Auf dem Weg zum Universitätsklinikum Augsburg. Foto: Ulrich Wirth/Klinikum Augsburg

Die Uniklinik Augsburg ist auf der Zielgeraden

Das Klinikum Augsburg, mit rund 250.000 versorgten Patienten pro Jahr und mehr als 1700 Betten eines der größten in Deutschland, ist ein kommunales Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe (Maximalversorger). Nun soll es zur Universitätsklinik weiterentwickelt werden. Die Trägerschaft würde spätestens zum 1. Januar 2019 von Stadt und Landkreis Augsburg an den Freistaat Bayern übergehen. Die endgültige Entscheidung dazu fällt der Bayerische Landtag im Herbst 2016.

Die Empfehlung des Wissenschaftsrates

Sie ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung der Universitätsklinik: Das positiv ausgefallene Votum des Wissenschaftsrates vom 8. Juli 2016. Das unabhängige Expertengremium bewertete die geplanten Forschungsschwerpunkte Umweltmedizin und Medizininformatik sowie das modellhafte, neuartige Lehrkonzept, das für die neue medizinische Fakultät entwickelt wurde. Theorie und Praxis würden eng verzahnt: Die Medizinstudenten sollen bereits von Studienbeginn an den Umgang mit dem Patienten am Krankenbett lernen. Die nun abgegebene Empfehlung dient als weitere Grundlage für die im Herbst 2016 erwartete Entscheidung des Bayerischen Landtags für die Uniklinik Augsburg.

Meilensteine auf dem Weg zur Uniklinik

  • 1970: Gründung der Universität Augsburg mit derzeit sieben Fakultäten
  • 1974: Baubeginn des Zentralklinikums mit dem Konzept eines Universitätsklinikums; Klinikum wird Lehrkrankenhaus der LMU München für das praktische Jahr
  • 1982: Umzug der 1. Klinik (Dermatologie) ins neu erbaute Zentralklinikum
  • 2009: Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Augsburg durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer „Die Uniklinik kommt!!!“
  • 2013: Start des Universitären Zentrums für Gesundheitswissenschaften am Klinikum Augsburg (UNIKA-T): Gemeinsamer Forschungsverbund von Klinikum Augsburg, der Universität Augsburg, der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mit den Schwerpunkten Health Care Operations/Health Information Management, Umweltmedizin und Epidemiologie
  • Juli 2015: Beschluss des Bayerischen Kabinetts: Verhandlungen mit dem heutigen Träger (Krankenhauszweckverband Augsburg) zur Entwicklung des Klinikums in ein Universitätsklinikum und Übernahme der Trägerschaft des Klinikums Augsburg durch den Freistaat Bayern sollen aufgenommen werden
  • 14. Juni 2016: Unterzeichnung Eckpunktepapier durch Freistaat Bayern sowie Stadt und Landkreis (Krankenhauszweckverband Augsburg). Dieses Dokument benennt die Bedingungen einer möglichen Übernahme des Klinikums Augsburg in die Trägerschaft des Freistaates Bayern als Basis für alle weiteren Verhandlungen
  • 8. Juli 2016: Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Etablierung einer Universitätsmedizin in Augsburg mit den Forschungsschwerpunkten Umweltmedizin und Medizininformatik
  • Herbst 2016: Entscheidung des Bayerischen Ministerrats zur Umwandlung des Klinikums zur Universitätsklinik
  • Herbst/Winter 2016: Gründung der medizinischen Fakultät
  • Wintersemester 2018/19: anvisierter Start für ein Studium an der Uniklinik
  • 1. Januar 2019: Spätestens Übernahme des Freistaats Bayern als Träger des Universitätsklinikums

Welche Bedeutung hat die Uniklinik für Stadt und Region?

1. Die medizinische Versorgung ist auf hohem Niveau langfristig gesichert

Uniklinik. Foto: Ulrich WirthJahrelang hatten die politisch Verantwortlichen über Möglichkeiten der langfristigen Sicherung einer optimalen medizinischen Versorgung für die Bürger aus Stadt und Region nachgedacht. Wirtschaftlicher Druck und unkalkulierbare Risiken in der Zukunft ließen sie zeitweise auch eine Privatisierung des kommunalen Krankenhauses in Betracht ziehen.

