Aquädukt beim Roten Tor. Foto: Martin Kluger

Reinstes Trinkwasser für alle

Das Augsburger Trinkwasser gilt als eines der besten in ganz Europa. Chlor, Fluor oder andere Zusatzstoffe hat man hier noch nie gebraucht. Das hat einerseits mit der günstigen geologischen Lage der Stadt zu tun, andererseits aber auch mit der hohen Kunstfertigkeit der Augsburger Brunnenmeister.

Die Römer wussten schon vor 2000 Jahren, was gut ist. Darum errichteten sie auf dem Geländesporn am Zusammenfluss von Lech und Wertach ein Militärlager. Die günstige Lage zog auch Zivilisten an, die Stadt Augusta Vindelicum wurde gegründet.

An Wasser hat es Augsburg nie gemangelt. Wie überall im Alpenvorland kommt es als Grundwasser aus den Bergen. Ein weltweit seltener Umstand: Es fließt weit mehr Wasser nach, als eine Großstadt wie Augsburg je verbrauchen könnte. Rund 17 Millionen Kubikmeter entnehmen die Stadtwerke Augsburg (swa) pro Jahr aus dem Grundwassersystem. Mehr als die doppelte Menge bildet sich jährlich neu im Einzugsgebiet der Brunnen. Damit wäre auch in extrem trockenen Jahren die Versorgung der Stadt mit bestem Trinkwasser gesichert.
 

Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet

Doch auch die Wälder im Süden der Stadt spielen eine Rolle. Sie speichern das Grundwasser wie ein Schwamm und halten es rein. So stammt der Großteil des Augsburger Trinkwassers noch heute aus dem Stadtwald – in einer vorbildhaften Qualität: Das Augsburger Trinkwasser ist besonders arm an Natrium, Uran und Nitrat. Daher ist es zur Zubereitung von Babynahrung ausdrücklich geeignet.

Darüber machte man sich im Mittelalter wahrscheinlich noch keine Gedanken. Trotzdem waren die Augsburger Brunnenmeister bemüht, das Trinkwasser so rein wie möglich zu halten. Bestes Beispiel dafür ist der Aquädukt beim Roten Tor: Eine Spundwand aus Holz trennte Trink- und Brauchwasser auf ihrem Weg in die Stadt. So gelangte nur reinstes Quellwasser aus dem Siebentischwald in die Leitungen. Im 15. Jahrhundert war man in Augsburg vermutlich genauso stolz auf die Wasserqualität wie im 3. Jahrtausend.
 

Noch heute 17 Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet

Davon zeugen heute unter anderem die Trinkwasserbrunnen der swa. Derzeit sind 17 dieser Brunnen im Stadtgebiet verteilt. Man kann das köstliche Augsburger Trinkwasser in der Fußgängerzone genauso genießen wie im Wittelsbacher Park, beim Spaziergang an der Stadtmauer oder direkt im Siebentischwald.

Chronologie der Trinkwasserversorgung in Augsburg

Römerzeit

Die Römerstadt benötigte reichlich Brauch- und Trinkwasser, um die Thermen und Privathäuser zu versorgen. Der nötigste Wasserbedarf wurde aus holzverschalten Zisternen und Brunnen, die 8 -10 m tief in den Grundwasserspiegel reichten, gedeckt. Das Brauchwasser wurde über einen 35 km langen Kanal zugeleitet. Dieser zapfte nahe Igling die Singold an und das Wasser floss mit Hilfe eines angepassten Gefälles nach Augusta Vindelicum. So kamen die Römer ganz ohne Pumpen aus und konnten rund 1000 Liter pro Sekunde nutzen.

Spätmittelalter

Der Augsburger Leopold Karg baut am Stadtgraben beim Schwibbogentor die erste „Wasserstube“ zur Versorgung öffentlicher „Röhr- und springender Brunnen“.

1412 wird der erste Brunnen am Rathaus, der zweite vor dem Weberhaus aufgestellt.

1416 wird Hans Felber beauftragt die Wasserversorgung weiter auszubauen. Er baut eine neue Wasser-Förderanlage mit einem hölzernen Turm, nahe dem Roten Tor.

1433 verbessert Hans Felber das Pumpwerk und das hölzerne Rohrnetz und hinterlässt eine leistungsfähige über 1500 Meter lange Leitung.

1502 wird die Bischofspfalz ans hölzerne Rohrnetz angeschlossen.

1558 war es auch Privatleuten vergönnt, Wasser aus der städtischen Leitung zu beziehen.

1599 wird der Merkurbrunnen aufgestellt. Aus ihm werden bald der Herkulesbrunnen sowie der Augustusbrunnen gespeist.

1741 erhalten 637 Häuser pro Stunde je drei Eimer "laufendes Wasser". Auch 48 in der Stadt verteilte Fließbrunnen werden mittels des 22,6 km langen Leitungsnetzes versorgt.

1821 beginnt die Auswechslung von Deicheln gegen Eisenrohre.
 

Moderne Trinkwasserversorgung

Heute versorgen die Stadtwerke Augsburg mit rund 80 Brunnen ca. 310 000 Menschen mit Trinkwasser.

1879 Grundsteinlegung für die moderne Trinkwasserversorgung mit der Inbetriebnahme des Wasserwerkes am Hochablass im Siebentischwald.

1910 wurde nach der Hochwasserkatastrophe der Bau eines zweiten Wasserwerkes durch den Augsburger Magistrat veranlasst. Das neu erbaute Wasserwerk am Lochbach ging 1912 in Betrieb.

1948 folgte das Wasserwerk in der Meringerau Nord.

1972 wurden zwei Tiefbrunnen in Leitershofen in Betrieb genommen und bilden zusammen mit dem Hochbehälter das Wasserwerk Leitershofen.

1973 Stilllegung der alten Pumpanlage und der Wasserkraftanlage im Wasserwerk am Hochablass.

1991 Bau und Inbetriebnahme des Hochbehälters Steppach.

1991-1993 Renovierung des Wasserwerkes am Hochablass und Reaktivierung der Wasserkraft sowie Eröffnung des Technikmuseums.

1999-2000 Bau von 5 Übergabestationen mit elektronischen Labors.

2000 Inbetriebnahme des Wasserwerkes Siebenbrunn.

2003 Neubau Wasserwerk Meringerau Süd.

2007 Inbetriebnahme des neuen Gewinnungsgebietes Fohlenau und Umbau des Wasserwerks Meringerau Süd I sowie Neubau des Wasserwerkes Meringerau Süd II.

Quelle: www.sw-augsburg.de

 

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