Theatersanierung: FAQs. Foto: Siegfried Kerpf/Stadt Augsburg

FAQs – häufig gestellte Fragen

Hier geben wir Ihnen Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Theatersanierung. Bitte klicken Sie auf die jeweilige Frage, dann öffnet sich die dazu gehörende Antwort.

  
Häufig gestellte Fragen rund um die Theatersanierung:
   

Wie kam es zum Entscheid für die Planungsvariante 2 „Neubau Betriebsgebäude und Kleines Haus“?

Am 23.07. hat der Stadtrat einen wichtigen Beschluss für die weitere Planung zur Sanierung des Staatstheaters gefasst: Der Vorentwurfsplanung - Leistungsphase 2 mit Kostenschätzung gemäß DIN 276 in Höhe von 115,6 Mio. Euro (Stand 03.06.2020) für Bauteil 2 –Planungsvariante 2 „Neubau Betriebsgebäude und Kleines Haus“  wurde zugestimmt. Die Entwurfsplanung kann demnach begonnen werden.

Wie kam es zur aktuellen Beschlussfassung?

Mit Beschluss des Stadtrates vom 29.09.2016 (BSV/16/00901) „Grundsatzbeschluss III zur Generalsanierung und Neukonzeption des Theaterstandortes Augsburg“ , wurde der Verwaltung die Projektgenehmigung für die erarbeitete Konzeptplanung mit festgestellten Kosten in Höhe von 186,3 Mio. Euro (Stand 2016) für die Sanierung des Großen Hauses (Bauteil 1) und die Neukonzeption des Gesamtareals „Neubau Betriebsgebäude und Kleines Haus“ (Bauteil 2)  erteilt. Zum Bauteil 2 gehören Werkstätten, Proberäume, Lagerflächen und Büros für die Verwaltung. Zudem sollen ein neuer Technikkeller und ein neues „Kleines Haus“ auf dem Platz an der Volkhartstraße entstehen.

Den Vorplanungen für Bauteil 2 gingen seit 2015 intensive Abstimmungen mit dem Staatstheater Augsburg voraus. Ab März 2018 wurde der Vorentwurf – Bauteil 2 – Planungsvariante 1 ausgearbeitet. Anfang Mai 2019 wurde die durchgearbeitete Leistungsphase 2 mit Kostenschätzung gemäß DIN 276 für Bauteil 2 – Planungsvariante 1 „Neubau Betriebsgebäude und Orchesterprobensaal“  der Verwaltung zur weiteren Abstimmung vorgelegt. Die Kostenermittlung schloss mit 125,8 Mio. Euro ab. Damit wurde das mit Grundsatzbeschluss III von 2016 vorgegebene Budget von 72, 8 Mio. Euro für Bauteil 2 wesentlich überschritten. Nach mehreren Einsparungsrunden wurde mit dem Theaterbetrieb ein neues reduziertes Nutzerbedarfsprogramm erarbeitet. Für die grundlegend neue Planungsvariante 2 wurde dabei ein überschlägiges Budgetziel von 92,3 Mio. Euro definiert. Der durchgeplante Vorentwurf Bauteil 2- Planungsvariante 1 und die neue Planungsvariante 2  als „Konzeptvorschlag“ wurden dem Stadtrat am 25.07.2019 vorgestellt und die Verwaltung beauftragt, die Planungsvariante 2 in der Qualität einer Vorentwurfsplanung mit Kostenschätzung auszuarbeiten und beide Planungsvarianten dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen.

Vorteile der Planungsvariante 2

Auf Grundlage des neuen Raumbedarfsprogrammes des mittlerweile in ein Staatstheater umfirmierten Theaterbetriebs, wurde die neue Planungsvariante 2 zum Bauteil 2 mit allen erforderlichen Fachplanungen erarbeitet. Diese Planungsvariante liegt seit Juni 2020 mit der Leistungsphase 2 und der Kostenschätzung in Höhe von 115,6 Mio. Euro vor. Wesentliche Einsparungspotentiale der neuen Planungsvariante 2 liegen:
-    im kompletten Weglassen des 4. Untergeschoßes für Kulissenlagerungen (keine Grundwasserproblematik)
-    in der teilweisen Reduzierung des 3. Untergeschosses
-    in dem Herauslösen der Multifunktionsspielstätte „Kleines Haus“ aus dem Betriebsgebäude hin auf den Bereich an der Volkhartstraße mit gleichzeitiger Einbeziehung des Orchesterprobenraumes in das Betriebsgebäude. Die Kosteneinsparung liegt darin, dass dadurch im Betriebsgebäude selber keine Anforderungen an eine Versammlungsstätte, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen des Brandschutzes, erfüllt werden müssen.

