Fotos: Ruth Plössel, Reinhard Strobl/Stadt Augsburg

Der „Augsburger Weg der Erinnerung“

Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes in Augsburg

1. Der „Augsburger Weg“

Die Stadt Augsburg hat es sich zum Anliegen gemacht, das Gedenken an die Opfer des NS-Unrechtsregimes durch individuelle, dezentrale und bürgerschaftlich initiierte Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum zu fördern. Erinnert werden soll an alle Opfergruppen, unabhängig von deren politischer, weltanschaulicher, religiöser und sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder ethnischer Herkunft.
Unter Beteiligung von Vertretern der Opfergruppen, verschiedener bürgerschaftlicher Initiativen, der im Stadtrat vertretenen Parteien, von Vertretern der Stadt Augsburg sowie zahlreicher engagierter Einzelpersonen, wurde ein erinnerungskulturelles Konzept – der „Augsburger Weg der Erinnerung“ – erarbeitet und dessen Umsetzung im März 2016 vom Stadtrat beschlossen.

Der „Augsburger Weg“ soll für alle Opfergruppen eine würdige Form des Gedenkens ermöglichen. Er sieht im Wesentlichen zwei Formen des individuellen Opfergedenkens im öffentlichen Raum vor, zwischen denen die Angehörigen bzw. Fürsprecher von Augsburger Opfern des NS-Regimes wählen können:

  • Die von Gunter Demnig kreierten „Stolpersteine“ in Straßen oder auf Bürgersteigen vor Gebäuden, in denen NS-Opfer zuletzt aus freiem Entschluss gewohnt haben. (www.stolpersteine.eu
     


     
  • Nach einem einheitlichen, künstlerischen Gestaltungsprinzip konzipierte „Erinnerungsbänder“, die an Laternensäulen, Verkehrszeichenträgern oder neu gesetzten Pfosten angebracht werden und sich in größtmöglicher Nähe zum letzten freiwillig gewählten Wohnort des jeweiligen Opfers befinden.
     
    Foto: Annette Zoepf

Als Ansprechpartner für weitere Informationen zu den jeweiligen Gedenkzeichen stehen der Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung (www.stolpersteine-augsburg.de) beziehungsweise (für die Erinnerungsbänder) die ErinnerungsWerkstatt Augsburg (www.erinnerungswerkstatt-augsburg.de) zur Verfügung.
 

2. Beantragung eines Erinnerungszeichens

Sowohl Angehörigen, Sprechern von Opfergruppen, bürgerschaftlichen Initiativen als auch Privatpersonen steht es frei, eines der Erinnerungszeichen für Opfer des NS-Regimes, die in Augsburg gelebt oder gewirkt haben, zu beantragen. Die Fachstelle für Erinnerungskultur der Stadt Augsburg (Erinnerungskultur(at)augsburg.de, Tel. 324 3255), nimmt die Anträge entgegen und koordiniert die Setzung der Gedenkzeichen mit den anderen beteiligten Stellen und Institutionen.

Sofern sich örtliche Repräsentanten einer Opfergruppe explizit gegen eine bestimmte Form des individuellen Erinnerns aussprechen, so ist diese Entscheidung zu respektieren. Ausnahmen sind nur möglich, wenn Angehörige von Opfern ausdrücklich das Erinnerungszeichen wünschen oder ihren Willen zu Lebenszeiten schriftlich niedergelegt haben. Kein Erinnerungszeichen soll gegen den Willen der Angehörigen gesetzt werden. Der Wunsch der Angehörigen hat immer Vorrang und ist zweifelsfrei zu dokumentieren.
Angehörige sind der oder die Verlobte, Ehegatte oder Lebenspartner(in), Personen, die mit dem Opfer in gerader Linie verwandt oder verschwägert sind, sowie Personen, die mit dem Opfer in der Seitenlinie bis zum vierten Grad verwandt oder bis zum dritten Grad verschwägert sind.

