Asyl und Flucht: FAQs. Foto: Siegfried Kerpf/Stadt Augsburg

Flucht und Asyl – häufig gestellte Fragen (FAQs)

Hier haben wir die häufigsten Fragen rund um das Thema Asyl und Flucht zusammengefasst. Bitte klicken Sie auf die jeweilige Frage, dann öffnet sich die dazu gehörende Antwort.

Flüchtling – Asylbewerber – Asylant: welcher Begriff ist richtig?

Die korrekte Bezeichnung für einen Menschen, der in Deutschland Asyl sucht und beantragt hat, ist Asylsuchender oder Asylbewerber. Hat er das Asylverfahren durchlaufen und wurde anerkannt, ist er ein Asylberechtigter.

Oft wird statt Asylsuchender auch der Begriff Flüchtling benutzt. Juristisch definiert, gilt der Begriff nur für die Person, die unter den Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention fällt, also bereits belegen konnte, dass sie verfolgt wurde oder ähnliches.

Kontingentflüchtlinge sind Flüchtlinge aus Krisenregionen, die im Rahmen von humanitären Hilfsaktionen in Deutschland aufgenommen werden. Ihnen wird ohne weitere individuelle Prüfung eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. 

Der Begriff „Asylant“ wird schon seit einigen Jahren nicht mehr benutzt. Er ist sehr negativ belegt. Im Deutschen ist die Endung „-ant“ oft negativ belegt, wie Simulant oder Querulant. Außerdem wurden oft Wortkombinationen gebildet, die die negative Wirkung verstärkten, darunter „Wirtschaftsasylant“, „Scheinasylant“ oder „Asylantenflut“.

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Warum fliehen so viele Menschen?

Menschen fliehen vor Krieg, Hunger, Seuchen, Überfallen, religiöser Intoleranz, nach Naturkatastrophen oder weil sie aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Identität verfolgt werden.

Die Welt kennt derzeit viele Krisenherde, darunter Syrien, den Irak, Libyen, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Nigeria und Ukraine. 2017 waren 68,5 Millionen Menschen weltweit gezwungen, ihren Wohnort zu verlassen. Dies ist die höchste Zahl, die jemals vom Flüchtlingshilfwerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gemessen wurde!

Täglich machen sich 44.400 Menschen auf, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Die meisten suchen Schutz in anderen (noch sicheren) Landesteilen oder in Nachbarländern. 3,1 Millionen Menschen suchten 2017 irgendwo auf der Welt Schutz als Flüchtlinge. 

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Aus welchen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge?

Laut UNHCR, dem Flüchtlingshilfwerk der Vereinten Nationen, waren 2017 die sieben häufigsten Herkunftsländer von Flüchtlingen:

  • Syrien (6,3 Millionen Flüchtlinge)
  • Afghanistan (2,6 Millionen)
  • Südsudan (2,4 Millionen)
  • Myanmar (1,2 Millionen)
  • Somalia (986.400)

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge berichtet für den Zeitraum Januar bis Dezember 2017: Insgesamt wurden 198.317 Erstanträge beim Bundesamt gestellt. Mit 35,9 Prozent kommen die meisten Personen, die in Deutschland Asyl suchen, aus Syrien. Es folgt Irak mit 11,7 Prozent und Afghanistan mit 8,3 Insgesamt nahm das Bundesamt im Jahr 2017 222.683 Asylanträge (Erst- und Folgeanträge) entgegen. Gegenüber dem Vorjahr (745.545 Asylanträgen) bedeutet dies einen Rückgang um 70,1 Prozent. (Quelle: www.bamf.de).

Die Herkunftsländer der Flüchtlinge, die in Augsburg leben, haben wir für Sie unter „Zahlen und Fakten“ zusammengefasst.

Warum flüchten so viele Männer und so viele junge Menschen?

52 Prozent der 2017 weltweit Geflohenen waren jünger als 18 Jahre (Quelle: UNHCR). Der Grund für das oft sehr junge Alter: Die Flucht ist teuer, dauert Wochen, Monate oder sogar Jahre, und hat einen ungewissen Ausgang. Jungen Menschen traut man eher zu, die körperlichen Strapazen einer Flucht zu überstehen. Familien legen Geld zusammen, um zumindest ihren Kindern die Chance auf ein besseres Leben oder überhaupt auf ein Leben zu ermöglichen.

