"Die Straße wird immer wieder aufgerissen und zugemacht. Das versteht kein Mensch!“

Rund 300 Bürgerinnen und Bürger aus der Firnhaberau und der Hammerschmiede stellten beim achten Stadtteilgespräch gestern Abend ihre Fragen an die Augsburger Stadtregierung. Eindeutige Schwerpunktthemen waren die zunehmende Verkehrsbelastung, marode Straßen- und Radwege, der öffentliche Nahverkehr und das neue Wohngebiet, das im Norden der Firnhaberau geplant ist.

Es war das bislang besuchermäßig stärkste Stadtteilgespräch: Bei herrlichem Biergartenwetter im Neuen Hubertushof ließen rund 300 Stadtteilbewohner und –bewohnerinnen die Stadtregierung wissen, wo sie der Schuh drückt.
Moderiert wurde der Abend diesmal von Zweiter Bürgermeisterin Eva Weber. Sie vertrat Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der anlässlich der Eröffnung des Kulturprogramms zum Augsburger Hohen Friedensfest mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck im Rathaus terminlich gebunden war.

Mögliche Erschließung eines künftigen Wohngebiets

Den Hauptteil hatte wieder einmal Baureferent Gerd Merkle zu bestreiten. Mindestens 90 Prozent aller Fragen drehten sich um marode Straßen und Radwege, zunehmende Verkehrsbelastung und künftige Bauvorhaben. Zum Beispiel jenes, das ganz im Norden der Firnhaberau nahe der Autobahn A8 auf rund drei Hektar für rund 130 Wohneinheiten geplant wird. Viele Stadtteilbewohner fragen sich, wie das neue Wohngebiet verkehrlich erschlossen werden soll: „Durch den Siedlerweg, den Staudenweg und den Hammerschmiedweg fahren jeden Tag 800 bis 1000 Fahrzeuge. Diese Straßen sind jetzt schon so überlastet, dass einem die Anwohner leidtun können. Wie soll das dann erst mit dem neuen Wohngebiet werden?“
Baureferent Merkle führte aus, dass die Stadt noch längst nicht so weit sei. Erst müsse ein Strukturplan zur künftigen Bebauung erarbeitet werden. „Dann kommen wir zu Ihnen und diskutieren das miteinander.“ Zur verkehrlichen Erschließung des Areals sagte Merkle. „Es kann sein, dass es von Osten her zu einer Erschließung über eine neue Straße kommt. Die Leistungsfähigkeit des Siedlerwegs muss aber in jedem Fall untersucht werden.“

Siedlungsgenossenschaft bittet um Unterstützung

Rainer Beyer, Vorstand der Siedlungsgenossenschaft Augsburg-Firnhaberau, verwies auf rund 1000 Vormerkungen von Personen, die gerne in der Firnhaberau wohnen möchten. „Wir brauchen dringend Wohnraum im Stadtteil. Daher bitte ich die Stadtspitze darum, das Siedlungswesen und die Genossenschaften zu unterstützen. Wir kümmern uns, sind vor Ort und können günstige Mieten anbieten.“
In diesem Zusammenhang wurde angeregt, im künftigen Wohngebiet auch seniorengerechtes Wohnen zu ermöglichen. Ältere Menschen, die jetzt in Einfamilienhäusern lebten, hätten später die Möglichkeit, innerhalb ihres Viertels umzuziehen und in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben.

Verkehrsinseln bleiben, Querungshilfe kommt

Mehr Durchlässigkeit des Verkehrs im Hammerschmiedweg und in der Neuburger-Straße wurde ebenso gefordert, wie eine Ampelregelung im Bereich des Nachversorgungszentrums Hammerschmiede und eine Querungshilfe für Fußgänger in der Schillsraße. Letztere, so Baureferent Merkle, werde noch in diesem Herbst „Am Grünland“ eingerichtet.
Zur Verkehrsdurchlässigkeit sagte Merkle, dass die in den 90er  Jahren eingebauten Verkehrsinseln zur Geschwindigkeitsreduzierung des Autoverkehrs dienen. „Wenn wir diese Inseln wieder entfernen, wird der Hammerschmiedweg zur Rallye-Strecke, von einer Zunahme an Lärmemissionen für die Anwohner ganz zu schweigen“, so der Baureferent.

„Wann wird endlich die Schillstraße gemacht?“

Von der zunehmenden Verkehrsbelastung in beiden Stadtteilen kam die Rede schnell auf den Zustand der Straßen und Radwege – allen voran der Schillstraße. „Wann wird diese Straße endlich gemacht?“, so die drängende Frage. Die Straße sei eine Katastrophe, die immer wieder mal aufgerissen und dann wieder zugemacht werde. „Das versteht doch kein Mensch!“ Ein anderer Bürger kritisierte außerdem: „Und sagen Sie jetzt nicht ‚dafür ist kein Geld da‘, denn für das Theater habt ihr ja auch Geld.“

