„Ein ganz ausgefuchstes System“

Der Autor und Verleger Martin Kluger brachte die Bewerbung um den UNESCO-Welterbe-Titel mit auf den WegMartin Klugers Augen beginnen zu leuchten. Beschwingt durchquert der Augsburger Autor und Verleger sein Büro und schließt den Schrank auf: Dicke und dünne Bücher zu historischen Themen reihen sich auf den Regalen. In „Hydraulica Augusta“ blättert und liest der 60-jährige derzeit besonders gerne – und das nicht nur, weil das wertvolle Buch schon mehr als 300 Jahre alt ist. Es ist spezielles Wissen um Wassertechnik, 1754 niedergeschrieben von dem berühmten Augsburger Brunnenmeister Caspar Walter (1701-1769).

Als Herr über die Wassertürme am Roten Tor hatte Walter, wie schon seine Vorgänger, die Oberstadt mit frischem Trinkwasser aus dem Siebentischwald versorgt. Seine herausragenden technischen Kenntnisse, die es unter anderem ermöglichten, Wasser mit Wasser zwölf Meter hoch zu heben, hat er in 16 Werken niedergeschrieben. In ganz Europa war das Augsburger Wasser-Wissen damals gefragt. Für Martin Kluger sind Innovationskraft und Komplexität von Wasserbau und Wasserwirtschaft der damaligen Zeit vergleichbar mit heutiger Raketentechnik: „Es war ein ganz ausgefuchstes System.“

Hinzu kommt die Wertschätzung für das Wasser, die sich auch in den drei kunstvoll gestalteten Monumentalbrunnen in der Maximilianstraße spiegelt. Wichtig für die weitere Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert war zudem mit Turbinen erzeugte Wasserkraft als Grundlage der Industrialisierung. Um den UNESCO-Welterbe-Titel bewirbt sich Augsburg deshalb mit seinem gesamten System der Wasserwirtschaft.

Weltweit nichts Vergleichbares

Wasserexperte Kluger, der sich in den vergangenen Jahrzehnten als Autor und Verleger schon mit vielen Aspekten der Augsburger Stadtgeschichte beschäftigte, fasste diese Erkenntnisse Ende 2009 in ein Konzept. Ihm war damals klar geworden: „Das ist eine spannende Geschichte, denn weltweit gibt es nichts Vergleichbares.“ Vorteil für Augsburg außerdem: Da vieles zum Erhalt der dem System auf technischem und künstlerischem Gebiet zugeordneten Denkmäler bereits in den vergangenen Jahren geleistet worden sei, wäre der Welterbe-Titel und damit ein weltweiter Imagegewinn auch noch vergleichsweise günstig zu haben –nüchtern betrachtet, im Sinne der alten Handelsstadt. Denn ein ausgesprochener Experte für die Augsburger Kaufmannsfamilien Fugger und Welser ist der studierte Betriebswirt Martin Kluger auch.

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