Buntgemischt

Hier finden Sie aktuelle Themen aus den Bereichen Migration, Interkultur und Vielfalt.

Hallo, Martina Wild! – Die Bürgermeisterin im Interview

Frau Wild, Sie sind die neue Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration. Können Sie sich kurz vorstellen?

Augsburg ist mein Zuhause. Ich mag diese Stadt. Deshalb habe ich 16 Jahre im Augsburger Stadtrat daran mitgearbeitet, unsere Stadt zukunftsfähig zu machen. Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und habe Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Angewandte Sprachwissenschaft/ Italienisch studiert. An der politischen Arbeit mag ich das Gestalten. Ich schätze zudem die kollegiale Zusammenarbeit und gemeinsam für eine wichtige Sache zu arbeiten, wie zum Beispiel im Islamforum oder dem Integrationsbeirat. Denn ich bin davon überzeugt, dass wir nur gemeinsam weiterkommen, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

Sie sind Bürgermeisterin und Referentin einer Stadt, in der fast jede und jeder zweite Migrationshintergrund hat. Was bedeutet Ihnen die Vielfalt unserer Stadt?

Dass ich mich in Augsburg so wohl fühle, liegt vor allem auch daran, dass unsere Stadt so natürlich mit ihrer Vielfalt umgeht. Augsburg lebt von seiner Vielfalt und trägt als Friedensstadt natürlich auch Verantwortung für ein gutes Miteinander. Ich empfinde das gute Miteinander als riesigen Schatz und wir müssen alles dafür tun, dass das so bleibt. Ich freue mich daher, dass die Bereiche Bildung und Migration durch meine Tätigkeit als Bürgermeisterin eine zusätzliche Gewichtung erfahren.

Wo sehen Sie für die nächsten Jahre Ihre inhaltlichen Schwerpunkte?

Als Referentin für Bildung und Migration liegt mein Schwerpunkt klar darauf, mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe für alle Bürger*innen in unserer Stadt herzustellen. Im Migrationsbereich liegt es mir vor allem am Herzen, mit den Vereinen und Communitys in Kontakt zu kommen. Auch die enge Begleitung der Antidiskriminierungsstelle und die gute Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeirat ist mir ein großes Anliegen. Für ein gutes Miteinander in unserer Friedensstadt müssen wir gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung aufstehen, aktiv und laut sein. Initiativen wie Black Lives Matter, Tür an Tür, das Grandhotel Cosmopolis oder die vielen unterschiedlichen Communities möchte ich als Bürgermeister gut unterstützen und auch untereinander verbinden. Die Aufgaben sind groß, aber ich versichere Ihnen, dass ich sie mit vollem Elan und in einem guten Miteinander die Herausforderungen anpacken werde. 

Ganz herzlichen Dank für das Interview, Frau Wild!


Namenswechsel fürs Büro – die gesamte Gesellschaft im Blick

Das Ihnen wohlvertraute Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt heißt nun Büro für gesellschaftliche Integration und ist direkt bei der Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration, Martina Wild, angesiedelt. „In einer Stadt, in der beinahe jeder/jede Zweite einen Migrationshintergrund hat, wollten wir mit diesem Namenswechsel deutlich machen, dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“, so die Bürgermeisterin. Der Migrationshintergrund kann immer weniger als alleiniges Merkmal zur Bestimmung und Erklärung gesellschaftlicher Ungleichheiten verwendet werden -  zu unterschiedlich sind die Lebenslagen der Zugewanderten und der Menschen, die bereits in zweiter, dritter oder vierter Generation in Augsburg leben. Die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und die Herstellung einer gleichberechtigten Teilhabe bleiben die Schwerpunkte in der Arbeit des Büros für gesellschaftliche Integration. „Mit einer regelmäßigen Berichterstattung, den bewährten „Schnittstellenpapieren“, der App-Integreat, mit dem offenen und lernenden Integrationskonzept, mit dem Aktionsplan Integration und einem breiten Angebot an Weiterbildungen in einer vielfältigen Stadtgesellschaft werden wir auch weiterhin den professionellen Umgang mit Vielfalt unterstützen“ erklärt Dr. Margret Spohn, die das Büro mit dem neuen Namen auch weiterhin leitet.


„Im Gespräch mit…“: Die Alevitische Gemeinde Augsburg e.V. stellt sich vor

Interview mit Onur Yildirim, Alevitische Gemeinde Augsburg e.V.

Herr Yildirim, erzählen Sie uns doch bitte ein bisschen etwas zur Geschichte Ihrer Gemeinde.

Die Alevitische Gemeinde Augsburg wurde 1993 mit 35 Mitgliedern gegründet und hatte ihr Zentrum zuerst in der Wankstraße in Lechhausen. Nachdem 1997 die 1. Alevitische Kulturwoche erfolgreich veranstaltet wurde, hat die Alevitische Gemeinde Augsburg im Jahre 2000 ihr eigenes und Europas größtes alevitisches Gebetshaus in der Bozenerstr. 4a in Lechhausen errichtet.

