Preis Augsburger Friedensfest setzt ein starkes Zeichen für die christliche Ökumene

07.08.2020 10:52 | Bürgerservice & Rathaus

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sind die gemeinsamen Preisträger 2020.

Die gemeinsamen Preisträger 2020: Heinrich Bedford-Strohm (Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern) und Reinhard Marx (Erzbischof der Erzdiözese München und Freising sowie Kardinal der römisch-katholischen Kirche). Foto: ELKB und Klaus D. Wolf (Erzbischöfliches Ordinariat)

„Die Entscheidung für die beiden Friedenspreisträger findet in diesem Jahr zum Ursprung des Friedensfestes zurück, denn sie weist auf zwei Menschen, die sich stellvertretend für zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der katholischen und evangelisch-lutherischen Konfessionen immer wieder einander zugewandt und die Hand ausgestreckt haben.“ Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber schlägt damit die historische Brücke von der Wiederherstellung der Parität im Jahr 1650 zur ökumenischen Ausrichtung des Hohen Friedensfestes in der Gegenwart.

„Spätestens beim gemeinsam begangenen 500. Reformationsjubiläum 2017 haben Erzbischof Reinhard Kardinal Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ein historisches Zeichen für alle Christinnen und Christen auf dieser Welt gesetzt und uns ein beeindruckendes Zeugnis davon gegeben, dass ein wahres Miteinander im Glauben trotz unterschiedlicher konfessioneller Zugehörigkeit möglich ist“, sagte die Oberbürgermeisterin im Goldenen Saal des Rathauses, wo sie am heutigen Augsburger Friedensfest die Namen der Preisträger des Augsburger Friedenspreises 2020 bekannt gab.

Der mit 12.500 Euro dotierte Preis Augsburger Friedensfest, so sein offizieller Name, wird alle drei Jahre an Persönlichkeiten für besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten und für Verdienste zur Verständigung zwischen den Religionen verliehen. Die Verleihung selbst findet jeweils im Herbst statt, heuer am Samstag, 10. Oktober.

„Vorbildlicher Einsatz für die Entwicklung der Ökumene“

Mit Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, und Reinhard Marx, Erzbischof der Erzdiözese München und Freising sowie Kardinal der römisch-katholischen Kirche, fiel die Wahl der Friedenspreis-Jury auf zwei Kirchenvertreter, „die ein tiefes gemeinsames Grundverständnis teilen, im gleichen Geist denken und sprechen und sich ausgezeichnet verstehen. Beide Preisträger eint die Leidenschaft für das Vermitteln der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt und ihnen eine unbedingte Würde und Freiheit schenkt.

Durch ihren persönlichen und vorbildlichen Einsatz für die friedliche Entwicklung der Ökumene haben Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm zum Frieden der Religionen und speziell beider großen christlichen Konfessionen beigetragen“, würdigte Regionalbischof Axel Piper als Jury-Vorsitzender die beiden Preisträger in seiner Begründung.

Zugleich soll der Preis „Ansporn dafür sein, auf dem Weg der Gemeinsamkeit nicht halt zu machen, sondern mutig und entschlossen das zu betonen, was uns eint und was wir gemeinsam der Welt bezeugen sollen: Christus in unserer Mitte“, so Axel Piper.

Lebensstationen der beiden Bischöfe

Reinhard Marx wurde am 21. September 1953 in Geseke/Westfalen geboren. Nach seinem Theologie- und Philosophiestudium (Paderborn, Paris, Münster, Bochum) wurde er 1979 in Paderborn zum Priester geweiht. Nach Lehrtätigkeiten u.a. als Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn erhielt Reinhard Marx 1996 die Bischofsweihe. Elf Jahre später wurde der promovierte Theologe zum Erzbischof von München und Freising ernannt. 2010 folgte die Aufnahme ins Kardinalskollegium der Römisch-Katholischen Kirche. Seit 2013 ist er Mitglied der achtköpfigen Kardinalsgruppe zur Beratung von Papst Franziskus bei der Leitung der Weltkirche. Sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz übte der Erzbischof von 2014 bis 2020 aus.

Heinrich Bedford-Strohm wurde am 30. März 1960 in Memmingen geboren. Er ist seit 1985 mit Deborah Bedford-Strohm verheiratet und hat drei Kinder. Nach seinem Studium der Geschichts-, Rechts- und Politikwissenschaften studierte er Theologie (Erlangen, Heidelberg, Berkley (USA) und wurde Anfang der 90er Jahre Vikar in der evangelischen Kirchengemeinde Heddesheim (Baden). Nach verschiedenen Lehrtätigkeiten war Bedford-Strohm von 2002 bis 2004 Pfarrer an der Morizkirche in Coburg. Danach übernahm er den Lehrstuhl für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen in Bamberg. 2011 wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gewählt. Seit 2014 ist Heinrich Bedford-Strohm Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er ist unter anderem Mitglied der Ökumene-Kommission der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und der Deutschen Bischofskonferenz

Preisträger setzen auf den gemeinsamen Weg

Beide Preisträger betonten „das Ermutigende“, das für sie mit dem Augsburger Friedenspreis für ihr Wirken um die Einheit der Christen verbunden ist. „Das Christentum in Deutschland und in Europa wird nur eine Zukunft haben, wenn wir ganz stark ökumenisch zusammenarbeiten und zusammenbleiben. Das ist wichtig und da sehe ich den Preis als Ermutigung“, so Kardinal Marx.

Landesbischof Bedford-Strohm hofft, „dass wir auch im Hinblick auf ein gemeinsames Abendmahl weiterkommen. Ich sehe diesen Preis als öffentliches Zeichen dafür, dass man das von uns erwartet und als starke Ermutigung dafür, den Weg der Ökumene weiterzugehen. Deswegen freut es mich auch, dass ich diesen Preis gemeinsam mit Kardinal Marx bekomme.“