Forst der Stadt Augsburg – naturnahe und nachhaltige Holzproduktion

Die städtischen Forstreviere sind Trinkwasserspeicher, Schadstofffilter, Lebensraum und Erholungsgebiet. Oberstes Gebot ist deshalb eine naturnahe und nachhaltige Holzproduktion.

Verglichen mit anderen Kommunen verwaltet die Stadt Augsburg die größte Waldfläche in Bayern und die zweitgrößte in Deutschland. Insgesamt besitzt sie 7679 Hektar Wald – also etwa so viel wie 10.000 Fußballfelder, in Augsburger Dimensionen gesprochen etwa so viel wie die Fläche der Stadtteile Haunstetten, Göggingen, Inningen und Bergheim.

Die Waldfläche verteilt sich auf sieben städtische Forstreviere. Zwei Reviere befinden sich im Stadtgebiet, die übrigen liegen außerhalb der Stadtgrenzen.

Forstreviere der Stadt Augsburg

Reviere im Stadtgebiet – „Stadtwald“

Reviere außerhalb der Stadtgrenzen

  • Mittelneufnach (1270 Hektar, Westliche Wälder)
  • Diedorf (1145 Hektar, Westliche Wälder)
  • Unterbaar (mit Schaezlerwald und Gutmann-Wald; 640 Hektar, nördlich von Augsburg)
  • Brugger (980 Hektar, östlich von Augsburg)
  • Fuchsmühl (835 Hektar, Naturpark Steinwald, Oberpfalz)

Der Siebentischwald und der Haunstetter Wald liegen im Stadtgebiet und zählen zu den letzten erhaltenen, naturnahen Lechlandschaften. Fast ihre gesamte Fläche steht unter Naturschutz. Die Auenwälder schützen Augsburg vor Hochwasser und fungieren als Trinkwasserspeicher und -filter. Zudem dient der Wald als Erholungsgebiet. Augsburger und Augsburgs Gäste schätzen die über 2000 Hektar Wald im Stadtgebiet.



Führungen durch den Stadtwald

Regelmäßig führt die Forstverwaltung durch den Stadtwald. Wer Lust hat, mitzuspazieren, kann sich unter 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de. Die Teilnahme ist kostenlos (ausgenommen ist die Nachtführung). Bitte bringen Sie festes Schuhwerk mit.