Die Gemeinde hat heute ca. 500 Mitglieder und gehört zu den ca.150 alevitischen Gemeinden, die unter dem Dach der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Deutschland e.V. organisiert sind. In Deutschland leben aktuell ca. 800.000 Aleviten, wovon ca. 4.000 in Augsburg leben.

Können Sie uns kurz etwas zum Alevitentum sagen?

Das Alevitentum ist ein Glaube, der sich in Anatolien entwickelt hat und ganz alte Traditionen in sich birgt. Das Alevitentum bezeichnet sich selbst als YOL, was man als „mystischen Weg“ übersetzten kann. Dabei ist das Ziel, dass der Mensch die Lehre der 4 Tore und 40 Stufen durchschreitet. Diese Tore sind Seriat (das Gesetz), Tarikat (der Weg), Marifet (das innere Wissen) und Hakikat (die göttliche Wahrheit). Jedes dieser Tore hat 10 Stufen, also 10 Regeln, die es zu beherzigen gilt. Wichtig ist, dass man im Einvernehmen mit sich selbst und seiner Umgebung lebt. Ziel eines Aleviten ist die Vollkommenheit (Insani-Kamil) durch Werte wie Nächstenliebe, Bescheidenheit und Geduld. Humanismus und Universalismus prägen den alevitischen Glauben.

Die Alevitische Gemeinde Augsburg e.V. ist sehr aktiv. Was sind Ihre Hauptanliegen, Aufgaben und Ziele?

Das Hauptanliegen der Gemeinde ist der Erhalt der Alevitischen Lehre.

Zusätzlich verfolgt die Gemeinde Ziele wie die Förderung einer vielfältigen Gesellschaft durch Durchführung von unterschiedlichen Veranstaltungen, gegen Rassismus, Ausländer- und Völkerhass.

Worauf sind Sie in Hinblick auf die Alevitische Gemeinde Augsburg e.V. besonders stolz?

Besonders stolz sind wir natürlich auf unser Gemeindehaus, das zu den größten Alevitischen Gemeindehäusern auf der Welt gehört. Das Gemeindehaus wurde allein durch die Unterstützung der Mitglieder finanziert und aufgebaut.

An welches Ereignis im Gemeindeleben erinnern Sie sich noch besonders gerne zurück, was waren besondere Highlights?

Ein besonderes Highlight war die 2. Alevitische Kulturwoche im Jahr 2010. In der Kulturwoche wurden eine ganze Woche lang verschiedene Veranstaltungen und Workshops zum Alevitentum angeboten. Zum Abschluss der Woche wurde ein Konzert organisiert an dem bis zu 1000 Personen teilgenommen haben. Die Kulturwoche wurde komplett durch ehrenamtliches Engagement organisiert und durchführt.

Inwieweit beeinträchtigt die aktuelle Corona-Situation das Gemeindeleben und wie reagieren Sie auf diese neuen Herausforderungen?

Die aktuelle Situation stellt uns vor große Herausforderungen. Leider mussten wir unsere Veranstaltungen der letzten Monate alle absagen. Der Austausch und Kontakt mit unseren Mitgliedern ist dadurch sehr eingeschränkt. Auch finanziell haben wir Einbußen erlitten. Alle Veranstaltungen und Vermietungen in unsere Mehrzweckhallte mussten abgesagt werden und dadurch fehlen uns auch die finanziellen Mittel. Wir hoffen sehr, dass diese Zeit so schnell wie möglich vorbeigeht und danken allen Helfen und Unterstützern.

Wenn man mit der Alevitischen Gemeinde Augsburg e.V. in Kontakt treten möchte, welche Möglichkeiten gibt es?

In Kontakt treten kann man mit der Gemeinde über die E-Mail-Adresse oder einfach über einen Anruf. Außerdem sind die Veranstaltungen der Alevitischen Gemeinde öffentlich und werden vor allem über Facebook und Instagram beworben. Wir freuen uns über jeden Gast!

Möchten Sie uns sonst noch etwas mitteilen und mit auf den Weg geben?

Wir bedanken uns für die Interview Anfrage und die gute Zusammenarbeit mit dem Büro für gesellschaftlicher Integration.

Zum Schluss würden wir mit Ihnen gerne ein Alevitisches Zitat teilen:

„Des Menschen Leben ist unser Leben.

Des Menschen Körper ist unser Körper.

Die Liebe ist unsere Religion, an keine andere glauben wir!” – Asik Hüdai

Auf eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit!

Ganz herzlichen Dank für das Interview, Herr Yildirim!