„Eine Straße aufzureißen erfüllt keinen Selbstzweck“

Baureferent Merkle räumte ein, dass das Straßen- und Radwegenetz in ganz Augsburg überholungsbedürftig sei. Um den Zustand zu verbessern, müssten rund 100 Millionen Euro investiert werden. Merkle erläuterte, dass derzeit die Haltestellen in der Schillstraße barrierefrei gemacht und neu asphaltiert werden, um die entstandenen Bodenwellen zu entfernen. Im Übrigen ärgere auch er sich, wenn eine frisch sanierte Straße wieder aufgerissen werde. „Das ist aber kein Selbstzweck, sondern weil zum Beispiel ein Hauseigentümer bei den Stadtwerken eine neue Leitung für Strom, Energie oder Digitales beantragt hat. Stadt und Stadtwerke werden hier im Sinne der Daseinsvorsorge für die Bürgerinnen und Bürger tätig.“ Für den Straßen- und Radwegeunterhalt könne er nur jenes Budget ausgeben, das ihm der Stadtrat bewillige. „Deshalb müssen wir Prioritäten setzen und können auch in der Schillstraße nur abschnittweise vorgehen.“

Bürgermeisterin macht deutlich: „Das Theater gehört zu Augsburg!“

Bürgermeisterin Eva Weber wies darauf hin, dass die Stadt mit ihrem Haushalt eine Vielzahl von Investitionen vornehme und Leistungen erbringe – vom Bau von Kindertagesstätten, über den Nahverkehr bis zur Theater- oder Schulsanierung. Merklich still wurde es kurzzeitig im Biergarten, als sie berichtete: „In zehn Jahren hat die Stadt 384 Millionen Euro für die Schulsanierung ausgegeben. Und wir haben noch viel vor. Denn es sind 70 Schulen an über 100 Standorten, die wir im Auge haben müssen.“ Deutlich wies die Bürgermeisterin Kritik an der Theatersanierung und das gegeneinander Aufrechnen der Kosten zurück. „Das Haus am Kennedy-Platz ist denkmalgeschützt. Wir haben die Pflicht, es zu erhalten und mit vier Millionen Euro pro Jahr ist die Sanierung im Haushalt gut darstellbar. Das Theater gehört zu Augsburg!“

Hohe Zufriedenheit dank Erholungs- und Freizeitwert

Mit ihren Stadtteilen sind die Bewohnerinnen und Bewohner zum überwiegenden Teil sehr zufrieden. Das wurde auch beim Stadtteilgespräch einmal mehr deutlich. „Wir leben gerne hier!“, so der einhellige Tenor aufgrund eines hohen Erholungs-, Sport- und Freizeitwerts. Daran ändert angesichts der gelungenen Renaturierung der Mülldeponie auch deren künftige Erweiterung nichts. Und daran ändert auch nichts, dass Umweltreferent Reiner Erben keinesfalls bereit ist, mehr Sportflächen im Naturschutzgebiet Firnhaberauheide auszuweisen, sollte der angelegte Kunstrasenplatz frühzeitig unbrauchbar werden. Sportreferent Dirk Wurm stellte klar: „Es gibt eine Übergangszeit für bestehende Kunstrasenplätze und derjenige in der Firnhaberau ist noch nicht alt. Mit ihm werden wir alle miteinander älter, denn der Platz wird noch Vieles erleben, da bin ich sicher.“

„Eine halbe Stunde bis zum Schössle – geht’s noch?“

Bleibt noch der Nahverkehr. Ein durchaus wunder Punkt, denn vor allem Firnhaberauer fühlen sich im Vergleich zur Hammerschmiede vom Fahrplan abgehängt. „Der Bus braucht bis zum Schössle eine halbe Stunde. Das muss man sich mal vorstellen! Und vor der Tarifreform ist er auch alle Viertelstunde gefahren. Warum funktioniert das nicht mehr?“, wollte eine Anwohnerin wissen. Auch die Nachtverbindungen ab Berliner Allee in den nördlichsten Stadtteil Augsburgs seien alles andere als optimal. „Man wartet eine halbe Stunde auf den Bus, das kann es doch nicht sein!“, war zu hören.

Die Haltestelle Hubertushof wird barrierefrei und überdacht

Nicht zum ersten Mal erklärte Stefanie Rode, Leiterin des Fahrbetriebs bei den Stadtwerken Augsburg, dass die Berliner Allee ein garantierter Anschluss sei. Sollte dies nicht funktionieren, könnten die Fahrgäste ein Taxi rufen. Die Kosten würden mit einem begründeten Nachweis erstattet. Allerdings habe die Busnetzoptimierung ergeben, dass die Nachfrage einen Halbstundentakt für den Bus rechtfertige.
Als Nahverkehrsreferentin sagte Bürgermeisterin Eva Weber zu, dass bei einer Änderung des Nahverkehrsplans auch die Belange der Firnhaberau berücksichtigt würden. Darüber hinaus würden auch durch die Tarifreform entstandene Härten demnächst abgemildert.
Mit der positiven Nachricht, dass die Haltestelle Hubertushof barrierefrei ausgebaut und außerdem überdacht wird, entließ Bürgermeisterin Eva Weber die Gäste des Stadtteilgesprächs in einen lauen Sommerabend.

Alle beim Stadtteilgespräch gestellten und notierten Fragen, werden von der Verwaltung gesammelt, zusammengestellt und so rasch als möglich unter www.augsburg.de/stadtteilgespräche beantwortet. Dies wird aufgrund bereits vorausgehender Stadtteilgespräche mehrere Monate in Anspruch nehmen. (erz)