Das Kleine Haus als zukünftiges offenes Kulturzentrum im Herzen der Stadt

Mit dem Kleinen Haus an der Volkhartstraße, das mit einer Glaspassage an das Große Haus denkmalverträglich räumlich und funktional angeschlossen wird, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten der Öffnung des Staatstheaters. Der im Kleinen Haus angeordnete hexagonale Zuschauerraum bietet sowohl in Hinblick auf Bühnendekoration als auch Bestuhlung eine Vielzahl von Möglichkeiten für eine Bespielung durch das Staatstheater, die freie Kulturszene und andere öffentliche Veranstaltungen. Es stellt damit einen echten Mehrwert als offenes Kulturzentrum im Herzen der Stadt dar.

Planungsvariante 2 als bestmögliche Fassung

Die Ergebnisse der umfangreichen Bürgerbeteiligung durch Theater und Stadt Augsburg können in der neuen Planungsvariante 2 umgesetzt werden. Die Planungsvariante 2 wurde hinsichtlich städtebaulicher und denkmalpflegerischer Belange mit dem Stadtheimatpfleger und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erörtert und als Grundlage für die weitere Bearbeitung empfohlen. Die Intendanz des Staatstheater Augsburg hat für die Planungsvariante 2 ebenfalls ein positives Votum abgegeben (Schreiben vom Juni 2020) und sieht die Theaterbelange mit der vorliegenden Planung, trotz erheblicher Reduzierung im Nutzerbedarfsprogramm, grundsätzlich gut erfüllt. Mit dem nun gefassten Beschluss hat die Verwaltung den Auftrag bekommen, die aktuelle Planung für die Sanierungsmaßnahmen am Staatstheater weiter auszuführen.

 

Wer ist für die Sanierung des Theaters Augsburg verantwortlich?

Die Stadt Augsburg ist der Auftraggeber, das Referat Oberbürgermeisterin/ Direktorium 1 der Bauherr, der in dieser Funktion die Koordination des Gesamtprojektes leitet. Die baufachliche Projektleitung liegt beim Referat für Stadtentwicklung, Planen und Bauen.

Warum musste das Theater im Juni 2016 schließen?

Bei einer Untersuchung des Theaters entdeckte die Feuerwehr im Mai 2016 eine nicht ausreichend gesicherte Decke zwischen Garderobe und Zuschauerraum. Weitere Untersuchungen folgten. Am 20. Mai stand fest: Der laufende Spielbetrieb im Großen Haus des Theaters endet spätestens nach der letzten Vorstellung im Juni 2016 – und so kam es auch.

Warum muss das Theater saniert werden?

Seit dem Wiederaufbau in den 1950er-Jahren gab es keine großen Sanierungsmaßnahmen mehr. Inzwischen haben sich die baurechtlichen Anforderungen für öffentliche Gebäude deutlich erhöht. Daher besteht ein massiver Nachholbedarf in Sachen Brandschutz. Der Spielbetrieb konnte nur kurze Zeit unter erheblichen Auflagen aufrechterhalten werden. Die endgültige Schließung erfolgte zum Spielzeitende 2016. Mehr zur Frage: Warum sanieren?

Was und wem nützt ein Theater?

Das Theater ist das kulturelle Herz der Stadt. Ein erneuertes Großes Haus und ein neugebautes Schauspielhaus mitten in einem lebendigen Theaterviertel geben viele Impulse in das kulturelle Leben der Stadt – auch finanzieller Natur (Aufträge in die freie Szene, Honorarverträge, Kooperationen etc.).

Dazu gilt das Theater Augsburg als „weicher Standortfaktor“. Die Sanierung bringt wirtschaftliche Vorteile. Mehr dazu in der Prognos-Studie, die der Förderverein „Wirtschaftsregion Augsburg“ (eine Initiative der IHK) in Auftrag gegeben hat.

Wer ist für die Sanierung des Theaters Augsburg verantwortlich?

Die Stadt Augsburg ist der Auftraggeber, das Referat Oberbürgermeisterin/ Direktorium 1 der Bauherr, der in dieser Funktion die Koordination des Gesamtprojektes leitet. Die baufachliche Projektleitung liegt beim Referat für Stadtentwicklung, Planen und Bauen.

Was passierte im Zeitraum zwischen den Auszügen und dem tatsächlichen Baubeginn?