Wer mehr über die Alevitische Gemeinde Augsburg e.V. erfahren möchte, findet ausführliche Informationen unter: www.alevican.de


„Demokratie leben!“ – Bundesprogramm wird von Corona nicht verschont

Bereits seit 2015 beteiligt sich die Stadt am Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Auch für die zweite Förderperiode von 2020 bis 2024 hat sich die Friedensstadt erfolgreich beworben. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert damit Projekte, die Demokratie in Augsburg erlebbar machen.

Nach der Ausschreibungsphase im Februar hat der lokale Begleitausschuss des Programmes insgesamt 24 Vorhaben mit einer Förderung versehen. Darunter sind Aktionen zur Erinnerungsarbeit, verschiedene Theaterprojekte, aber auch Workshops zur Stärkung der Beteiligung von Frauen mit und ohne Migrationshintergrund am politischen Dialog.

Viele der Projekte wenden sich an Jugendliche und junge Menschen. Eine Zielgruppe, die besonders über die Schulen erreicht werden kann. In der Folge der Corona-Pandemie sind diese Zugänge aber zunächst verschlossen.

Das hat auch Auswirkungen auf die Projekte von „Demokratie leben!“. So musste ein Schulsportfest mit inklusivem Ansatz abgesagt werden. Die für Oktober geplante „Lange Nacht der Demokratie“ in der Stadtbücherei kann zumindest nicht wie geplant durchgeführt werden. Ob Theaterarbeit, vor allem an und mit den Schulen, bald wieder möglich ist, kann zurzeit nicht abgeschätzt werden.

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Verschiedene Akteure versuchen ihre Vorhaben an die neuen Gegebenheiten anzupassen und alternative Formate zu finden. Andere Projekte können trotz Corona wie geplant vorbereitet und durchgeführt werden.

Ein Beispiel dafür sind die „Sehnsuchtsorte“ der Menschen, die nach Augsburg zugezogen sind und hier eine neue Heimat gefunden haben. Das können Plätze oder Straßen, Landschaften oder auch ein bestimmtes Gebäude sein: Sehnsuchtsorte sind so individuell, wie es die Menschen sind, die diese Orte für sich persönlich entdeckt haben. Die Stellen in der Fuggerstadt werden fotografiert, mit Bildern aus den Herkunftsländern kombiniert und mit kurzen autobiographischen Texten versehen. Daraus werden eine Wanderausstellung und ein Kalender für das Jahr 2021 entstehen. Die Sicht von Zugewanderten gibt so auch Alteingesessenen eine neue Perspektive auf ihr eigentlich bekanntes Umfeld. Weitere Informationen gibt es auf der Seite sehnsuchtsorte-augsburg.de.


Kresslesmühle: zwei unter einem Dach

Im Zuge der Umstrukturierungen in der Augsburger Stadtverwaltungen nach der Kommunalwahl

ist der Kulturbereich der Mühle künftig im Kulturamt verankert, das Büro für gesellschaftliche Integration bleibt weiterhin für Bildungs-, Beratungs- und Begegnungshaus verantwortlich.

Seit August 2015 war die Mühle dem Büro für gesellschaftliche Integration (ehemals Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt) zugeordnet. Nach Jahren des Stillstands wurde das Haus von Grund auf saniert. Hierzu konnten aus dem Bundesprogramm „Soziale Integration im Quartier“ mit dem Konzept eines „Bildungs- Beratung- und Begegnungshauses“ 90% der Bausumme und damit 1,3 Millionen Euro eingeworben werden. Ins Erdgeschoss zog mit der „13“ eine vegane Gastronomie ein, die sich sehr erfolgreich etabliert hat. Mit fast vier Veranstaltungen pro Woche hat sich die Bühne in der Mühle wieder ihren Platz im Kleinstkunstprogramm der Stadt gesichert. Im ersten Stock können Neuzugewanderte Informationen rund um das Leben und Arbeiten in Augsburg erhalten, oder sich in den Räumen weiterbilden. Ein wechselndes Bildungs- und Beratungsangebot reagiert flexibel auf Lücken und bietet entsprechende Angebote an. Zwei Räume stehen Vereinen, Initiativen etc. als Treffpunkte zur Verfügung.

Die Umstrukturierungen im Rahmen der neuen Stadtregierung führen dazu, dass sich das Büro für gesellschaftliche Integration nun stärker Fragen gesamtgesellschaftlicher Integration widmen kann. Die Mühle in ihrer Gesamtheit wird daher ab Juni dem Kulturamt zugeordnet werden. In seiner Verantwortung steht nun zukünftig die weitere kulturelle Ausrichtung des Hauses. Das Büro für gesellschaftliche Integration behält die Zuständigkeit für das Bildungs- und Beratungszentrum im ersten Stock. Beide Referate werden auch zukünftig eng zusammenarbeiten, um dem Haus eine gemeinsame Ausrichtung und Außenwirkung zu geben.