Für flüchtende Frauen und Mädchen kommt die Gefahr der sexuellen Ausbeutung hinzu. Nur wenige Eltern wollen ihre Töchter diesem Risiko aussetzen. Viele Familien vermuten auch, dass Männer im Aufnahmeland schneller eine Arbeit finden und somit ihre zurückgebliebenen Verwandten finanziell unterstützen können.

Mehr zum Alter und Geschlecht der in Augsburg lebenden Asylbewerber lesen Sie unter Zahlen und Fakten.

Mehr Infos im Netz:

Was passiert mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen?

 

Jeder zweite Flüchtling ist jünger als 18 Jahre. Wenn Kinder und Jugendliche ohne Begleitung ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigter nach Deutschland kommen, greift das Jugendhilferecht. In Zuständigkeit der Jugendämter wird sich um das Kindeswohl gekümmert. In Augsburg ist das Amt für Kinder, Jugend und Familie (AKJF) mit dem Fachbereich unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) dafür zuständig.

Vorläufige Inobhutnahme: Werden umA´s in Augsburg aufgegriffen, werden sie zunächst in dafür speziell geeigneten Einrichtungen vorläufig in Obhut genommen. In einem sogenannten Erstscreening prüft das AKJF das Alter des Minderjährigen, den Gesundheitszustand und ob dieser zur bayernweiten Verteilung angemeldet werden kann. Würde das Wohl des Minderjährigen durch das Verteilungsverfahren gefährdet oder lässt der Gesundheitszustand eine Verteilung innerhalb von 14 Tagen nicht zu, so verbleibt der umA in Augsburg und wird hier im Rahmen der Jugendhilfe weiter betreut. Gibt es Verwandte in und außerhalb von Augsburg, wirkt das AKJF auf eine Zusammenführung hin.

Clearingphase: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in Augsburg verbleiben, durchlaufen ein Clearingverfahren in dem geprüft wird welche Unterstützung im Alltag von dem jungen Menschen benötigt wird und welche Art der Unterbringung geeignet ist. Darüber hinaus wird herausgearbeitet welche Art der Beschulung bzw. welche Ausbildung passen würde und welcher pädagogischer Hilfebedarf daneben noch besteht  

Mehr zu den Einrichtungen in Augsburg lesen Sie unter „Zahlen und Fakten“.

Anschlussplatz: Auf Basis des erstellten Clearingberichts sucht das AKJF nach einem passenden Platz in einer Jugendhilfeeinrichtung in Augsburg. UmA`s unter 16 Jahren besuchen in der Regelschule sogenannte Übergangsklassen. Die Altersgruppe der 16 bis 18-jährigen absolvieren Sprachkurse, Praktika und erfüllen die Berufsschulpflicht.  

Minderjährige sind in der Regel vor Abschiebung geschützt. Ein Asylantrag kann bei Minderjährigkeit vom gesetzlichen Vormund gestellt werden. Wer 18 Jahre alt ist, darf den Asylantrag selbst stellen.

Weitere Infos im Netz:

Was passiert nach der Ankunft?

 

Die bisherigen Erstaufnahmeeinrichtungen wurden in ANKER-Einrichtungen umgewandelt. Dort arbeiten die beteiligten Behörden eng zusammen, damit das Verfahren schneller und qualitativ besser anlaufen kann. Asylbewerber sind verpflichtet, zunächst für die Dauer von bis zu sechs Monaten gegebenenfalls auch bis zu 24 Monaten in einer ANKER-Einrichtung bzw. Aufnahmeeinrichtung zu verbringen. Der nächste Schritt ist der Umzug in eine dezentrale oder Gemeinschaftsunterkunft. In welchem Bundesland diese liegt, entscheidet der Königsteiner Schlüssel.

In der Unterkunft bleiben die Asylsuchenden, bis über ihr Asylverfahren entschieden wird. Im ersten Schritt wird Asyl beantragt. Dann folgt die Anhörung. Ein Mitarbeiter des Bundesministerium für Migration und Arbeit (BAMF) will wissen: Warum ist der Asylsuchende geflohen? Wurde er verfolgt oder bedroht? Gibt es Dokumente, die eine Verfolgung beweisen? Was würde bei einer Rückkehr passieren? Ein Dolmetscher und ggf. eine Vertrauensperson des Asylsuchenden sind anwesend. Die Anhörung ist nicht öffentlich. Dokumente, die eine Verfolgung im Heimatland beweisen, können vorgelegt werden.

