Ferien zu Hause: Ein Tag im Siebentischwald

12.08.2020 08:46 | Umwelt & Soziales

Im Forst lässt sich viel entdecken! Man muss nur genau hinschauen, um die Wunder der Natur zu entdecken. Von Spechten, Totholz und kleinen Wesen.

Wer Respekt vor der Natur hat, kann den Wald auf seine ganz eigene Art erleben – hier balanciert Waldpädagogin Nicola Lechner über den Reichskanal. Foto: Ruth Plössel / Stadt Augsburg

Wer die heimische Natur mit all ihren Geheimnissen entdecken möchte, der muss nicht nach Niederbayern oder ins Allgäu fahren. Schon ein, zwei Stunden im Siebentischwald genügen, um völlig verzaubert in die Realität zurückzukehren. Vor allem, wenn man mit Eva Ritter, der stellvertretenden Leiterin der Forstverwaltung, und Waldpädagogin Nicola Lechner unterwegs ist.

Da wird schon ein scheinbar vergessener, umgeholzter Baumstamm gleich beim Stempflesee zum Wunderland: „Totholz steckt voller Leben“, sagt Eva Ritter, zückt ihr Taschenmesser und ritzt die Rinde auf: Käfer, Asseln und viele andere kleine Wesen wuseln um die Wette. „Das ist der Ort, wo neues Leben entsteht.“

Ein durchlöcherter Eschenstamm liegt quer über den Reichskanal. „Hier hat der Specht Höhlen geklopft“, zeigt Nicola Lechner. Dort nisten sich auch gerne andere Vögel oder Hornissen ein. Buntspechte klopfen übrigens runde Höhlen, Schwarzspechte ovale.

Gleich daneben ist der Boden mit Immergrün bedeckt. „Ein Zeugnis von menschlicher Vorgeschichte“, erklärt Eva Ritter. „Hier könnte eine Burg oder ein Haus gestanden haben.“ Auf einem Buchenblatt wölben sich kleine Bläschen. „Da drin leben die Larven der Gallmücke“, verrät Nicola Lechner. Die kleinen Insekten piksen das Blatt an, das dann eine Art Kugel ausbildet – die Brutstätte dieser Art.

Wirklich erforschen kann man den Wald nur zu Fuß. Mit offenen Augen und gerne auch mit den Fingern; vor allem aber mit Respekt vor der Natur. Eva Ritter greift beherzt mit beiden Händen in den Boden. „In dieser Handvoll Waldboden leben mehr kleine Wesen, als es Menschen auf der Erde gibt“, sagt sie. Und lächelt für einen kurzen Moment wie ein Kind, das zum ersten Mal die Welt als Ganzes begreift. (rs)

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