„Wann wird endlich weniger Verkehr?“

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger aus Bergheim und Inningen stellten beim vierten Stadtteilgespräch gestern Abend ihre Fragen an die Stadtregierung. Diskutiert wurde die Zunahme des Durchgangsverkehrs ebenso wie die Ortsentwicklung. Aber auch Fragen des Artenschutzes und Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr waren Thema.

Bis auf den letzten Platz besetzt waren Gastraum und Galerie in der Schlossgaststätte Wellenburg, wo gestern das vierte Stadtteilgespräch stattgefunden hat. Rund 200 Gäste aus Bergheim und Inningen waren gekommen, um ihre Probleme und Anliegen vorzutragen und zu diskutieren.

Vom Durchgangsverkehr geplagt

Wie sich gezeigt hat, sind beide Stadtteile vom Durchgangsverkehr betroffen. „Kann die Diebelbachstraße, die noch dazu auf beiden Seiten zugeparkt ist. nicht verkehrsberuhigt werden?“, wird von Bergheimer Seite gefragt. Aus Inningen kommen ebenfalls Klagen, dass Anlieger vor lauter Verkehr kaum mehr auf die Bobinger Straße einfahren könnten. „Dabei ist das eine Dorfstraße!“ Abgesehen von der Möglichkeit, „Smiley“-Geschwindigkeitsanzeigen zu installieren, die an ein rücksichtsvolleres Fahrverhalten appellieren, wäre es besser, „den Durchgangsverkehr überhaupt aus Bergheim und Inningen heraus zu bringen. Doch dazu sind auch überörtliche Verkehrsvorhaben erforderlich“, so Baureferent Gerd Merkle. Wie er betont, führt durch Inningen eben keine Dorfstraße, sondern die Staatsstraße 2035. Auf sie werde ausgewichen, weil die B17 überlastet ist.

Entlastung durch eine große Umgehung

Entlastung würde eine große Umgehung bei Lagerlechfeld bringen, die den Verkehr über die B2 auf die Autobahn leitet. Merkle verwies zudem auf einen möglichen neuen B17-Knoten zwischen Königsbrunn-Nord und dem Entwicklungsgebiet Haunstetten-Südwest. Darüber sei man mit der Staatlichen Bauverwaltung im Gespräch. Mit einer Entwidmung der Staatstraße wären dann auch sehr gute Möglichkeiten für eine Aufwertung von Orts- und Stadtteilzentren verbunden. „Da bleiben wir dran“, so Merkle.

Oberbürgermeister Dr. Gribl ermunterte die Inninger Bürgerinnen und Bürger aus der örtlichen Gemeinschaft heraus einen Antrag für ein Ortsentwicklungskonzept zu formulieren und mithilfe der politischen Vertreter im Stadtrat einen Prozess, wie etwa bei der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße in Göggingen, in Gang zu bringen.

Ortskern wird neu gestaltet

Ein solches Entwicklungskonzept ist derzeit in Bergheim großes Thema. „Bitte sorgen Sie dafür, dass unser Bergheim seinen dörflichen Charakter bewahrt“, appelliert eine Teilnehmerin an die Stadtverwaltung. Fakt ist, dass im Rahmen des Konzepts Straßenkreuzungen planerisch verbessert, der Straßenquerschnitt verschmälert, Gehwege verbreitert und der Kirchplatz mit Grünpflanzungen und Brunnen ausgestattet werden.

Uneinigkeit über Frage der Flächennutzung

Nicht einig sind sich die Bergheimer Stadtteilbewohner und –bewohnerinnen allerdings in der Frage, auf welchen Flächen gebaut werden soll – vor allem wenn es sich um Flächen am Rand des Landschaftsschutzgebiets handelt.

Oberbürgermeister Dr. Gribl machte deutlich, dass für alle Bevölkerungsschichten Entwicklungsmöglichkeiten angeboten werden müssten. „Allerdings gibt es kein Wachstum um jeden Preis. Es geht auch nicht um Einzelinteressen, sondern um eine differenzierte Abwägung aller Sachverhalte im Rahmen der Bauleitplanung. Wir stehen am Anfang eines sehr umfassenden Verfahrens. Entschieden ist noch nichts“, so der OB.

Gewässer- und Hochwasserschutz

Von fehlenden Mülleimern an der Wertach zwischen Göggingen und Inningen und austretendem Sickerwasser aus einem Silo südlich von Inningen, führte die Diskussion hin zur Frage, warum das Tiefbauamt der Stadt entlang des Diebelbachs in der Bergheimerstraße eine Total-Rodung von Einzel- und Feldgehölzen vorgenommen habe. Umweltreferent Reiner Erben und Baureferent Gerd Merkle erklärten, dass hier Gründe des Gewässer- und Hochwasserschutzes eine Rolle spielten. Abgesehen davon habe sich die Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband bewährt.

Bergheimer Baggersee wird zoniert

In diesem Kontext stellte der Umweltreferent auch klar, dass der Bergheimer Baggersee nicht erweitert wird. Um die Wasserqualität stabil zu erhalten, werde der See in einen Bereich mit und ohne Schlingpflanzen zoniert. „Die Pflanzen sorgen für die Sauberkeit des Wassers und müssen regelmäßig gemäht werden“, so der Umweltreferent.

Erste Korrekturen der Tarifreform im Sommer

Auch der öffentliche Nahverkehr war Thema. Geklagt wurde vor allem darüber, dass es kaum Busverbindungen von Inningen nach Haunstetten gebe. „Wir sind ja wie abgehängt. Dann nehme ich wirklich lieber das Auto. Das kommt mich sowieso günstiger“, hieß es. Ebenso in der Kritik standen Auswirkungen der Tarifreform vor allem im Bereich der Kurzstrecke. Die Vertreter der Stadtwerke Augsburg machten deutlich, dass der Bedarf für den öffentlichen Nachverkehr genau ermittelt werde. Allerding werde es im Rahmen der Tarifreform Korrekturen geben, die bereits im Sommer wirksam werden.

Vergleichsrechnung zwischen Auto und ÖPNV

Ob das Auto wirklich günstiger als der öffentliche Nahverkehr ist, soll eine Vergleichsrechnung der Stadtwerke zeigen. „Das Ergebnis wird transparent dargestellt“, sagte der OB. Und um beim motorisierten Individualverkehr (MIV) zu bleiben: Die als „Flickenteppich“ bezeichnete Straße von Bergheim nach Neu-Bergheim, die „bei jedem Frost aufplatzt“, wird saniert. Das Geld, so Finanzreferentin Eva Weber, ist im Haushalt 2021 bereitgestellt.

Alle beim Stadtteilgespräch gestellten und notierten Fragen werden von der Verwaltung gesammelt, zusammengestellt und bis spätestens Juni hier beantwortet. (erz)