Entschärfung der Fliegerbombe am 25. Dezember 2016

Über Tage hatte sie die ganze Stadt in Atem gehalten: Die am 20. Dezember 2016 bei Bauarbeiten aufgefundene Fliegerbombe. Groß war deshalb die Erleichterung, als der Blindgänger von 1,8 Tonnen am Abend des 1. Weihnachtsfeiertags erfolgreich entschärft werden konnte. 54.000 Menschen waren angesichts der großen Sprengkraft während der Entschärfung seit den Morgenstunden evakuiert, so viele wie seit 1945 in Deutschland nicht mehr.

Schutzzone

Die Schutzzone umfasste weite Teile der Innenstadt – mit einem Radius von etwa 1500 Metern um die Fundstelle in der Jakoberwallstraße. Welche Straßen genau betroffen waren: Straßenverzeichnis Evakuierungsgebiet.

Während der Entschärfung am 25. Dezember bestand im Umkreis der Fliegerbombe Lebensgefahr. Ab 8 Uhr wurde die gesamte Schutzzone evakuiert. Nach 10 Uhr durfte die Schutzzone von keinem betreten und/oder befahren werden. Um 19 Uhr, nach erfolgreicher Entschärfung der Bombe, wurde die Schutzzone wieder freigegeben.

Ein besonderes Weihnachten

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20.12.2016, 16:16 Uhr: Bei Bauarbeiten in der Jakoberwallstraße entdecken Bauarbeiter eine Fliegerbombe. Die FüGK (Führungsgruppe Katastrophenschutz) wird informiert. Die Fundstelle wird gesichert und überwacht. Fotos: Ruth Plössel/Stadt Augsburg
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21.12.2016, 8 Uhr: Die FüGK trifft sich das erste Mal. Polizei, Feuerwehr, Stadtwerke und Hilfsorganisationen beginnen ihre Einsatzplanung. Pflegeheime und das Vincentinum starten die Evakuierungsplanung.
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21.12.2016, 12 Uhr: Erste Pressekonferenz: Stadt, Feuerwehr und Polizei informieren die Medien.
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21.12.2016, 13 Uhr: Bevölkerung wird auf verschiedenen Kanälen informiert. Die Seite www.augsburg.de/evakuierung geht online. Der detaillierte Plan der Schutzzone mit Hausnummer-genauem Straßenverzeichnis wird im Laufe des Nachmittags veröffentlicht.
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21.12.2016, 21 Uhr: #WillkommenImWarmen – Augsburg macht Platz für alle, die am 25. Dezember aus ihren Wohnungen müssen. Die Facebook-Veranstaltung der Stadt Augsburg geht online.
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22.12.2016, 12 Uhr: Bürgertelefon wird eingerichtet und informiert ab diesem Zeitpunkt rund um die Uhr.
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23.12.2016: Die Schwabenhalle der Messe Augsburg und fünf weitere Notunterkünfte werden hergerichtet.
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24.12.2016: Zahlreiche Rettungskräfte sind am Heiligabend im Einsatz. Auf Hilfs- und Krankentransporte angewiesene Menschen aus der Schutzzone werden zu Angehörigen und in geeignete Einrichtungen gebracht. Der Einsatz der Rettungskräfte hat bereits am 22. Dezember begonnen und endet am 26. Dezember mit den letzten Rücktransporten. Foto: Nicole Kretschmann/Johanniter-Unfall-Hilfe
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25.12.2016, 8 Uhr: Die Evakuierung der Schutzzone beginnt.
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25.12.2016, 12 Uhr: Etwa 920 Menschen kommen in Notunterkünften unter wie hier in der WWK Arena. Auf Bildschirmen verfolgen sie den Fortschritt der Evakuierung. Ein paar Liegend-Transporte laufen noch.
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25.12.2016, 13:00 Uhr: Freiwillige aus ganz Bayern kümmern sich um die Verpflegung der Evakuierten und Einsatzkräfte.
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25.12.2016, 15 Uhr: Die Schutzzone wurde vollständig evakuiert, die Entschärfung läuft.
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25.12.2016, 16:30 Uhr: Die Entschärfung läuft. Im Pressezentrum im Kongress am Park warten OB Dr. Kurt Gribl und sein Team auf hoffentlich positive Nachrichten.
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25.12.2016, 18:52 Uhr: Die Fliegerbombe ist entschärft, die Schutzzone wird um 19 Uhr aufgehoben. Die Menschen können in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren.
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27.12.2016, 14 Uhr: Die Fliegerbombe wird aus der Jakoberwallstraße abtransportiert. Der Zielort bleibt auf Wunsch des Kampfmittelräumdienstes geheim.

Rund 4000 Menschen im Einsatz

Insgesamt waren rund um den 1. Weihnachtsfeiertag etwa 4000 Menschen im Einsatz.

  • Feuerwehr und Berufsfeuerwehr: rund 900 Kräfte; THW: 73 Kräfte; Polizei: rund 900 Kräfte; Hilfsorganisationen ASB, BRK, DLRG, Johanniter, Malteser und das Medizinischen Hilfswerk (ein Zusammenschluss privater Rettungsdienstunternehmen): 860 Kräfte mit etwa 310 Fahrzeugen.
  • Hinzu kamen Einsatzkräfte von Stadt, Stadtwerke, Kliniken, Altenheimen, Unterkünften, ACO (57), ...
  • Weitere rund 1000 Kräfte aus dem Bereich der Sanitätsdienste waren zusätzlich in Rufbereitschaft. 

Dankeschön!