Die Initiative zur dezentralen Ehrung von NS-Opfern und die notwendigen Recherchearbeiten sollen von der Öffentlichkeit ausgehen, z.B. von Verbänden, Vereinen, Initiativgruppen, Angehörigen oder Privatpersonen. Die Kosten für die Herstellung, die Anbringung, den Unterhalt und weitere Aufgaben um die jeweiligen Erinnerungszeichen, tragen die Antragsteller.

Eingedenk des unermesslichen Leids, das unzählige Familien und Einzelpersonen während der NS-Diktatur erfahren haben, ist es Ziel des „Augsburger Wegs“, zeitnah denjenigen Menschen ein würdiges Denkmal zu schaffen, die in den Jahren 1933 bis 1945 als Opfer des Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. Jedes dieser individuellen Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum steht für ein gewaltsam ausgelöschtes Menschenleben, was Erinnerungsband und Stolperstein eine besondere Bedeutungsschwere und Symbolkraft verleiht. Das Leid und die schweren Schicksale der überlebenden Opfer des NS-Regimes sollen durch diesen erinnerungskulturellen Weg, dessen Ziel eine Verortung des Gedenkens im öffentlichen Raum ist, in keiner Weise relativiert werden.

Erinnerungszeichen können daher nach Ziffer 5 des Augsburger Wegs für alle Personen geschaffen werden, die durch die NS-Verfolgung zu Tode gekommen sind:

a) in Ghettos, Konzentrationslagern, Haft- und Vernichtungslagern sowie Heil- und Pflegestätten ermordete und gestorbene Menschen; 
  
b) durch Verfolgung, Schikane oder Demütigung in den Suizid getriebene Menschen;

c) auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ums Leben gekommene Menschen;

d) durch die Folgen von Inhaftierung und Zwangsarbeit gestorbene Menschen.

Daneben kommen auch Opfer in Frage, die außerhalb der Jahre der NS-Herrschaft, jedoch eindeutig durch oder an den Folgen nationalsozialistischer Gewalt zu Tode gekommen sind. Über nicht eindeutige Fällen berät der vom Stadtrat berufene, ständige Wissenschaftliche Fachbeirat und gibt eine Empfehlung ab.
 

3. Anforderungen für die Anträge auf Gewährung eines Erinnerungszeichens im öffentlichen Raum

Gemäß des Stadtratsbeschlusses vom 17.03.2016 sind folgende Punkte durch den oder die Antragsteller zu erfüllen.

Im Regelfall sollte für jedes Opfer ein gesonderter, schriftlicher Antrag an die Stelle für Erinnerungskultur im Kulturamt (Erinnerungskultur(at)augsburg.de) gestellt werden. Handelt es sich um mehrere, verwandte oder verschwägerte Opfer (z.B. Ehepaar mit Kindern), so genügt ein Antrag pro Familie.

Der Antrag sollte an Informationen enthalten:

  • Die Art des gewünschten Erinnerungszeichens (Stolperstein oder Erinnerungsband).
  • Den für das Erinnerungszeichen vorgesehenen Ort.
  • Den Textvorschlag für das Erinnerungszeichen.

Der Antragsteller sollte außerdem folgende Erklärungen und Nachweise erbringen:

  • Biographische Angaben zur Person des NS-Opfers (insbesondere Geburts- und Todesdatum)
  • Belege für das jeweilige Opferschicksal
  • Den Nachweis, dass es sich bei dem für das Gedenkzeichen veranschlagten Ort um den letzten freiwillig gewählten Wohnort des oder der Opfer handelt.
  • Belege dafür,
    a) dass keine lebenden Angehörigen des Opfers mehr ermittelt werden konnten
    b) oder eine Einverständniserklärung der Angehörigen, dass das Erinnerungszeichen gesetzt werden soll, vorliegt.

Bei den teils sehr komplizierten Recherchen zu Opferbiographie, letztem freiwilligen Wohnort etc. helfen das Stadtarchiv Augsburg (stadtarchiv(at)augsburg.de) und die Fachstelle für Erinnerungskultur im Kulturamt der Stadt Augsburg (erinnerungskultur(at)augsburg.de, Tel. 0821 324-3255) gerne weiter. Letztere steht auch für alle weiteren Fragen zum Antragsverfahren oder zu den Erinnerungszeichen zur Verfügung.

+ -