In diesem Zeitraum finden bauliche Voruntersuchungen statt. Diese z.T. lärm- und staubintensiven Arbeiten können nicht im laufenden Betrieb vollzogen werden.

Warum steht das Große Haus unter Denkmalschutz und welche Teile des Gesamtareals stehen unter Denkmalschutz?

Der Denkmalschutz erstreckt sich unter anderem auf sämtliche Fassaden des Großen Hauses und auf den Bühnenturm. Der außerordentlich hoch eingestufte Denkmalwert bezieht sich auf die Architektur aus den Jahren 1953 bis 1956. Auch die Reste des Ursprungsbaus (1876) und der Umbauphase von 1937 bis 1939 gehören dazu. Schwerpunkt des Denkmalwertes und bayernweit einmalig eingestuft sind der Innenraum des Theatersaals, die Foyers, die Garderobe und die Treppenhäuser. Sie verfügen über eine nahezu unveränderte Originalausstattung aus den 1950er-Jahren. Die Bühnen- und Gebäudetechnik sowie die Raumzonen im Hinterbühnen-Bereich müssen nicht vollständig erhalten werden. Mehr zum Thema Denkmalschutz.

Was passierte mit der brechtbühne?

Die brechtbühne – seit jeher als Übergangsspielstätte geplant – musste aufgrund der Umbaumaßnahmen im Sommer 2018 frühzeitig geschlossen werden. Teile der Einbauten wie Lüftungstechnik und Bestuhlung wurden in die neue Interimsspielstätte auf dem Gaswerkgelände integriert. Der Rückbau der alten brechtbühne erfolgte im Juni 2019. Auf dem Gelände sollen neue Funktionsgebäude entstehen.

Wenn das Theater so viel kostet, leiden dann nicht die freie Kulturszene oder andere Projekte?

Nein, denn die Gelder für die Sanierung können ausschließlich für den Um- und Neubau verwendet werden. Wird die Sanierung billiger, gibt es nicht automatisch mehr Gelder für andere Projekte. Das Theater als zentrale Stätte Augsburger Kulturproduktionen wird hingegen auch Initiator für Projekte der freien Szene sein. Von dort werden auch wieder Gelder in die freie Szene fließen. Damit profitiert nicht nur das Theater, sondern die gesamte Kulturlandschaft der Stadt Augsburg.

Was haben Bürgerinnen und Bürger jenseits des klassischen Theaterbesuchs von der Sanierung?

Der Stadtgesellschaft fehlt ein immer wieder geforderter Saal für etwa 400 Personen. Die zweite Spielstätte wird kein reines Schauspielhaus, sondern ist als Mehrzweckhalle konzipiert. Das Neue Haus kann für Veranstaltungen wie Poetry-Slams, Konzerte, Vorträge und vieles mehr genutzt werden. Ebenfalls geht mit der Sanierung ganz allgemein eine Öffnung und Nutzung auch für andere Zielgruppen einher (Neugestaltung der Foyers im Großen Haus, „sharings space“ im Neubau, etc.). Grundsätzlich wertet eine Sanierung nicht nur die Gegend rund um das Theater auf, sondern ganz Augsburg als Standort. Das Viertel hat sich bereits zu einem Kulturquartier entwickelt. Diese Entwicklung will die Stadt weiter fördern.

Zusätzlich konnte eine Studie zur Wirkung des Theaters Augsburg die regionalwirtschaftlichen und weiteren positiven Effekte für Augsburg und damit für jeden einzelnen Bürger dieser Stadt aufzeigen. Der Förderverein „Wirtschaftsregion Augsburg“, eine Initiative der IHK, hat die Studie beim Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos in Auftrag gegeben.

Warum ist das Geld eigentlich so knapp in Augsburg und wieso ist ein modernes 3-Sparten-Theater gerade deswegen wichtig?

Die Stadt Augsburg hat im Verhältnis zu anderen bayerischen Kommunen ein sehr geringes Steueraufkommen. Aus diesem Grund wird daran gearbeitet, sich als attraktiver Lebens-, Wohn-, Hochschul- und Arbeitsort, aber auch als Wirtschaftsstandort zu positionieren. Dafür ist unter anderem ein reichhaltiges Kulturangebot zwingend notwendig. Für Fachkräfte oder für Unternehmen, die einen neuen Standort suchen, spielt das Freizeitangebot in einer Region eine große Rolle.

Kann das Haus nicht einfach zugesperrt werden?

