Pflegekinder. Quelle: iStockphoto

Pflegefamilien

Jedes Jahr suchen rund 100 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren ein Zuhause in einer Pflegefamilie. Aufgrund ihrer oft komplizierten Vorgeschichte tragen die meisten von ihnen ein Päckchen aus ihrer Vergangenheit mit sich und müssen Entwicklungsschritte nachholen und Vertrauen erlernen. Häufig benötigen die Kinder Unterstützung und Therapien wie Logopädie, Krankengymnastik, Ergo- oder Spieltherapie. Die Kinder müssen erst wieder lernen, dass das Leben nicht nur ein Kampf ist, sondern auch ein Geschenk. Dass sie aufgefangen und geschätzt werden, auch wenn es gerade schwierig ist. Das erzeugt Vertrauen ins Leben – genau das, was wir alle brauchen um auf eigenen Füßen stehen zu können.

Pflegeeltern

In Augsburg brauchen zahlreiche Kinder eine Pflegefamilie – für eine Übergangszeit oder auf Dauer. Gesucht werden Familien die bereit sind, einem fremden Kind ein Zuhause zu schenken und ihm Liebe, Geduld, Fürsorge und Halt zu geben. Das ist keine leichte, aber bereichernde Aufgabe.

Pflegefamilie sein

In ihrer Pflegefamilie erleben die Kinder Gemeinschaft, Nähe, Zuwendung und Integrität – kurz Normalität. Mit einem Pflegekind zu leben ist eine verantwortungsvolle Aufgabe  und es ist gleichzeitig ganz einfach: Sie rücken ein wenig zusammen und laden ein Kind ein, Teil Ihrer Welt zu werden. Sie lassen es spüren, dass es an einem sicheren Ort angekommen ist, bei Ihnen willkommen ist und geliebt wird. Auch wenn es gerade mal schwierig ist.

Auch Alleinerziehende, Kinderlose, nicht verheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare können ein Pflegekind aufnehmen.

Sie können Pflegefamilie sein, wenn Sie:

  • in gesicherten finanziellen Verhältnissen leben
  • räumlich in der Lage sind ein weiteres Familienmitglied aufzunehmen
  • ein Gespür dafür haben, wo Ihr Pflegekind Unterstützung braucht
  • eine Familie haben, die stabil genug ist, die Unsicherheiten des Kindes auszugleichen
  • bereit sind mit der Herkunftsfamilie Kontakt zu halten und sie wertzuschätzen
  • vertrauensvoll mit uns, dem Vormund, Therapeuten und dem Kindergarten oder der Schule Ihres Pflegekindes zusammenarbeiten
  • an unseren Fortbildungen teilnehmen

Ihr Pflegekind wird das Familienleben verändern, das ist klar. Deshalb ist es wichtig, dass auch Ihre leiblichen Kinder in die Entscheidung einbezogen werden und zu einem Pflegekind „Ja“ sagen. Denn es wird viel Zeit von Ihnen in Anspruch nehmen und auch von Ihren leiblichen Kindern Geduld und Verständnis verlangen. An dieser Aufgabe können Sie als ganze Familie wachsen. 

Pflegefamilie werden

Selbstverständlich ist nicht jede Familie geeignet, Pflegefamilie zu sein. Es gibt viele Faktoren, die wir mit Ihnen zusammen klären müssen. Deshalb haben wir ein Bewerberverfahren entwickelt. In diesem Prozess überprüfen wir sorgfältig und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten, ob eine Familie geeignet ist, ein Pflegekind aufzunehmen.

Hier ein kleiner Überblick, was unser Bewerberverfahren beinhaltet:

  • einen telefonischen Erstkontakt
  • ein persönliches Informations- und Kennenlerngespräch in unseren Räumen
  • mindestens ein Hausbesuch
  • Gespräche mit Ihnen und Ihren Familienangehörigen
  • die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar und an Schulungen

Zusätzlich brauchen wir von Ihnen weitere Unterlagen (zum Beispiel ein so genanntes „Erweitertes Führungszeugnis“, ein Gesundheitszeugnis, einen ausführlichen Lebensbericht, Einkommensnachweise und so fort ...).

