Aktuelles zum Thema Asyl in Augsburg. Foto: Stadt Augsburg

Asyl in Augsburg – nachgefragt bei OB Gribl

Das Thema Asyl bewegt uns alle, auch Stadtverwaltung und Stadtspitze. Wir haben OB Dr. Kurt Gribl zehn Fragen zum Thema Asyl in Augsburg gestellt.

Kann die aktuelle Lage in Augsburg bewältigt werden?



OB Dr. Kurt Gribl: „Wir haben bislang die Dinge gut im Griff, vor allem bei der Abwicklung der Erstaufnahmen funktioniert alles reibungslos. Das Ordnungsreferat und das Sozialreferat leisten eine hervorragende Arbeit – mit den Mitarbeitern in unserer Stadtverwaltung. Was wir auf Dauer nicht mit Stammpersonal bewältigen können, ist die Begleitung der Menschen, die in dezentralen Unterkünften oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden.“ 

Wie kriegt die Stadt das personell auf die Reihe?



OB Dr. Kurt Gribl: „Tatsache ist: Die Bewältigung der Flüchtlingsthematik ist eine Mehrbelastung für unsere Mitarbeiter. Es gibt Mitarbeiter, die im Moment deutlich mehr leisten müssen als während des Regelbetriebs. Das geht sicherlich nicht auf Dauer so. Deshalb stellen wir die eine oder andere Aufgabe, die nicht dringend zur Ausführung ansteht, für ein paar Monate zurück. In der Zwischenzeit werden wir sehen, wo genau wir unsere Verwaltung möglicherweise verstärken müssen.“

Belastet das Thema Asyl die Stadtfinanzen zusätzlich?



OB Dr. Kurt Gribl: „Die wesentlichen Vorgänge werden vom Freistaat Bayern oder vom Bund finanziert. Gleichwohl bleiben auch Kosten bei der Stadt Augsburg hängen, darunter die Personalkosten der Mitarbeiter. Ich glaube, das darf nicht im Vordergrund der Überlegungen stehen. Das Thema Asyl ist in erster Linie ein humanitäres Thema. Deswegen hat die Bundesregierung zu Recht darauf hingewiesen, dass die Bewältigung nicht eine Frage des Geldes ist.“

Wächst uns das Thema Asyl irgendwann über den Kopf?



OB Dr. Kurt Gribl: „Das ist wirklich eine der schwierigsten Fragen, die ich auch nicht eindeutig beantworten kann. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir diese Aufgabe annehmen – mit einer guten humanitären Grundhaltung. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass das Recht auf Asyl ein Grundrecht ist. Wenn wir diese Grundhaltung in den Vordergrund stellen und ohne große Vorbehalte die Ärmel hochkrempeln, werden die Sorgen verschwinden. Das wünsche ich mir und hoffe, dass es gelingt!“

Was muss passieren, damit Hilfsbereitschaft nicht in Frustration umschlängt?



OB Dr. Kurt Gribl: „Ich bin außerordentlich dankbar für die Hilfsbereitschaft, die wir in den vergangenen Wochen erleben durften – durch die Hilfsorganisationen und durch viele Aktivitäten unserer Bürger. Auf unserer Website haben wir eine Informationsplattform eingerichtet, auf der jeder erfährt, wie die aktuelle Lage ist und wie jeder seinen Beitrag leisten kann. Ich kann dazu nur ermutigen, das zu tun, weil ich selbst erfahren habe: Jeder, der irgendwie hilft, hat ein besseres Gefühl und die Sorge, ob wir die Aufgabe bewältigen können, weicht.“

Was muss passieren, dass die positive Stimmung nicht kippt?



OB Dr. Kurt Gribl: „Bislang haben wir ein großes Maß an Akzeptanz erlebt und ich wünsche mir sehr, dass das so bleibt. Die Akzeptanz können wir bewahren, in dem wir in ruhiger Gelassenheit handeln, mit offenem Herzen und pragmatisch ausgerichtet. Was wir nicht brauchen können, sind Parolen, die die Stimmung aufheizen. Auf der anderen Seite sollte der Flüchtlingsstrom auch nicht zum Event gemacht werden. Wir müssen uns auf das besinnen, was notwendig ist: die humanitäre Zuwendung. Wichtig ist auch, dass der Gesetzgeber, also das Land und der Bund, uns Bürgern das Vertrauen gibt, dass wir unsere Energie auf die Menschen verwenden, die tatsächlich ein Recht auf Asyl haben.“

Ihre Forderungen gegenüber dem Land Bayern und dem Bund?



OB Dr. Kurt Gribl: „Das Entscheidende ist, dass die Gesellschaft weiterhin den Zustrom von Flüchtlingen akzeptiert und bereit ist, die anerkannten Flüchtlinge in unsere Gesellschaft aufzunehmen. Das setzt voraus, dass wir sicher sein können, dass der Bund und das Land alles tun, damit nicht mehr Belastung auf uns zu kommt als notwendig.“

Wenn Flüchtlingen das Bleiberecht zugesprochen wird – was ist dann wichtig?



OB Dr. Kurt Gribl: „Sprache. Sprache. Sprache. Die deutsche Sprache ist das Allerwichtigste, um eine Verständigung und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Deswegen werden wir alles daran setzen müssen, die Sprachförderung noch zu verstärken.“

Ist Toleranz in der Friedensstadt besonders wichtig?



OB Dr. Kurt Gribl: „Fremdenfeindlichkeit oder gar Fremdenhass geht gar nicht. Wir sind uns darüber im Klaren, dass es für derartige Bestrebungen, Parolen und Hetzereien keine Toleranz gibt!
Trotzdem muss es zulässig sein, Ängste zu haben und kritische Fragen stellen zu dürfen. Integration bedeutet, dass wir miteinander leben und unseren Alltag und unsere Entwicklung gemeinsam gestalten.“

Was gehört für Sie zu einer gelungenen Integration?



OB Dr. Kurt Gribl: „Dazu gehört es, dass wir von Migranten erwarten dürfen, dass sie unsere Strukturen und unsere Kultur anerkennen. Das, was unsere freiheitliche demokratische Grundordnung ausmacht, muss selbstverständlich sein, darunter Freiheitsrechte, die Gleichheit von Mann und Frau, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit. Nur so kann der soziale Frieden auf Dauer gelingen.“

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