Historisches Wasserwerk am Hochablass. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Wasserkraft

Wasserkraftwerke nutzen die Energie aus der Erdanziehung oder Bewegungsenergie von stetig fließendem Wasser, um daraus mittels Turbinen mechanische Energie und daraus wiederum elektrische Energie zu gewinnen. Da der natürliche Wasserkreislauf von der Sonne angetrieben wird, ist Wasserkraft indirekt eine Form der Solarenergie. Eine Kategorisierung von Wasserkraftwerken kann unter verschiedenen Gesichtspunkten geschehen, beispielsweise durch Einteilung nach Leistung, Auslastung oder Bauart.

Wasserkraftnutzung - früher und heute

Wasserkraft wurde schon in vorindustrieller Zeit zum Antrieb von Mühlen, Säge- und Hammerwerken genutzt. Heute wird mit der Wasserkraftnutzung hierzulande fast ausschließlich elektrischer Strom erzeugt. In einem Wasserkraftwerk wird die potenzielle bzw. kinetische Energie des Wassers mittels einer Turbine in mechanische Energie umgewandelt - die Turbine wird durch das strömende Wasser in Drehung versetzt. Die Drehung der Turbinenwelle treibt einen Generator an, welcher die Rotationsenergie in elektrischen Strom umwandelt.

Zum Einsatz kommen, je nach Volumenstrom und Fallhöhe des Wassers, unterschiedlich optimierte Arten von Turbinen. Die gängigsten sind Kaplanturbine, Francisturbine und Peltonturbine. Die konventionelle Francisturbine ist eine der ältesten Turbinenarten und wird gerne bei Kleinwasserkraftwerken eingesetzt. Typisch ist das schneckenförmige Gehäuse. Der optimale Einsatzbereich sind geringe Fallhöhen bei mittleren Wassermengen. Auch bei den Wasserkraftwerken unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Typen:

Speicherkraftwerke nutzen das hohe Gefälle und die Speicherkapazität von Talseen und Bergseen zur Stromerzeugung. Solche Kraftwerke können sowohl zur Deckung der elektrischen Grundlast als auch im Spitzenlastbetrieb eingesetzt werden. Pumpspeicherkraftwerke werden nicht durch natürliche Wasservorkommen, sondern durch aus dem Tal gepumptes Wasser aufgefüllt. Damit wird in Schwachlastzeiten erzeugter elektrischer Strom als Lageenergie des Wassers zwischengespeichert.

Laufwasserkraftwerke nutzen die Strömung eines Flusses oder Kanals zur Stromerzeugung. Charakteristisch ist eine niedrige Fallhöhe bei relativ großer, oft jahreszeitlich mehr oder weniger stark schwankender Wassermenge.

Zahlen + Möglichkeiten

In 2015 wurden durch Wasserkraftanlagen 102.961.064 Kilowattstunden Strom in das öffentliche Netz der Stadt Augsburg eingespeist bzw. nach EEG erzeugt. (Quelle: Klimaschutzbericht Augsburg)

Eine neue schematische Darstellung der wichtigsten Augsburger Triebwerkskanäle und Bachläufe sowie ihre Zusammenhänge und Verbindungen wurde 2013 im Auftrag des Tiefbauamtes erarbeitet und in 2014 aktualisiert.

Für den Wirtschaftsraum Augsburg wurde auf der Grundlage verschiedener Studien das bestehende Potenzial für Wasserkraft abgeschätzt. Für die Stadt Augsburg ergab sich ein Wert von 106.000 MWh. Im Potenzial enthalten ist auch der mögliche Kraftwerkstandort Lindenau (28.000 MWh), für den ein Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung eingereicht wurde. Der Standort liegt aber an einer der letzten längeren, freien Fließstrecken des Lechs und im Stadtwald Augsburg, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Aus diesem Grund ist ein Bündnis der Stadt Augsburg und zahlreicher Naturschutzverbände gegen diesen Wasserkraftstandort und fordert stattdessen die Renaturierung des Lechs zwischen Staustufe 23 und Hochablass auf 10 km Länge. Dadurch soll der wertvolle Lebensraum geschützt, der Grundwasserspiegel angehoben und der Erholungswert des Flussabschnitts verbessert werden.

Quelle für diese Potenzialschätzung ist das Regionale Klimaschutzkonzept für den Wirtschaftsraum Augsburg (siehe Seiten 138 ff).

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