Stadtmetzg

Die Stadtmetzg

In den Zeiten vor Kühlhallen und Gefriertruhen war der Mensch bei der Kühlung von Lebensmitteln auf Wasser angewiesen. Besonders kreativ ging der berühmte Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl an diese Aufgabe heran: Er baute die neue Stadtmetzg direkt über einen offen liegenden Kanal. Der diente gleich noch einem anderen, weniger edlen Zweck.

Es war um das Jahr 1600, als die Bevölkerung Augsburgs sprunghaft zunahm. Gut 16.000 Menschen mussten in diesen Zeiten versorgt werden – unter anderem mit Fleisch. Also beschlossen die Stadtoberen den Bau einer neuen Stadtmetzg, in der die Tiere fachgerecht zerlegt und verkauft werden konnten.

Stadtbaumeister Elias Holl, der nicht zuletzt für das Rathaus und den Perlachturm verantwortlich zeichnete, suchte und fand den perfekten Standort für eine zentrale Stadtmetzg: Am Fuße des Perlachbergs, wo die Kanäle kühles Wasser durch das Lechviertel trieben.

Kühlung und Abfallentsorgung in einem

Holl ließ den Vorderen Lech offen unter der neuen Stadtmetzg durchführen. So wurde das Fleisch im Lagerraum optimal gekühlt. Gleichzeitig entsorgten die Metzger, die Abfälle der Fleischbearbeitung direkt im Kanal, der sie ebenso rasch wie praktisch davon trieb.

Die Stadtmetzg wurde von 1606 bis 1609 gebaut. Mit ihrem prächtigen, dreigeschossigen Satteldach wirkte sie mehr wie ein Palast denn wie eine Metzgerei. Im Erdgeschoss befanden sich 126 Verkaufsstände, die so genannten Fleischbänke. In den oberen Stockwerken bezog die Zunft großzügige Amtsstuben. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand auch ein eigenes Schlachthaus.

Im Jahr 1900 ging der neue Schlacht- und Viehhof in unmittelbarer Nähe des Lech in Betrieb. Die Stadtmetzg blieb jedoch als zentraler Verkaufsort in Betrieb, bis 1930 die Fleischhalle auf dem Stadtmarkt eröffnet wurde. Das Gebäude wurde im zweiten Weltkrieg stark Beschädigt, danach aber originalgetreu wieder saniert. Es blieb in städtischer Hand und beherbergt heute das Amt für Soziale Leistungen, Senioren und Menschen mit Behinderung.

Die Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung wird unterstützt von

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