Grußwort zur Wanderausstellung

„Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank gilt heute weltweit als eines der meistgelesenen Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus. Es gibt Einblick in den schwierigen Alltag und die reiche Gedankenwelt eines schriftstellerisch talentierten jungen Mädchens. Vor allem aber ist es ein bewegendes menschliches Zeugnis einer Zeit, in der die systematische Diskriminierung und Ausgrenzung zur Verfolgung und schließlich zur Ermordung von über sechs Millionen Jüdinnen und Juden führten.

Anne Frank starb 1945 im KZ Bergen-Belsen, etwa sieben Monate nach dem letzten Eintrag in ihr Tagebuch. Heute, rund 75 Jahre nach ihrem Tod, mahnt ihr Name beispielhaft zur Erinnerung an Millionen von Menschen, die von den Nationalsozialisten wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Weltanschauung oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt, gequält und ermordet wurden.

Das Anne-Frank-Zentrum Berlin hat gemeinsam mit dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam die Wanderausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ konzipiert, die einen umfassenden Einblick gibt in die Lebenswelt von Anne Frank, ihrer Familie und ihren Bekannten vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Terrors. Gleichzeitig thematisiert sie Fragen nach den immer noch bestehenden Mechanismen von Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus.

Ursprünglich hätte die Ausstellung schon im Herbst 2020 in Augsburg gezeigt werden sollen. Pandemiebedingt musste sie jedoch, wie so Vieles, in letzter Minute abgesagt werden. Deshalb freuen wir uns umso mehr, sie in diesem Jahr endlich – und noch dazu im Herzen der Stadt – präsentieren zu können: Veranstaltungsort ist der Untere Fletz im Augsburger Rathaus. So möchten wir unserem Selbstverständnis als Friedensstadt, die für Toleranz, Demokratie und für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen steht, Ausdruck verleihen.

„Deine Anne“ richtet sich vor allem an Schulklassen. Dabei werden die Jugendlichen von Gleichaltrigen – sogenannten Peer Guides – geführt, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Anne-Frank-Zentrums speziell für diese Aufgabe geschult wurden. Ein gutes Vorzeichen für den Besuch möglichst vieler Augsburger Schulklassen ist dabei die Entstehungsgeschichte dieses Ausstellungsprojekts, die ihren Ausgangspunkt dem Erasmus-Projekt „OWNING THE FUTURE“ verdankt. Schülerinnen und Schüler des Maria-Theresia-Gymnasiums besuchten beim Aufenthalt an der holländischen Erasmus-Partnerschule das Anne-Frank-Haus in Amsterdam und zeigten sich davon so beeindruckt, dass die Idee entstand, sich um diese Wanderausstellung zu bemühen.

Organisiert und vorbereitet wurde die Ausstellung gemeinsam von der Stabsstelle Kultur im Referat Oberbürgermeisterin und vom Referat für Bildung und Migration. Ein vielseitiges Begleitprogramm, das sich sowohl direkt an Schulklassen, als auch an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger richtet und an dem eine Reihe von Initiativen, Vereinen sowie Künstlerinnen und Künstlern mit großem Engagement mitwirken, rundet die Ausstellung ab. Allen Unterstützerinnen und Unterstützern danken wir an dieser Stelle sehr herzlich für ihren Beitrag.

Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnerinnen und -partnern laden wir Sie herzlich ein, die Ausstellung und die Veranstaltungen des Begleitprogramms zu besuchen!
 

Eva Weber
Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg             


Martina Wild
Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration