Halle 116. Foto: Stadt Augsburg

Die „Halle 116“ in der ehemaligen Sheridan-Kaserne

Das Gebäude wurde vermutlich in den Jahren 1936/37 als Teil der Luftnachrichtenkaserne erbaut und diente als Fahrzeughalle. Anfang Mai 1944 funktionierte man das Gebäude zum KZ-Außenlager (zugehörig zum KZ Dachau) mitsamt Kommandantur, Krankenrevier und Quartier für Wachmannschaften, um. Dazu wurde das Gebäude mit Stacheldraht vom restlichen Kasernengelände abgetrennt und im Inneren in Blöcke aufgeteilt. Geleitet wurde das Lager von einem SS-Kommandanten und SS-Männern. Das Wachpersonal bestand aus zur Waffen-SS überstellten Wehrmachts- und Luftwaffensoldaten.
 

Unmenschliche Lebens- und Arbeitsbedingungen

Im Lager waren bis zu 2.000 männliche KZ-Häftlinge untergebracht, die vor allem in den Werkshallen der Messerschmitt AG an der Haunstetter Straße Zwangsarbeit leisten mussten. Manche wurden auch in der Stadt und bei der Reichsbahn, etwa zu Aufräumarbeiten oder bei der Bombenentschärfung, eingesetzt. Kleinere Lager der Firma Messerschmitt, etwa Bäumenheim, Horgau und Leonberg, waren dem Lager Augsburg Pfersee untergeordnet.
Die Insassen stammten vor allem aus der Sowjetunion und Polen, einige auch aus Italien, Frankreich oder Deutschland. Ab November kamen auch polnische und ungarische Juden ins Lager.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge waren ausgesprochen hart. Den Weg zu den Messerschmitt-Werken legten die Arbeiter teils zu Fuß, teils mit der Lokalbahn zurück. Dort arbeiteten sie in zehn- oder zwölfstündigen Schichten. Die hygienischen Verhältnisse und die Versorgung im Lager waren völlig unzureichend, Mangelernährung und Krankheit waren alltägliche Erscheinungen. Im Frühjahr 1945 fielen viele der Gefangenen einer Flecktyphusepidemie zum Opfer. Zeitzeugen berichteten von harten Disziplinierungsmaßnahmen, zahlreichen Misshandlungen durch Wachpersonal und Messerschmitt-Beschäftigte sowie von Exekutionen. Im Augsburger Standesamt wurden 74 Todesfälle aus dem Lager registriert.
 

Auflösung des Lagers

Ab 21. April 1945 begann die Auflösung des Lagers, weil amerikanische Truppen auf Augsburg vorrückten. Gehunfähige Insassen wurden in das KZ Dachau abtransportiert, die übrigen zu Fuß Richtung Süden getrieben. Nach einem mehrtägigen Marsch, auf dem eine unbekannte Zahl von Häftlingen starb, wurden die Überlebenden am 27. April 1945 bei Klimmach (Nähe Schwabmünchen) von US-Truppen befreit.

Nach Kriegsende bezogen die US-Streitkräfte die Luftnachrichtenkaserne und fassten sie mit der angrenzenden Infanterie- und der Heeresnachrichtenkaserne zur Sheridan-Kaserne zusammen. Das Gebäude erhielt durch die Besatzungsmacht seine namensgebende Nummerierung 116. Bis zum Abzug der Amerikaner im Jahr 1998 wurde sie u.a. als Garage, Werkstatt und Bibliothek genutzt. Aktuell befindet sich das Gebäude als Treuhandvermögen im Besitz der Wohnbaugruppe Entwickeln. Auf Beschluss des Stadtrats soll die Halle 116 erhalten bleiben und darin ein Lern- und Erinnerungsort eingerichtet werden.

Literatur:

  • Die Halle 116 – Lernort Frieden in Augsburg. Abschlussbericht an die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS) zur Erarbeitung einer wissenschaftlichen Konzeption für das Gebäude 116 im Sheridan-Park, Augsburg 2016.
  • Kucera, Wolfgang: Fremdarbeiter und KZ-Häftlinge in der Augsburger Rüstungsindustrie, Augsburg 1996.
  • Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Bauten erinnern. Augsburg in der NS-Zeit (Schriften des Architekturmuseums Schwaben, Bd. 10), Berlin 2012.
  • Römer, Gernot: Für die Vergessenen. KZ-Außenlager in Schwaben – Schwaben in Konzentrationslagern, Augsburg 1984.
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