Projektpartnerschaft in Nahost

Die Länder des Nahen Ostens sind besonders von Flucht und Migration betroffen. Daher beabsichtigt die Stadt Augsburg eine Kommune in dieser Region im Rahmen einer Projektpartnerschaft zu unterstützen. Im Februar 2020 hat eine Augsburger Delegation zwei mögliche Partnerkommunen in Jordanien besucht. Ein Video zeigt Eindrücke dieses Besuchs.

 

Ziele der Projektpartnerschaft mit einer Kommune in Nahost

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg und ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Viele Menschen sind vor dem Bürgerkrieg in die Nachbarländer geflohen. Grenznahe Kommunen haben die überwiegende Mehrzahl von ihnen aufgenommen; nur ca. 15% der Geflüchteten aus Syrien lebt in offiziellen Flüchtlingslagern. Viele dieser aufnehmenden Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen: Sie kümmern sich um Unterbringung, Versorgung und Erwerbsmöglichkeiten für die Geflüchteten. Da viele Kommunalverwaltungen dabei stark überfordert sind, sehen sich zahlreiche Menschen zur Fortsetzung ihrer Flucht gezwungen. Daher will die Stadt Augsburg eine betroffene Gemeinde unterstützen und so aktiv zur Fluchtursachenbekämpfung beitragen.

Weiterhin kann die Stadt Augsburg als Friedensstadt ein starkes Zeichen für ein friedliches Miteinander setzen. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, haben kommunale Partnerschaften zur Versöhnung der Völker beigetragen. Heute hat der Schulterschluss mit einer Kommune aus dem Nahen Osten eine enorme Symbolkraft: Er steht für Solidarität und erinnert in einer konfliktgeprägten Region an die Wichtigkeit einer Friedenskultur. Auch hierzulande trägt die Partnerschaft zum Verständnis vieler zugewanderter Menschen bei und fördert ein friedliches Zusammenleben.

 

Besuch von zwei Kommunen in Jordanien

Jordanien ist eines der Länder der Region, das gute Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft bietet. Zum einen ist die politische Situation stabil und die Reisesicherheit gegeben. Zum anderen ist Jordanien als Nachbarland Syriens besonders von den Folgen des syrischen Bürgerkrieges betroffen und steht mit der Aufnahme einer Vielzahl von geflüchteten Menschen nebst den nationalen Herausforderungen vor großen Aufgaben.

Zwei potentielle Partnerkommunen in Jordanien – Ar-Ramtha und Mu’tah – sind vom zuständigen Stadtratsausschuss als besonders geeignet befunden worden. Daher hat sich eine Delegation aus Augsburg im Februar 2020 auf den Weg gemacht, um Ar-Ramtha und Mu’tah in Jordanien zu besuchen und mehr von den Kommunen zu erfahren.

Das nachfolgende Video schildert die Eindrücke der Delegationsreise nach Jordanien:

 

Der Stadtratsausschuss hat die Anbahnung einer Projektpartnerschaft mit Ar-Ramtha beschlossen

Der zuständige Stadtratsausschuss hat im Juli 2020 beschlossen eine Partnerschaft mit der Stadt Ar-Ramtha anzubahnen. Ar-Ramtha, direkt an der jordanisch-syrischen Grenze gelegen, ist eine der am stärksten von der Flüchtlingskrise betroffenen Städte Jordaniens. Zum einen hat sich die Bevölkerung der Grenzstadt durch die Aufnahme vieler Geflüchteten seit 2011 von rd. 95.000 auf 185.000 nahezu verdoppelt, zum anderen ist die wesentliche ökonomische Aktivität der Einwohner – der Handel mit Syrien – durch die anhaltende Grenzschließung weggebrochen und der lokale Arbeitsmarkt von einem Überangebot an Arbeitskräften charakterisiert. Dennoch ist der soziale Frieden in der Stadtgesellschaft nicht gefährdet, mitunter aufgrund einer Vielzahl integrationspolitischer Maßnahmen der Kommune.

Der Kooperationsbedarf von Ar-Ramtha liegt im Bereich des Abfallmanagements. Die Aufnahme vieler Flüchtlinge hat die lokale Abfallproduktion drastisch erhöht. Bislang wurde der Abfall der Kommune unsortiert zur zentralen Müllhalde abtransportiert. Im April 2020 wurde zwar eine Abfallsortierungsanlage in Ar-Ramtha installiert, allerdings wird sich die Verwertung auf den Verkauf des sortierten Abfalls erstmal beschränken (über Händler, oftmals ins Ausland). Daher wünscht sich die Kommunalverwaltung von Ar-Ramtha einen Erfahrungsaustausch zur Wiederverwertung von Wertstoffen. Weiterhin kann sich die Stadt Augsburg mit ihrer Expertise in der Wasserver- und entsorgung in die Partnerschaft einbringen und Ar-Ramtha mit wichtigen Erfahrungswerten unterstützen. Die Stadt Augsburg wiederrum kann durch einen Austausch im Bereich Integration von Geflüchteten vom breiten Erfahrungshorizont Ar-Ramthas lernen.

In den kommenden Monaten sollen gemeinsame Ziele formuliert, Projektaktivitäten definiert sowie ein Partnerschaftsabkommen entworfen werden. Für die Umsetzung der Aktivitäten ist die Beantragung von Fördermitteln des Bundes als Vollfinanzierung vorgesehen.

 

Fotos der Delegationsreise nach Jordanien im Februar 2020