Starker Parkdruck lässt im Hochfeld den Wunsch nach einer Fahrradstraße wachsen

26.09.2019 13:37 | Bürgerservice & Rathaus

Rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus dem Hochfeld stellten beim neunten Stadtteilgespräch gestern Abend ihre Fragen an die Augsburger Stadtregierung. Schwerpunktthemen waren der starke Parkdruck im Viertel, die Forderung nach mehr Radwegen, der öffentliche Nahverkehr und das Format der Stadtteilgespräche selbst.

Rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus dem Hochfeld stellten ihre Fragen an die Augsburger Stadtregierung. Foto: Annette Zoepf/Stadt Augsburg.

Gleich zu Beginn wollte ein Stadteilbewohner wissen, warum bei rund 10.000 Einwohnern im Hochfeld „nur so grauslig wenig Leute“ gekommen sind. Mit rund 100 Gästen war das „Hochfeld“ das besuchermäßig bislang schwächste Stadtteilgespräch. Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl versicherte, dass die Stadt wie immer alle ihr zur Verfügung stehenden „Kanäle“ bespielt habe, um den Anlass zu bewerben. „Plakate, Anzeigen und das Stadtteilmagazin gehörten genauso dazu, wie Beiträge in den Sozialen Medien. Die Informationen sind da, aber sie müssen auch genutzt werden“, so der OB.

Aufwuchs beim Street-Work

Kritisiert wurde zudem, dass weder junge Familien noch Jugendliche anwesend seien. Überhaupt die Jugendarbeit! Die könne man im Hochfeld wohl kaum mit einer halben Stelle betreiben. Dem widersprach Bürgermeister und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer nicht. Man müsse sich da personell besser aufstellen – zumal das ehemalige Bürgerhaus jetzt für Jugendarbeit genutzt werde. Kiefer verwies allerdings auf einen „Aufwuchs beim Street-Work, der dem Stadtteil guttut.“ Bildungsreferent Hermann Köhler ergänzte, dass derzeit in seinem Referat und im Stadtjugendring Konzepte erarbeitet und zusammengeführt würden, um Jugendliche gezielt ansprechen zu können. Es herrschte Einigkeit, dass Formate für Teilhabe in der Stadtgesellschaft erweitert und ausgebaut werden sollen.

„Wir kommen. Auch mit der Nachtschicht!“

Auch im Hochfeld standen Verkehrsthemen einmal mehr im Mittelpunkt. Vor allem der hohe Parkdruck in den Straßen regt viele Stadtteilbewohner auf. „Die parken ja sogar in der Wiese und verdrecken das Umfeld“, so eine Beschwerde verbunden mit der Forderung nach mehr Kontrollen. Ordnungsreferent Dirk Wurm sagte zu: „Wir kommen. Und wir kommen auch mit der Nachtschicht!“

Tücken des Anwohnerparkens


Dem Wunsch nach Anwohnerparken begegnete Baureferent Gerd Merkle mit dem Hinweis, dass für Anwohnerparken stets mehr kostenpflichtige Anträge gestellt werden, als Plätze zur Verfügung stehen. „Da ist der Ärger riesig, wenn Leute etwas bezahlen und dann doch keinen Parkplatz finden.“ Der Verdrängungseffekt in die Nebenstraßen sei vorprogrammiert. Zudem müssten Anwohnerparkzonen tagsüber zu 50 Prozent und nachts zu 75 Prozent für den gesamten ruhenden Verkehr freigegeben werden.

Erschließung des neuen Hochschul-Campus

Gegen die verkehrliche Erschließung des neuen Hochschul-Campus samt Kita und Café womöglich über den Prinz-Carl-Weg wandte sich eine weitere Stadtteilbewohnerin. Sie bitte darum, die Erschließung über die Hochfeldstraße zu machen. Baureferent Merkle betonte, dass dies auch so geplant sei. Die Bauverwaltung werde dies mit den Anliegern des Bismarck-Viertels und des Prinz-Karl-Quartiers vor Ort im Sinne einer partnerschaftlichen Nachbarschaft besprechen.

Mehr Radwege nach dem Vorbild Bäckergasse


Wenn schon der Autoverkehr viele Menschen im Hochfeld störe, müssten eben mehr Fahrradwege gebaut werden. Die Forderung nach einer Fahrradstraße durchs Hochfeld stand ebenso im Raum, wie die Abmarkierung von Radwegen in Tempo-30-Straßen oder gleich die Umwandlung ganzer Straßenzüge nach dem Vorbild der aufgewerteten und verkehrsberuhigten Bäckergasse in der Altstadt.

