Vergessene Welten und blinde Flecken

Stadtbücherei
17.10.2022 10:00 Uhr -
26.11.2022 19:00 Uhr
Stadtbücherei Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1
86150 Augsburg
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Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens

Medien vernachlässigen die Länder des Globalen Südens in der Berichterstattung massiv und konstant. Zu diesem Schluss gelangt eine Studie, die u.a. 5.100 Sendungen der „Tagesschau“ ausgewertet hat.

Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht?
„Wie realistisch bilden die Medien die Welt ab?“ ist eine der Kernfragen der Medienwissenschaften und auch eine Frage, die sich wohl jeder Zuschauer oder Leser irgendwann einmal gestellt hat. Nicht selten weisen Medien einen blinden Fleck auf, wenn es sich um den Globalen Süden (die sog. Dritte Welt- bzw. die sog. Entwicklungs- und Schwellenländer) handelt.
Die Langzeitstudie „Vergessene Welten und blinde Flecken“ hat u.a. über 5.100 Sendungen der „20:00 Uhr-Tagesschau“ aus den Jahren 1996 und 2007-2019 sowie Berichte ausgewähl-ter in- und ausländischer Leitmedien („Deutschlandfunk“, „Süddeutsche Zeitung“, „Der Spiegel“, „ARD-Brennpunkt“, „Anne Will“, „Hart aber Fair“, „Maischberger“, „Maybrit Illner“, „CBS Evening News“, „The Washington Post“, „Time“, „The Guardian“ und „Le Monde“) untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Beiträge überproportional intensiv auf den „Westen“ und die Länder des Nahen Ostens bzw. der MENA (Middle East North Africa)-Region konzentrieren.
Dies geschieht insbesondere zu Lasten der Staaten des Globalen Südens. Nimmt man z.B. die Bevölkerungszahlen der Länder als Grundlage, wird deutlich, dass der größte Teil des Globalen Südens stark unterrepräsentiert ist. Der über 100 Mio. Einwohner zählende afrikanische Staat Äthiopien beispielsweise müsste, gemessen an der Einwohnerzahl, in etwa 860 % mehr Berichten erwähnt werden, Tansania und Madagaskar sogar in 2.300 bzw. 3.265 % (Abb. 2). Einige Staaten, wie beispielsweise Sambia, Bhutan oder Lesotho, wurden in über zehn Jahren sogar kein einziges Mal erwähnt