Lechkanäle

Quellen und Kanäle

Das Netz der Wasserläufe im Stadtgebiet ist für einen Laien kaum zu überschauen. Fast 200 Kilometer an Flüssen, Bächen und Kanälen schlängeln sich durch Augsburg. Rund 155 Kilometer davon sind von Menschenhand geschaffene Kanäle. Die sind übrigens alles andere als eine Erfindung der Neuzeit.

Schon die alten Römer, die sich 15 v.Chr. am Zusammenfluss von Lech und Wertach niederließen, nutzten das natürliche Gefälle vor den Toren der Stadt, um Wasser nach Augusta Vindelicorum zu leiten. In einem offenen Graben floss das Wasser in einem offenen, 2,5 Meter tiefen und bis zu 8 Meter breiten Graben aus dem heutigen Hurlach rund 35 Kilometer weit nordwärts. Die Singold versorgte den Graben (der wiederum der gleichnamigen Ortschaft auf seinem Weg den Namen gab) mit rund einem Kubikmeter Wasser pro Sekunde.



Als 163 Wasserräder die Stadt am Laufen hielten

Seit Mitte des 8. Jahrhunderts gab es immer wieder künstliche Wasserläufe in und durch die Stadt. Mit dem Bau mehrerer Wassermühlen gewannen die Kanäle in der Unterstadt an Bedeutung. Brunnenmeister Caspar Walter zählt im Jahr 1761 sage und schreibe 163 Wasserräder im Stadtgebiet auf, die in 93 Betrieben ihren Dienst taten – darunter auch eine Diamantschleifmühle, vier Tabakmühlen sowie neun Silber-, Kupfer- und Eisenhämmer.

Zu unterscheiden sind die Bäche, die aus natürlichen Quelltöpfen im Bereich des heutigen Siebentischwaldes entspringen, und die künstlichen Kanäle, die am Hochablass oder noch weiter südlich davon abgezweigt werden. Dienten erstere (von denen sich zahlreiche zum Brunnenbach vereinten) vor allem der Versorgung mit Trinkwasser, lieferten letztere das Brauchwasser und füllten den Stadtgraben.

Europaweit einmalige Wasserläufe

Im Lauf der Jahrhunderte verschwanden immer mehr dieser Kanäle unter den Häusern und Gassen der Altstadt. Erst in den 1980er-Jahren begann die Stadt, die europaweit einmaligen Wasserläufe wieder zu öffnen und damit sichtbar ins Stadtbild zu integrieren, so wie sie vor Hunderten von Jahren das Lechviertel prägten.

Sie verzweigen sich und sie vereinen sich

Immer wieder verzweigen und vereinen sich die Kanäle. Beim Kloster St. Ursula teilt sich etwa der Schwalllech in den Mittleren und Hinteren Lech. Etwa auf Höhe der Stadtmetzg vereinen sich beide mit dem Vorderen Lech zum Stadtbach. Das nicht einmal drei Meter schmale Haus (in unmittelbarer Nachbarschaft von Bert Brechts Geburtshaus) am Zusammenfluss ist ein beliebtes Fotomotiv.



Zwei Nachbarn gehen getrennte Wege

Der wichtigste Lieferant von reinem Trinkwasser war wie bereits erwähnt der Brunnenbach. In ihm vereinten sich zahlreiche Quellbäche im Süden der Stadt. Über das Aquädukt gelangte er in den Hof des Wasserwerks am Roten Tor, wo er einerseits die Pumpen antrieb, gleichzeitig aber selbst in die luftigen Höhen der Wassertürme getrieben wurde.

Viele Kilometer lang war der Lochbach sein unmittelbarer Begleiter auf dem Weg nach Augsburg. Er ist aber im Gegensatz zum Brunnenbach kein natürlicher Wasserlauf, vielmehr wird er südlich des Hochablasses vom Lech gespeist, am so genannten Lochbachanstich. Im Aquädukt trennten sich beide Läufe. Der Brunnenbach lieferte den 11 Wassertürmen das köstliche Trinkwasser, der Lochbach (ab hier Vorderer Lech genannt) speiste die Kanäle des Lechviertels. Beide waren für das pulsierende Leben der Stadt unverzichtbar.

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