Universitätsklinikum Augsburg. Foto: Ulrich Wirth/Klinikum Augsburg

Welche Bedeutung hat die Uniklinik für Stadt und Region?

Die Umwandlung des heutigen Klinikums hat nicht nur medizinische Auswirkungen. Die ganze Stadt kann von der künftigen Uniklinik profitieren.

Welche Bedeutung hat die Uniklinik für Stadt und Region?

1. Die medizinische Versorgung ist auf hohem Niveau langfristig gesichert

Uniklinik. Foto: Ulrich WirthJahrelang hatten die politisch Verantwortlichen über Möglichkeiten der langfristigen Sicherung einer optimalen medizinischen Versorgung für die Bürger aus Stadt und Region nachgedacht. Wirtschaftlicher Druck und unkalkulierbare Risiken in der Zukunft ließen sie zeitweise auch eine Privatisierung des kommunalen Krankenhauses in Betracht ziehen.

Diese Option wäre mit der Übernahme des Klinikums durch den Freistaat endgültig vom Tisch. Die medizinische Versorgung für die Stadt und gleichzeitig rund zwei Millionen Menschen in ganz Schwaben wäre als 6. Universitätsklinik in Bayern langfristig auf hohem Niveau gesichert.


2. Im städtischen Haushalt wird dauerhaft Entlastung spürbar

Lange Jahre wirtschaftete das Klinikum Augsburg defizitär. Die Schulden wurden vom Krankenhauszweckverband Augsburg (dessen Mitglieder Stadt und Landkreis Augsburg sind) als Träger übernommen. Seit 2011 gibt es allerdings keine Betriebskosten-Defizite mehr. Als bisherige Mitglieder des Trägers werden sich Stadt und Landkreis auch künftig nicht aus der gemeinsamen Verantwortung ziehen: Altschulden, die aus den Kosten für nicht geförderte Investitionen in der Vergangenheit entstanden sind, müssen weiterhin durch den Krankenhauszweckverband (und damit durch dessen Mitglieder Stadt und Landkreis Augsburg) geleistet werden. Dabei ist die Belastung durch den Abschluss von langfristigen Krediten überschaubar und kann zudem in Teilen durch den Verkauf von Grundstücken, die sich im Eigentum des Krankenhauszweckverbandes befinden, reduziert werden. Die Umwandlung des Klinikums zur Uniklinik ist mittelbar eine Chance, den städtischen Haushalt zukünftig auf Dauer zu entlasten.


3. Die Universität Augsburg wird durch die Erweiterung einer medizinischen Fakultät noch attraktiver

Uniklinik. Foto: Ulrich WirthFür die Universität Augsburg mit derzeit rund 20.000 Studenten bedeutet die Entwicklung der Uniklinik einen enormen Ausbau mit einer weiteren Fakultät, einem zusätzlichen Medizincampus sowie einem Zuwachs von etwa 50 Prozent an Professuren. Mit den für die Medizin geplanten Forschungsschwerpunkten Umweltmedizin und Medizininformatik erhalten die Universität Augsburg und auch die künftige Universitätsklinik Augsburg außerdem die Chance, sich ergänzend zu den bereits bestehenden Unikliniken auf einem in Deutschland bislang noch wenig entwickelten Gebiet zu profilieren. Die schon in Augsburg bestehenden Schwerpunkte Informatik, interdisziplinären Gesundheitsforschung sowie Umweltforschung bieten dafür bereits eine solide Grundlage. Auch Synergieeffekte im Zusammenspiel der bisherigen Fakultäten und der Universitätsmedizin sind für die Zukunft zu erwarten.

Modellhaft auch das neuartige Lehrkonzept, das für die neue medizinische Fakultät entwickelt wurde: Medizinstudenten werden durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis von Studienbeginn an direkt von erfahrenen Ärzten am Krankenbett lernen.


