Waldbegehung – Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

25.09.2019 13:11 | Umwelt & Soziales

Verschiedene Bausteine eines nachhaltigen Klimaschutzes wurden in Augsburg bereits auf den Weg gebracht. Besonders unsere Wälder und Forste stehen dabei im Mittelpunkt der Bemühungen. Bei einer einstündigen Waldbegehung verschaffte sich Wirtschafts- und Forstreferentin Eva Weber mit dem Leiter der Forstverwaltung Jürgen Kircher einen Überblick über den Zustand des Siebentischwaldes.

Forstreferentin Eva Weber und Forstamtsleiter Jürgen Kicher sahen sich bei der Waldbegehung das Revier Siebenbrunn ganz genau an. Foto: Annette Zoepf/Stadt Augsburg

Schwerpunkte waren dabei die Themen Artenvielfalt und Totholzmanagement, Klimawandel, Waldumbau, Jagd sowie die Ökosystemdienstleistungen des Waldes.

„Die Entwicklung eines Waldes verlangt weitsichtige Planung durch den Förster. Bäume, die wir heute pflanzen, werden die nächsten Jahrhunderte im Wald stehen“, so Amtsleiter Kircher. „Entsprechend wichtig ist es auch, dass die gepflanzten Baumarten jetzt und in Zukunft zum Standort, also der kombinierten Betrachtung von Lage, Klima und Boden, passen. Mit Monokulturen kommen wir nicht weiter. Darum mischen wir verschiedene Baumarten.“

Grund ist ein sich veränderndes Klima durch die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre: Wetterextreme nehmen zu. Es ist mit längeren Trockenperioden, Hitzestress und Starkwinden zu rechnen sowie mit einer Zunahme an forstschädlichen Insekten. Krankheiten – die die Globalisierung auch aus fernen Ländern mit sich bringt – werden zunehmen, Schäden entstehen.


„Der Umbau des Waldes ist dabei kein Trendthema, der Grundstein für eine nachhaltige Forstwirtschaft wurde in Augsburg schon vor Jahrzehnten gelegt. So sieht es die Forsteinrichtung, also die forstfachliche Langfristplanung für unsere Wälder, auch vor“, bemerkt Eva Weber. Es gelte hier vorbeugend zu handeln, um das sehr kostbares Gut Wald zu schützen.
 
Die wichtigen Fragen sind also: Welche Baumarten bleiben auch in Zukunft erhalten? Welche Bäume ergänzen den jetzigen Bestand? Wie schaffen wir es, unseren Wald fit für die kommenden Klimaveränderungen zu machen?
 
Mischwald führt zum Ziel

Forstamtsleiter Kircher sagt, der Weg dorthin führe über einen klimatoleranten Mischwald, bestehend aus verschiedenen Baum- und Straucharten. Mit einem strukturierten, naturnahen, gemischten Wald und nachhaltiger Forstwirtschaft sind verschieden Ziele zu erreichen: CO2-Entzug aus der Umgebung, dauerhafte Bindung von Kohlenstoff im Holz bei dessen Nutzung, ökologische Vielfalt sowie ökonomischer Erfolg.

Am vorgezeigten Waldbild im Revier Siebenbrunn drängen von unten vor allem Ahorn, Buche und Linde unter den Altfichten nach. Sie siedeln sich selbst an, mussten also nicht extra gepflanzt werden. Die Förster der Stadt Augsburg helfen aber auch nach. „Wir nehmen, was uns die Natur an Verjüngung schenkt und ergänzen das, falls überhaupt erforderlich, mit heimischen Baumarten wie Elsbeeren, Eichen oder Ulmen“, so Kircher. Andere Baumarten klingen für Augsburg aber durchaus exotisch. In noch sehr beschränktem Umfang werden Zedern, Türkentannen oder Baumhaseln gesetzt.

Es handelt sich dabei um Baumarten, die heute schon in Klimaregionen wachsen, wo sich unser Klima vermutlich hinbewegt. Der Einsatz dieser Bäume geschieht aber nicht willkürlich. Grundvoraussetzung sind immer die vorherige Erkundung der Standorte und Ergebnisse wissenschaftlich solider Forschung, die aber auch in Augsburgs Wäldern stattfindet.

Speziell in Augsburg gibt es langjährige, kleine „Testfelder“, wie den Diedorfer Exotenwald, in dem bereits seit über 130 Jahren mächtige Douglasien oder Küstentannen, beide Arten stammen aus Nordamerika, bestens gedeihen.

Um Mischbestände zu erreichen, werden ältere, dichte Baumbestände verjüngt. Dafür werden einzelne Bäume entnommen, damit wieder genug Wärme und Licht auf den Boden trifft.

Nahegelegenen Bäumen ist es durch die Umlichtung wieder möglich, Samen auszubilden und sich so natürlich zu vermehren. Alternativ können Förster auch junge Bäumchen unter Altbestände pflanzen. Das nennen sie Voranbau. Dabei mag zunächst der Eindruck entstehen, dass frisch durchforstete Bestände anfangs aufgrund des Eingriffes zunächst etwas chaotisch aussehen. Allerdings stellt sich ganz schnell eine reiche Artenvielfalt ein, die die Grundlage für ein gesundes und vielschichtiges Ökosystem bildet. (grr)