Diese Option wäre mit der Übernahme des Klinikums durch den Freistaat endgültig vom Tisch. Die medizinische Versorgung für die Stadt und gleichzeitig rund zwei Millionen Menschen in ganz Schwaben wäre als 6. Universitätsklinik in Bayern langfristig auf hohem Niveau gesichert.


2. Im städtischen Haushalt wird dauerhaft Entlastung spürbar

Lange Jahre wirtschaftete das Klinikum Augsburg defizitär. Die Schulden wurden vom Krankenhauszweckverband Augsburg (dessen Mitglieder Stadt und Landkreis Augsburg sind) als Träger übernommen. Seit 2011 gibt es allerdings keine Betriebskosten-Defizite mehr. Als bisherige Mitglieder des Trägers werden sich Stadt und Landkreis auch künftig nicht aus der gemeinsamen Verantwortung ziehen: Altschulden, die aus den Kosten für nicht geförderte Investitionen in der Vergangenheit entstanden sind, müssen weiterhin durch den Krankenhauszweckverband (und damit durch dessen Mitglieder Stadt und Landkreis Augsburg) geleistet werden. Dabei ist die Belastung durch den Abschluss von langfristigen Krediten überschaubar und kann zudem in Teilen durch den Verkauf von Grundstücken, die sich im Eigentum des Krankenhauszweckverbandes befinden, reduziert werden. Die Umwandlung des Klinikums zur Uniklinik ist mittelbar eine Chance, den städtischen Haushalt zukünftig auf Dauer zu entlasten.


3. Die Universität Augsburg wird durch die Erweiterung einer medizinischen Fakultät noch attraktiver

Uniklinik. Foto: Ulrich WirthFür die Universität Augsburg mit derzeit rund 20.000 Studenten bedeutet die Entwicklung der Uniklinik einen enormen Ausbau mit einer weiteren Fakultät, einem zusätzlichen Medizincampus sowie einem Zuwachs von etwa 50 Prozent an Professuren. Mit den für die Medizin geplanten Forschungsschwerpunkten Umweltmedizin und Medizininformatik erhalten die Universität Augsburg und auch die künftige Universitätsklinik Augsburg außerdem die Chance, sich ergänzend zu den bereits bestehenden Unikliniken auf einem in Deutschland bislang noch wenig entwickelten Gebiet zu profilieren. Die schon in Augsburg bestehenden Schwerpunkte Informatik, interdisziplinären Gesundheitsforschung sowie Umweltforschung bieten dafür bereits eine solide Grundlage. Auch Synergieeffekte im Zusammenspiel der bisherigen Fakultäten und der Universitätsmedizin sind für die Zukunft zu erwarten.

Modellhaft auch das neuartige Lehrkonzept, das für die neue medizinische Fakultät entwickelt wurde: Medizinstudenten werden durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis von Studienbeginn an direkt von erfahrenen Ärzten am Krankenbett lernen.


4. Forschung und Lehre ziehen hochqualifizierte Fachkräfte an

Eine Universitätsklinik mit Forschung und Lehre fungiert als „Motor“ für die ganze Region. Für den universitären Betrieb der medizinischen Fakultät sind langfristig 80 bis 100 zusätzliche Professoren-Stellen vorgesehen, hinzukommen weitere Stellen und über 1500 Studenten. Zusätzlich werden Entwicklungsschübe und innovative Impulse für den Wirtschaftsstandort erwartet. Man geht man davon aus, dass sich vor allem im Umfeld des geplanten Studienschwerpunktes Medizininformatik weitere unternehmensnahe Dienstleister ansiedeln werden. Denn Daten gelten als wichtigster Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Das wirkt sich auf die gesamte Stadtentwicklung aus: High-Potentials brauchen attraktive Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten, sowie eine gute Infrastruktur in den Bereichen Bildung und Kultur.