Das Gespräch ist die Grundlage für die Anerkennung oder Ablehnung des Asylantrags.

Weitete Infos im Netz:

Ablauf des Asylverfahrens  
Das Asylverfahren in Deutschland: Schema des Ablaufs

Wer darf bleiben?

  • Flüchtlinge, die im Rahmen humanitärer Maßnahmen anhand von Quoten eingereist sind, dürfen in Deutschland bleiben – ohne das formale Durchlaufen eines Asylverfahrens. (Kontingentflüchtling)
  • Asylsuchende, die mit Erfolg ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben, dürfen ebenfalls in Deutschland bleiben. Gründe sind eine Verfolgung aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe (z. B. Homosexualität). Meist greift nicht das Asylrecht, da die Asylsuchende über sichere Drittländer wie z. B. Österreich eingereist sind, sondern das Asylverfahrensgesetz.
  • Personen, die nicht anerkannt worden sind, denen im Heimatland aber beispielsweise die Todesstrafe droht, stellt das Bundesministerium unter subsidiären Schutz. Auch sie dürfen bleiben.
  • Personen, die nicht anerkannt worden sind, aber im Moment nicht abgeschoben werden dürfen, z. B. weil sie krank sind, dürfen auch bleiben (Abschiebungsverbot). 

 

Weitere Infos im Netz:

Asylbewerberleistungsgesetz  Verordnung zur Durchführung des Asylgesetzes, des Asylbewerberleistungsgesetzes, des Aufnahmegesetzes und des § 12a des Aufenthaltsgesetzes

 

 

 

 

 

 

Wie viele Menschen kommen, wie viele beantragen Asyl, wie viele bleiben?

Im Jahr 2017 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 222.683 Asylanträge gestellt. 2016 haben 745.545  Personen in Deutschland Asyl beantragt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Anzahl der Asylanträge um 70,1 Prozent verringert.

Die Anzahl der getroffenen Entscheidungen ist um 13,3 Prozent gesunken. Die Mitarbeiter haben 2017 über 603.428 Erst- und Folgeanträge entschieden. 2016 waren es 695.733 Entscheidungen.

 

  • 123.909 Personen (20,5 Prozent) wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings zuerkannt.
  • Abgelehnt wurden die Anträge von 232.307 Personen (38,5 Prozent).
  • Anderweitig abgeschlossen wurden die Anträge von 109.479 Personen (18,1 Prozent).  
  • 98.074 Personen (16,3 Prozent) erhielten subsidiären Schutz, das heißt: Sie wurden zwar nicht anerkannt, dürfen aber trotzdem bleiben, z. B. weil im Herkunftsland die Todesstrafe droht.
  • Bei 39.659 Personen (6,6 Prozent) hat das BAMF Abschiebungsverbote festgestellt, z. B. weil sie krank sind.

Weitere Infos im Netz:

Wie lange dauert ein Verfahren?

Zurzeit dauert ein Aufnahmeverfahren für Asylsuchende in Deutschland im Schnitt 5,3 Monate. Das ist zwei Monate schneller als noch vor einigen Jahren.

Was passiert, wenn jemand anerkannt wurde?

Anerkannte Flüchtlinge bekommen eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Sie erhalten ihre Geldleistungen nicht mehr vom Amt für Soziale Leistungen. Jetzt ist das Jobcenter Augsburg zuständig. Anerkannte Flüchtlinge sind verpflichtet, aus der Asyl-Unterkunft auszuziehen. Sie dürfen ihren Wohnsitz frei wählen und arbeiten. 

Haben sich die Verhältnisse in den Herkunftsländern nach drei Jahren nicht geändert, haben anerkannte Flüchtlinge das Recht auf eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Mit dieser Niederlassungserlaubnis sind sie in sozialen Fragen den Bürgern der EU gleichgestellt.

Ist ein anerkannter Flüchtling gut integriert und versorgt sich selbst, kann er ggf. seine Familie nachkommen lassen.

