„LETTL-Museum“

Wolfgang Lettl (1919-2008) hat ein Werk von über 500 surrealen Bildern hinterlassen.
Gemäß dem Wunsch des Künstlers, sein Werk der Stadt Augsburg zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1992 der Wolfgang Lettl - Verein zur Förderung surrealer Kunst e.V. gegründet.

Das "LETTL-Museum" bleibt ab 17. März geschlossen

Um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, bleiben nicht notwendige Einrichtungen und Läden geschlossen.

Zum 100. Geburtstag von Wolfgang Lettl wurde im Herzen der Stadt das „LETTL-Museum“ eröffnet.

Wolfgang Lettl hatte seine ersten Kontakte zur surrealistischen Kunst als Besatzungssoldat in Paris. Von den Manifesten und Philosophien der „klassischen“ Surrealisten hielt er nicht viel, verdankt ihnen jedoch die Erkenntnis, dass es nicht so sehr darauf ankommt, vordergründig Tatsächliches oder erdacht Konstruiertes zu malen, sondern vielmehr zu versuchen, Bilder aus dem Unterbewussten hervorzuholen und sie überzeugend darzustellen.

Autodidaktisch entwickelte er die breite Palette seiner Stilmittel unabhängig und im Gegensatz zu den herrschenden Kunstmoden. Lettls surreale Gemälde und seine phantasievollen Erfindungen fesseln und provozieren, das heißt, sie rufen etwas hervor, und sie vermitteln eine neue Sicht und damit vor allem Einsichten. Seine Bilder laden ein und fordern auf, man muss in ihnen lesen, und wenn man dies tut, steckt man plötzlich in einer Geschichte, von der man nicht weiß, ob es die eigene oder die des Künstlers ist. Mit Verwirrspielen solcher Art will Lettl indes gerade nicht verwirren, sondern zur Teilhabe, zum Wiedererkennen einladen.

Indem er die Wirklichkeit in Frage stellt, schafft er neue Realitäten hinter den Dingen, Traum und Phantasie werden dabei nicht entzaubert, sondern im Gegenteil in den Rang erfahrbarer, unerhörter neuer Wirklichkeiten erhoben.

Lettl zeigt uns, dass die Welt nicht heil ist, aber seine Bilder verraten, dass er alles darum gäbe, wenn sie ins Gleichgewicht käme – aus Respekt vor der Schöpfung und aus Liebe zu den Menschen, aus Freude am klugen Spiel. Er spielt mit der Phantasie als Inbegriff des Reichtums unserer wirklichen, wenn auch verborgenen, aber dennoch in uns schlummernden Kräfte.

Text: Florian Lettl; Bild: Ausschnitt aus dem Bild: Die Allee von Borrington, Wolfgang Lettl (1985)