5. Neues Entwicklungspotenzial für die wachsende Stadt

Augsburg ist eine Wachstumsregion. Im Stadtgebiet leben inzwischen knapp 300.000 Menschen. Damit alle auch in Zukunft gut versorgt leben können, müssen jetzt die Weichen zur Stadtentwicklung gestellt werden. Die Uniklinik ist ein Aspekt davon: Es wird am Klinikum und an der Universität in neue Gebäude und Einrichtungen für die Lehre investiert, weitere Arbeitsplätze und neue Infrastruktur entstehen. Dazu zählt beispielsweise auch die neue Straßenbahnlinie 5, die das bestehende Straßenbahnnetz mit einer Linien-Führung im Westen vom Hauptbahnhof bis zum Klinikum ergänzen wird.
 

Augsburger Universitätsmedizin – das Lehr- und Forschungskonzept der Universität

Die Forschungsschwerpunkte

Die Universitätsmedizin wird breit aufgestellt sein. Sie umfasst die klassischen klinischen Bereiche wie Vaskuläre Medizin (Gefäßerkrankungen) oder Tumormedizin bis hin zu den innovativen Forschungsschwerpunkten der medizinischen Fakultät Umweltmedizin und Medizininformatik. Dazu können auch die bestehenden Institute der Universität wertvolle Impulse geben.
 

  • Medical Information Sciences (Medizininformatik)
     
    Sehr zukunftsorientiert ist dieser Forschungsschwerpunkt, da Daten als wichtigster Rohstoff des 21. Jahrhunderts gehandelt werden. Insbesondere der Gesundheitssektor soll in der klinischen Forschung und der Biotechnologie davon profitieren, um individualisierte und fallspezifische Therapien zu entwickeln. Es geht unter anderem um die Entwicklung von Methoden und Technologien sowie den Aufbau von neuen, internetbasierten Infrastrukturen für ein „Lernendes Gesundheitssystem“. Mögliche Anwendungsfelder: Effizientere Nutzung von Ressourcen durch IT-Systeme, Forschung zu Telemedizin und „Mobile Health“ (Apps & Wearables), Systeme zur besseren Nutzung großer medizinischer Datenmengen, computerbasierte Modellierungen und Simulationen von Krankheitsverläufen auch unter dem Aspekt von Umwelteinflüssen und therapeutischen Interventionen.
     
  • Environmental Health Sciences (Umweltmedizin)
     
    Dieser Forschungsschwerpunkt analysiert den Zusammenhang zwischen spezifischen Krankheiten und Umweltfaktoren. Ziel ist zum einen, protektive und schädliche Umweltfaktoren zu identifizieren, um Präventionsansätze zu entwickeln. Zum anderen gilt es, Diagnose und Therapie zu verbessern sowie durch den Verlauf von umweltbedingten Erkrankungen besser vorherzusagen. Der Augsburger Ansatz ist eine ganzheitliche Betrachtung der Zusammenhänge von Klima(-veränderungen) und Umweltfaktoren bis hin zu Krankheitsbildern.
     

Der Modell-Studiengang Medizin

Universtitätsklinikum Augsburg. Foto: Ulrich WirthAn der neuen Medizin-Fakultät werden Ärzte in einem Modell-Studiengang ausgebildet. Inhaltlich ist er ein klassischer Medizinstudiengang, folgt aber einem innovativen Aufbau entsprechend aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrates. Vorklinische und klinische Phasen laufen wie bislang in Bayern üblich, nicht mehr nacheinander, sondern verzahnt ab. Im neuartigen Augsburger Modell-Studiengang werden die Studierenden bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Studium Einblick in die medizinische Praxis am Klinikum erhalten. Dadurch lernen sie schon am Anfang des Studiums den Umgang mit den Patienten. 

Als „Versuchskaninchen“ behandelt zu werden, muss allerdings kein Patient fürchten: Wie in klassischen Medizin-Studiengängen auch, werden in Augsburg die Studierenden in ihrer Klinischen Phase keine Versorgungsleistungen an Patienten vornehmen, sondern erfahrene Ärzte bei ihrer Arbeit begleiten, um von diesen – neben dem Fachwissen des Studiums – auch den Kontakt mit den Patienten vermittelt zu bekommen. Insgesamt verfolgt der Studiengang einen integrativen medizinischen Ansatz, der Krankheit nicht rein mechanistisch, sondern als Störung der Interaktion von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren versteht.

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