Wie andere Zuwanderer müssen anerkannte Flüchtlinge in Deutschland mindesten acht Jahre warten, bis sie einen Einbürgerungsantrag stellen dürfen.

Weitere Infos im Netz:

Was passiert, wenn jemand nicht anerkannt wurde?

Wird der Asyl-Antrag abgelehnt, fordert der Staat die Person auf, auszureisen. Passiert das nicht freiwillig, droht Abschiebung.

Nicht immer kommt es zur Abschiebung. Eine Duldung oder ein Abschiebungsverbot kann ausgesprochen werden, wenn die Person krank ist oder im Herkunftsland Krieg herrscht.

In manchen Fällen können die abgelehnten Asylsuchenden gegen die Entscheidung klagen. Dann entscheidet die sogenannte Härtefallkommission, ob die Entscheidung über den Schutzstatus begründet ist.

Weitere Infos im Netz:
Rechtsmittel gegen die Entscheidung

Im Berichtsjahr 2017 wurden insgesamt 2.527 Entscheidungen über Widerrufsprüfverfahren getroffen und 2.140 Wiederaufnahmeverfahren entschieden.

Welche Rolle spielt die EU?

Im Bereich „Flucht und Asyl“ gibt die Europäische Union (EU) Mindeststandards vor: Das sogenannte Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS I und GEAS II) regelt den einheitlichen Ablauf der Aufnahme von Asylsuchenden in allen Mitgliedsstaaten.

Welcher Mitgliedstaat für ein Asylverfahren zuständig ist, regelt die Dublin-Verordnung (und die reformierte Dublin-II-Verordnung).

Zudem gibt es ein europäisches Asylrecht, das die Rechte eines Asylsuchenden definiert, den Ablauf des Asylverfahrens reguliert und die Kriterien festlegt, ob ein Flüchtling anerkannt wird.

Weitere Infos im Netz:

Warum nimmt Deutschland Flüchtlinge auf?

Deutschland ist verpflichtet, Asylsuchende aufzunehmen – durch die eigene Gesetzgebung und durch internationales Recht.

Artikel 16a des Grundgesetzes gewährt politisch Verfolgten Asyl. Voraussetzung ist: Es muss eine staatliche Verfolgung nachgewiesen werden. Ob Anspruch auf Asyl besteht, prüft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in einem individuellen Verfahren.

Neben dem im Grundgesetz verankerten Recht muss Deutschland seinen Verpflichtungen der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nachkommen: „Ein Asylantragsstellender erhält Flüchtlingsschutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, wenn sein Leben oder seine Freiheit in seinem Herkunftsland wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist.“ (Quelle: www.bamf.de)

Weitere Infos im Netz:
Flüchtlinge weltweit: Zahlen & Fakten

Nimmt Deutschland die meisten Flüchtlinge auf?

Nein. Neun von zehn Flüchtlingen fliehen in Länder, die an ihr krisengeschütteltes Land anschließen. So leben 85 Prozent der Flüchtlinge in Entwicklungsländern. Das sind die fünf Länder, in den 2017 die meisten Flüchtlinge gelebt haben:

  • Türkei (3,5 Millionen)
  • Pakistan (1,4 Millionen)
  • Uganda (1,4 Millionen)
  • Libanon (998.900)
  • Iran (979.400)

 Quelle: www.uno-flüchtlingshilfe.de)

Deutschland in Europa an fünfter Stelle

2017 sind 198.317  Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Gemessen an den reinen Zahlen, nimmt Deutschland in Europa derzeit die meisten Flüchtlinge auf. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Flüchtlinge proportional zur Bevölkerung, nimmt Schweden die meisten Flüchtlinge in Europa auf. Deutschland folgt erst an fünfter Stelle. Die genauen Zahlen sind:

  • Griechenland (nahm 2017 5.295 Flüchtlinge pro eine Million Einwohner auf)
  • Zypern (5.235 Flüchtlinge pro Million Einwohner)
  • Luxemburg (3.931 Flüchtlinge pro Million Einwohner)
  • Malta (3.502 Flüchtlinge pro Million Einwohner)
  • Österreich (2.526 Flüchtlinge pro Million Einwohner)
  • Deutschland (2.402 Flüchtlinge pro Million Einwohner)

Wie viele Asylsuchende derzeit in Augsburg leben, erfahren Sie auf der Seite „Zahlen und Fakten“.

