Welterbe: Jetzt geht die Arbeit erst richtig los

12.07.2019 12:27 | Kultur Bürgerservice & Rathaus Freizeit

Nach der Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-Systems zum UNESCO-Welterbe geht es jetzt um die Pflege und den Erhalt der 22 Einzeldenkmäler. Im Viermetzhof des Maximilianmuseums stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl einen Sieben-Punkte-Plan vor.

Augsburg ist Welterbe-Stadt. Mit dem Titel sind aber auch Verpflichtungen verbunden – unter anderem ein Bildungsauftrag. Foto: Ruth Plössel/Stadt Augsburg

Er skizziert die Richtung für den treuhänderischen Umgang der Stadt mit ihrem Welterbe, zu dem die UNESCO verpflichtet. Mit der Entscheidung für ein Besucherzentrum besteht seitens der Stadt allerdings keine Eile. Vorerst werden die ehemaligen Räume der Sparkassen-Filiale am Rathausplatz zu einem Info-Wasserladen umgebaut. Im Mai 2020 soll er eröffnet werden.

Vor allem welche Innenwirkung das Welterbe entfalten kann, um sich auf den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft auszuwirken, sei ein zentraler Punkt, so OB Dr. Gribl. Ebenso müsse eine Positionierung des Welterbes in der Markenvielfalt der Stadt Augsburg gefunden werden. „Nicht im Sinne von Konkurrenz, sondern von Synergien.“ Neben touristischen Aspekten, wie etwa einer nachhaltigen Besucherlenkung, sei mit dem Welterbe auch ein Bildungsauftrag verbunden. Dieser umfasse nicht nur die Information für Schulklassen, Besucher und Stadtgesellschaft. „Hier geht es auch um Ressourceneffizienz als wichtigen Aspekt einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik.

Forschung, Technik und Entwicklungszusammenarbeit

Wasser als Welterbe-Thema müsse sich zudem in den Bereichen Forschung, Technik und Wissenschaft widerspiegeln. Das reiche von der Trinkwassergewinnung bis zur Abwasserentsorgung und binde auch das Messe- und Kongresswesen ein. 

Wichtig ist OB Dr. Gribl eine konkrete Entwicklungszusammenarbeit von Kommunen, die vom Bund gefördert wird. „Wir identifizieren hierfür Orte in Afrika, um Wissen weiterzugeben und konkret vor Ort in Projekte umzusetzen.“ Schließlich möchte der OB das Welterbe auch im Kontext des Profils von Augsburg als Friedensstadt sehen. Angesichts der Tatsache, dass derzeit rund 2,1 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, sei das Thema Wasser immer auch eine Frage von Krieg und Frieden.

Zum treuhänderischen Umgang mit dem Welterbe verpflichtet

Mit Blick auf die Sitzung des UNESCO-Komitees in Baku vor einer Woche sagte Welterbe-Koordinator Ulrich Müllegger: „Es war beeindruckend zu erleben, wenn die UNESCO über das Kulturerbe der Menschheit verhandelt. Damit müssen wir jetzt treuhänderisch umgehen. Das Thema Wasser ist in Baku generell auf großes Interesse gestoßen, weil es ein UNESCO-Thema erster Klasse ist. Das war auch bei unserem Antrag von großem Vorteil.“

800-jährige Kontinuität einer Wassersystem-Verwaltung

Über reichlich Erfahrung mit Welterbe-Anträgen verfügt Dipl.-Ing. Rolf Höhmann vom Büro für Industriearchäologie, Darmstadt. Wie er berichtete, sammelte Augsburg bei der UNESCO-Kommission vor allem Punkte, weil die Kontinuität einer 800-jähigen Wassersystem-Verwaltung bis heute funktioniere. Ebenso überzeugt habe die Vielfalt des Welterbes von Anlagen im Stadtwald bis zur Olympia-Kanustrecke Eiskanal.

Wasser-Info-Point am Rathausplatz

Zur Frage eines Besucherzentrums, das die UNESCO für Welterbestätten vorsieht, sagte Kulturreferent Thomas Weitzel, dass das bestehende UNESCO-Büro weiterentwickelt werde und vorerst der künftige Wasser-Info-Point am Rathausplatz ein Schwerpunkt sei. „Das ist keine zweite Tourist-Info, sondern eine Anlaufstelle für Besucher, Gäste, Schulklassen, Bürgerinnen und Bürger, um ihnen Grundbotschaften zum Welterbe an die Hand zu geben. Bei Besucherzentren, so Weitzel, bestehe immer auch die Gefahr, Besucher von anderen Museen abzuziehen. „Eine solche Entwicklung wäre kontraproduktiv. Wir denken daher auch an ein dezentrales Konzept, um die 22 Denkmäler des Augsburger Wassermanagement-Systems zu vermitteln. Es ist noch nichts spruchreif und wir haben keinen Zeitdruck.“

Einzigartig: Ein 1000 Hektar großes Wasserschutzgebiet

Stadtwerke-Chef Alfred Müllner wies darauf hin, dass das Augsburger Trinkwasser in der verfügbaren Güte keine Selbstverständlichkeit sei. „Dass wir ein rund 1000 Hektar großes Wasserschutzgebiet haben, ist einzigartig. Unabhängig davon, wie groß Augsburg einmal wird: Die Bevölkerung wird immer bestes Trinkwasser haben.“

Den Stolz auf dieses Welterbe entwickeln

Aus touristischer Sicht gebe das Augsburger Welterbe „spannende Impulse, etwa für das Messe- und Kongresswesen. Durch das Wasser-Thema werden neue Inhalte angestoßen. Darüber hinaus ist UNESCO eine ganz starke Marke, die für Qualität steht“, so Regio-Augsburg-Tourismus-Chef Götz Beck.

„Wichtig“, so Stadtmarketing-Chef Ekkehard Schmölz, sei es jetzt, „dass die Augsburgerinnen und Augsburger dieses Welterbe annehmen, vermittelt bekommen und stolz darauf sind. Diese Entwicklung muss aus der Mitte der Stadtgesellschaft kommen.“

Großes Fest „Augsburger Wasserglanz“ am 20. Juli

Einen kräftigen Anstoß dafür, so Ulrich Müllegger, gebe das große Fest Augsburger Wasserglanz, das am Samstag, 20. Juli, hauptsächlich in der Innenstadt gefeiert wird. Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl wird den „Wasserglanz“ um 18.30 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses im Rahmen eines Konzerts der Augsburger Philharmoniker eröffnen. In der Bürgerinfo am Rathausplatz sind dafür etwa 300 Freikarten erhältlich. (erz)