich die Bürger zu Wort: 1960 votierten sie mit 55.000 Stimmen gegen eine Bebauung der Kriegslücke vis à vis des Rathauses, der „freie Rathausplatz“ entstand. 1965–1968 verhinderte Bürgerprotest den Verkauf des Zeughauses an ein Kaufhaus. Viele Augsburger waren unzufrieden mit dem Aufbau, den sie als „zweite Zerstörung“ empfanden. Dies führte zum Umdenken: Seit 1973 konnten die verbliebenen historischen Zeugnisse in der Altstadt mithilfe des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes gesichert werden. Das über Jahrhunderte gewachsene historische Stadtbild Augsburgs aber war durch den von den Nationalsozialisten entfachten Krieg und den Aufbau nach 1945 für immer verloren.

 

 

 

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