Das große Haus am Kennedy-Platz. Quelle: Theater Augsburg

Staatstheater Augsburg – das Schwergewicht in der Theaterlandschaft

Am 1. September 2018, mit Beginn der Spielzeit 2018/2019, wurde das Theater Augsburg zum Staatstheater. Unter der Intendanz von André Bücker und dem Motto „Geistzeit“ schlägt das Ensemble des Staatstheaters weiter neue (Interims-) Wege ein. Spielorte sind die neue brechtbühne am Gaswerk in Oberhausen, das Haus im martini-Park, das Kongress am Park und die Freilichtbühne am Roten Tor.

Mit der Verlagerung des Schauspiels und der brechtbühne ins Ofenhaus am Gaswerk sowie dem Umzug der Schneiderei in den Deuterpark werden die letzten Abteilungen des Theaters aus der Stadtmitte wegziehen. Durch den vertrauten Standort am Kennedyplatz wird dann eine Zeitlang kein Theatergeist mehr wehen, dafür umso mehr am künftigen Areal der Kreativen in Stadtteil Oberhausen: Ähnlich wie im martini-Park, der zu einem temporären neuen Theater-Zuhause geworden ist, werden die Ensembles des Staatstheaters dort für mehrere Jahre ihr Quartier aufschlagen und das ehemalige Ofenhaus und den Neubau mit Theaterluft füllen. Wo früher die Energie für die Stadt erzeugt wurde, werden künftig Künstler und Kreative ihre Ideen in die Stadtgesellschaft einspeisen.

Vier Sparten und jede Menge Vorstellungen: Die Ensembles des Staatstheaters Augsburg präsentieren pro Saison über 30 Inszenierungen in 600 Vorstellungen in den Sparten Musiktheater (Oper/Musical), Schauspiel-/Kinder- und Jugendtheater, Tanz/Ballett und Konzerte. Darüber hinaus spielen die Augsburger Philharmoniker als Orchester der Stadt acht Sinfoniekonzerte pro Spielzeit im Kongress am Park.

Auch das Staatstheater wird zukünftig die Freilichtbühne bespielen: Im Sommer 2019 wird die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ aufgeführt.

Spielplan und weitere Informationen unter www.theater-augsburg.de.

FAQs – häufig gestellte Fragen:

Seit 1. September 2018 ist das Theater Augsburg ein Staatstheater. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten dazu für Sie zusammengefasst:

Welche Vorteile bringt die Umwandlung in ein Staatstheater?

„Sie wird die Stadt in ihrer Entwicklung, ihrem Selbstverständnis und ihrem authentischen Profil weiterbringen.“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl. Als Staatstheater ist die Wahrscheinlichkeit größer, bekanntere Künstler oder Regisseure für Produktionen zu gewinnen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Betriebskosten des Theaters nicht mehr allein von der Stadt getragen werden müssen, sondern künftig zwischen Freistaat und Stadt aufgeteilt werden.

Was ändert sich organisatorisch beim neuen Staatstheater?

Der Theaterbetrieb bekommt eine neue Organisation. Es wird eine Stiftung errichtet, die das bisher von der Stadt Augsburg getragene Theater Augsburg übernimmt. Die Gründung einer Stiftung ist eine gängige Vorgehensweise des Freistaates bei der Umwandlung eines Theaters in ein Staatstheater. Die Stiftung wird geführt aus einem Vorstand, der aus dem Intendanten André Bücker und dem geschäftsführenden Direktor Friedrich Meyer besteht. Außerdem gibt es einen Stiftungsrat, der sich jeweils zur Hälfte aus Mitgliedern vom Freistaat Bayern sowie der Stadt Augsburg zusammensetzt. Ein Kuratorium wird die Stiftung in künstlerischen und wirtschaftlichen Fragen beraten. Auch das Kuratorium wird in seiner Besetzung gleichermaßen den Freistaat wie auch die Saat Augsburg repräsentieren.

Wem gehören nun die Theatergebäude?

Die Stadt Augsburg bleibt weiterhin Eigentümerin.

Was ändert sich im Hinblick auf die Theatersanierung?

Die Stadt bleibt weiterhin Eigentümerin der Theatergebäude. Aus diesem Grund hat die Verstaatlichung keine Auswirkung auf die Generalsanierung. Diese bleibt in städtischer Hand und soll wie geplant umgesetzt werden. Auch die Finanzierung der Generalsanierung durch die Stadt Augsburg mit einer Förderung des Freistaates Bayern bleibt unberührt.

Was ändert sich für die Interimsspielstätten?

Die Finanzierung der Interimsstätten wird in Zukunft zwischen Freistaat und der Stadt Augsburg gleich verteilt. So können bereits ab September die Mieten und Betriebskosten für die Ausweichorte für die Stadt Augsburg halbiert werden.

Welche Auswirkungen hat das Staatstheater auf das künstlerische Konzept?