4. Forschung und Lehre ziehen hochqualifizierte Fachkräfte an

Eine Universitätsklinik mit Forschung und Lehre fungiert als „Motor“ für die ganze Region. Für den universitären Betrieb der medizinischen Fakultät sind langfristig 80 bis 100 zusätzliche Professoren-Stellen vorgesehen, hinzukommen weitere Stellen und über 1500 Studenten. Zusätzlich werden Entwicklungsschübe und innovative Impulse für den Wirtschaftsstandort erwartet. Man geht man davon aus, dass sich vor allem im Umfeld des geplanten Studienschwerpunktes Medizininformatik weitere unternehmensnahe Dienstleister ansiedeln werden. Denn Daten gelten als wichtigster Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Das wirkt sich auf die gesamte Stadtentwicklung aus: High-Potentials brauchen attraktive Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten, sowie eine gute Infrastruktur in den Bereichen Bildung und Kultur.


5. Neues Entwicklungspotenzial für die wachsende Stadt

Augsburg ist eine Wachstumsregion. Im Stadtgebiet leben inzwischen knapp 300.000 Menschen. Damit alle auch in Zukunft gut versorgt leben können, müssen jetzt die Weichen zur Stadtentwicklung gestellt werden. Die Uniklinik ist ein Aspekt davon: Es wird am Klinikum und an der Universität in neue Gebäude und Einrichtungen für die Lehre investiert, weitere Arbeitsplätze und neue Infrastruktur entstehen. Dazu zählt beispielsweise auch die neue Straßenbahnlinie 5, die das bestehende Straßenbahnnetz mit einer Linien-Führung im Westen vom Hauptbahnhof bis zum Klinikum ergänzen wird.
 

Studie des reginalen Wirtschaftsbeirats

Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung 2016 zur Weiterentwicklung des Klinikums Augsburg zum Universitätsklinikum in Verbindung mit dem Aufbau der Medizinischen Fakultät wird den Wirtschaftsstandort Region Augsburg positiv verändern. So werden Arbeitsplätze im Gesundheitsbereich, im Dienstleistungssektor, der Baubranche und anderen Wirtschaftszweigen entstehen. Es ist damit zu rechnen, dass die Wertschöpfung um knapp 400 Millionen jährlich zunehmen wird. Das geht aus der Studie „Wirtschaftsraum Augsburg A³ – Auswirkungen der Entwicklung der Universitätsklinik Augsburg und des Aufbaus der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg“ hervor, die der regionale Wirtschaftsbeirat, bestehend aus Vertretern der Stadt Augsburg, der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg, der Handwerkskammer für Schwaben und der Industrie- und Handelskammer Schwaben, in Auftrag geben hat.

Studie „Wirtschaftsraum Augsburg A³ – Auswirkungen der Entwicklung der Universitätsklinik Augsburg und des Aufbaus der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg“

Das Plus an Arbeitskräften führt unweigerlich auch zu einer zusätzlichen Wohnungsnach-frage, aber auch einer zusätzlichen Nachfrage an technischer und sozialer Infrastruktur zur Daseinsvorsorge. Die Stadt Augsburg setzt sich schon heute dafür ein, der Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden. „Augsburg setzt auf ein kontinuierliches Wachstum der Stadt und eine ausgewogene Wohninfrastruktur. Außerdem ist Augsburg infrastrukturell bestens vernetzt und bietet damit beste Voraussetzungen als Standort für ein Universitätsklinikum“, so Bürgermeisterin Eva Weber. „Wir setzen uns dafür ein, den Wohnungsmarkt und die verkehrliche Erreichbarkeit weiter zu optimieren. Die neue Offensive „Wohnraum Augsburg“ ist hierfür ein wesentlicher Meilenstein.“

Mit dem Ausbau des Klinikums Augsburg und dem Aufbau der Medizinischen Fakultät
wird es zu einer steigenden Zahl von Unternehmensgründungen, insbesondere im Hightech-Bereich kommen. Voraussetzung ist aber die Bereitstellung von adäquaten Gewerbeflächen.