Wenn der formelle Teil abgeschlossen ist und wir Ihnen eine „Pflegeerlaubnis“ erteilen können, beginnt der spannende, praktische Teil. Wenn ein passendes Kind für Sie zur Vermittlung gefunden ist, dann rufen wir Sie an und erzählen Ihnen etwas über das Kind und die Herkunftsfamilie. Sind Sie interessiert, kommt es zum Kennenlernen und eventuell zur Aufnahme in Ihrer Familie.

Team Pflegekinder

Wir vom „Team Pflegekinder“ sind derzeit 16 Mitarbeiter: neun sozialpädagogische Fachkräfte, eine Verwaltungskraft, fünf Sachbearbeiterinnen der wirtschaftlichen Jugendhilfe und eine sozialpädagogische Teamleitung. Wir sind Ihre Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Pflegekinder.

Eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Pflegefamilie- und unserem Team ist sehr wichtig. Unsere Aufgaben beginnen zwar mit der Eignungsprüfung der Bewerber, richtig interessant wird es aber, wenn Sie Pflegefamilie geworden sind. Denn wir begleiten Sie auf Ihrem gesamten weiteren Weg: wir unterstützen Sie bei Erziehungs- und Rechtsfragen, der Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien, bieten Seminare, Fortbildungen und diverse Gruppen- und Kontaktangebote. Und wir sind für Sie da, wenn es Fragen gibt oder Sie Hilfe benötigen. Und die wird es geben. Wenden Sie sich an uns und nutzen unsere langjährige Erfahrung.

Es gibt noch weitere Formalitäten: Sie erstellen jährlich einen Entwicklungsbericht über Ihr Pflegekind als Grundlage für das so genannte „Hilfeplan-Gespräch“. Wir vom Team Pflegekinder setzen uns mit Ihnen, dem Vormund und gegebenenfalls den Herkunftseltern zusammen, um die weiteren Ziele für Ihr Pflegekind gemeinsam zu erarbeiten.

Um den Lebensunterhalt Ihres Pflegekindes sicher zu stellen, erhalten Sie ein monatliches Pflegegeld. Es richtet sich nach seinem Alter und seinen Bedürfnissen und enthält einen Beitrag für Ihre Erziehungsleistung als Pflegefamilie.

Unser Team trifft sich wöchentlich um aktuelle Themen und Problemlagen zu besprechen und für Sie Unterstützungsangebote zu finden.

Pflegeformen

Es werden generell drei Pflegeformen unterschieden:

Die Vollpflege

In Vollzeitpflege leben Kinder und Jugendliche dauerhaft in einer Pflegefamilie – genau wie ein eigenes Kind. Die Pflegeeltern werden zu seinen Hauptbezugspersonen und begleiten es im Alltag mit allen Höhen und Tiefen. Meist besteht auch Kontakt zu den leiblichen Eltern.

Die Kurzpflege

In Kurzpflege werden Kinder und Jugendliche untergebracht, wenn sie vorübergehend nicht in ihrer Familie leben können. Zum Beispiel, weil die Mutter zur Therapie oder stationär in eine Klinik gehen muss und niemand in der eigenen Familie das Kind betreuen kann, oder weil irgendeine Abklärung erfolgen muss. Während der zeitlich begrenzten Unterbringung – längstens sechs Monate – sollte das soziale Netz (z.B. der Kindergarten, die Schule) des Kindes weiter erhalten bleiben.

Die Bereitschaftspflege

In Bereitschaftspflege werden Kinder und Jugendliche in Krisensituationen schnell und unkompliziert aufgenommen, bis ihre weitere Lebensperspektive geklärt ist. Mindestens ein Pflegeeltern-Teil muss über eine Ausbildung im Bereich Erziehung, Pädagogik oder Sozialpädagogik verfügen. Zudem muss ein engmaschiger Kontakt mit der Herkunftsfamilie gehalten werden.

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