Hochablass

Der Hochablass am Lech

An zwei Stellen wird der Lech angestochen: Bei der heutigen Staustufe 22 zweigt der Lochbach Wasser ab. Sobald er am Roten Tor die historische Stadtgrenze durchfließt, heißt er Vorderer Lech, später einfach Stadtbach. Noch bedeutender jedoch ist der zweite Anstich: Beim heutigen Hochablass verlässt der Hauptstadtbach den Lech. Er speist den Großteil der Altstadtkanäle, die das florierende Handwerkertum in Augsburg erst möglich machten. Und dann ist da noch der Eiskanal - doch dazu später.

Jahrhunderte vor der Entdeckung der Elektrizität war das Wasser mit seiner strömenden Kraft die wichtigste Energiequelle, vor allem für das Handwerk. Auf historischen Stadtplänen kann man eine Vielzahlt von kleinen und großen Wasserrädern an den Kanälen in der Unterstadt – dem heutigen Lechviertel – erkennen. Diese unerschöpfliche Energiequelle trieb Sägen, Hammer und Schleifsteine an, außerdem Ölmühlen, Walk- oder Papiermühlen. Und nicht zuletzt waren es von Wasserrädern getriebene Pumpen, die das Trinkwassern hoch in die Becken der Wassertürme beförderten.

Die günstige Lage im Alpenvorland beschert der Stadt Augsburg ein natürliches Gefälle von Süd nach Nord. So floss das Wasser von ganz alleine durch die künstlich angelegten Kanäle in die Stadt, wo es sich in ein schier unüberschaubares Netz von Wasserläufen verzweigt.

Zerstörung und Neubau in der heutigen Form

Ursprünglich war der Hochablass ein schräg liegendes Streichwehr, gebaut aus Holz und Stein. Eine Floßgasse ließ dem Gütertransport (vor allem Salz) aus dem Alpenvorland freien Lauf. Das Hochwasser am 16. Juni 1910 zerstörte den historischen Hochablass. So wurde er in den Jahren 1911 und 1912 aus Stahlbeton als massives Lechwehr neu gebaut und gilt mehr als 100 Jahre später als eines der bedeutendsten Baudenkmäler Augsburgs – und durch seine Lage zwischen Kuhsee und Siebentischwald als eines der beliebtesten Ausflugsziele für die Bürger der Stadt.

Eine gusseiserne Gedenktafel aus dem 19. Jahrhundert erinnert noch heute an die wichtigsten Momente in der möglicherweise mehr als 1000-jährigen Geschichte des Hochablasses. Hier ein Auszug:

  • 1000 erste Anlage zur Wassereinleitung (diese Angabe gilt historisch nicht als belegt)
  • 1340 große Wehr und Dammbauten
  • 1406 Zerstörung durch Hochgewaesser
  • 1469, 1517 u. 1552 Streit mit Bayern wegen der Wasserleitung
  • 1569 Das Wehr wird mit Exekutiv-Gewalt durchbrochen

Es folgen immer wieder Zerstörungen, 1646 im 30-jährigen Krieg durch die Schweden, 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg und 1793 durch eine Feuersbrunst, dazu immer wieder Wehrbrüche durch die Wassermassen. Glücklicherweise blieb der Neubau des Hochablasses von den beiden Weltkriegen verschont. Wer weiß, ob es sonst Jahrzehnte später zu einem wagemutigen Bau gekommen wäre, der Weltruhm erlangen sollte.

Die Olympia-Kanustrecke am Eiskanal

Für die Olympischen Spiele 1972 in München sollte auch Augsburg ein sportlicher Schauplatz werden. Der Eiskanal (eigentlich ein Umleitungskanal für Eisschollen, um das Wasserwerk am Hochablass zu schonen) wurde in die erste künstliche Wildwasser-Kanustrecke der Welt umgewandelt. Im Juli 1970 begannen die Bauarbeiten, ein gutes Jahr später fand bereits der erste Wettkampf statt.

Mit einem Abfluss von rund 10 Kubikmetern Wasser pro Sekunde gleicht die Olympiastrecke einem reißenden Wildbach. Auf rund 660 Metern Länge finden sich zahlreiche Hindernisse aus Beton. Diese sind im Gegensatz zu natürlichen Felsen aber abgerundet und damit weniger gefährlich für die Athleten. Entlang der Strecke können rund 24.000 Zuschauer auf den terrassierten Rängen die Wettkämpfe verfolgen. Noch heute finden die besten Kanusportler den Weg zum Eiskanal zu den jährlichen Weltcup-Rennen oder auch immer wieder zu Welt- und Europameisterschaften (zuletzt Kanuslalom-EM 2012).

Dieses Jahr findet der ICF Weltcup Kanuslalom vom 23. Juni bis 25. Juni 2017 statt.

Die Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung wird unterstützt von

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