Wasserwerk

Das Wasserwerk am Hochablass

Jahrhundertelang versorgten die Wassertürme die Bürger der Stadt mit Trinkwasser. Bis modernste Ingenieurskunst im Jahr 1879 eine bahnbrechende neue Technik ermöglichten: Das neue Wasserwerk am Hochablass beförderte das Wasser mit mächtigen Kolbenpumpen kilometerweit direkt in die Häuser der Stadt.



Im Jahr 1871 begab man sich auf die Suche nach größeren Vorkommen reinen Trinkwassers im Süden der Stadt. Im Siebentischwald, woher die Augsburger noch heute ihr hervorragendes Wasser beziehen, wurde man schließlich fündig. Namhafte Chemiker aus ganz Bayern untersuchten das Grundwasser und bescheinigten ihm eine ausgezeichnete Qualität und obendrein eine Quantität, die auch bei einem deutlichen Bevölkerungszuwachs noch ausreichend sei.

Spektakuläre Technik in spektakulärer Architektur

Im Frühjahr 1878 begann der Bau des neuen Wasserwerks. Gleichzeitig wurden alle Haushalte verpflichtet, sich an das neu verlegte Leitungsnetz anzuschließen. Im Sommer 1979 war das Wasserwerk vollendet und begeisterte nicht nur mit der bahnbrechenden Technik in seinem Inneren. Auch von außen ließ der schlossartige Bau des Architekten Karl Albert Gollwitzer seine epochale Bedeutung vermuten.

Die Technik lieferte komplett die Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN). Sie demonstrierte ihre Innovationskraft, indem sie nicht nur die bis dahin bekannten Technologien in diesem Projekt bündelte, sondern völlig neue Ideen mit einfließen ließ.

Ein Geniestreich der Augsburger Ingenieurskunst

Zwei gekoppelte, um 90 Grad versetzte und doppelt wirkende Pumpen sorgten für eine gleichmäßige Wasserförderung in die vier Druckwindkessel. Diese waren aus Eisen geschmiedet, maßen 1,75 Metern Durchmesser und waren je 10 Meter hoch. Mit einem Gesamt-Volumen von 96 Kubikmetern drückten sie das Trinkwasser mit 5,5 Bar in die Leitungen – dafür hätte man nach althergebrachter Technik eine Wasserturm von 50 Metern Höhe gebraucht. Und mehr noch: Eine der Pumpen konnte bei Bedarf komprimierte Luft statt Wasser in die Druckwindkessel pumpen. Dadurch blieb der Wasserdruck in den Kesseln stets konstant, egal wie viel Wasser sich darin befand.

Diese Revolution der Wasserkunst war jede einzelne der insgesamt 201.100 Mark wert, welche die Stadt an die Maschinenfabrik Augsburg für die 400 Tonnen Eisen und die darin verewigte Ingenieurskunst bezahlte. Die Anlage wurde in den Folgejahren immer wieder verbessert, zum Beispiel 1885 mit einer Dampfmaschine oder 1935 mit einem Dieselmotor als Reserveantrieb bei Niedrigwasser.

Heute ein Trinkwasserinformtionszentrum

Bis 1973, fast ein ganzes Jahrhundert lang, versorgte das Wasserwerk die gesamte Stadt mit vorzüglichem Trinkwasser. Heute ist es ein Museum, allerdings ein höchst lebendiges. Die Stadtwerke Augsburg halten den Pumpensatz und auch den Dieselmotor in Schuss und sorgen bei den jährlich Hunderten von Besuchern des heutigen Trinkwasserinformationszentrums für Staunen.

Der legitime Nachfolger des historischen Wasserwerks steht übrigens gleich nebenan. Die modernen Trinkwasseranlagen mögen äußerlich im Vergleich zu ihrem spektakulären Urvater vielleicht eher schlicht und bescheiden wirken. Doch setzen sie mit der Technik des 20. und 21. Jahrhunderts dessen Aufgabe fort: eine stetig wachsende Großstadt mit reinstem Trinkwasser von allerhöchster Qualität zu versorgen.

Die Augsburger UNESCO-Welterbe-Bewerbung wird unterstützt von

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