Es würden trotzdem Kosten anfallen. Für ein ungenutztes, denkmalgeschütztes Gebäude fällt sogenannter Bauunterhalt an. Dieser Bauunterhalt liegt im siebenstelligen Bereich – jährlich. Außerdem wären bei einer Schließung Arbeitsplätze betroffen – nicht nur im Theater selbst, sondern auch in der Kulturwirtschaft insgesamt. Eine hohe Anzahl von Aufträgen könnte vom Theater nicht mehr ausgegeben werden.

Warum gab es für die Planungen keinen Architektenwettbewerb?

Grundlage für die Planungen war die Studie „Neukonzeption des Theaters Augsburg mit seinen Produktions- und Spielstätten“ von 2009. Die Studie zeigte die hohe Komplexität der Sanierungsmaßnahme auf. Deshalb wollte die Stadt die jeweils qualifiziertesten Fachplaner ermitteln. Die Leistungen wurden nach VOF (Vergabeordnung freiberuflicher Leistungen) vergeben. Für das Große Haus und das Gesamtareal wurden getrennte Vergabeverfahren durchgeführt. Die Voraussetzungen für einen Architektenwettbewerb waren dabei nicht gegeben. Die Verfahren wurden mit der Bayerischen Architektenkammer und der Regierung von Schwaben abgestimmt.

Wird es beim Bauteil 2 wieder einen Hofmannkeller geben?

Ja.  Richtung Heilig-Kreuz-Straße wird ein neuer Raum für einen späteren Ausbau des „Hofmannkellers“ als dritte Spielstätte vorgehalten und mit gebäudetechnischen Anschlüssen vorgerüstet.

Wird es eine öffentliche Theatergastronomie geben?

Ja.  Im Bauteil 2 wird es eine Kantine für die Mitarbeiter des Theaters geben, mit öffentlich zugänglicher Theatergastronomie. Durch die vorgesehene Verkehrsberuhigung der Kasernstr. wird hier ein attraktiver Außenbereich geschaffen, der auch von der Gastronomie genutzt werden kann.

Wo liegen die Vorteile beim jetzigen Entwurf des „Kleinen Hauses“

Die sechseckige Grundform des Multifunktionssaals des „Kleinen Hauses“ bietet bis zu 448 Besuchern Platz. Durch einen fast umlaufenden Umgang aus dem Foyerbereich und ein mobiles Tribünensystem werden fast unbegrenzte Zugangs- und Bespielungsvarianten möglich. Im Süden mündet der oberste Foyerbereich in der sogenannten „Skylounge“ mit kleiner Bar und attraktivem Ausblick Richtung „Fugger-Boulevard“.

Besonders aufgewertet wird diese Foyerzone, indem die bislang als Feuerwehrdurchfahrt ausgelegte Freifläche zwischen „Kleinem und Großem Haus“ umgewidmet wird und mit einer geschlossenen Glasverbindungshalle an das Große Haus angebunden wird. Hierdurch entsteht nicht nur der neue Haupteingang ins Kleine Haus, sondern gleichzeitig eine attraktive, ganzjährig nutzbare Theaterpassage mit erweiterten Foyer- und Gastronomieflächen. Eine Verbindung ins Große Haus ist somit stets „trockenen Fußes“ möglich.

Insgesamt entsteht ein deutlicher Mehrwert, vor allem im Hinblick auf die gewünschte „Öffnung“ des Theaters für ein breites Publikum und die ganze Stadtgesellschaft.

Wer zahlt was?

Wie kann sich Augsburg das leisten?

Wurde bei der Finanzierung an alles gedacht?

Was bleibt für andere Projekte?

Warum wollen Sie so viel Geld in Kultur stecken?

  

Weitere häufig gestellte Fragen zu Baukosten und Finanzierung:
   

Wie setzen sich die Baukosten zusammen?

Der Betrag setzt sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammen: Bauteil 1 und 2.

Bauteil 1 (Großes Haus) ist mit derzeit 113,5 Millionen Euro veranschlagt.

Bauteil 2 (Verwaltungstrakt mit Orchesterprobensaal, Probebühnen, Werkstätten, Verwaltung und Kleinem Haus) wird mit 115,5 Millionen Euro veranschlagt.

Bleibt es bei den 186,3 Millionen Euro oder sind weitere Kostensteigerungen zu erwarten?

Gemäß Beschlusslage (BSV/16/00901) beträgt das Budget für das Gesamtprojekt (Bauteil 1 und Bauteil 2) 186,3 Mio. €.

Für den Bauteil 1 ist die Kostenberechnung im Jahre 2016 erstellt worden. Mit Einreichung des Förderantrags in 2018 wurde diese um die bereits ermittelten zusätzlichen Maßnahmen aus dem Puffer aktualisiert. Dabei wurde das Gesamtbudget in Höhe von 113,5 Mio. € nicht überschritten. Über zukünftige Vergaben und evtl. Nachträge kann noch keine Aussage getroffen werden.

Bei Bauteil 2 entstehen Mehrkosten, die noch durch den Stadtrat beschlossen werden müssen. Die Variante 2 mit dem Neubau des Verwaltungstraktes mit Werkstätten, Probebühnen und Lagerflächen sowie einem „Kleines Haus“ (Multifunktionsbühne) neben dem Großen Haus kostet nach aktueller Kostenberechnung 115,5 Mio. €. Die Gesamtkosten würden sich demnach auf 229 Mio. € belaufen.

Dieser Betrag unterliegt in den kommenden Jahren der Baupreisindexierung.

Wie wird die Sanierung finanziert?

Die Baukosten für die Theatersanierung betragen vorerst 186,3 Millionen Euro. Davon übernimmt der Freistaat Bayern bis zu 106 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt beträgt aktuell 90,98 Millionen Euro inklusive Interimslösung und Archäologie. Die Stadt hat Dienstag, 20. Oktober 2015, das Finanzierungskonzept  im Finanzausschuss vorgestellt: Bis 2039 soll der städtische Anteil mit jährlich 3,85 Millionen Euro abbezahlt werden. Am 17. November hat dann der Stadtrat im Rahmen des Nachtragshaushalts 2015 darüber entschieden.

Ist die Finanzierung mit einem privaten Immobilienkredit vergleichbar?

Dem Finanzierungskonzept unterliegt die Idee, dass – vergleichbar mit einer privaten Hausfinanzierung – die Sanierung in 15 Jahren nach Abschluss der Bauarbeiten abbezahlt ist. Die Stadt stellt bis 2039 kontinuierlich 3,85 Mio. Euro (Stand November 2015) dafür ein. Die Tilgung läuft ab 2023. Der Vorteil: Durch diese überschaubare jährliche Belastung werden auch andere Investitionsprojekte in der Stadt möglich bleiben. Für die Finanzierung nutzen die derzeit historischen Zinsen, die wir auch über kommunale Förderkredite in Anspruch nehmen können.

Wurde bei der Finanzierung an alles gedacht?

Bei den Baukosten für das Bauteil I und das Bauteil II (siehe Finanzierungskonzept Seite 3, Spalten 2 und 3) handelt es sich um Bruttobaukosten. Darin enthalten ist neben der Umsatzsteuer und den Baunebenkosten eine Risikoreserve in Höhe von 25% für das Bauteil I (Großes Haus). Auch Kosten für Rückverankerungen an den Nachbargebäuden, Abbruchkosten oder die Kosten für die Außenanlagen sind bereits umfasst. Die tatsächlichen Baukosten werden sich aus dem Projektbeschluss im Sommer 2016 ergeben.

Was bedeutet der Begriff „Nebenkosten“ in der Finanzierung?

Der Begriff „Nebenkosten“ in der Überschrift bezieht sich nicht auf die Baunebenkosten, sondern auf die im Finanzierungskonzept (Seite 3) in den Spalten 7 und 8 aufgeführten Kosten für die Interimszeit und für die archäologischen Grabungen. Diese sind extra aufgeführt, da sie nicht vom Freistaat Bayern gefördert werden.

Könnten wir das Geld vom Freistaat nicht für andere Projekte verwenden?

Die Mittel sind nur für die Theatersanierung zugesagt und somit auch zweckgebunden. Gleichzeitig hat der Freistaat Bayern eine Erhöhung der Förderquote für die Sanierung und Modernisierung der Augsburger Schulen von 45% auf 55,5% vorgenommen. Diese Doppelförderung ist das sogenannte Kultur- und Bildungsförderprogramm der Stadt Augsburg. Der Freistaat stellt damit sicher, dass beide Themen gleichermaßen gefördert werden.

Niemand kennt die Zinsentwicklung in 10 Jahren – ein Risiko bei der Kreditaufnahme?

Das Finanzierungskonzept (Stand November 2015) sieht vor, dass bis 2022 Kredite aufgenommen werden, die ab 2023 bis 2039 getilgt werden. Dies bedeutet, dass lediglich bis 2022 ein Zinsänderungsrisiko besteht. Es ist derzeit keine seriöse Aussage zu treffen, wie sich die Zinslasten von künftigen Darlehensabschlüssen gestalten werden. Die Zinssätze sind derzeit aber historisch niedrig und die Signale der Notenbanken weisen auf keine Veränderung hin.