Termine 2016

  • Freitag, 18 .März, 16:00–17:30 Uhr: Radtour in den lichten Kiefernwald
    Im Forstrevier Haunstetten liegen die letzten großen zusammenhängenden lichten Kiefernwaldstrukturen entlang des bayerischen Lechs. Um diese langfristig in ihrem Bestand zu sichern, hat die Forstverwaltung Augsburg ein Konzept zu deren Pflege und Erhalt im Stadtwald entwickelt, das während der Radtour erläutert wird.
    Treffpunkt: Waldeingang am Ende der Krankenhausstraße, Haunstetten
    Streckenlänge: ca. 10 km
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Freitag, 15. April, 16:00–17:30 Uhr: Mischwald gegen den Klimawandel
    Heißere Sommer, milde Winter und mehrere „Jahrhundertstürme“ künden eine sich abzeichnende Klimaveränderung an. Stabile, klimatolerante Mischwälder, wie sie die Forstverwaltung Augsburg kultiviert und bewirtschaftet, wirken dem Klimawandel langfristig wirksam entgegen. Erfahren Sie, welche Strategie die Augsburger Förster bereits seit über zwei Jahrzehnten dem Klimawandel entgegensetzen.
    Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Sportanlage Süd
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Freitag, 3. Juni, 16:00–17:30 Uhr: Radtour zum Niederwald – eine historische Nutzungsform lebt wieder auf
    Die ehemals zur Brennholzgewinnung genutzten Lech-Grauerlenwälder werden aus naturschutzfachlichen Gründen wiederbelebt.
    Treffpunkt: Ende des Ochsenbachwegs (Wendeplatte), Siebenbrunn
    Streckenlänge: 10 km
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Freitag, 24. Juni, 16:00–17:30 Uhr: Windkraft aus dem Wald
    Die Forstverwaltung Augsburg setzt auf regenerative Energie aus dem Stadtwald. Im städtischen Forstrevier Brugger produzieren fünf Windräder klimafreundlichen Strom. Auf einem Spaziergang durch den Stadtwald zeigt Förster Theo Wittmann die imposanten Bauwerke sowie die erfolgten naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen für die verlorenen Waldflächen.
    Treffpunkt: Waldhütte Brugger
    Mitbringen: festes Schuhwerk
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Donnerstag, 14. Juli, 18:00–19:30 Uhr: Exoten gegen den Klimawandel
    Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde im Forstrevier Diedorf mit exotischen Baumarten experimentiert, die angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels zukünftig stärker unser Waldbild prägen werden. Förster Siegfried Knittel führt durch den beeindruckenden Exotenwald und erklärt die Strategie der Forstverwaltung Augsburg, wie der Stadtwald für den Klimawandel fit gemacht wird.
    Treffpunkt: Forstdienststelle Diedorf, Wellenburger Str. 34, Diedorf
    Mitbringen: festes Schuhwerk
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Samstag, 23. Juli, 10:00–11:30 Uhr: Radtour in den lichten Kiefernwald
    Im Forstrevier Haunstetten liegen die letzten großen zusammenhängenden lichten Kiefernwaldstrukturen entlang des bayerischen Lechs. Um diese langfristig in ihrem Bestand zu sichern, hat die Forstverwaltung Augsburg ein Konzept zu deren Pflege und Erhalt im Stadtwald entwickelt, das während der Radtour erläutert wird.
    Treffpunkt: Waldeingang am Ende der Krankenhausstraße, Haunstetten
    Streckenlänge: ca. 10 km
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Donnerstag, 22. September, 19:00–20:30 Uhr: Nächtliches Abenteuer im Siebentischwald
    Bei Dunkelheit erkunden wir das Reich von Fuchs und Eule und erleben mit allen Sinnen den nächtlichen Wald. Treffpunkt: Waldgaststätte Jägerhaus, Siebenbrunn
    Mitbringen: Taschenlampe, feste Schuhe, angepasste Kleidung
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Kosten: Familien 7,00 Euro, Erwachsene 2,50 Euro, Kinder 1,50 Euro
    Zielgruppe: Familien
  • Sonntag, 09. Oktober, 14:00–17:00 Uhr: Auf die Pilze, fertig, los!
    Im Waldpavillon dreht sich heute alles um die Pilze. Pilzexperte Günther Groß gibt uns einen Einblick in das Reich dieser geheimnisvollen Lebewesen. Sehen, riechen, schmecken, staunen!
    Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Sportanlage Süd
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Freitag, 28. Oktober, 14:30–16:00 Uhr: Warum und wie wir den Stadtwald pflegen
    Der Augsburger Stadtwald vereint ökonomische, ökologische und soziale Aspekte: Forstwirtschaft, Naturschutz, Erholung. Auf einem Spaziergang durch den Herbstwald werden Gründe und Zweck der forstlichen Pflegemaßnahmen erklärt.
    Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Sportanlage Süd
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei
  • Freitag, 25. November, 14:30–16:00 Uhr: Totholz ist wertvoll
    Die Forstverwaltung Augsburg hat ein umfangreiches Konzept zum Umgang mit dem vorhandenen Totholz im Stadtwald entwickelt. Die erfolgreiche Umsetzung wird anhand praktischer Beispiele veranschaulicht.
    Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Sportanlage Süd
    Veranstalter: Stadt Augsburg, Forstverwaltung
    Anmeldung: Tel. 0821 324-6118 oder waldpaedagogik.forst(at)augsburg.de
    Teilnahme: kostenfrei

