Lebensmittelbelehrung. Quelle: iStockphoto

Lebensmittelbelehrung nach Infektionsschutzgesetz – sicherer Umgang mit Lebensmitteln

Gaststätten, Krankenhausküchen oder Schulkantinen tragen eine große Verantwortung. Nahrungsmittel sind der ideale Nährboden für Keime. Verdorbene Lebensmittel lösen zum Teil heftige Infektionen aus, die bei Kleinkindern, chronisch Kranken und älteren Menschen lebensbedrohlich werden können.

Wer beruflich mit Lebensmitteln zu tun hat, braucht deshalb – nach Infektionsschutzgesetz § 43 – vor Antritt seiner Tätigkeit eine Belehrung durch das Gesundheitsamt. Zudem ist der Arbeitgeber verpflichtet nach Aufnahme der Tätigkeit und im Weiteren alle zwei Jahre eine Belehrungen durchzuführen. Die Teilnahme muss dokumentiert werden und die Bescheinigung aufbewahrt werden. Liegt vor Antritt der Tätigkeit eine Bescheinigung vor, darf diese nicht älter als drei Monate sein.

Die Lebensmittelbelehrung dauert etwa 1,5 Stunden und kostet 14 Euro. Anmelden kann man sich im Gesundheitsamt der Stadt Augsburg– unter Vorlage des Personalausweises sowie Angabe von Name und Anschrift des Arbeitgebers. Minderjährige erhalten bei der Anmeldung eine Belehrungsbescheinigung. Diese Bescheinigung muss von einem Erziehungsberechtigten unterschrieben und zum Belehrungstermin mitgebracht werden.

Was früher Gesundheitszeugnis war, heißt heute Lebensmittelbelehrung

Viele sprechen auch heute noch vom Gesundheitszeugnis, wenn sie die Lebensmittelbelehrung meinen. 2001 hat die Lebensmittelbelehrung das Gesundheitszeugnis abgelöst. Die bis zum 31. Dezember 2000 ausgestellten Gesundheitszeugnisse behalten ihre Gültigkeit und ersetzen die Erstbelehrung. Auch hier liegt die Pflicht beim Arbeitgeber: Folgebelehrungen müssen wahrgenommen werden.

Vereinsfeste und Belehrungen ehrenamtlich Tätiger

Ehrenamtliche, die bei karitativen Organisationen oder Selbsthilfegruppen in direktem Kontakt mit Lebensmitteln stehen, unterliegen der Belehrungspflicht nach Infektionsschutzgesetz. Ehrenamtliche bei Vereinsfesten und ähnlichen Veranstaltungen brauchen keine Lebensmittelbelehrung. Ein Leitfaden zum Umgang mit Lebensmittel steht zum Download zur Verfügung.

Lebensmittel im Sinne des Infektionsschutzgesetzes

Lebensmitteln, in denen sich Krankheitserreger besonders leicht vermehren können, sind im Infektionsschutzgesetz § 42 festgehalten. Dazu gehören:

  • Fleisch und Wurstware
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier und Eierspeisen (insbesondere aus rohen Eiern)
  • Backwaren mit nicht durchgebackener oder durcherhitzter Füllung (z.B. Sahnetorten)
  • Fische, Krebse und Weichtiere
  • Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse
  • Feinkost-, Rohkost- und Kartoffelsalate
  • Marinaden, Mayonnaisen und Saucen

Tätigkeitsverbot bei Erkrankung nach Infektionsschutzgesetz

Liegen bestimmte Erkrankungen vor, dürfen Personen außerhalb des hauswirtschaftlichen Bereichs nicht in Kontakt mit oben genannten Lebensmitteln kommen und nicht in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung tätig sein. Für folgende Erkrankungen schreibt das Infektionsschutzgesetz § 42  ein Tätigkeitsverbot vor:

  • Typhus
  • Paratyphus
  • Cholera
  • Shigellenruhr
  • Salmonellose
  • Infektiöse Gastroenteritis
  • Virushepatitis A und E
  • Infizierte Wunde oder Hautkrankheit (wenn die Möglichkeit besteht, dass Krankheitserreger in Lebensmittel gelangen und damit auf andere Menschen übertragen werden können)

Dabei ist es unerheblich, ob ein Arzt die Erkrankung festgestellt hat oder Krankheitserscheinungen vorliegen, die einen Verdacht nahelegen. Das Tätigkeitsverbot gilt auch für Personen, bei denen in Stuhlproben Salmonellen, Shigellen, bestimmte E.-coli-Bakterien (EHEC) oder Choleravibrionen nachgewiesen wurden – unabhängig davon, ab Krankheitssymptome vorliegen oder nicht.

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