Kommunale Nord-Süd-Partnerschaften

Das partnerschaftliche Engagement deutscher Kommunen im Ausland geht auf eine europäische Friedensbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. In den letzten Jahren haben Nord-Süd-Partnerschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Heute pflegen rund 700 deutsche Kommunen Beziehungen zu Kommunen im Globalen Süden".

Partnerschaften als Form kommunaler Kooperationen

Partnerschaften sind das zentrale Element des Engagements deutscher Kommunen im Ausland. In den 1940er und 1950er Jahren wurden Partnerschaften vor allem mit Kommunen in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika geschlossen, um die Bevölkerung aus den ehemals verfeindeten Ländern zu versöhnen. Die ersten Kooperationsansätze mit Kommunen im Globalen Süden gibt es seit den 1960er Jahren (z.B. Köln und Tunis/Tunesien, Hannover und Blantyre/Malawi). Durch die Globalisierung, aber auch durch die zunehmende Anerkennung der Kommunen als wichtige Akteure der Entwicklungszusammenarbeit hat die Bedeutung der Nord-Süd-Partnerschaften an Bedeutung gewonnen, sodass heute rund 700 deutsche Kommunen Beziehungen zu Kommunen im Globalen Süden pflegen.

Eine Form dieser internationalen Kommunalbeziehungen sind Projektpartnerschaften. Anders als Städtepartnerschaften sind sie zeitlich begrenzt und thematisch fokussiert. Sie konzentrieren sich oftmals auf nachhaltigkeitsrelevante Projekte, die einvernehmlich zwischen beiden Partnern vereinbart und schriftlich fixiert werden.

Themen und Aktivitäten der Partnerschaften können alle Bereiche kommunalen Handelns betreffen. Sie reichen vom Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Beratung bis hin zu investiven Projekten zur kommunalen Daseinsvorsorge. Einige gelungene Praxisbeispiele finden Sie in der Publikation  "Kommunale Partnerschaften meistern globale Zukunftsfragen" von Engagement Global.

Das nachfolgende Erklärvideo der "Initiative Kommunales Know-How für Nahost" von Engagement Global gibt einen guten Einblick über mögliche Themenfelder kommunaler Projektpartnerschaften im Nahen Osten:

 

Prinzipien der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit Augsburgs

Augsburg will sich künftig in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren und eine Projektpartnerschaft mit einer Kommune im Globalen Süden aufbauen. Für eine erfolgreiche Projektpartnerschaft sind der Stadt Augsburg drei Prinzipien besonders wichtig:

  • Augenhöhe: Die Augenhöhe ist wesentlich für eine gelingende Partnerschaft. Sie ist dann umgesetzt, wenn beide Seiten sowohl geben als auch nehmen und voneinander lernen. Nur wenn sich alle Beteiligten als gleichberechtigte Akteure begegnen, kann es zu einer vertrauensvollen und tragfähigen Zusammenarbeit kommen.
  • Bedarfsorientierung: Der Bedarf der beiden Partnerkommunen legt die inhaltlichen Schwerpunkte der Partnerschaft fest. Damit soll sichergestellt werden, dass lokale Herausforderungen adressiert werden und beide Partner am „Lenkrad“ der Partnerschaft sitzen. Das fördert die Identifikation mit der Partnerschaft und ist entscheidend für das Entstehen einer Eigenverantwortung (sog. ownership).
  • Schaffung eines festen Rahmens: Eine schriftliche Fixierung der Partnerschaftsziele in Form einer Partnerschaftsvereinbarung, ergänzt um die Schwerpunkte der Zusammenarbeit und Maßnahmenbeschreibung, fördert ein gemeinsames Verständnis der Kooperation. In der Umsetzung von Maßnahmen ist eine gemeinsame Durchführung sowie gegenseitige Transparenz geboten.

 

Nutzen der Projektpartnerschaften

Projektpartnerschaften bieten mehr als ein internationales Image und haben für beide Partner einen großen Nutzen. Zum einen können sich die Mitarbeitenden beider Kommunen fachlich weiterbilden und qualifizieren sowie ihre interkulturellen Kompetenzen stärken. Zum anderen wächst in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen globalen Themen und lokalem Handeln. Weiterhin tragen partnerschaftliche Begegnungen dazu bei, dass Bürgerinnen und Bürger zugewanderte Menschen und ihre Herkunft besser verstehen lernen. Wenn Kommunen Partner werden, rücken die Lebenswelten ihrer Bürgerinnen und Bürger zusammen.

Im Zentrum der Kooperation steht, dass die Kommunen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit gemeinsam ihre Weiterentwicklung stärken. Unter Weiterentwicklung wird der dauerhafte und anhaltende Zuwachs von Lebensqualität verstanden, der in der ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimension verortet werden kann.