Der Perlachturm ist eines der Wahrzeichen von Augsburg. Foto: Ruth Plössel

Der Perlachturm – Bären, Aussicht und das Turamichele

Mit seinen 70 Metern gehört der Perlachturm zu den höchsten Gebäuden in Augsburg. Im Jahr 989 wurde er als Wachturm erbaut. Damals war er nicht einmal halb so hoch wie heute. Im Lauf der Jahrhunderte erlebte er zahlreiche Umgestaltungen. 1526 wurde er auf 63 Meter erhöht. Kurz darauf erhielt der Turm ein Uhrwerk mit Glocke. Als Stadtbaumeister Elias Holl das Rathaus neu errichtete, legte er auch Hand an den Perlachturm. So erhielt er von 1612 bis 1618 sein heutiges Aussehen mit der Säulenkuppel, dem Zwiebeldach und der aufgesetzten Figur der suebischen Stadtgöttin Cisa.

Woher der Name „Perlach“ kommt, ist heute umstritten. Gängig sind drei Theorien:

  • Auf einem Schild im Turm steht, der Name stammt vom Lateinischen „perlego“ (durchlesen). Dies solle daher rühren, dass auf dem Platz vor dem Turm offizielle Verlautbarungen verlesen wurden.
  • Besonders populär ist die Auffassung, der Name komme von den altdeutschen Begriffen „Per“ für Bär und „Lach“ für Fest oder Tanz. Demnach wäre der Vorplatz für im Mittelalter übliche Feste mit Tanzbären genutzt worden. Die Bären seien im damals vergitterten Sockel des Turmes gehalten worden.
  • Eine dritte Theorie besagt, an dieser Stelle habe einst eine Römische Legion eine Schlacht verloren. „perdita legio“ heißt so viel wie „untergegangene Legion“

Da keine der drei Theorien historisch belegt ist, wird die Namensherkunft wohl ewig ein Geheimnis bleiben.

Rundblick vom Balkon des Perlachturms

Wenn die gelbe Flagge weht

Der Perlachturm diente viele Jahrhunderte als Glockenturm der angebauten Kirche St. Peter. Heute wird er jedoch vor allem als Aussichtsplattform genutzt. Wenn die gelbe Flagge über dem westlichen Ziffernblatt weht, kann man freie Sicht auf die Alpen. Dann steigen Augsburger und Touristen die 261 Stufen bis zur oberen Plattform hoch. Einmal im Jahr geschieht das in rasender Geschwindigkeit: Der Rekord beim Perlachlauf liegt bei 47,28 Sekunden.

Das Turamichele. Foto Thomas Hosemann.
Jedes Jahr rund um den 29. September wird der Perlachturm zur Bühne für das Turamichele.
Historischer Blick  auf den damaligen  „Perlachplatz“. Quelle: S.Kerpf/Stadt Augsburg
Historischer Blick auf den damaligen „Perlachplatz“. Quelle: S.Kerpf/Stadt Augsburg

Eiiins, zweiii, dreiii ...

Doch nie steht der Perlachturm so im Fokus wie Ende September. Rund um den Michaeli-Tag (29.09.) öffnet sich zu jeder vollen Stunde das untere Fenster zum Rathausplatz, und das Turamichele tritt hervor. Auf dem Platz warten dann bereits hunderte Kinder, um die Stiche des Erzengels Michael gegen den Teufelsdrachen lautstark mitzuzählen. Rund um das Puppenspiel findet auf dem Rathausplatz ein großes Fest mit historischen Fahrgeschäften statt.

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