Vielen Dank an alle Einsatzkräfte, Freiwilligen, Medien und Augsburger, die für einen reibunglslosen Ablauf gesorgt haben.

 

FAQs nach der Entschärfung

 

Wo ist die entschärfte Fliegerbombe jetzt?

Die entschärfte Fliegerbombe wurde vom Kampfmittelräumdienst am Dienstag, 27. Dezember, abtransportiert. Der Zielort wurde auf Wunsch des Kampfmittelräumdienstes nicht bekannt gegeben. Am Zielort wird die Bombe zerlegt und entleert.

Kommt die Fliegerbombe ins Museum?

 

Die Fliegerbombe ist nach dem Abtransport bei einer Spezialfirma in Thüringen sicher untergebracht, wo sie zerlegt und vom Sprengstoff entleert wird. Nach Aussage der Spezialfirma wird sie dabei so schwer beschädigt, dass sie selbst nach erfolgtem Zusammenschweißen den Transport nach Augsburg nicht heil überstehen würde. Eine Ausstellung der Bombe wird demnach nicht möglich sein.

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg, das 2018 eröffnet wird, plant eine Reihe von Fernseh-, Hörfunk- und Online-Berichten rund um die Evakuierung aufzubereiten.

Welche Kosten sind durch Evakuierung und Entschärfung entstanden?

Die Stadt Augsburg hat eine Haushaltsstelle mit einem Volumen von 250.000 Euro für die Kosten der Evakuierung eingerichtet. Die Verwaltung geht davon aus, dass damit sämtliche Auslagen abgedeckt werden können. Die bislang eingereichten Rechnungen summieren sich auf rund 120.000 Euro. Offen sind unter anderem noch die Kosten für die rund 1.200 Krankentransporte.

Für die Kosten der Entschärfung der Fliegerbombe kommt der Freistaat Bayern auf. 

Wie dankt die Stadt Augsburg den Helfern?

Der FC Augsburg und die Stadt Augsburg sagen gemeinsam Danke. Die über 4000 Helfer der Evakuierung werden zu einem der nächsten FCA-Heimspiele in die WWK-Arena eingeladen. Die Stadt Augsburg informiert in Kürze alle beteiligten Hilfsorganisationen und Behörden über die Einladung.

Am Samstag, 28. Januar 2017, fand ein ökumenischer Dankgottesdienst in der St.-Anna-Kirche statt.

Gibt es möglicherweise noch weitere bislang unentdeckte „Blindgänger“ im Augsburger Stadtgebiet?

Zuverlässig ist das nicht abzuschätzen. Es könnte noch eine erhebliche Anzahl von Blindgängern in Augsburg geben. Auch für bebaute Gebiete kann grundsätzlich keine Entwarnung gegeben werden, wie die nun gefundene Fliegerbombe vom Jakoberwall zeigt. In der Regel liegen die Blindgänger nicht sehr tief, nur wenige Meter unter der Geländeoberfläche.

Wie viele Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg werden pro Jahr gefunden?

Das ist unterschiedlich. Die Zahl liegt in den letzten Jahren zwischen einem und sechs pro Jahr im Augsburger Stadtgebiet.

Wer ist zuständig, wenn es darum geht, Flächen nach Blindgängern zu durchsuchen?

Nach Art. 3 der Bayerischen Bauordnung darf die Bebauung eines Grundstücks die öffentliche Sicherheit nicht gefährden. Nach Art. 4 muss das Grundstück nach seiner Beschaffenheit für die beabsichtigte Bebauung geeignet sein; hierzu zählt u.a. die Freiheit von Kampfmitteln. Die Untersuchung eines zur Bebauung vorgesehenen Grundstücks auf Blindgänger ist Aufgabe des Bauherrn. Ob ein Gelände untersucht wird oder nicht, liegt damit in der Eigenverantwortung des Grundstückseigentümers bzw. Bauherrn.

Wurde das betroffene Grundstück in der Jakoberwallstraße untersucht?

Der Bauherr in der Jakoberstraße ist die GS Wohnbau. Im Vorfeld der Bauarbeiten hat sie eine Firma beauftragt, die auf Kampfmittelsuche spezialisiert ist. Das Problem: In der Nachkriegszeit wurde eine zwei Meter dicke Schuttschicht über den Boden gelegt, in der unter anderem Stahlrohre und alte Nähmaschinen stecken. Diese Fundstücke erschweren die Sondierung des Bodens. Beim Aushub sei man laut Angaben der GS Wohnbau deshalb besonders vorsichtig gewesen.

Wie kann ich erkennen, dass möglicherweise eine Fliegerbombe auf meinem Grundstück liegt?

Die Grundlagen für einen Hinweis auf ein mögliches Vorkommen von Blindgängern sind Alliierten-Luftaufnahmen aus dem 2. Weltkrieg, die beim Amt für Brand- und Katastrophenschutz vorliegen und eingesehen werden können. Dort kann man sich auch beraten lassen.

Auf den Bildaufnahmen sind die Bombentrichter zu erkennen. Blindgänger erkennt man selbstverständlich nicht. Man geht jedoch davon aus, dass dort, wo viele Bombenkrater sind, auch Blindgänger nicht ausgeschlossen werden können.

Welche Stadtteile sind besonders betroffen?

Besonders betroffen sind natürlich die Stadtteile mit Anlagen der ehemaligen Rüstungsindustrie. So wurden insbesondere die Firmen MAN und Messerschmidt bombardiert. Beim Bau des Landesamtes für Umweltschutz Ende der 90er Jahre in Haunstetten mussten erhebliche Bombenfunde entschärft werden.

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