Wer im Stadtwald unterwegs ist, stößt unweigerlich auf zahlreiche Bäche und Kanäle

Wasser ist ein historisch bedeutendes Thema in Augsburg. Für jeden sichtbar und erfahrbar beim Hochablass, den Stadtwaldbächen, den Wassertürmen und den Monumentalbrunnen.

Stadtwaldbäche – Was plätschert denn da?

Der Augsburger Stadtwald ist wesentlich geprägt von seinen Bächen und Kanälen. Das Fließgewässernetz im Stadtwald ist insgesamt rund 70 km lang. Die Augsburger Stadtwaldbäche werden in Quellbäche und Lechkanäle unterschieden.

Quellbäche

Quellbäche entspringen in Quellfluren und führen reines Grundwasser. Die Quellbäche sicherten über Jahrhunderte die Trinkwasserversorgung von Augsburg. Ein Beispiel ist der Brunnenbach im Stadtwald Augsburg. Er versorgte die Augsburger bis 1840 mit Trinkwasser. Auch auf dem Augsburger Prachtbrunnen am Rathausplatz ist er als eine der Brunnenfiguren verewigt. Quellbäche sind sehr sauber und sauerstoffreich. Seltene Tier- und Pflanzenarten leben in und an ihnen.

Lechkanäle

Die Lechkanäle werden mit Wasser gespeist, das heute an der Staustufe 22 aus dem Lech über den Lochbach ausgeleitet wird. Die Lechkanäle versorgten die Stadt mit Brauchwasser für das Handwerk. Zudem führten sie Wasser in den Stadtgraben, der für die Verteidigung der Stadt wichtig war. Die Lechkanäle die über den Wald in die Stadt gelangten waren die entscheidend für die industrielle Entwicklung Augsburgs. Die Lechkanäle sind seitjeher aber auch ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Heute sind die beiden Bachsysteme – Quellbäche und Lechkanäle – nicht mehr streng getrennt. Sie sind aber nach wie vor wichtige Lebensadern der Stadt und prägen wesentlich Charakter und Lebensraum des Stadtwaldes. 

 

Lech und Wertach – veränderte Lebensräume

Lech und Wertach sind die zwei großen Augsburger Flüsse. Als diese prägen sie auch die angrenzenden Waldlebensräume. Ursprünglich waren die flussbegleitenden Wälder richtige Auwälder, die zum einen bei Hochwasser regelmäßig überflutet wurden oder die Grundwasser wurzelten. Durch die Nutzung der Wasserkraft sowie Hochwasserschutzmaßnamen und damit verbundenen Begradigungen der Flüsse haben sich sowohl Wertach wie Lech immer stärker eingetieft. Dadurch sind die Grundwasserspiegel gesunken und die angrenzenden Wälder haben ihren ursprünglichen Auwaldcharakter verloren.

Dies verändert die Lebensräume und Arten in den beiden flussbegleitenden Wäldern (>> Stadtwald & Naturschutz). Diese Veränderung ist im Großen nicht mehr umkehrbar. Um aber zumindest teilweise wieder Auwaldbereiche zu schaffen und Lebensräume zu erhalten, gibt es in Augsburg zwei große Flussrenaturierungsprojekte. Im Projekt „Wertach vital“ wurde und wird die vielfach kanalisierte Wertach wieder in einen naturnahen Zustand versetzt. Das Projekt „Licca liber“ soll den Lech zwischen der Staustufe 23 (Mandichosee) und der Mündung renaturieren.