Und wenn die Kredite doch teurer werden oder andere ungeplante Kosten aufkommen?

Sollte der Kostenrahmen, der im Sommer 2016 vom Stadtrat beschlossen wird, nicht zu halten sein, so müsste dies zunächst innerhalb der Baumaßnahme ausgeglichen werden. Bei einzelnen Posten können über Ausschreibungen oft bessere Ergebnisse als berechnet erzielt werden. Sollten die Mittel auch dann nicht ausreichen, müsste der Stadtrat entscheiden, bei welcher der Posten gespart oder ob die Kreditaufnahme modifiziert werden soll.

Gibt es eine kostengünstigere Lösung?

Grundsätzlich beinhaltet die Planung zur Sanierung des Großen Hauses nur dringend für den Theaterbetrieb notwendige Maßnahmen. Bei Bauteil 2 wurden in vielen Bereichen Einsparungen vorgenommen um die Kosten zu reduzieren, weitere Einsparungen würden einen funktionierenden Theaterbetrieb gefährden.

Ist ein Neubau nicht billiger?

Das Theater ist ein Einzeldenkmal ersten Ranges. Die Stadt Augsburg ist verpflichtet, es zu erhalten. Ein Theater muss nach Auffassung der Stadt Augsburg Teil der Innenstadt sein. Das vorhandene Areal ist das einzige dieser Größe, das lokal zur Verfügung steht. Zudem würden durch einen Neubau weitaus höhere Kosten anfallen.

Könnte der Brandschutz nicht parallel zum Spielbetrieb verbessert werden?

Gemäß dem Brandschutzgutachten von 2010 wurden kurz- und mittelfristige Maßnahmen festgelegt und umgesetzt. Somit kann der Spielbetrieb bis zur baulichen Generalsanierung weiterlaufen. Wesentliche Brandschutzmängel erfordern aber erhebliche bauliche Eingriffe (z. B. zusätzliche Fluchttreppenhäuser, Ausbildung von brandschutztauglichen Konstruktionen, Brandschutzabschottungen etc.). Diese können nur bei geräumtem Gebäude ausgeführt werden.

Was kosten der Abriss der Brechtbühne und der teilweise Wiedereinbau im Gaswerk?

Der Rückbau der Brechtbühne hat inkl. der Baunebenkosten rund 360.000,- € brutto gekostet und ist bei den Sanierungskosten bereits berücksichtigt. Beim Umzug der „brechtbühne“ in das Ofenhaus am Gaswerk, konnten die Ton und Medientechnik, der die Obermaschinerie, die Tribünenanlage und der Bühnenboden mitumgezogen werden. Die Kosten für die Anpassung und den Einbau der theatertechnischen Gewerke belaufen sich auf ca. 1.2 Mio.€ und sind deutlich günstiger als eine Neubeschaffung.

Was wurde eingespart zwischen Variante V1 und V2?

Das vierte Untergeschoß, welches für die Lagerung von Kulissen vorgesehen ist, die nicht für die aktuelle Spielzeit benötigt werden, fällt weg.                 
Konsequenz: Externe Lagerflächen müssen angemietet werden.

Um die Baukonstruktion zu vereinfachen, wird auch die Fläche des 3. Untergeschoss etwa um 40 % verringert.
Wegfall einer großen Probebühne. Es entstehen 1 große und 2 kleine Probebühnen und der Ballettsaal.
Notwendige Werkstätten wurden auf Minimalgröße hin untersucht und entsprechend angepasst. Durch das Herauslösen der Multifunktionsbühne ergeben sich für die Werkstätten bessere Raumzuschnitte.

Wegfall des unterirdischen LKW-Aufzugs zur Anlieferung an der Theaterstraße.

Der umbaute Raum lag bisher bei der Variante 1 (V1) für das Bauteil 2 bei 155.000 m³. Der Bruttorauminhalt in der abgespeckten Variante 2 (V2) liegt bei 122.751 m³. Man hat in enger Zusammenarbeit mit dem Theater über 30.000 m³ in der gesamten Baumaßnahme Bauteil 2 eingespart.

„Diese Einsparung ist für alle schmerzlich, am meisten für das Staatstheater. Es handelt sich nicht mehr um die beste Lösung, aber es ist noch funktionsfähig, allerdings mit Einschränkungen.“ (Weitzel)

Durch den Tausch von freistehendem „Orchesterprobengebäude“ und „Kleinem Haus“, fällt das Betriebsgebäude nicht mehr unter die Versammlungsstättenverordnung –   Einsparung bei Brandschutz und Gebäudetechnik

Wie setzt sich die Kostensteigerung bei Bauteil 2 von 92,3 Mio. € auf 115,5 Mio. € zusammen?

