Seminare zur interkulturellen Kompetenz und Verständigung

Im Rahmen der interkulturellen Öffnung der Verwaltung bietet das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt auch Trainings zur interkulturellen Kompetenz und Verständigung an. Diese Trainings können zum einen im jeweiligen Programm der Stadtakademie unter dem Block: „Interkulturelle Kompetenz  Seminare und Beratungsangebote“ (http://intranet.augsburg.de/cmssite/index.php?id=12363)  gebucht werden. Darüber hinaus sind jederzeit auch Einzelberatungsgespräche möglich.

Die Basis unserer Seminare zur interkulturellen Kompetenz und Verständigung:

Im Kontakt mit Menschen treten dann Irritationen dann auf, wenn sich das Gegenüber anders verhält als erwartet. Normalerweise verfügen Menschen über ein Repertoire an Fähigkeiten, um mit solchen Situationen umzugehen. Durch interkulturelle Begegnungen erleben wir, dass Sichtweisen, Verhaltensweisen, die uns als „normal“ und „selbstverständlich“ erscheinen, plötzlich für andere nicht mehr „normal“ und „selbstverständlich“ gelten. Jeder Mensch hat Vorstellungen über die Welt und deren Bewohner*innen.   Diese Bilder entstehen meist nicht durch eigene interkulturelle Begegnungen, sondern werden aus Medien, aus dem eigenen sozialen Umfeld übernommen. Diese Bilder sind sehr stabil. Handelt jemand anders als man selbst, stellt er damit das eigene Handeln, das selten hinterfragt und als Selbstverständlichkeit gesehen wird, in Frage. In Trainings zur  interkulturellen Kompetenz und Verständigung geht es also darum, wie man in einer Einwanderungsgesellschaft mit Vielfalt umgeht

"Bei der interkulturellen Kompetenz handelt es sich also um eine Handlungskompetenz, die uns in die  Lage versetzt, mit interkulturellen Situationen aufgrund bestimmter Wissensbestände, Fertigkeiten und Einstellungen angemessen umzugehen und effektiv zu handeln.  Interkulturelle Kompetenz beruht auf dem Wissen, dass Regeln, Normen, Wertehandlungen und Symbole kulturell geprägt und nicht universalistisch sind. Es ist die Fähigkeit wertfrei mit Menschen zu kommunizieren, die andere Annahmen und Erwartungen haben als wir selbst."

Die interkulturelle Kompetenz ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann. Man hat sie nicht automatisch dadurch, dass man selbst einen Migrationshintergrund hat. Sie besteht aus einer ganzen Reihe Einzelkomponenten.

1.       Der Fähigkeit zum Perspektivwechsel bedeutet die Fähigkeit sich in einer interkulturellen Begegnung in die Beweggründe einer anderen Person hineinzudenken, und versuchen, dies bei der Interpretation zu berücksichtigen, auch wenn dadurch die das eigene Denkmuster hinterfragt wird.

2.       Die Fähigkeit zur grundsätzlichen Offenheit, sich auf Neues einzulassen und dies wertschätzend zu berücksichtigen.

3.       Sich die Flexibilität anzutrainieren, sich auf unbekannte und vielfältige Situationen einzustellen, und entsprechend reagieren zu können.

4.       Die Ambiguitätsoleranz zu entwickeln, Widersprüche, Unsicherheiten und komplizierten Situationen zu erkennen und Widersprüche auch auszuhalten.

5.       Die Emphatiefähigkeit ist nötig, um die Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen von Angehörigen anderer sozialen Gruppen verstehen zu können.

6.       Wissensbezogene interkulturelle Komponenten[1] setzen sich aus einer Vielzahl von Bausteinen zusammen, z.B. Wissen über die Heterogenität innerhalb vermeintlich gleicher kultureller Gruppen, Wissen über die Konstruktion von Rasse, Gender, Ethnie etc.; Wissen über die Bedeutung und die Auswirkungen von Vorurteilen , Wissen über das Potenzial unterschiedlicher Gruppen, b.Z. Religion oder Mehrsprachigkeit etc. etc.

Ein zentrales Kriterium ist, kritisch gegenüber allen Formen von Ethnisierungen und  Kulturalisierungen zu sein. Daher wird in Trainings zur interkulturellen Kompetenz und Verständigung Trainings, so wie sie das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt anbietet, wenig über „fremde Kulturen“ erklärt, vielmehr wird deutlich gemacht, dass Verhaltensweisen von Menschen nicht nur mit deren „Kultur“ oder deren „Religion“ erklärt werden können. Der Blick wird vielmehr darauf gerichtet, welche Rolle das Alter, das Geschlecht, die Sozialisation, die Lebensumstände, die soziale Schicht etc. spielen.

 [1] In Anlehnung an: Leiprecht, Rudolf (2008): Komponenten Interkultureller Kompetenz, Handout, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.