Weitere Infos im Netz:

Welche Rolle hat Bayern?

Viele Flüchtlinge betreten erstmals in Bayern deutschen Boden. Auch die Züge, die aus Ungarn über Österreich nach Deutschland kommen, haben in München Endstation. Daher ist Bayern stärker betroffen als andere Bundesländer, wenn es um die Erstaufnahme und die Registrierung von Flüchtlingen geht.

Nach dem Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung werden Asylsuchende in die Bundesländer verteilt. Der Köngisteiner Schlüssel gibt den Anteil der Bundesländer vor. Reiche Bundesländer und solche mit vielen Einwohnern nehmen mehr Flüchtlinge auf als andere.

Kann ich Flüchtlinge bei mir aufnehmen?

Das geht leider nicht. Asylsuchende müssen viele Termine wahrnehmen, beispielsweise um über ihre Fluchtgründe zu berichten. Die Logistik dafür ist in den Erstaufnahmeeinrichtungen vorhanden. Es wäre eine viel zu großer Aufwand, die Asylsuchenden über das gesamte Stadtgebiet zu verstreuen. 

Welche Leistungen erhalten Flüchtlinge?

Im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sind Höhe und Form von Leistungen geregelt, die materiell hilfebedürftige Asylbewerberinnen und Asylbewerber, Geduldete sowie Ausländerinnen und Ausländer, die vollziehbar zur Ausreise verpflichtet sind, beantragen können.

Die Hilfebedürftigkeit ergibt sich regelmäßig nur bei fehlendem bzw. zu geringem Erwerbseinkommen (teilweise auch bedingt durch eine fehlende Arbeitserlaubnis) und fehlendem Vermögen.

Die Leistungen umfassen für alle Leistungsberechtigten in den ersten 15 Monaten ihres Aufenthaltes in Deutschland:

  • Grundleistungen zur Deckung des Bedarfs an Ernährung, Unterkunft, Hei-zung, Kleidung, Gesundheitspflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgütern des Haushalts („notwendiger Bedarf“) sowie zur Deckung persönlicher Be-dürfnisse des täglichen Lebens („notwendiger persönlicher Bedarf“).
  • Bei dringend notwendigem Bedarf können auch Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt oder auch sogenannte „sonstige Leistungen“ im Einzelfall gewährt werden.
  • Desweiteren können ebenfalls im Rahmen von einzelfallbezogenen Prü-fungen auch Leistungen im Bereich Bildung und Teilhabe gewährt werden.
  • Außerdem erhalten Leistungsberechtigte bei Wahrnehmung oder Zuteilung einer Arbeitsgelegenheit bei staatlichen, kommunalen und gemeinnützigen Trägern eine Aufwandsentschädigung i.H.v. 0,80 €/Stunde.

Während die Grundleistungen nach Antragstellung und bei entsprechender Be-dürftigkeit sowohl in Form von laufenden Geldleistungen als auch durch die Sach-leistungen der Unterbringung in einer Asylunterkunft geleistet werden, muss über die Gewährung von Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt oder auf sonstige Leistungen sowie im Bereich Bildung und Teilhabe im Einzelfall ent-schieden werden.

Zusätzlich regelt das AsylbLG auch noch für bestimmte Fälle sowohl die Möglich-keit der Anspruchseinschränkungen, als auch die Möglichkeit der Gewährung von höheren Leistungen (frühestens ab längerfristigem rechtmäßigem Aufenthalt von über 15 Monate).

Beispiele (für das Jahr 2018):

Ein alleinstehender Asylbewerber, der in einer Gemeinschaftsunter-kunft/dezentralen Unterkunft untergebracht ist und über kein Einkom-men/Vermögen verfügt, hat grds.  Anspruch auf Geldleistungen in Höhe von ins-gesamt 320,14 € pro Monat (= 185,14 Euro für Ernährung, Kleidung und Gesund-heitspflege und 135,00 Euro für den notwendigen persönlichen Bedarf).
 