Mehrkosten Bauwerk Hauptgebäude Ca. 9,2 Mio.

Ca. 0.1 Mio. € Mehrkosten Schadstoffsanierung

Ca. 2,7 Mio. € Mehrkosten Hochbau (Zwischendecke in Bestand Ottmarsgässchen, größere Deckenspannweite Black Box, größere Nebenräume Malsaal)

Ca. 2,6 Mio. € Mehrkosten bei der Technischer Gebäudeausstattung (TGA)

Ca. 1,5 Mio. € Mehrkosten bei der Elektrotechnik

Ca. 1,3 Mio. Mehrkosten bei der Bühnentechnik

Ca. 0,4 Mio. € Mehrkosten Küchenausstattung

Ca. 0,6 Mio. Mehrkosten für Ausstattung (Möbel, Büro, etc.)

Mehrkosten Kleines Haus ca. 9,3 Mio. €

Ca. 4,9 Mio. € Mehrkosten beim Hochbau (Erhöhte Fassadenkosten, Zuwachs Kubatur, Theaterpassage Stahl/Glaskonstruktion)

Ca. 0,7 Mio. € Mehrkosten bei der TGA

Ca. 0,8 Mio. € Mehrkosten bei der Elektrotechnik

Ca. 2,9 Mio. € Mehrkosten bei der Bühnentechnik

9,2 Mio. + 9,3 Mio. 0 18,5 Mio. € Mehrkosten + Nebenkosten ca. 4,7 Mio. = 23,2 Mio. €

Warum wurde in der Planung Bauteil 2 nicht früher reagiert, um die Kostenschätzung gemäß Beschluss einzuhalten?

Um eine Kostenschätzung aufstellen zu können, ist eine ausreichende Planungstiefe unter Einbeziehung aller Beiträge der Fachplaner erforderlich. Bei dieser komplexen Bauaufgabe sind in der Planung verschiedenste Einflussfaktoren zu berücksichtigen, die sich z.T. gegenseitig beeinflussen. Daher kann erst ab einem belastbaren Planungsstand mit der Berechnung begonnen werden. Dem Architekten obliegt dabei die Koordinierung und Zusammenfassung der abschließenden Kostenschätzung gemäß der DIN 276.

Welche Auswirkungen hätte der spätere Bau eines Solitärgebäudes oberhalb des Keller West auf den Theaterbetrieb?

Die Auswirkungen sind gravierend und werden sich vermutlich auf mindestens 2 Spielzeiten auswirken. Ein Rohbau direkt neben der Seitenbühne des Großen Hauses wird sich nicht auf Bauzeiten außerhalb des Probenbetriebes reduzieren lassen. Es ist mit massiven Einschränkungen der Probenarbeit aufgrund von unvermeidbarem Baulärm zu rechnen. Damit ist voraussichtlich eine verlängerte Bauzeit zu erwarten.

Die Notwendigkeit bei einem späteren Bau des Solitärs erforderliche haustechnischen Einrichtungen oberirdisch mit bereits funktionierenden Einheiten im Keller West zu verbinden stellt ein hohes Ausfallrisiko dar. Der Keller West enthält Räume, auf die nicht ohne weiteres durch das Staatstheater verzichtet werden kann und die jedoch während der Bauzeit nicht nutzbar sein werden.

Die Frage von Fluchtwegeführung aus dem Haus muss während der Bauphase angepasst werden. Das kann zu erheblichen Einschränkungen führen, da die Fluchtwege aus dem Theater ohnehin gerade die max. Anzahl Besucher abdecken. Negative Rückwirkungen auf dem Spielbetrieb sind hier auf jeden Fall zu erwarten.

Gesamthaft würden sich die Kosten erhöhen, da Provisorien gebaut werden müssten (Zugang etc.), die Baupreise voraussichtlich weiter steigen werden, die kostenmäßigen Synergien von gemeinsamen Ausschreibungen nicht genutzt werden könnten und die Logistik insgesamt komplizierter würde.

   

Fragen und Antworten zum Interim:

Wo sind die Interimsspielstätten?

Alle Spielstätten mit Anfahrtsbeschreibungen finden Sie hier

Weiteren Infos finden Sie hier

Welche anderen Interimsstandorte wurden geprüft und was hätten sie gekostet?

Es wurden unterschiedliche Flächen im Stadtgebiet geprüft, die aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden dürfen. Gegen die jeweilige Nutzung sprach entweder das Platzangebot oder die Kosten, die sich zwischen 4,2 und 8,3 Mio. € bei einer Nutzungsdauer von sechs Jahren belaufen hätten.

Die Kosten für eine Zeltvariante hätten sich brutto auf zwischen 8 und 10 Mio. €. belaufen. Auch hier war die Nutzungsdauer auf sechs Jahre angelegt. Bewertet wurden die Plätze in Bezug auf Verfügbarkeit, Akustische Einflüsse aus dem Umfeld, Erreichbarkeit, Parkplätze, Einflüsse auf die Nachbarschaft.

Wieso wird nicht das „Kleine Haus“ weggelassen?

Das Kleine Haus ist eine Anforderung des Theaters sowie ein Ergebnis aus der Bürgerbeteiligung und daher ein unverzichtbarer Bestandteil der Planung. Mit der neuen Lage neben dem großen Haus findet es, einen seiner Bedeutung entsprechenden Standort. Für das „Kleine Haus“ ist eine funktionale, wandelbare Ausstattung vorgesehen. Sie lässt neue performative und szenografische Formen zu, die den künstlerischen Ansprüchen eines Staatstheaters gerecht werden und alternative Publikumserfahrungen ermöglichen. Die Multifunktionalität der neuen Spielstätte ist ausdrücklicher Teil der Planung und soll die Nutzung durch externe Veranstalter deutlich erleichtern.

Was spricht gegen einen dauerhaften Verbleib in einer der Interimspielstätten?

Es entstehen jährliche Kosten von ca. 1. Mio. € (Ofenhaus) bzw. 1,5 Mio.€ (martini). Darin sind enthalten Mietkosten, erhöhter Personalaufwand, erhöhte Logistikkosten. Es müssten zusätzliche Investitionen in die Theatertechnik von jeweils ca. 3 Mio. € getätigt werden. Bei einem Bauvolumen von 27 Mio. € für das Kleine Haus, würde sich bei dem Verbleib auf dem martini Gelände die Einstandortlösung nach 10 Jahren amortisiert haben, beim Verbleib im Ofenhaus nach 14 Jahren.

Dies geht einher mit drastischen Einschränkungen hinsichtlich der einsetzbaren bühnenszenographischen Mittel.

Diese sind für ein Staatstheater langfristig nicht zukunftsgerecht und werden dem Anspruch einer aufstrebenden Metropole mit überregionaler Strahlkraft nicht gerecht. Im künftigen „Kleinen Haus“ ist eine Bühnentechnik geplant, die technisch auf dem neuesten Stand ist. Auch szenographische Mittel, die Alternativen zur reinen, fixen Frontalbespielung durch eine flexible Tribüne (Arena o.ä.) sind dann möglich.

Nach derzeitiger Planung soll die Brechtbühne im Ofenhaus nach dem Auszug des Staatstheaters der freien Szene und lokalen und überregionalen Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden und hier eine Versorgungslücke im Raumbedarf schließen. Dies wäre bei einem Verbleib des Staatstheaters im Ofenhaus nicht mehr möglich. Auch die wesentliche Forderung des Beteiligungsprozesses nach einer Öffnung des Theaters hin zur Stadtgesellschaft und zum Theaterviertel wäre mit einem dezentralen Standort nur bedingt möglich. Beim derzeitigen Planungsstand soll die Kasernstraße verkehrsberuhigt werden. Mit der geplanten, öffentlich zugänglichen Theatergastronomie im Bauteil  2 und dem neuen Standort des „Kleinen Hauses“ kann ein interessantes Platzkonzept mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen.

Am Gaswerk sind neue Werkstätten für das Theater eingerichtet worden. Warum können diese Werkstätten nicht weiter genutzt werden?

Die am Gaswerk errichteten Werkstätten sind nur teilweise auf die Größe der Interimsspielstätten angepasst und weder räumlich noch von Ihrer Kapazität her in der Lage, den zukünftigen Spielbetrieb am Kennedyplatz sinnvoll zu bedienen. Grundflächen und die Höhen der Werkstätten sind nicht ausreichend. Außerdem fehlen dort entsprechende Lager-u. Bereitstellungsflächen. Weiter wäre damit ein ständiger Transportbetrieb und die Notwendigkeit verbunden, auch am Standort selbst, Werkstätten für die Endmontage zu unterhalten. Die aktuellen personellen Kapazitäten des Theaters würden eine solche Trennung zudem nicht erlauben.