Prachtbrunnen

Die Monumentalbrunnen

Sie zählen zu Augsburgs meistfotografierten Sehenswürdigkeiten. Gelassen stehen sie für Selfies bereit, lassen es unbewegt geschehen, das Feste und sogar Hochzeiten in ihrer Umgebung gefeiert werden. Die Rede ist von den drei monumentalen Brunnen, die Augsburgs Prachtmeile seit mehr als 400 Jahren zieren: Der Augustusbrunnen, der Merkurbrunnen und der Herkulesbrunnen.

Nein, Geld spielte zwischen Lech und Wertach wirklich keine Rolle im 16. und frühen 17. Jahrhundert. Augsburg galt dank Kaufmannsgeschlechtern wie den Fuggern und den Welsern als eine der reichste Städte der Welt, hielt mit Welthandelszentren wie Florenz oder Venedig locker mit. Das drückte sich auch in der Wasserkunst aus. Wenn anderswo das Wasser aus eher schlichten Heiligenfiguren oder Bannerträgern in die Brunnen plätscherte, musste es in Augsburg schon eine Nummer größer sein.

Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Stadtbürger in Mitteleuropa durch sogenannte Laufbrunnen mit Wasser versorgt. Das Wasser kam nicht – wie heute – zu den Menschen nach Hause, die Menschen kamen zum Wasser. Auch in Augsburg beförderten die Wassertürme das Nass in mehrere Brunnen, aus denen die Bürger das Wasser schöpften. Erst im 16. Jahrhundert kamen die Ratsherren wohlhabender Städte wie Augsburg auf die Idee, monumentale Brunnen zum vornehmlichen Zweck der Repräsentation aufzustellen – heute würde man sagen: um städtebauliche Akzente zu setzen.
 

Der Augustusbrunnen

Augustusbrunnen. Foto: Siegfried KerpfNach dem Vorbild manieristischer Kunst aus Italien sollte der erste der drei großen Monumentalbrunnen entstehen. Hans Fugger holte den Bildhauer Hubert Gerhard aus den Niederlanden. Gerhard war ein Schüler von Jean de Boulogne, genannt Giambologna, der den grandiosen Neptunbrunnen auf dem gleichnamigen Platz in Bologna geschaffen hatte.

Gerhard schuf einige Plastiken für Fuggers Schloss, ehe er den Auftrag bekam, ein Brunnenensemble zu Ehren des Augsburger Stadtgründers zu erstellen. 1594 wurde die 2,5 Meter große und mehr als 1,3 Tonnen schwere Skulptur des römischen Kaisers Augusts von Stadtgießer Peter Wagner nach dem Modell von Hubert Gerhard gegossen. Vervollständigt wurde das Ensemble durch vier detailreich ausgestaltete Figuren, welche die vier Flüsse Lech, Wertach, Singold und Brunnenbach symbolisieren.

Damals wie heute war der Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz von einem Eisengitter umgeben. Er diente also nicht der Wasserversorgung, sondern als spektakulärer Blickfang an der prominentesten Stelle der Stadt.
 

Der Merkurbrunnen

Merkurbrunnen. Foto: Siegfried Kerpf/Stadt AgusburgWie Hubert Gerhard war auch sein Landsmann Adriaen de Vries ein Schüler Giambolognas. Er modellierte von 1596 bis 1599 die Figuren für den zweiten Monumentalbrunnen der Stadt. Er ist dem römischen Handelsgott Merkur gewidmet, eine Verneigung vor der großen Augsburger Kaufmannstradition. De Vries konnte sich an einem grandiosen Vorbild orientieren: am Merkurbrunnen seines Lehrmeisters in Florenz.

Der Götterbote, der auf Höhe des Judenbergs seine irdische Heimat gefunden hat, ist mit Flügelhelm, Flügelschuhen und Hermesstab ausgestattet. Zu seinen Füßen kniet der Liebesgott Amor, darunter speien Medusen, Löwen, Hunde und Adler unaufhörlich Wasser ins Brunnenbecken.

Als der erste Tropfen die von Wolfgang Neidhardt gegossenen Plastiken verließ, war der dritte Monumentalbrunnen bereits in Planung.
 

Der Herkulesbrunnen

Herkulesbrunnen. Foto: Siegfried KerpfWieder war es Adriaen de Vries, der von 1596 bis 1600 die vielleicht spektakulärste Brunnenfigur Augsburgs schuf, den vor Kraft und Muskeln strotzenden griechischen Halbgott Herkules. Mit einer gewaltigen Feuerkeule drischt er auf die siebenköpfige Wasserschlange Hydra ein, als wolle er aller Welt zeigen: Seht auf diese Stadt, wie sie das Wasser gezähmt und sich gefügig gemacht hat.

Das Wasser durchfließt höchst sinnliche Abbilder von Nymphen, Tritonen und Gänse würgenden Eroten, ehe es sich ins weit ausladende Becken ergießt. Ganz bewusst wurde der Herkulesbrunnen in unmittelbarer Nähe der Fuggerhäuser aufgestellt. Direkt hinter dem Brunnen stand ab 1604 das städtische Siegelhaus mitten in der Maximilianstraße. Erst als es 1809 abgerissen wurde, entstand die einzigartige Sichtachse vom Merkurbrunnen über den Herkulesbrunnen bis hin zur Basilika St. Ulrich und Afra am südlichen Ende der Augsburger Prachtmeile, die noch heute Besucher aus aller Welt den einst unermesslichen Reichtum der Stadt erahnen lässt.
 

Originale und ihre perfekten Kopien

Viermetzhof im Maximilianmuseum. Foto: Siegfried Kerpf/Stadt Augsburg

Um das Jahr 2000 wurden die Brunnenfiguren aufwendig restauriert. Sie sind heute im Viermetz-Hof des Maximilianmuseums ausgestellt. Die Brunnen schmücken nun detailgetreue Kopien, die nur für Fachleute von den Meisterwerken Hubert Gerhards und Adriaen de Vries’ unterscheiden können. Der Viermetzhof ist nach dem 2016 verstorbenen Augsburger Mäzen und Ehrenbürger Kurt F. Viermetz  und seiner Frau Felicitas benannt, die das spektakuläre Glasdach finanzierten.

Die Öffnungszeiten und weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Maximilianmuseums.

 

 

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