Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2019 geht an Dr. Christine Lang und Aylin Karabulut

17.07.2019 18:42 | Bürgerservice & Rathaus

Die Universität Augsburg, das Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FiLL e.V.) und die Friedensstadt Augsburg haben den diesjährigen Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien an Dr. Christine Lang verliehen. Den Förderpreis erhält Aylin Karabulut für ihre Masterarbeit „Diskriminierungserfahrungen von Schülern*innen mit Zuwandergeschichte im Schulwesen der Bundesrepublik Deutschland“ an der Uni Duisburg-Essen.

Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien: Förderpreisträgerin Aylin Karabulut und Preisträgerin Dr. Christine Lang. Foto: Klaus Satzinger-Viel.

Dr. Christine Lang erhält die Auszeichnung für ihre an der Uni Osnabrück vorgelegte Dissertation „Die Produktion von Diversität in städtischen Verwaltungen: Wandel und Beharrung von Organisationen in der Migrationsgesellschaft.“ Sie widmete sich in ihrer Studie der Frage, ob und wie sich städtische Verwaltungen in der Migrationsgesellschaft wandeln. Dabei ging es vor allem um die Personalrekrutierung und die damit verbundenen Chancen von Menschen mit Migrationshintergrund, im Öffentlichen Dienst beschäftigt zu werden. Lang fand heraus, dass die Einstellungsroutinen vor allem dann verändert und erweitert wurden, wenn die Personalverantwortlichen aufgrund des demographischen und sozialen Wandels nicht mehr genug Nachwuchs fanden und sich deshalb um neue Zielgruppen bemühten.

Hoch relevant für unsere Gesellschaft

„Die Studie von Dr. Christine Lang ist hoch relevant für unsere Gesellschaft und bedarf unbedingt der öffentlichen Wahrnehmung und Reflektion“, betont der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel und verweist darauf, dass es für Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiges Element der Verbesserung der Teilhabe sei, die Autorität des Staates repräsentieren zu dürfen.

Ungleichen Machtstrukturen im Schulsystem

Die Förderpreisträgerin Aylin Karabulut hat in ihrer Masterarbeit die Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen von Schülerinnen und Schülern mit ‚Zuwanderungsgeschichte’ untersucht. Sie fand heraus, dass Diskriminierungen vor allem vom Lehrpersonal ausgingen: So wurden die Schülerinnen und Schüler von den Lehrerinnen und Lehrern als Teil einer häufig als defizitär dargestellten Gruppe stark vereinheitlicht und nicht mehr als Individuen wahrgenommen. Diese Erfahrungen wurden von den Jugendlichen als besonders einschneidend empfunden, da sie wenig Spielraum für ihren Ausdruck und ihre Verarbeitung hatten und darüber hinaus schulische Benachteiligungen erfuhren. Trotz der ungleichen Machtstrukturen im Schulsystem entwickelten sie jedoch verschiedene Strategien des Umgangs mit rassistischer Diskriminierung und blieben dadurch handlungsfähig.  

„Als Lehramtsstudentin hat Frau Karabulut in ihrer Abschlussarbeit die Erfahrungswelt von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte kritisch in den Blick genommen und schmerzliche Fragen gestellt, deren Antworten auch für die Praxis von großer Bedeutung sind“, fasst Nagel das Urteil der Jury zusammen. (pm/pif)