Das künstlerische Konzept bleibt vorerst unverändert. Programmatisch wird sich am Profil des Hauses nichts ändern. Ein Vorteil ist allerdings jetzt schon, dass die Außenwahrnehmung eine andere sein wird und man so auch bekanntere Künstler oder Regisseure für Produktionen gewinnen kann. Besonderes Augenmerk wird weiterhin auf die speziellen Augsburger Belange gelegt, insbesondere auf die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses, den Kulturentwicklungsprozess und die Verflechtung mit den Festivalformaten der Stadt. Im Bereich der Vermittlung und bei Kooperationen wird sich nichts ändern. Augsburger Themen werden weiterhin fest im Programm verankert sein und mit der lokalen Freien Szene gemeinsam erarbeitet.

Wie kann ich spenden und was passiert mit den bisherigen Spenden?


Alle bisher eingegangenen Spenden bleiben in vollen Umfang erhalten und bleiben – so  wie alle zukünftigen Spenden – an ihrem Zweck gebunden. Jeder kann als Privatperson oder Kulturnutzer an die Stiftung Theater Augsburg spenden. Alle Spenden kommen der Theatersanierung zugute:

 

  • Einzelspende
  • Dauerauftrag
  • Zustiftung

Kontoinhaber:
HAUS DER STIFTER – Stiftergemeinschaft der Stadtsparkasse Augsburg
IBAN: DE03 7205 0000 0000 0781 21
Verwendungszweck: Spende Sanierung Theater

Oder spenden Sie online unter www.haus-der-stifter-augsburg.de

Koordination:
Ursula Baier Pickartz,
Rathausplatz 1, 86150 Augsburg
Telefon 0821 324-9414
ursula.baierpickartz(at)augsburg.de

Geschichte des Theaters in Augsburg

Die Freie Reichsstadt Augsburg hatte schon immer eine viel gerühmte Theatertradition. Bereits um 1450 entstand hier die erste deutsche Meistersingschule. Diese »Augsburger Meistersinger Gesellschaft«, lange die bedeutendste Sängervereinigung nach der in Nürnberg, ging schon bald zur Schauspielkunst über und bot in Kirchen, Gasthöfen, Zunfthäusern und -stuben „die geistlich-christauferbaulichen und mit schöner Musik unterspickten Betrachtungsstücke“ dar. Aus den Jahren 1535 bis 1614 sind 262 Meistersinger namentlich überliefert. Mit dem 30-jährigen Krieg ging auch der Niedergang des Meistergesangs einher.

Das Jahr 1665 markiert den Beginn von Augsburgs Theaterleben mit der Errichtung des Meistersinger-Stadels am Lauterlech im eigentlichen Wortsinn. 111 Jahre später entstand an der Stelle dieses Holzbaus ein massiver Steinbau: das Städtische Schauspielhaus. Ein „Theater großen Stils“, mit Auftrittsmöglichkeiten für renommierte Gast-Ensembles. Wolfgang Amadeus Mozart besuchte das Theater im Oktober 1777. Seine Oper Don Giovanni wurde hier bereits 1787 (im Uraufführungsjahr) gegeben, Die Zauberflöte folgte 1793.

Genau 100 Jahre nach der Entstehung beschloss der Magistrat am 1. Januar 1876 (in dem mittlerweile mangelhaften Bau war ausgerechnet in der Loge des Bürgermeisters Ludwig von Fischer ein Brand ausgebrochen) den Neubau eines repräsentativen Stadttheaters. Makaber: Nach der Aufnahme des Spielbetriebes im neuen Theater wurde das Theater am Lauterlech zunächst als Leichenversorgungsamt weiter genutzt. Der liebevoll „Komödienstadel“ titulierte Bau wurde wie das neue Stadttheater in der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 vollkommen zerstört.

Das neue Stadttheater wurde anfangs an den jeweiligen Direktor verpachtet, der für den finanziellen Erfolg oder Misserfolg voll verantwortlich war. Die Stadt gewährte lediglich Zuschüsse. 1919 wurde das Stadttheater endgültig kommunalisiert. 1924 mussten vorübergehend die Sparten Schauspiel und Operette aufgelöst werden. 1929 fanden die ersten Aufführungen auf der Freilichtbühne statt. 1956, nach Zerstörung und Wiederaufbau, kehrten die Städtischen Bühnen in das Stadttheater zurück. 1999 erfolgte die Umwandlung der Städtischen Bühnen in den städtischen Eigenbetrieb Theater Augsburg.

Die Ensembles des Theater Augsburg präsentieren heute pro Saison rund 30 Inszenierungen in 600 Vorstellungen in den Sparten Oper, Schauspiel und Ballett. Darüber hinaus spielen die Augsburger Philharmoniker als Orchester der Stadt acht Sinfoniekonzerte pro Spielzeit im Kongress am Park.