Wurde einem alleinstehenden Asylbewerber ohne Einkommen und Vermögen, ausnahmsweise die Anmietung einer eigenen Wohnung genehmigt, erhält er mo-natliche Geldleistungen in Höhe von insgesamt 384,62 Euro (= 185,14 Euro für Er-nährung, Kleidung und anteilige Gesundheitspflege, 135,00 Euro für den notwen-digen persönlichen Bedarf plus 64,48 Euro für Energiekosten, Gebrauchs- und Verbrauchsgüter des Haushaltes). Für die Wohnung können noch die angemes-senen Unterkunfts- und Heizkosten übernommen werden.

Zuständige Behörde in Augsburg

Weitere Infos im Netz:
Leistungen für Asylbewerber
Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)

Dürfen Asylsuchende arbeiten oder eine Ausbildung machen?

Entscheidend ist der Aufenthaltsstatus des Asylsuchenden.

  • Anerkannte Flüchtlinge dürfen jede Beschäftigung aufnehmen. Arbeitgeber müssen nichts gesondert beachten.
  • Ist nur ein Abschiebungsverbot festgestellt worden, entscheidet die Ausländerbehörde im jeweiligen Einzelfall, ob eine Arbeitsgenehmigung erteilt wird.
  • Personen mit einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung dürfen unter bestimmten Bedingungen arbeiten. Bevor sie eine Arbeit aufnehmen können, müssen sie die Genehmigung bei der Ausländerbehörde einholen. Die Ausländerbehörde muss zusätzlich bei der Bundesagentur für Arbeit um Zustimmung bitten.
  • Solange Asylsuchende in Aufnahmeeinrichtungen leben, dürfen sie nicht arbeiten.
  • Junge Asylsuchende können eine Ausbildung machen, wenn die Ausländerbehörde zustimmt.

Weitere Infos im Netz:
Zugang zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen
Voraussetzungen für den Einstieg von Geflüchteten in Ausbildung

Zur zuständigen Behörde in Augsburg.

Sie wollen einem Asylsuchenden die Chance auf einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz bieten? Mehr zur Arbeitsvermittlung in Augsburg finden Sie auf der Seite „Ich will helfen: Ich biete einen Job ...“.

Wie lernen Asylsuchende Deutsch?

Anerkannte Asylsuchende nehmen am „Integrationskurs“ teil. Dieser besteht aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs. Mit dem neuen Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzt werden die Integrationskurse auch für Asylbewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive geöffnet. Das heißt: Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Eritrea bekommen seit November 2015 schon sehr früh professionell betreute Sprachkurse.

Zudem gibt es Möglichkeiten, wie Asylsuchende – unabhängig der Herkunft und vor  Deutsch lernen können. Es handelt sich um Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements, der Wohlfahrtsverbände, engagierter Einzelpersonen und zahlreicher Vereine.

Weitere Infos im Netz:
FAQ: Integrationskurse für Asylbewerber

Sie wollen sich engagieren? In Augsburg werden noch ehrenamtliche Deutschlehrer gesucht. Mehr unter „Ich will helfen: Ich spende Zeit...“

Warum tragen manche Flüchtlinge Markenklamotten?

Die meisten Flüchtlinge, die sich für den gefährlichen Weg nach Europa entscheiden, nehmen kein Gepäck mit. Fast alle Kleidungsstücke erhalten sie nach ihrer Ankunft in Deutschland und anderen europäischen Ländern – aus Spenden engagierter Bürger.

Wo Sie in Augsburg Kleidung und Spielsachen abgeben können, steht hier.

Warum haben so viele Flüchtlinge ein Handy?

Die meisten Asylsuchenden, die in Deutschland ankommen, haben ein Handy aus ihren Herkunftsländern mitgebracht. Der Grund ist die Notwendigkeit und nicht der Luxus:

  • In den meisten Herkunftsländern dient ein Smartphone als der einzig mögliche Ersatz für das Festnetz, das schon lange nicht mehr funktioniert.
  • Mit dem Handy wird oft die Flucht organisiert, werden Absprachen getroffen und Treffpunkte ausgemacht. Es dient zudem als Navigationsgerät auf dem Fluchtweg. 
  • Das Telefon ist die einzige Verbindung zur Familie im Herkunftsland.

Viele Menschen sparen lange, um sich ein Smartphone zu kaufen. Und das, obwohl die Geräte deutlich günstiger sind als in Deutschland. Hersteller bieten günstigere Geräteversionen an.

Mobilfunkkosten: Die Kosten für Mobilfunk müssen durch die Leistungen finanziert werden, die Asylsuchende im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes erhalten. Es gibt Anbieter mit kostengünstigen Tarifen ins Herkunftsland. In den Unterkünften besteht kein Anspruch auf Internetzugang. In einigen dezentralen Unterkünften stellt der Vermieter freiwillig einen Internetzugang zur Verfügung und trägt die Kosten.

Muss ich Angst haben, mich bei einem Flüchtling mit einer ansteckenden Krankheit zu infizieren?

Insgesamt besteht im Rahmen normaler sozialer Kontakte (also z.B. bei der Betreuung in der Unterkunft, im Sprachkurs etc.) nur ein geringes Infektionsrisiko, vor allem, wenn ein Impfschutz gemäß der grundsätzlich geltenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) besteht.
Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die in einer Aufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen haben, werden bei der Erstaufnahme durch das zuständige Gesundheitsamt nach § 62 Asylgesetz (AsylG) auf übertragbare Krankheiten untersucht.

Diese Gesundheitsuntersuchung umfasst in Bayern:

  • Körperliche Untersuchung auf Anzeichen einer übertragbaren Krankheit
  • Untersuchung zum Ausschluss einer Tuberkulose der Atmungsorgane, bei Personen, die das 10. Lebensjahr vollendet haben
  • Blutuntersuchung zum Ausschluss einer Infektion mit HIV I und II sowie Hepatitis B bei Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben
  • Anlassbezogene Stuhluntersuchung, ggf. auf typische Krankheitserreger (Salmonellen, Shigellen) und ggf. risikobasiert auf Darmparasiten

Aufgrund des häufigeren Vorkommens in den Heimatländern werden manche Infektionskrankheiten bei Asylbewerbern häufiger beobachtet, zum Beispiel Tuberkulose und Hepatitis B.

Weitere Infos im Netz:

Wie entwickeln sich die Straftaten bei Asylsuchenden?

Gegen Asylsuchende wird ermittelt, wenn sie gegen das Aufenthaltsrecht oder Asylrecht verstoßen. Straftaten, die EU-Bürger gar nicht begehen können. Im Jahr 2017 wurden bundesweit 179.848 Fälle ausländerrechtliche Verstöße registriert. Die Fallzahl ist zum Vorjahr um 63,1 Prozent gesunken (2016: 487.711 Fälle). Allerdings lässt sich hierfür nicht nach Asylsuchenden und Zuwanderer aus anderen Gründen unterscheiden. Deutsche Tatverdächtige spielen mit einem Anteil von 0,7 Prozent in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle.

Die Anzahl der Tatverdächtigen mit Fluchterfahrung im Bereich der Gewaltkriminalität lag 2017 bei 26.092, was 14,6 Prozent aller Tatverdächtigen in diesem Jahr (178.363) ausmacht.(Quelle: www.polizei.bayern.de)

Die hohen Flüchtlingszahlen und die damit verbundenen Herausforderungen haben Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden. Das Bundesinnenministerium (BMI) hat dazu ein Lagebild veröffentlicht.

Weitere Infos im Netz:
Studie: Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland
Faktencheck: Sind Geflüchtete krimineller als Deutsche?

Wie viel Wohnraum steht einem Asylsuchenden zu?

In Bayern gelten Mindeststandards für die Unterbringung von Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften und dezentralen Unterkünften. Jeder hat einen Anspruch auf einen 7 Quadratmeter großen Wohn- und Schlafbereich. Pro 10 Personen muss eine Toilette und eine Dusche vorhanden sein, pro 5 Personen ein Waschbecken. Um alle Geflüchteten unterzubringen, die 2015 in die dezentralen Unterkünfte verteilt wurden, wurden die Empfehlungen für die Mindeststandards damals (analog zum Vorgehen des Freistaates Bayern, in dessen Auftrag die Anmietungen erfolgten) aufgehoben. Seit sich die Lage entspannt hat, wird aber wieder verstärkt auf eine familienfreundliche und sozialverträgliche Belegung geachtet.

Weitere Infos im Netz:
Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften