Der Herkulesbrunnen vor dem Schaezlerpalais. Foto: Martin Kluger

Reichtum dank Wasserreichtum

Wer den wirtschaftlichen Aufstieg Augsburgs im lauf der Jahrhunderte verfolgt, der wandert unweigerlich am Wasser entlang. Das Handwerk gelangte dank unzähliger Wasserräder an den Lechkanälen zu früher Blüte. Später profitierten die Papierherstellung, das Verlagswesen und schließlich die Textilindustrie von der nie versiegenden Kraft des Wassers. Und die Kunden starben nie aus, da Epidemien wegen verunreinigtem Trinkwasser in Augsburg unbekannt waren.

Die Kanäle in der Unterstadt hatten für die zahlreichen Handwerker-Zünfte eine vielfältige Bedeutung. Zunächst trieb das Wasser über Mühlräder jegliche Art von Maschinen an. Gerber und Färber waren ebenso von Wasser abhängig wie Papierproduzenten. Die rasch fließenden Kanäle nahmen Giftstoffe und Abfälle mit sich und brachten sie rasch außerhalb der Stadtmauern. Da die Kanäle mit dem Brunnenbach nicht in Berührung kamen, sind Seuchen durch verunreinigtes Trinkwasser in Augsburg eine Seltenheit. Auch das trug zum Wohlstand der Stadt bei.

Der große Brunnenmeister Caspar Walter zählt 1761 Dutzende wasserbetriebenen Mühlen im Stadtgebiet auf:

  • eine Diamantschleifmühle
  • eine Mühle zum Gersteschroten
  • elf Getreidemühlen
  • acht Sägemühlen
  • drei Poliermühlen
  • fünf Schleifmühlen
  • vier Tabakmühlen
  • vier Gewürzmühlen
  • drei Gräzmühlen
  • neun Silber-, Kupfer und Eisenhämmer
  • sechs Tuchwalken

Insgesamt berichtet er von 93 Werken mit 163 Wasserrädern. Die Handwerker sparten so nicht nur Muskelkraft und konnten ihren Beruf auch im Alter noch ausüben. Sie waren auch wesentlich produktiver als mit reiner Handarbeit.
 

Der Aufstieg der Textilindustrie

Die schier unendlich nutzbare Wasserkraft lockte immer mehr Unternehmer nach Augsburg. Im 18. Jahrhundert ließen sich die ersten Textilfabrikanten nieder. Die Manufaktur der Familie Gignoux (die spätere Komödie) lag am Vorderen Lech, die Schüle‘sche Kattunmanufaktur am Kaufbach.

Ein herausragendes Denkmal aus dieser Zeit ist der Färberturm an der Schäfflerbachstraße. In dem Turm hängte man frisch eingefärbte, lange Stoffbahnen zum Trocknen auf, nachdem zuvor im Kanal die Farbrückstände ausgewaschen wurden.
 

Durchbruch mit Turbinen

Den Durchbruch als Industriestandort hat Augsburg aber einer französischen Erfindung zu verdanken: der Turbine. Im vergleich zum eher trägen Wasserrad nimmt sie die volle Energie der Wasserströmung auf und gibt sie an die Maschinen weiter. In Augsburg konnten die Turbinen ihre volle Wirkungskraft entfalten. 1836 verlegte Friedrich Merz seine erst kurz zuvor gegründete Kamm-Woll-Garn-Spinnerei Fabrik von Nürnberg nach Augsburg. Am Schäfflerbach florierte die Firma unter ihrem neuen Namen Augsburger Kammgarnspinnerei.

Es folgten zahlreiche weitere Textilfabriken, unter anderem die Spinnerei und Weberei Augsburg zwischen Hanrei- und Proviantbach. Besonders spektakulär und gut erhalten ist der dritte Werksbau der SWA, der heute als „Fabrikschloss“ bekannt ist. Der Proviantbach lieferte die Energie für das Werk.
 

MAN: Am Anfang war das Wasser

Doch nicht nur die Textilindustrie wusste das reiche Wasserangebot Augsburgs zu schätzen. Ludwig August Riedinger und sein Sohn August gründeten mehrere Unternehmen am Senkelbach. In unmittelbarer Nachbarschaft baute Carl August Reichenbach am Stadtbach hochwertige Maschinen – der Vorläufer der heutigen MAN, mit der auch Riedinger 1927 fusionierte. Keinen Steinwurf entfernt produzierte Georg Haindl am Zusammenfluss von Stadt- und Schäfflerbach Papier. Hier ist noch heute der Standort der Papierfabrik von UPM Kymmene, die das Werk 2001 von der Familie Haindl erworben haben.

Der Vorgänger der C. Reichenbach‘schen Maschinenfabrik widmete sich im 19. Jahrhundert der Wasserpumpentechnik, etwa für das Wasserwerk am Hochablass. Reichenbach selbst forcierte den Bau von Wasserturbinen. So war das Wasser ein entscheidender Faktor für den Aufstieg der MAN zu einem weltweit agierenden Konzern.

Die Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung wird unterstützt von

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