Das Untere Wasserwerk

Das Untere Wasserwerk

Wo heute im Kino Liliom die Zuschauer in bequemen Sesseln die neuesten Arthouse-Filme aus Frankreich oder Deutschland genießen, stampfte bis 1879 ein Pumpwerk Trinkwasser in den darüber thronenden Brunnenturm. Von dort aus wurde das Domviertel mit dem kostbaren Nass versorgt.

Rund 400 Jahre lang war das Untere Wasserwerk das zweitgrößte nach dem Wasserwerk am Roten Tor. Im Jahr 1502 wird der Untere Brunnenturm erstmals in einer Urkunde erwähnt. Der viereckige Turm wurde immer höher aufgestockt. 1538 baute man zu seinen Füßen das Pumpenhaus, das heute das Liliom beherbergt.

Im Pumpenhaus wurden sieben Archimedische Schrauben über hölzerne Zahnräder angetrieben – in jener Zeit die fortschrittlichste Methode, Wasser nach oben zu befördern. Diese Technik wurde als „Machina Augustana“ in ganz Europa berühmt. Der Mailänder Gelehrte Hieronymus Cardanus berichtete 1554 in allen Details über die „Augsburger Maschine“.

Caspar Walter gibt seiner Karriere einen Schubs

Im 17. Jahrhundert wurden die Archimedischen Schrauben durch wasserradbetriebene Kurbelpumpwerke ersetzt. Dann übernahm Caspar Walter als Obmann das Untere Brunnenwerk. Er erhöhte die Zahl der Kurbelpumpwerke von drei auf vier und feilte auch sonst laufend an der Technik. Die Stadtoberen hatten sein begnadetes Talent erkannt und machten ihn 1741 zum Augsburger Brunnenmeister.

Nahe Quellen ersetzen den Brunnenbach

Im 19. Jahrhundert war es der Erfinder und Ingenieur Georg von Reichenbach, der mit der nach ihm benannten Pumpenanlage die geförderte Wassermenge verdoppelte. Die „Reichenbach’sche Wassermaschine“ war fast vollständig aus Gusseisen gebaut. In der Nähe des Unteren Wasserwerks wurden Quellen reinsten Trinkwassers gefunden. Dieses wurde nun statt des Brunnenbachs in den Unteren Wasserturm gehoben.

1865 baute die Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN) eine noch modernere Pumpenanlage. Diese tat 14 Jahre lang ihren guten Dienst, ehe die gesamte Trinkwasserversorgung der Stadt auf das neue Wasserwerk am Hochablass vereint wurde.

Eine Verneigung vor der historischen Wasserkunst

Der Untere Brunnenturm ist heute privat bewohnt. Im Pumpenhaus ist seit 1989 – wie bereits erwähnt – das Programmkino Liliom beheimatet. Im Eingangsbereich ist der Boden verglast. Durch die Scheibe sieht man den beleuchteten Stadtbach rauschen – eine Verneigung vor der grandiosen historischen Wasserkunst in Augsburg.

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