Nachhaltige und naturnahe Holzproduktion

Während die Reviere Siebenbrunn und Haunstetten eine besondere Bedeutung als Erholungs- und Trinkwasserschutzgebiet haben, produzieren die Reviere außerhalb der Stadtgrenzen jährlich mehr als 30.000 Festmeter Holz. Das oberste Gebot dabei: eine nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft. Das heißt: Es wird höchstens so viel abgeholzt wie nachwächst. Die Forstarbeiten sind auf natürlich ablaufende Prozesse abgestimmt und erfüllen die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Bundeswaldgesetz und Bayerisches Waldgesetz). Der Wald als Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten wird erhalten.

„Sozialer“ Wald

Mit ihrer nachhaltigen Holzproduktion schreibt die Forstverwaltung schwarze Zahlen und kommt so selbst für Pflege und Unterhalt ihres Waldes auf. Durch die Art der Bewirtschaftung, eine hohe Nachfrage und gute Holzpreise erzielt die Forstverwaltung seit einigen Jahren beträchtliche Überschüsse. Über 80 Prozent davon fließen an die früheren Besitzer des Stadtwaldes: vier Stiftungen, die Seniorenheime und andere soziale Einrichtungen unterhalten. 

„Wald-TÜV“ bescheinigt nachhaltige Forstwirtschaft

Die nachthaltige und naturnahe Holzproduktion in Augsburg wird regelmäßig offiziell bestätigt. Seit 2000 verpflichtet sich die Forstverwaltung den Standards der PEFC, einer unabhängigen Wald-Zertifizierungsstelle. Für das PEFC-Siegel müssen insgesamt 60 Kriterien erfüllt werden. Dazu gehört beispielsweise, dass Forstbetriebe und -verwaltungen nicht mehr Bäume schlagen als nachwachsen, dass sie keine gentechnisch veränderten Setzlinge pflanzen, dass sie die Artenvielfalt im Wald erhalten und auch, dass sie an den Waldarbeiter-Nachwuchs denken. Regelmäßig steht der Stadtwald auf dem Prüfstand, das letzte Mal im September 2014. Das Ergebnis: Augsburgs Forstwirtschaft ist nachhaltig bis in die Baumspitzen.

Mehr zum „Wald-TÜV“: Was das PEFC-Logo für den Verbraucher bedeutet

Baumartenverteilung

Baumartenverteilung im Gesamtbetrieb: 75 Prozent Nadelholz, 25 Prozent Laubholz, davon 55 Prozent Fichte, 14 Prozent Kiefer, 11 Prozent Buche.

Baumartenverteilung im Auwald an Lech und Wertach: 39 Prozent Kiefer, 29 Prozent Fichte, 20 Prozent Edellaubholz wie Esche, Ahorn, Ulme, 6 Prozent Buche, 1 Prozent Eiche, sonstiges Laubholz 5 Prozent.

Forstmuseum Waldpavillon

Nicht nur die nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Wälder, auch die Umweltbildung liegt der Stadt Augsburg am Herzen. Das Forstmuseum Waldpavillon am Rande des Siebentischwalds wurde 2011 für die vorbildhafte Vermittlung und Weitergabe von Wissen rund um Wald und Natur mit der „Georg-Dätzel-Medaille“ des Zentrums Wald-Forst-Holz in Weihenstephan geehrt. Darüber hinaus nutzen zahlreiche Waldkindergruppen den Stadtwald regelmäßig als Lern- und Spielort.

Produkte aus dem Augsburger Forst

Im Kaminofen oder auf dem Teller: Mit Brennholz oder Wildbret aus dem Augsburger Stadtwald holen Sie sich nachhaltige Produkte aus der Region ins Haus. Voraussetzung für die Brennholzgewinnung ist die erfolgreiche Teilnahme am Kurs zum Führen von Motorsägen.

Geschichte des Stadtwaldes

1249
schenkte der Ritter Siegfried von Bannacker dem Hospital zum Heiligen Geist sein väterliches Erbgut mit einem größeren Waldkomplex. 

1602
erwarb die Stadt Augsburg von Bischof Heinrich von Knoeringen im Tausch gegen Grundbesitz in Anhausen und Eppisburg den Kernbereich des heutigen Siebentischwaldes. Dadurch wurde die Wasserversorgung der Bürger für Jahrhunderte gesichert.

1721
erhielt die Stadt den Haunstetter Wald für 40 Jahre als Pfand für ein Darlehen von 100.000 Gulden an Kurfürst Max Emanuel von Bayern. Damit war sie berechtigt, „die Brunnenquellen zusammenzuführen und in die Stadt zu leiten“ sowie Holz für den Wasserbau am Lech und zum Ausbau der Brunnen zu schlagen. Diese Rechte blieben im Wesentlichen bis zum Ankauf des Haunstetter Waldes bestehen.

1902
erwarb die Stadt das v.-Beck’sche Landgut mit 44 Hektar, richtete dort ab 1907 das Forsthaus Siebenbrunn ein (1995 abgetragen wegen Trinkwasserschutz) und forstete die landwirtschaftlichen Flächen auf.

1924
konnte die Stadt nach mehreren gescheiterten Versuchen den 879 Hektar großen Haunstetter Wald von Kommerzienrat Johann Pfeffer erwerben. Der Haunstetter Wald war bis 1883 im Besitz des kgl. Bayer. Staatsärars. 1883 erwarb ihn Kommerzienrat Georg Käß aus Haunstetten. Seine Tochter, Marie Gräfin von Tattenbach, verkaufte den Wald 1917 an Johann Pfeffer, ein Unternehmer aus Memmingen. Das Tattenbachpalais, ehemals Sitz der Familie Käß/v. Tattenbach, später Rathaus von Haunstetten, beherbergt heute die Stadtforstverwaltung Augsburg.

1927
erhielt die Stadt den Haunstetter Gemeindewald (37 Hektar) als Gegenleistung für den Bau der Straßenbahnlinie 4 nach Haunstetten.

1942
übernahm die Stadt aus politischen Gründen die Wälder der vier städtischen Stiftungen in ihr Eigentum, um sie vor der Vereinnahmung durch den nationalsozialistischen Staat zu schützen.

Es handelte sich um die

  • paritätische St.-Jakobs-Stiftung
  • paritätische Hospital-Stiftung (=Heilig-Geist-Spital)
  • paritätische St.-Martins-Stiftung
  • kath. Studienfonds.

Diese Stiftungen sind heute zu 83 Prozent an den Reinerlösen des Gesamtwaldbesitzes außerhalb der Stadtgrenzen beteiligt. So dient der Waldertrag überwiegend der Erfüllung sozialer und kultureller Aufgaben. Die Stadt erhält 17 Prozent der Erträge, da ein gewisser Anteil seit jeher der Stadt gehört.

1958
übereignete Dr. Wolfgang Freiherr von Schaezler den 139 Hektar großen „Schaezlerwald“ bei Pichl der Stadt Augsburg zur Erinnerung an seine im Krieg gefallenen beiden Söhne. Der Waldertrag dient dem Bauunterhalt des Schaezlerpalais, außerdem wird daraus ein jährlicher Beitrag für Stipendien von Studenten der Forstwissenschaften und der Altphilologie finanziert. Allerdings müssen die Studenten Absolventen des humanistischen Gymnasiums in Ansbach oder des humanistischen Gymnasiums bei St. Anna in Augsburg sein.

1972
wuchs der Stadtwald durch die Eingemeindung der Städte Haunstetten und Göggingen sowie der Gemeinde Inningen um 350 Hektar.

1996
erhielt die Stadt den 50 Hektar großen „Gutmannwald“ nahe Treuchtlingen von ihrem Ehrenbürger Senator Max Gutmann. Die Erträge sind für karitative, sonstige soziale Zwecke und für die Förderung des Sports in der Stadt Augsburg zu verwenden.

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