Geplante Fahrradachse in die Innenstadt

Baureferent Merkle erklärte dazu, dass nach der Straßenverkehrsordnung Abmarkierungen in Tempo 30 Zonen nicht erlaubt sind. „Hier fahren Radfahrer mit dem fließenden Verkehr mit.“ Um Spielstraßen, in denen nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist, auszuweisen zu können, müsse erst eine gewisse Verkehrsmenge unterschritten werden. Und eine Umwandlung von Straßen, wie in der Bäckergasse, müsse stets wirtschaftlich gerechtfertigt sein und könne aus Kostengründen nicht überall durchgeführt werden. „In kleineren Straßenzügen im Hochfeld kann das geprüft werden“, so Merkle. Mit Blick auf eine Fahrradstraße erläuterte Merkle, dass im Kontext des neuen Stadtteils Haunstetten Südwest von dort über die Messe Augsburg und das Univiertel eine Achse durchs Hochfeld und Bismarckviertel in die Innenstadt geplant ist.

Neue vollautomatische Fahrradparkhäuser

Auf die Frage nach Fahrradabstellplätzen im Stadtteil sagte Merkle, dass an der Morellstraße noch in diesem oder im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werde. Außerdem seien an den Bahnhaltepunkten Hochfeldstraße und Haunstetter Straße vollautomatische Fahrradparkäuser mit einer Kapazität von zusammen bis zu 400 Plätzen geplant. Gedacht wird dabei jeweils an einen Fahrradturm, in dem Räder über einen Aufzug automatisch gestapelt werden können.

Forderung nach einfachem Tarifsystem beim Nahverkehr

Um das Hochfeld vom zunehmenden Autoverkehr zu befreien, müsse der öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht werden. „Wir brauchen ein einfaches Tarifsystem. Eine Stunde, eine Fahrt, ein Euro. Das kostet, aber es entlastet die Stadt vom Verkehr und da haben alle etwas davon. Da muss dann das Prinzip der Wirtschaftlichkeit mal neu gedacht werden“, forderte eine Stadteilbewohnerin.

Nahverkehr muss finanzierbar bleiben

Stadtwerke-Chef Dr. Walter Casazza hielt dem entgegen, dass der Nahverkehr auch finanzierbar sein müsse. Das jährliche Defizit betrage 40 Millionen Euro. „Zu jedem Euro, den Sie privat für den Nahverkehr bezahlen, finanziert die öffentliche Hand einen Euro mit. Das hat auch seine Grenzen.“ Casazza verwies auf die gestiegenen Fahrgastzahlen im Bereich von Zeitkarten. Vor allem das 30-Euro Monatsticket finde reißenden Absatz. „Und Ende des Jahres führen wir die City-Zone ein. Das ist ein Angebot, das auch bundesweit Beachtung findet“, so der Stadtwerke-Chef.
Gertrud Lehmann, ehemalige Stadträtin und amtierende Chefin des AWO-Ortsvereins regte an, dass das Umland stärker in das Nahverkehrssystem eingebunden werden müsse. „Vielen auswärtigen Studenten ist der ÖPNV einfach zu teuer. Und dann fahren sie halt mit dem Auto.“
Die Balance zu halten zwischen Fahrt und Tarifhöhe sei nicht immer einfach zu halten. Zudem seien im AVV als Verbundsystem zahlreiche Körperschaften und unterschiedlichste Interessen vertreten. „Wir arbeiten ständig an einer Angebotsverbesserung. Dazu ist Konsens innerhalb des AVV erforderlich“, so OB Dr. Gribl.

„Alter Baumbestand wird keinesfalls gefällt!“

Zu den grünen Themen zählten fehlende Spielplätze, die zunehmende Vermüllung im Bereich öffentlicher Sitzgelegenheiten und der Wunsch nach einer ökologischen Aufwertung und besseren Zugänglichkeit von Parkflächen. Umweltreferent Reiner Erben sagte zu, sich die Problemstellen vor Ort anzusehen und Abhilfe zu schaffen. Er wandte sich aber dagegen, nicht öffentlich zugängliche Parkflächen öffentlich zugänglich zu machen. „Wir müssen dann die Verkehrssicherheit herstellen und das würde das Fällen von altem Baumbestand bedeuten. Da sage ich: Nein!“
Nutzungskonflikte bei der Grünflächenpflege

Hinsichtlich einer Reduzierung der jährlichen Mäh-Einsätze von sieben auf zwei Mal hob der Umweltreferent hervor, dass dies keinesfalls bei allen Grünflächen möglich sei. Eventuell könnten Weidetiere eingesetzt werden. „Den einen ist das Gras zu hoch, weil sie nicht mehr Fußball spielen können. Den anderen wird zu oft gemäht. Bei der Grünflächenpflege gibt es immer auch Nutzungskonflikte, die es zu berücksichtigen gilt“, sagte Erben.
Auf die Beschwerde eines Stadtteilbewohners über zuviel Unkraut auf dem Westfriedhof erwiderte Erben: „Stört Sie das wirklich? Artenvielfalt ist eben das Gegenteil von glatt geschnittenen Wiesen.“

Alle beim Stadtteilgespräch gestellten und notierten Fragen, werden von der Verwaltung gesammelt, zusammengestellt und so rasch als möglich unter www.augsburg.de/stadtteilgespräche beantwortet. Dies wird aufgrund bereits vorausgehender Stadtteilgespräche mehrere Monate in Anspruch nehmen. (erz)